Instabil

OneshotDrama, Freundschaft / P18
Cassian Andor Jyn Erso Orson Krennic
13.02.2017
13.02.2017
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Instabil


„Ich meine wir sollten das, was wir besitzen bisweilen so anzusehen uns bemühen, wie es uns vorschweben würde, nachdem wir es verloren hätten; und zwar jedes, was es auch sei: Eigentum, Gesundheit, Freude, Geliebte, Weib, Kind, Pferd und Hund: denn meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.“
- Arthur Schopenhauer (1788 – 1860)

Nur noch langsam tragen ihn seine Schritte nach vorne. Er beobachtet unruhig, wie sich der Aufzug öffnet und ihm endlich den Blick auf die Plattform oben am Turm freigibt. Die Schüssel ist ausgerichtet, anscheinend hat Jyn es geschafft.
Doch lenkt ihn eine weitere Person ab.
Es ist der Mann mit der weißen Uniform, den Cassian schon einmal kurz auf Eadu gesehen hat. Es ist der Mann, der die Wissenschaftler erschossen hat, während sie unbewaffnet vor ihm und seinen Todestruppen gestanden haben.
Und genau dieser Mann zielt mit einem Blaster auf Jyn, die sich auf das Steuerungssystem des Übertragungsturmes zu bewegt und von ihm aufgehalten wird. Er kann sie nicht genau sehen, sie steht hinter dem Mann, der sie verdeckt und spricht mit ihm.
Wegen des Lärms kann er jedoch nichts mehr um sich herum hören außer Geschosse und den schneidenden Wind, der hier so weit oben in der Luft herrscht und ihn auf den Boden zu stürzen droht.
Mit letzter Kraft läuft er weiter auf die beiden zu und zielt auf den Uniformierten. Der hebt den Blaster und will auf Jyn schießen, doch kann Cassian vor ihm abdrücken und trifft ihn in die rechte Schulter.
Der Mann geht zu Boden und verliert das Bewusstsein, weil er mit dem Kopf unsanft auf den Boden knallt. Blut läuft ihm sofort aus der Platzwunde und tropft auf die Metallkonstruktion, auf der sie stehen.
Jyn stürzt an ihm vorbei und macht sich an der Übertragung zu schaffen, sodass die Pläne durch den gesprengten Schild des Planeten zur Rebellen-Flotte gesendet werden können. Sie sieht zu ihm rüber und setzt ein schiefes Lächeln auf.
Sie haben triumphiert, allen Ängsten und Befürchtungen zum Trotz.
„Meinst du, es hat jemand zugehört?“ fragt Cassian, während Jyn von der Steuerung zurücktritt und damit beginnt ihn zu stützen.
„Ja, irgendjemand ist da draußen“, versichert sie ihm und sie gehen ein Stück, bevor Jyn neben ihm plötzlich erstarrt und dann in sich zusammensackt.
Sie rutscht an ihm herab und geht in die Knie, wonach sie sofort auf den Boden fällt und sich nur noch schlecht mit eigener Kraft abstützen kann.
Cassians Augen weiten sich und er kniet sich neben sie, obwohl er starke Schmerzen in den Rippen hat, die sicherlich gebrochen sind.
Sein Blick wandert langsam zu dem vermeintlich Bewusstlosen, der seinen Blaster mit ausgestrecktem Arm vor sich hält und aus seiner liegenden Position auf Jyn geschossen hat.
Noch bevor sein Geist realisiert, was eigentlich gerade geschehen ist, rappelt Cassian sich auf und rennt humpelnd auf den Uniformierten zu, der nun auf ihn zu feuern beginnt. Mehrere Schüsse treffen Cassian in den Bauch, doch lässt er sich nicht aufhalten.
Er verliert die Kontrolle.
Seinen eigenen Blaster richtet er nun auf den Liegenden, der ihn mit einem kraftlosen, aber mindestens genau so effektvollen Grinsen ansieht und die eigene Waffe fallen lässt.
„Tu was du nicht lassen kannst – aber ich habe gewonnen“, röchelt der Mann und wartet. Cassian allerdings spürt, wie sein Gemüt zu explodieren droht und schießt aus nächster Nähe in den Rumpf des Uniformierten.
