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Die Schneeflocke in der Wüste

von Pitschu
Kurzbeschreibung
OneshotAbenteuer, Fantasy / P12 / Gen
OC (Own Character)
12.02.2017
12.02.2017
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Die Schneeflocke in der Wüste

Schnee... Ich hasse Schnee. Doch das änderte nichts daran, dass ich Verpflichtungen gegenüber meinem Volk hatte.
Vor fünf Sommern habe ich den Eid geschworen und seitdem ziehe ich meine Kreise um unsere Siedlung. Doch nie ist etwas Ernsthaftes passiert. Unsere Legendensänger erzählten von Zeiten, in denen unsere Ahnen sich gegen riesige Chimären und fliegende Schlangen verteidigen mussten, doch in meinen 26 Sommern die ich schon in dieser Sphäre weilte gab es nie eine solche Störung in der allumfassenden Melodie.
Natürlich lebten wir nicht sorg- und mühelos und haben - wie jedes Volk Aventuriens - Freunde und Familie verloren, doch Zerzal - das Vergehen -gehörte ebenso zu unserem Dasein dazu wie Nurti - das Entstehen.
Auch heute blieb die Melodie sanft und die Harmonie unserer Sippe ungestört.
Als sich die Finsternis der Nacht nährte kehrte ich zu unserer Siedlung zurück.
Mit Anbruch der Nacht wurden auch die Feuer entzündet und es wurde gesungen, getanzt und gelacht. Die Jagd war erfolgreich und wir aßen gut.
Mit den ersten Sonnenstrahlen des Morgens erwachte ich, nahm meine Ausrüstung und ging wieder auf Patrouille. Die anderen Elfenvölker im warmen Süden belächelten uns gerne für unsere "übermäßige" Vorsicht, doch im Eis lauerten viele Gefahren und so gehörte es zur Pflicht eines jeden Tharas - unseren Kriegern wie die Menschen sie nennen würden - unsere Sippe vor diesen zu schützen, auch durch Wachdienst.
Ich suchte mir einen Baum - eine alte Fichte - als Spähposten aus auf dem ich heute verweilen würde und verwandelte mich. Jeder Elf hat ein Seelentier - eine magische Bindung mit der Natur - dass seine Persönlichkeit widerspiegelt, doch nicht jedem war früh klar mit welchem er verbunden war und nur jene die es früh erfuhren wurden gelehrt sich in ihres zu verwandeln.
In der Gestalt eines Falken konnte ich den Horizont von der Baumspitze beobachten und nach Bedrohungen absuchen.
Doch der Morgen lag in endloser, kalter Stille und erst als die Sonne ihren Zenit überschritten hatte und ich gedankenverloren mein Gefieder putzte nahm ich eine Bewegung im Schnee war. Schnell schreckte ich hoch und beobachtete das Geschehen. Es war keine Bedrohung, sondern ein kleiner Hase der da so sorglos durch den Schnee hoppelte. Einen Moment überlegte ich ob ich das Fleisch brauchte, schließlich hatte ich am vorherigen Abend gut gegessen und ich wollte der Natur nicht mehr nehmen als mir zustand. Doch ich hatte auch gelernt eine Möglichkeit zu nutzen wenn sie sich bot, immerhin konnte ich nicht ahnen ob die Jagd heute genauso erfolgreich sein würde.
Schnell stieß ich mich vom Baum ab und flog dann im Sturzflug auf den Hasen herab. Die Wucht des Schlags alleine reichte um dem Hasen das Genick zu brechen.
Mit dem Hasen in den Fängen flog ich zum Baum zurück und machte Feuer.
Als das Fleisch des Hasen briet nahm ich mein Iama - mein persönliches Instrument, eine Flöte aus dunklem Holz - und spielte ein Lied um der Natur für diese Speise zu danken.
Nachdem ich den Hasen verzehrt hatte verbrannte ich die nicht verwendeten Reste und kehrte auf meinen Posten zurück.
Gerade als ich mich auf dem Wipfel der Fichte niedergelassen habe spürte ich eine Störung in der Melodie. Sie war aufgebracht.
Sofort suchte ich nach der Quelle dieser Disharmonie. Ich hörte Heimat und Freundschaft, aber auch Schmerz und Tod.
