Für immer und ewig

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
18.02.2017
18.02.2017
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Will starrte auf die blutroten Blumen zu seinen Füßen, geknickt unter dem starken Regen, der Oxford seit Tagen heimsuchte. Es machte ihm nichts aus nass zu werden, in Kirjavas getigertem Katzenfell glänzten Regentropfen wie kostbare Kristalle. Sie lag neben ihm, eng an ihn geschmiegt auf der braunen Parkbank, deren Farbe vom Holz bereits abblätterte. Er strich gedankenverloren über das nasse Holz. Die Kirchturmuhr schlug 12 Uhr.
Sie war hier, neben ihm, er spürte es, als wäre sie direkt hier, und trotzdem waren sie so weit getrennt als wäre sie auf einem anderen Stern und weiter, obwohl sie nur einen Schritt entfernt war – Einen Schritt durch die Hülle zweier Welten. Und dann hörte er ihre Stimme. „Will, ich liebe dich. Ich liebe dich!“, er saß wieder auf der Wiese der Lichtung umgeben von hohen Bäumen, über ihm dichtes grünes Blätterwerk und gegenüber ihm war sie. Sie schaute ihm in die Augen und hob eine kleine rote Beere zu seinen Lippen. Und Sekunden später lagen sie auf dem weichen Gras und küssten sich, wie Ertrinkende deren Rettungsring die Lippen des anderen waren.
Dann war er auf dem sanften Hügel, sie war dicht neben ihm und ihr Kopf lag auf seiner Schulter, er sah ihre geschlossenen Augen, die feinen Wimpern, die perfekt geschwungenen Lippen, neben ihr lag ihr Rucksack mit den Samtpäckchen und auf ihrem Schoß lag Pantalaimon zusammengerollt als Braunmarder. Und er streckte ganz vorsichtig seine Hand aus, dann entschlossener, und legte seine Hand in Pans Fell, das wunderbar weich und seidig war. Und sie öffnete die Augen und sah in seine Augen, erst wusste sie nicht, was sie sagen sollte, dann fand ihre Hand ganz von selbst den Weg in das Fell von Kirjavas Katzenfell. Er konnte nicht in Worte fassen was passiert war, nachdem sie so innegehalten hatten. Er hatte es gespürt, dass sie jetzt für immer verbunden waren, egal, was sie je trennen würde. Und so war es doch auch, oder?
Und jetzt saß er wieder auf der Bank im botanischen Garten, den Blick fest auf eine rote Rose gerichtet, die unter dem ganzen Regen nicht gelitten hatte, es schien so, als hätte er sie nur noch stärker gemacht. Eine Träne trat aus seinem Augenwinkel und rollte seine Wange hinab.
„Ich liebe dich, Lyra Belacqua“, flüsterte er in die stillen Straßen von Oxford, und von weit, weit weg, antwortete eine weibliche Stimme mit dem gleichen Satz.
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