You – alone – cannot change the world

GeschichteAngst, Freundschaft / P12
Matt Mello Near
17.02.2017
14.08.2019
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Schweigend saß ich auf der Rückbank des Autos. Der Fremde sprach kein Wort mit mir. Alle Versuche die Tür des Wagens zu öffnen waren erfolglos, denn sie war verschlossen. Ich hatte ehrlich keine Ahnung, was jetzt kommen sollte. War der letzte Tag nicht schon schlimm genug? War mir nicht eine kleine Auszeit gegönnt? Seitdem ich in Wammys Haus war ging alles drunter und drüber. Meine Nerven waren ausgereizt. Ich war acht Jahre alt, ein Kind, wieso berücksichtigte das niemand? Wir fuhren bestimmt zwei Stunden bis der Wagen endlich zum Stehen kam. Der Fremde stieg aus und beförderte mich genauso grob wie er mich aus dem Heim brachte in das vor uns liegende Gebäude. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Haus, steckte er mich in ein Zimmer. Das Zimmer war mehr als spartanisch eingerichtet.

Zwei Stühle, ein Tisch und grelles Licht, das von oben auf mich herabfiel. Ich verlor jegliches Zeitgefühl in diesem Zimmer. Es gab kein Fenster, keine Uhr, nichts. Ich kann also absolut nicht sagen wie viel Zeit verging. Spürte nur, dass ich müde wurde, Hunger oder Durst bekam. Keiner Betrat das Zimmer. Erst saß ich auf dem Stuhl. Später setzte ich mich auf den Boden. Legte mich dort sogar Schlafen. Als ich schlief, legte irgendjemand eine Decke über mich. Als ich aufwachte, war jedoch niemand mehr zu sehen. Hin und wieder wurde mir Essen gebracht. Es war schlimmer und unwürdiger als ein Gefängnis. Doch das aller Schlimmste war, dass niemand ein Wort mit mir sprach. Ich wusste weder wieso ich dort sein musste, noch wie es weiter gehen würde. Irgendwann erbarmte sich mir Jemand. Der Kerl, der mich aus dem Heim brachte, betrat das Zimmer. Ich, der auf dem Boden lag, setzte mich auf und sah ihn an. Was darauf geschah war doch noch schlimmer als die Ungewissheit. Immer wieder löcherte er mich mit Fragen bezüglich B, forderte mich auf alles über ihn Preis zu geben, was ich wusste.

Der Typ sagte zwar, dass er von L geschickt wurde, aber ich würde nicht zulassen, dass er irgendetwas in den falschen Hals bekam. Das einzige, was ich über B wusste, wusste ich von Mello und Roger. Ich wusste, dass er ein Psycho war und andere Menschen manipulieren konnte, außerdem noch, dass er sich Zutritt in unser Zimmer verschafft hatte und Roger deshalb einen Wachhund anschaffte. Doch bevor ich etwas Falsches sagte, sagte ich besser gar nichts. Nicht, um B zu schützen, nein, mir ging es um Mello. Er hatte genug durchgemacht und ich fürchtete, dass sie ihn länger dort behalten würden. Deshalb schwieg ich. Und das, obwohl ich mein Schweigen teuer bezahlen musste. Der Typ gab es nach Stunden auf, auf mich einzureden und ließ mich wieder alleine. Während des Gesprächs zwang er mich auf dem Stuhl zu sitzen und ihn anzusehen. Als er das Zimmer verlassen hatte, fiel mein Kopf auf den Tisch. Ich war müde, ausgelaugt. Doch nichts hätte mich dazu gebracht zu reden. Ganz egal was sie behaupteten, ich schwieg. Es vergingen sicherlich Tage, die sie mich dort einsperrten ohne mir Essen zu geben. Sie logen mich an, behaupteten Mello hätte geredet und zugegeben, dass ich ein Komplize Bs war. Natürlich glaubte ich ihnen nicht. Doch dadurch wusste ich worum es ging. Alle dachten, dass wir Beide über B Bescheid wussten und scheinbar war er zu einer Gefahr geworden. Natürlich provozierte sie mein Schweigen, doch ich wusste wirklich nicht wie ich ihnen weiterhelfen sollte. Ich hatte B ja nicht mal kennengelernt. Trotzdem brachte sein ganzes Sein nur Chaos in mein Leben. Wieder und wieder begannen sie Gespräche mit mir, brachen sie kurz ab, redeten wieder einige Stunden auf mich ein. Ich konnte nicht mehr schlafen. Aß nicht. Trank nicht. Man kann sich vorstellen, dass ich irgendwann nicht mehr konnte und ständig dieses grelle Licht. Ich verlor ein Paarmal das Bewusstsein.