Aber vorallem spürte ich die Präsenz von Bhardona - der Gier.
Seit längst vergessenen Tagen ist sie die Erzfeindin unseres Volkes und sie verhieß noch nie etwas Gutes.
So schnell meine Schwingen mich trugen flog ich zur Siedlung zurück.
Ich war nicht der Einzige der diese Störung spürte. Zwei andere Thara standen vor dem Höhleneingang, der zu unserer Siedlung führte. Einer von ihnen beugte sich gerade zu einem Körper herunter.
Ein paar Flügelschlägen und eine schnelle Verwandlung später stand ich neben ihnen.
„Welch Unheil ist über und gekommen?“, fragte ich den Stehenden, den ich jetzt als Olidrin erkannte.
„Ein Trupp Orks ist in unser Heim eingefallen, nur mit der Absicht zu rauben und zu töten. Sie wurden von Bhardona geführt.“, antwortete dieser.
„Anvelum hat versucht sie von ihrem Vorhaben abzubringen, doch sie haben ihn niedergestreckt noch bevor er etwas sagen konnte.“, meinte die Gebückte, die Jolundra hieß.
„Was ist mit den Anderen? Habt ihr sie gesehen? Und wisst ihr was mit den Schwarzpelzen?“, fragte ich aufgewühlt.
„Wir wissen es nicht. Auch wir sind erst vor kurzem hier eingetroffen.“, antwortete sie mir.
„Wir sollten nachsehen gehen.“, sagte Olidrin kurz angebunden und stürmte hinein. Ohne lange darüber nachzudenken lief ich ihm hinterher, den ersten Pfeil schon schussbereit und verzaubert. Schon nach kurzer Zeit teilten wir uns auf und ich lief alleine einen der Gänge entlang. Die Melodie an diesem Ort war leise, aber immerhin noch zu hören. Vorsichtig ging ich weiter.
Und stockte.
Vor mir lag Meilna an einer Wand gelehnt. Tiefe Wunden überzogen ihren Körper.
Trauer überkam mich. Alle Elfen verband eine tiefe Freundschaft, doch das zwischen uns beiden war stärker als sonst, schließlich unternahmen wir fast alles zusammen seit wir laufen konnten.
„Nivis...“, flüsterte sie. Ich fühlte dass ihre Kräfte sich zusammen mit dem Nebel vor ihrem Gesicht verflüchtigte.
Behutsam untersuchte ich ihre Wunden. Die Schnitte waren tief, die Blutungen stark. Eine Heilung außer Sicht.
„Geh nach Süden. Such deinen Freund in der grünen Herde.“, flüsterte sie mir zu. Ich hörte ihr an, dass auch sie ihr Ender erahnte. Langsam drückte sie mir ihren Dolch in die Hand.
„Mach dir um mich keine Sorgen. Alles was lebt muss eines Tages enden. Lass mich zumindest schnell gehen.“
Mein Gesicht verhärtete sich. Manchmal war ein Schneller Schnitt besser als ein langer, verlorener Kampf.
Schweren Herzens setzte ich den Dolch an, direkt über ihrem schwächer schlagendem Herzen.
Dann stach ich zu und alles wurde still.
Nurnoch die schwermütigen Melodien von Olidrin und Jolundra waren zu hören. Sie hatten wohl auch niemanden mehr retten können.
Am Höhleneingang verabschiedete ich mich von den beiden und zog gen Süden, in das Gebiet der Menschen.

Die Städte der Menschen stanken erbärmlich. Es reichte ihnen scheinbar nicht die Natur in der sie lebten einfach nur zu zerstören und auszubeuten, nein sie mussten den überlebenden Rest wohl auch noch mit ihrem Gestank vergiften
Ich habe die Menschen nie wirklich verstanden und sehnte mich auch nicht zwingend danach eine so niedrig entwickelte Rasse näher kennenzulernen. Leider war dies nicht immer so einfach , da die Menschen einfach Überall zu leben schienen und ich kam nicht ganz darum herum mich ab und zu mit ihnen zu unterhalten. Immerhin kannte ich mich hier nicht aus und auch die schlechteste Gesellschaft war in der Einsamkeit der Wanderschaft besser als garkeine.
