Bigmouth Strikes Again

von Mavie1406
GeschichteRomanze / P16 Slash
17.02.2017
03.10.2017
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Ich wache auf und werfe einen Blick auf die Uhr. Es ist Montag und - scheiße, 08:32 Uhr. Hastig stehe ich auf und renne nach oben, um mir Frühstück zu machen. Die Küche ist leer, ebenso das Wohnzimmer. "Mom?" rufe ich vorsichtig. Keine Antwort. "Mikey?" probiere ich es.
Erst jetzt fällt mir auf, dass ich nicht in meinem Haus bin. Dann trifft mich die Erkenntnis, dass ich das sehr wohl bin, aber eben nicht in dem Haus, das gern als meines bezeichnen würde. Mein Dad kam aus heiterem Himmel auf die Idee, sich von meiner Mom scheiden zu lassen und meine Mom hat ein Jobangebot in Belleville bekommen, das sie dann Hals über Kopf annehmen wollte. Für Mikey und mich bedeutete das, dass wir von zu hause wegziehen mussten. In eine neue Stadt, in der ich niemanden kenne.
Dann fällt mir ein, dass wir Sommerferien haben und ich vollkommen umsonst aus dem Bett gesprungen bin. Es ist immer wieder erschreckend, wie unzuverlässig mein Gehirn am Morgen arbeitet.
"Was polterst du denn hier so rum?" reißt Mikey mich aus meinen Gedanken. Ich wirble herum. Ich muss ziemlich blöd ausgesehen haben, da ich nur regungslos in der Küche stand und Mikey jetzt ansehe, als hätte er mir gerade verkündet, er wolle professioneller Eiskunstläufer werden. "Ähm..." mache ich, aber komme nicht weiter, weil Mikey schon weiter ins Wohnzimmer schlurft und sich auf das Sofa fallen lässt.
Ich fülle mir noch kurz eine Schüssel mit Cornflakes und setzte mich zu ihm. "Heute sollten wir aber wirklich mal das Haus verlassen. Vielleicht treffen wir schon jemanden, der auf unsere Schule geht. Das wäre doch super!" redet Mikey los. Wo nimmt er nur diese Energie am Morgen her? "Hm..." mache ich nur. Ich bewundere seinen Enthusiasmus, teile ihn aber nicht. Vielleicht hat er aber auch einfach nur Angst, allein dazustehen, wenn die Schule beginnt. Ich schiebe den Gedanken an die neue Schule lieber schnell von mir weg und verkünde, nochmal ins Bett zu gehen. Vorher muss ich Mikey noch versprechen, dass wir uns gleich nach dem Mittagessen die Umgebung ansehen.
Unten stelle ich meinen Wecker auf 12:00 Uhr und verkrieche mich nochmal unter der Decke.


Mein Wecker klingelt und ich fühle mich sogar einigermaßen ausgeschlafen. Schnell gehe ich duschen und krame dann eine schwarze Jeans und ein Misfits Shirt heraus. Dann fällt mir wieder ein, dass Mikey und ich die Umgebung erkunden wollten, also laufe ich hoch zu ihm, um ihn zu holen.
5 Minuten später laufen wir unsere neue Straße entlang. Je weiter wir Richtung Stadtzentrum kommen, desto mehr Geschäfte sehen wir. In einer Seitenstraße entdecken wir einen kleinen Plattenladen, der schon von außen ziemlich cool aussieht. Im Schaufenster hängen Plakate von verschiedenen Bands und Fotos von Musikern, die den Laden scheinbar schon besucht haben.
Drinnen sieht es nicht anders aus. Überall Poster und Fotos. Außerdem höre ich, dass der Verkäufer gerade "Strangeways, Here We Come" aufgelegt hat. Ich bin beeindruckt. "Gar nicht so übel hier" sage ich zu Mikey, der mich aber schon gar nicht mehr hört, weil er eine Ansammlung von Joy Division Platten entdeckt hat und diese begeistert durchguckt. Ich geselle mich zu ihm und wir arbeiten uns durch die Regale. Wir müssen uns mindestens eine halbe Stunde lang nur Platten angesehen haben und uns erzählt haben, wie sehr wir die Bands lieben und was unsere Lieblingssongs sind. Als wir in der Punk Sparte angekommen sind, finde ich "Walk among us", die Platte, nach der ich sämtliche Läden in unserer alten Stadt vergeblich abgesucht habe. Aber bei uns gab es solche Läden nicht, darum freue ich mich schon fast ein bisschen, jetzt in Belleville zu sein.
Ich lege sie auf die anderen Platten und wende mich an Mikey, der ein paar Meter weiter steht. Um nicht durch den Laden schreien zu müssen, laufe ich ein paar Schritte auf ihn zu. "Du wirst nicht glauben, was ich gefunden habe!" sage ich aufgeregt und mache eine Bewegung mit der Hand, um ihm zu zeigen, dass er mitkommen soll. Er läuft mir hinterher doch die Platte, die ich gerade noch auf den anderen abgelegt habe, ist weg. "Was ist denn, Gee?" fragt Mikey ungeduldig und ich beginne, das Regal abzusuchen. Hat sie etwa jemand in den 30 Sekunden, in denen ich weg war, wieder einsortiert? Das kann doch nicht sein.
Ein paar Meter entfernt entdeckte ich schließlich einen Jungen, der meine Platte in der Hand hält. Ich laufe auf ihn zu und tippe ihn an. "Entschuldigung, aber ich hatte mir die da gerade rausgelegt. Ich wollte wollte nur kurz meinen Bruder holen und..." "Pech gehabt, dann hättest du sie nicht liegen lassen dürfen." unterbricht mich der Junge und grinst mich spöttisch an. Seine schwarzen Haare fallen ihm vor die grünen Augen, die er leicht mich schwarzem Kajal umrandet hat. Er sieht echt gut aus. Scheiße, jetzt merke ich, dass ich rot werde. "Ich, ähm... aber..." setze ich an, aber komme nicht weiter. "Jetzt hab dich nicht so, er liebt diese Platte und hat alles danach abgesucht." kommt Mikey mir zu Hilfe. Na super, als wäre das Ganze nicht schon peinlich genug gewesen, muss jetzt mein kleiner Bruder die Situation regeln. Der Junge mit der Platte grinst noch breiter und mein Gesicht hat die Farbe einer Tomate angenommen.
"Was krieg ich dafür?" fragt er plötzlich. Bitte? "Wofür?" frage ich vorsichtig. "Na für die hier." sagt und und schwängt meine Platte durch die Luft. "Da bist du ja offensichtlich so scharf drauf. Dann kannst du auch was springen lassen." "Was willst du denn haben?" Jetzt hat er mich verunsichert und an seinem Blick merke ich, dass es ihm durchaus bewusst ist.
"Die hier!" sagt er bestimmt und präsentiert mir eine zweite Platte, die er scheinbar ebenfalls in der Hand gehalten hat. "Road to Ruin". "Oh mein Gott, die Ramones! Da ist doch 'I wanna be sedated' drauf, ...", breche ich in Entzücken aus, bis Mikey mir unsanft in die Seite stößt und mir wieder einfällt, dass wir gerade verhandeln. "Du kennst dich ja aus." sagt der andere Junge und ich meine, der spöttische Unterton ist jetzt nicht mehr so ausgeprägt, wie gerade. "Also was ist?" fragt er ungeduldig. "Ach und ein Kaffee bei Starbucks wäre übrigens auch nicht schlecht." "Sonst noch was?" frage ich beleidigt, aber dann fällt mir ein, dass ich gerade die Chance habe, mit diesem unglaublich gut aussehenden Jungen Kaffee zu trinken und stimme deswegen doch lieber schnell zu. Der Junge schenkt mir ein siegessicheres Grinsen und reicht mir beide Platten, damit ich sie bezahlen kann.