Als es ihm nicht mehr reicht auf den Mann zu schießen, schmeißt er den Blaster achtlos von sich weg, sodass er direkt von dem Turm stürzt und ins Nichts fällt.
Wieder fällt er auf die Knie und er packt den Kragen des imperialen Direktors. Er hebt ihn mit einer Hand an und sieht in seine trüben Augen. Er lebt noch. Ganz richtig, noch.
Schnaufend holt Cassian aus und lässt seine Faust immer und immer wieder in das Gesicht vor sich krachen. Die Nase spürt er unter seinen Knöcheln brechen, Blut läuft aus ihr hervor. Auch in den Augen des Mannes beginnen die Äderchen zu platzen.
Cassian ist nicht nur instabil. Er hat jegliche Zurückhaltung verloren.
Dieser Mann hat es auch nicht anders verdient, denn er hat Jyn in den Rücken geschossen. Unkontrolliert schreit Cassian den Direktor an und schlägt weiter auf ihn ein, bis er endlich das Bewusstsein verliert.
Dieses Mal würde Cassian ihn nicht aus den Augen lassen. Er greift sich an den Gürtel und sucht nach seinem Messer, das er immer bei sich trägt. Beinahe schon zeremoniell zieht er es aus seiner Befestigung und greift es so, dass er ohne Mühe zustechen kann.
Und er sticht zu.
Einmal, zweimal, dreimal, viermal...
So lange, bis er wieder klar denken kann.
Sein Gesicht ist voller Blut eines Fremden. Seine Hand ebenfalls, das Messer liegt kaum noch in seiner Hand, weil er es nicht mehr richtig packen kann, ohne dass es ihm wegrutscht.
Sein Hemd ist rot gesprenkelt und sein Atem geht nur noch hektisch und laut.
Er hört das Schlachtentreiben um sich herum nicht mehr, er hört nur noch sich selbst. Er hört den dumpfen Knall, den Jyns Körper verursacht hat, als sie auf den Boden gefallen war.
Ihm ist schlecht und er würgt ein paar Mal, bevor er endlich aufhören kann auf den mittlerweile leblosen Körper des Direktors einzustechen.
Cassian lässt sich nach hinten fallen und landet auf seinem Gesäß. Das Messer verliert er endgültig und er starrt die Leiche vor sich an.
Hat er das wirklich getan?
Kopfschüttelnd wendet er sein Gesicht von dem Anblick ab und dreht sich, damit er auf die Knie kommt. Auf allen Vieren kriecht er nun auf Jyns Leiche zu, die mit drei großen Brandlöchern auf dem Rücken reglos auf dem Boden liegt.
Ungläubig bleibt er neben ihr sitzen und packt ihren Arm. Er zieht sie ächzend auf den Rücken und hebt sie auf seine Oberschenkel, damit er sie ansehen kann. Ihre Augen sind noch offen und sie sehen in den Himmel über ihnen.
Cassians Blick folgt der Richtung und er kann die Schüsse der Laserkanonen der größten Kreuzer und Zerstörer über Scarif erkennen.
Er keucht, während er Jyn festhält und seine Augen über den Horizont wandern lässt. Hinter dem Ozean erkennt er dann, dass ihr aller Tod auf Scarif nun angekommen ist. Der Todesstern steht in seiner vollen Pracht einfach dort.
Mit Jyn in seinen Armen beginnt er damit sich auf sie herunter zu beugen und einfach zu atmen. Sie wären ohnehin hier gestorben, er ist fest davon ausgegangen, und er würde bei ihr bleiben, wenn er es hinter sich bringt.
Geduldig wartet er, bis ein grüner Schimmer den Planeten erleuchtet und schließlich seinen letzten Atemzug in strahlendes Licht taucht.

Anmerkung: Ein alternatives Ende, das mir durch den Kopf spukte. Überleben durfte auch hier niemand und das wird auch in Zukunft keiner ;D Dennoch war es mir ein Bedürfnis das mit euch zu teilen! Wer gerade im Flow ist, der kann gerne bei meinem letzten OS Left for dead vorbeischauen und ein wenig in Jyns Vergangenheit schmökern.
LG, Erzaehlerstimme
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