Zumeist unterhielt ich mich mit Jägern oder Schamanen die von allen Menschen die Natur am meisten respektierten und zum Teil auch meine Muttersprache Isdira beherrschten.
So kam es auch dass ich eines Tages bei der Durchquerung des Svellttals einen Jäger namens Peterus Samber traf, der sich bereit erklärte mir die Sprache der Menschen, Garethi beizubringen damit ich mehr als nur einige Sätze sprechen konnte. Außerdem war sein Isdira schrecklich anzuhören und er sprach vielleicht so gut wie ein fünfjähriges Elfenkind, was allerding daran lag, dass er die zweistimmige Sprache nicht beherrschte, wie es bei allen nicht-Elfen der Fall war.
Im Gegenzug zum Sprachunterricht brachte ich ihm bei wie man im Einklang mit der Natur lebt und wie man sich lautlos an seine Jagdbeute heranschleicht.
Mehrere Monde verbrachten wir zusammen im Tal und aus dem gemeinsamen lernen wurde eine Freundschaft wie sie sonst nur unter Elfen üblich war.
Ich erzählte dem Jäger von meinem Vorhaben eine Elfensippe im Süden Aventuriens aufzusuchen und er bot  mir an mich zu begleiten, da er so oder so nach Gareth - der Hauptstadt der Menschen - reisen wollte um dort Verwandte zu besuchen, da auch er gezwungen war seine Heimat zu verlassen.
Die meiste Zeit verbrachten wir mit der Jagd, wobei ich meist nicht am Boden sondern aus der Luft jagte. Zu meiner großen Freude wurde Peterus von einem anderem Falken begleitet, wodurch wir beide noch effektiver jagen konnten.
Immer wenn sich die Gelegenheit bot gingen Peterus und ich in eines der Menschendörfer und tauschte die Beute die wir selbst nicht verzehrt hatten gegen kleine Küchlein aus Silber oder Bronze ein, wobei ich nie verstand warum die Menschen immer gegen das gleiche tauschten, selbst wenn sie davon schon genug hatten. Als ich einmal versucht habe eine dieser Sonderbarkeiten der menschlichen Küche zu essen hat Peterus nur gelacht und mir erklärt dass man diese garnicht essen sollte. Noch etwas was ich an den Menschen nicht verstand. Sie buken extra Küchlein um diese dann nicht zu essen.
Viele der Menschen waren neugierig mir gegenüber, auch wenn sie sehr komische Vorstellungen davon hatten wie Elfen denn leben würden und ich musste oft mehrere Stunden in komischen Behausungen der Menschen verbringen und Fragen beantworten. Doch nicht alle Menschen waren mir gegenüber so freundlich. Manch einer beleidigte mich oder pöbelte mich an, was nicht sonderlich schlimm war schließlich hatte sie ja kaum andere Möglichkeiten Aufmerksamkeit zu erlangen, aber einige mir besonders feindlich gesinnte haben sogar versucht mich zu vergiften! Sie luden mich in eine ihrer Tavernen ein und setzten mir ein komischen gelbliche Gebräu namen "Zwergenbock" vor. Mit meinem feinen Geschmack merkte ich zwar sofort dass es Gift enthielt, geschockt war ich allerdings trotzdem.
Als ich später mit Peterus darüber sprach erklärte er mir dass das total normal unter Menschen und sogar eine freundliche Geste sei dass man jemanden auf ein Krug Alkohol einlud, aber Sinn machte das Ganze für mich dennoch nicht.
Das mit Abstand Beste an der gemeinsamen Reise waren aber die wundervoll üppigen Wälder.
In meiner Heimat gab es vereinzelt Bäume die grau-grüne Nadeln trugen, aber so viele auf einmal hatte ich noch nie gesehen. Auch wie viel Leben von ihnen abhängt wurde mir erst jetzt klar. Die Vögel, Tier und Insekten die allein in, unter und auf dem Baum lebten waren erstaunlich. Und all dies nur wegen einem so einfachem Wesen mit einer grünen Krone. Einfach atemberaubend.
Nach zwei Monden kamen wir allerdings in einen Wald der aus einem anderen, schlimmeren Grund atemberaubend war. Denn er war krank, sehr krank. In meiner neugewonnenen Sorge um diese wundervollen Geschöpfe suchte ich die Melodie die diesen Ort durchströmte nach der Quelle des Unheils ab.