Das hier war aktiver Psychoterror und niemand hinderte sie daran. Keine Ahnung wie viele Tage vergingen, aber irgendwann öffneten sie die Tür. Sie ließen mich gehen. Die Schritte durch diese schreckliche Tür waren befreiend. Nie wieder wollte ich so eingesperrt sein. Roger stand vor mir als ich nach draußen wankte. Sofort legte er eine Decke um mich und nahm mich hoch. Ich sagte ja, dass Roger die einzige Ausnahme war. Er sorgte sich um all seine Kinder und war garantiert auch der Grund warum sie mich frei gelassen hatten. In seinen Armen fühlte ich mich wieder zuhause, sicher und behütet. Auch, wenn ich nichts lieber wollte als zurück ins Heim, konnten wir noch nicht gehen. Er setzte mich auf einem Stuhl ab, drückte mir einen Schokoriegel und eine Saftkiste in die Hand. Er wollte mich Essen und Trinken sehen, er bestand darauf und ich ließ ihn wirklich nicht lange warten. Mein Hunger und Durst war unglaublich, sofort verdrückte ich beides und fühlte mich augenblicklich ein wenig lebendiger. Er erkundigte sich wie es mir geht und ich antwortete ich sei in Ordnung. Dann fragte er, ob er mich einen Moment alleine lassen könnte, obwohl ich Angst hatte, nickte ich. Alles andere wäre absolut egoistisch gewesen, immerhin wusste ich, dass sie Mello immer noch in einem der Räume gefangen hielten. In der Zeit, die ich warten musste, fielen mir einige Male die Augen zu. Die Decke war viel zu warm und  verlockend zum einzuschlafen. Immer wieder hörte ich Menschen reden, ich wusste, dass sie mich immer noch beobachten, aber sie konnten mich nicht mehr festhalten. Es dauerte nicht mehr allzu lange bis Roger samt Mello auf dem Arm auf mich zugelaufen kam. Er hatte genauso eine Decke wie um mich um ihn gewickelt. Als er mich erreichte, nahm er wortlos meine Hand, während er Mello nicht absetzte. Zu dritt konnten wir endlich aus dieser Hölle entkommen.

Als wir den ersten Schritt vor die Tür setzen, erkannte ich, dass es mitten in der Nacht war. Es war stockfinster draußen und trotzdem war Roger da, um uns abzuholen. Vermutlich nicht nur um uns abzuholen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich die ganze Zeit dafür eingesetzt hatte uns endlich wieder mitnehmen zu dürfen. Während er Mello auf die Rückbank seines Autos setzte, durfte ich selbst einsteigen. Kaum saß ich, da griff Mello meine Hand. „Tschuldige“, flüsterte er leise und ließ den Kopf auf meine Schulter sinken. Ich schüttelte nur den Kopf. Dafür musste er sich nicht entschuldigen. Es war nicht seine Schuld. Roger lief in der Zwischenzeit um das Auto herum und setzte sich auf den Fahrersitz. Ohne Erklärung, aber auch ohne zu zögern fuhr er los.

Alles erinnerte mich daran wie ich vor einigen Tagen mit Roger zum Heim gefahren bin. Die Lichter. Das Auto. Das elende Gefühl, welches meinen Körper durchzog. Die Müdigkeit. Der Hunger. Nur Mello war neu. Ironisch, dass sich so wenig geändert hatte, obwohl so viel passiert war. Die Welt dreht sich nun mal weiter. Ganz egal, was man tut. Man könnte sagen, dass Mello Recht hatte. Wenn er nicht da wäre, wäre alles genau wie beim ersten Mal, nur der Hintergrund wäre ein anderer. Alleine hätte ich die Welt also nicht verändert. Er war der Punkt, der sie veränderte.
Keine Ahnung wann genau der Klumpen aus Decke neben mir einschlief, aber es geschah bevor Roger mich ansprach. „Ich weiß warum du ich angelogen hast, Matt.“, begann er. Ehe ich antworten konnte, fiel er mir wieder ins Wort. „Du wolltest ihn die ganze Zeit über beschützen, nicht?“ Ich nickte. „Deswegen werde ich dich auch nicht bestrafen.“, erklärte er mir. Ich entschied ihm einfach nur zuzuhören, war sowieso zu müde um eine richtige Konversation zu führen. „Doch glaub mir, ich will ebenso nichts anderes als ihn zu beschützen. Mello ist nicht gerade leicht und ehrlich gesagt seit einer ganzen Weile mein Sorgenkind. Ich werde ihm nicht mehr gerecht.“, gab er zu. Es verwunderte mich sehr, dass er so ehrlich zu mir war. „Ich hoffe, dass du erfolgreicher bist als ich. Ich bitte dich, pass auf ihn auf.“ Mir wurde klar, dass er seit unserem ersten Treffen plante, dass ich für Mello da sein sollte.

Deshalb steckte er uns in ein Zimmer, er wusste von Mellos zwei Seiten und, dass er sie vor mich nicht verstecken konnte, solange wir uns ein Zimmer teilten. Es war ein kluger Schachzug von Roger, aber ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt wie einer seiner Marionetten. Ich war ihm viel mehr dankbar. Er hatte mir zwar eine schwierige Aufgabe auferlegt, doch er hatte mir auch gleichzeitig ein Zuhause und einen Freund fürs Leben geschenkt. Aus diesem Grund, wäre ich niemals auf die Idee gekommen sauer auf ihn zu sein. „Das werde ich.“, antwortete ich kurz, aber ehrlich.

Die Fahrt an sich zog sich, doch ich vermied es einzuschlafen. Einerseits war ich viel zu traumatisiert, andererseits wollte ich nicht schlafen bis ich zuhause war. Irgendwann lehnte ich meinen Kopf auf Mellos und sah durch die Frontscheibe hindurch. Es war außer uns weit und breit kein anderes Auto auf der Landstraße zu sehen. Unzählige dunkle Bäume ließen wir hinter uns.

„Ist B weg?“, fragte ich kurz bevor wir das Heim erreichten. Doch Roger antwortete nicht bis das Auto schlussendlich zum Stehen kam.  Seine Hände lagen immer noch auf dem Lenkrad als er seine Stimme erhob. „Ja, er ist fort. Deshalb haben sie euch gehen lassen und deshalb besteht keine Gefahr mehr für euch, was ihn betrifft.“ Mit diesen Worten stieg er auch schon aus seinem Auto. Ich versuchte mich ohne Mello zu wecken abzuschnallen, doch es misslang mir. „Mhm?“, gab er müde von sich.

„Guten Morgen, Schlafmütze, wir sind zuhause.“

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So meine Lieben. Das war das letzte Kapitel vor dem großen Finale. Ich hoffe es hat euch bisher gefallen. ♥
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