Als wir aus dem Laden kommen, überwiegt die Freude über meine neue Platte und den gutaussehenden Jungen neben mir und ich kann die Tatsache ignorieren, dass ich gerade sehr viel Geld verloren habe. "Zu Starbucks geht's da lang" sagt der Junge, packt mich am Handgelenk und zieht mich die Straße runter. Ich bin etwas irritiert, aber lasse mich von ihm mitziehen. Ich sehe mich nur noch kurz um, um sicherzustellen, dass Mikey hinterherkommt.
So laufen wir die Straße herunter und ich fühle mich unwohl, weil wir uns anschweigen, aber er noch immer mein Handgelenk festhält.
"Ich hab dich hier noch nie gesehen, bist du neu?" fragt mich der Junge plötzlich. "Ich bin vor drei Wochen hergezogen." antworte ich. Der Junge nickt. Dann sagt er nichts mehr und ich bin froh, als das grüne Schild vor uns auftaucht. Vor allem, weil er dort endlich mein Handgelenk loslässt.

Im Laden stellen wir uns an. Mikey will alles auf einmal bestellen, weil er meint, dass es schneller geht. "Gee, für dich einen caramel latte wie immer?" fragt er. Ich nicke. "Und... wie heißt du eigentlich?" fragt er unsere Bekanntschaft. "Frank." antwortet dieser. "Und ich nehme einen Chocolate Chip Frappuccino." "Mikey." entgegnet Mikey und reicht ihm die Hand. Moment, was läuft hier, wieso unterhält Mikey sich jetzt plötzlich mit ihm? Das war doch mein Plan!
"Gerard, das Geld!" reißt Mikey mich aus meinen Gedanken. Ich hab wohl kurz nicht aufgepasst. Immerhin hat Frank jetzt auch meinen Namen gehört. Ich reiche ihm einen 20$ Schein und er bezahlt. Anschließend stellen wir uns an die Seite, um auf unsere Getränke zu warten. Das ist meine Chance Frank in ein Gespräch zu verwickeln. "Ähm also..." fange ich an. Na toll, das war ein klasse Einstieg. "gibt es hier noch mehr Läden dieser Sorte? Also nicht Starbucks sondern der Plattenladen." Frank sieht zu mir und ich merke, dass ich schon wieder rot werde. "Es gibt ein paar coole Clubs in der Stadt und einen ziemlich geilen Gitarrenladen." antwortet er. "Dann wissen wir ja, wo wir demnächst hingehen müssen." mischt Mikey sich in das Gespräch. Er hofft wahrscheinlich, dass Frank uns direkt einlädt, mit ihm zu kommen.
Aber so leicht wird es nicht. In dem Moment kommen unsere Getränke und Frank greift schnell nach seinem Frappuccino. "Also, man sieht sich." sagt er und will schon in Richtung des Ausgangs verschwinden. "Aber..." will ich gerade ansetzen, aber weiß nicht ganz, was ich dann sagen soll. Ich bin sichtlich enttäuscht. Frank scheint es zu merken. "Sorry, ich hab noch was vor." sagt er und rauscht ohne ein Dankeschön aus dem Laden. "Was für ein Arschloch!" flüstert Mikey.