Ich fand zwei Dinge.
Zum einen fand ich die altbekannte Präsenz von Bhandora, zum anderen ein Gefühl von Freundschaft, Heimat... und Ausgeschlossenheit, ähnlich dem meinen.
Konnte das sein? Ein anderer Elf dem etwas ähnliches widerfahren ist? In meiner Neugierde vergaß ich fast Peterus zu sagen dass er eine Weile ohne mich auskommen musste.
Ich flog über die Baumwipfel, schneller als je ein Elf geflogen ist.
Dann sah ich es.
Ein großes Lager, mitten in den Wald geschlagen. Aus unzähligen kleinen Hütten stieg dunkler Rauch empor. Dazwischen liefen Orks umher.
Wut kochte in mir auf. Ohne groß darüber nachzudenken landete ich vor der Größten der Hütten  und trat die Tür ein.
Drinnen stand ein stämmiger Schwarzpelz, einen Schritt breit und mindestens doppelt so hoch.
„Wie könnt ihr es wagen dem Wald dermaßen zu schade?! Habt ihr auch nur eine Sekunde an eure Mitgeschöpfe gedacht?!“, schrie ich ihn an.
Der Ork drehte sich unbeeindruckt zu mir um.
„Na sie mal einer an. Da haben wir uns doch glatt ne kleine Elfe gefangen. Was möchte die süße denn?“, fragte dieser mich spöttisch.
„Euch aus diesem Wa...“, sagte ich. Weiter kam ich nicht denn hinter mir wurde die Tür aufgestoßen und ein anderer Ork kam hereingestürmt.
„Boss, da draußen ist Besuch. Irgendson Kopfgeldjäger oder so.“, sagte dieser.
„Gut. Ich kümmere mich um ihn. Zeig du unserem Baumkuschler den Weg nach draußen.“, befahl der Ork seinem Untergebenem und ging nach draußen.
Der Zurückgebliebene zog einen großen Knüppel von seinem Rücken. Mit Worten würde ich hier nicht weiterkommen, dass sah ich ein. Also zog auch ich mein Schwert und nahm Kampfstellung ein.
Der erste Hieb des Orks war stärker als ich es erwartet hatte und als ich versuchte ihn zu parieren verlor ich meinen Stand. Der Schwarzpelz merkte das und wollte direkt nachsetzen, aber ich fing mich schnell genug wieder und wich dem nächsten Schlag aus. Ab jetzt war ich auf die Härte der Schläge gefasst, aber das bedeutete noch lange nicht dass ich auch zum angreifen kam. Ich musste also auf Tricks zurückgreifen.
Bei meiner nächsten Parade tat sich so als würde ich wieder den Stand verlieren. Genau wie ich es gehofft hatte, versuchte der Ork direkt meinen "Fehler" zu nutzen und wollte mit einem weiterem Schlag nachsetzen.
Anstatt diesem auszuweichen stach ich ihm mein Jagdmesser in den Magen. Der Ork krümmte sich vor Schmerz und um ihm endgültig zu fall zu bringen schlug ich ihm mein Schwert in die Kniekehle. Danach beugte ich mich zu ihm runter.
„Möge Zerzal deiner Seele gnädig sein.“, flüsterte ich dem Ork zu. Dann stach ich ihm ins Herz.
Wo war ich hier nur hineingeraten. Ich wollte doch nur den Wald schützen, kein Blutbad veranstalten. In all der Aufregung habe ich überhaupt nicht gemerkt dass sich die Melodie um mich herum verändert hatte. Das Gefühl von Heimat, der andere Elf war ganz nahe. Kann es sein das er meine Nähe auch gespürt hat?
Vorfreudig lief ich aus der Hütte.
Und damit direkt in den Häuptling der Orks. Angst stand ihm ins Gesicht geschrieben.
„Bitte... Lasst mich gehen!“, flehte er mich an. Leicht angewidert von seinem Geruch und verwirrt von seinem Flehen stieß ich ihn von mir.
Nur damit er kurz darauf eine Axt in den Rücken bekam.
Hinter dem Ork - der jetzt langsam zur Seite wegkippte - stand ein Halbelf, wahrscheinlich Auenelfischer Abstammung, also wohl aus der Gegend.
„Hm... Danke fürs Aufhalten, selbst wenn er so oder so nicht weit gekommen wäre.“, sagte dieser auf Isdira, was wohl schroff klingen sollte, wegen der fehlenden Erfahrung und zweistimmigen Betonung aber eher lächerlich rüberkam.
Na toll... Erst das Schlamassel mit den Orks und jetzt hatte ich auch noch einen Halbelfen an der Backe. Noch schlimmer konnte es ja wohl nicht kommen.
„Stehts zu Diensten. Kommt ihr aus dieser Gegend?“, fragte ich möglichst geschwollen auf meinem fast flüssigem Garethi, einfach um ihm zu zeigen dass ein richtiger Elf mehr als nur seine eigene Sprache beherrscht.
„Ich wohne in einem Dorf, etwa drei Tagesmärsche von hier.“, antwortete dieser, sichtlich unbeeindruckt, was mich ein klein wenig ärgerte.
„Nun, wisst ihr von einer elfischen Siedlung in der näheren Umgebung?“, fragte ich daraufhin, in der Hoffnung in die entgegengesetzte Richtung anziehen zu können.
„Mein Vater redet ständig von einer in unserer Nähe, aber der ist alt und redet viel wenn der Tag lang ist.“, bekam ich als Antwort. Der Vater dieses Halbelfen war wohl so eine Art Legendensänger, denn unserer musste auch immer viel erzählen wenn wir bis spät in die Nacht vor den Feuer saßen.
Ohne Aufforderung bedeutete mir der Halbelf ihm zu folgen und zu seinem Dorf mitzukommen.
„Ich bin übrigens Mection.“, stellte er sich kurz darauf vor.
„Nivis.“, sagte ich nur kurz. Ich hatte nicht die Absicht mich mit ihm anzufreunden auch wenn er von meinesgleichen abstammte.
Unterwegs wurde größtenteils geschwiegen. Nur ab und zu redeten wir mal kurz. Über seinen Beruf - er war Kopfgeldjäger, eine komische Profession bei der er anderen die Köpfe abschlug um ein paar dieser komischen Küchlein zu bekommen - seine Abstammung und wie er in seiner Jugend von den Menschen ausgeschlossen wurde. Er fragte mich auch warum ich so weit nach Süden reisen würde, worauf ich ihm aber nur kurz zu verstehen gab dass ich nicht darüber reden wollte.
Insgesamt war er eine kurzzeitig willkommene Abwechslung von Peterus, was aber noch nicht bedeutete dass wir gut miteinander auskamen.
Trotzdem konnte ich nicht sagen dass er schlecht im Schätzen von Entfernungen war, immerhin kamen wir tatsächlich nach drei Tagen Marsch an.
Wie das Schicksal es wollte war auch Peterus gerade im Dorf und sammelte wieder Küchlein ein. Über diesen Zufall erstaunt verlor ich fast den Kopfgeldjäger aus den Augen. Der steuerte nämlich direkt auf die Taverne zu, fröhlich pfeifend.
Als er wieder hinaus kam warf er mir einen kleinen, klimpernden Beutel zu.
„Als Entschädigung, weil ich deine Hilfe nicht zu schätzen wusste... und für deine Hilfe.“, sagte er dazu.
In dem Beutel waren sechs der silbernen Küchlein.
Dann führte er mich zu einer Hütte, in der er wohl wohnte.
Diese war zwar klein, aber sehr gemütlich. An einem kleinen Tisch saß ein Mann, ungefähr 15 Sommer älter als ich, was für einen Menschen schon alt war. Dies war wohl Mections Vater.
„Ah. Es ist lange her dass ich einen Elfen hier begrüßen durfte. Mein Name ist Herr Stutenbrecht, sehr erfreut.“, begrüßte der Alte mich.
„Nivis. Die Freude ist ganz meinerseits.“, grüßte ich zurück. „Ich habe gehört dass ihr von einer elfischen Siedlung hier in der Nähe wisst. Könntet ihr mir den Weg dorthin beschreiben?“, fragte ich noch nach, da mich inzwischen doch das Heimweh plagte.
„Geht einfach in den Reichsforst, südlich von hier. Ich bin mir sicher dass man euch dort auflesen und mit offenen Armen empfangen wird.“, antwortete Herr Stutenbrecht mir.
Mit dieser Beschreibung machte ich mich auch sofort auf den Weg.
Im Dorf traf ich Peterus noch einmal, dem ich für die Begleitung dankte. Bei dee Gelegenheit versprach ich ihm auch ihn zum Essen einzuladen, sobald ich mich eingewöhnt hatte.
Dann zog ich los.
Den Rest des Weges ging ich allein, wobei ich mich schonmal auf die Melodie des Waldes einstimmte. Auf meiner gesamten Reise hatte ich nie genug Zeit gehabt dies zu tun, da ich nie lange an einem Ort blieb und es tat gut wieder im Einklang mit meiner Umgebung zu sein.
Fast einen halben Tag saß ich unter einem Baum und meditierte als mich eine sanfte Flötenmelodie zurückrief. Eine große blonde Gestalt saß vor mir auf einem Ast.
„Ah, du bist zu dir zurückgekehrt. Sag, was führt dich in unseren Wald, so fern doch von deiner verschneiten Heimat?“, fragte der Elf mich.
Es dauerte einen Moment bis ich meine Gedanken sortiert und ihn erkannt hatte. Es war der selbe Waldelf von dem ich meine Flöte geschenkt bekommen hatte - mein alter Freund aus unbeschwerteren Tagen, Florandus.
„Ich suche, genau dieser hier wiederzufinden. Meine Sippe wurde überfallen und der Schnee des Firns ist zu unbarmherzig für einen einzelnen Jäger. Außerdem nagt die Einsamkeit an meiner Seele. Daher habe ich mich nach Süden aufgemacht, auf der Suche nach einer neuen Heimat und alten Freunden.“, antwortete ich wahrheitsgemäß.
„Dann sei unserer Sippe ein herzlicher Gast, auf das du den Schmerz überdauern und Friede mit deinen Verlusten finden magst. Folge mir, ich bringe dich zu unserer Heimat.“, sprach er mir aufmunternd zu.
Von Vorfreude auf alte Freunde, aber auch von Melancholie erfüllt folgte ich Florandus zu seiner Siedlung.
Diese war erstaunlich. Ich wusste um die Magie der Waldelfen, aber ich habe nicht erwartet aus Baumkronen geformte Wohnkuppeln und aus Ästen bestehende Brücken vorzufinden. Es war ein atemberaubender Anblick, der jegliche Behausung die ich im Firn als anmutend empfand in den Schatten stellte. Die ganze Siedlung war aus lebendem Holz und Blättern geformt, vom Stuhl bis hin zur Schmiede. Unzählige magische Lichtkugeln erhellten die Behausungen und Brücken und es wurde getanzt, gesungen und gelacht.
Nach und nach stellte Florandus mich den anderen vor, aber ich war zu überwältigt um ihm vernünftig zuzuhören.
„Du hattest Glück. Ich kam gerade von einem Ausflug wieder, als ich dich im Wald aufgelesen habe. Die Anderen sind bestimmt schon gespannt auf meine Erzählungen. Setz dich doch zu uns und nimm an unserer Runde teil.“, erklärte er mir.
So saß ich dann am späten Abend mit den anderen Elfen um ein Feuer, genoß Speis und Trank und lauschte gespannt Florandus' Geschichte von Schafen, einsamen Elfen, aggressiven und verwirrten Menschen und einem mächtigen magischem Artefakt.
Die Geschichte dieser so ungleichen Abenteurer mit denen er unterwegs war erinnerte mich irgendwie an Peterus, der wohl schon bald in Gareth ankommen würde. Vielleicht sollte ich ihn demnächst mal besuchen.
Die nächsten Wochen verbrachte ich damit mich in meiner neuen Heimat einzuleben, die Gebräuche zu lernen und meinen Platz zu finden.
Das Leben hier war gemütlicher und heiterer als im kalten Norden und jeden Tag fand ich mehr und mehr meinen Lebenswillen wieder.
Als ich mich nach gut einem Mondlauf gut eingelebt hatte, beschloss ich mein Versprechen gegenüber Peterus einzuhalten und flog Richtung Gareth um ihn für den morgigen Mittag zum gemeinsamen jagen und essen einzuladen.
Den einsamen Jäger innerhalb dieser Menschenmenge zu finden erwies sich als ziemlich einfach. Schon auf unseren Reisen merkte ich, dass er für einen Menschen einen recht harmonischen Klang in der Melodie hatte und diesen in der Menge von Gier und Machtdurst zu finden war nicht schwer.
Peterus saß in einer Art eingekesselter Weide zwischen mehreren großen Häusern.
Wieder in meinem elfischem Körper trat ich ihm gegenüber.
„Seid Gegrüßt. Verzeiht mein plötzliches Erscheinen. Ich hoffte dich wie versprochen zum gemeinsamem Speis und Trank einzuladen.“, begrüßte ich ihn freundlich.
„Das nehme ich dankend an. Wann ist das Essen denn.“, antwortete der Jäger mir.
„Gut. Trefft mich morgen am östlichem Stadttor, wenn die Sonne an ihren Zenit steht. Ich werde dor...", begann ich, brach aber mitten im Satz ab, denn etwas großes, bedrohliches legte sich über die Harmonie.
Etwas Schreckliches braute sich zusammen.
„Verzeih, aber ich muss weg.“
Ohne eine Antwort abzuwarten stürmte ich in Richtung der Störung davon.

Schon bald stand ich vor einem prachtvollem Gebäude das aussah wie einer dieser Tempel die in den meisten Dörfern standen, nur größer und stärker verziert.
Entschlossen ging ich hinein. Hier würde ich Antworten finden, dass wusste ich.
Innen bot sich mir ein Anblick der Verwüstung. Bänke und Wasserschalen lagen zerstört auf dem Boden, die Gemälde an den Wänden waren verunstaltet und an Boden und Wänden waren Brandspuren zu erkennen. Vorsichtig ging ich weiter, tiefer ins Innere des Tempels hinein.
Nach einigen Blicken in fast unberührte Nebenzimmer, kam ich in eines dessen Maß an Verwüstung dem am Eingang in nichts nachstand. Der Raum war fast vollständig von Brandspuren durchzogen und nur eine rechteckige Stelle am Boden blieb davon befreit, dort stand wohl ein beweglicher Steinaltar oder ähnliches und in eine Wand war ein großes Loch hin zu einer Straße gerissen worden.
Neugierig und voller Sorge schaute ich mich genauer um. Die Spuren des Verbrechens waren noch frisch und anhand der unberührten Nebenzimmer konnte ich schlichte Willkür oder "Ketzerei" - wie die Menschen ihre Gotteslästerung nannten - als Motivation ausschließen. Diese Verwüstung wurde vorsätzlich und mit tieferer Ansicht angerichtet, mit welcher würde ich jetzt noch herausfinden müssen.
Aufmerksam suchte ich den Raum nach Spuren ab, untersuchte die zerbrochenen Möbel und schaute mir die Brandspuren an.
Nichts.
Niedergeschlagen trat ich durch das Loch in der Wand in die matschige Gasse. Ich sank leicht ein und sah an meiner schmutzigen Kleidung herunter. Dass sie so dreckig war machte mir wenig aus, immerhin musste ich meinen Pelzmantel eh gegen ein dem wärmerem Klima besser angepasstem Gewand tauschen. Dann sah ich es. In dem Matsch waren Radspuren, wahrscheinlich von einem Pferdekarren. Was aber besonders interessant war, war dass die Spuren am einen Ende der Gasse tiefer waren als die am anderen Ende. Der Karren musste also beladen worden sein als er mitten in der Gasse stand. Das würde auch das Fehlen des rechteckigen Gegenstandes erklären. Ich folgte den Spuren, aber diese führten nur zu einem gepflasterten Weg auf dem die Spuren verschwanden.
Da ich sonst keine Spuren oder Hinweise mehr finden konnte machte ich mich auf den Weg zurück zu meiner Sippe und sprach dort mit Florandus.
„Hm... höchst eigenartig. Ich werde mit unseren Weisen sprechen und mit morgen den Ort dieser unharmonischen Tat selbst ansehen. Wenn du möchtest kannst du mich begleiten. Vier Augen suchen besser als zwei.“, sagte dieser mir. Er hatte eine beunruhigende Vermutung was das gestohlene Objekt angeht und ich wollte mir nicht ausmalen was geschehen könnte wenn er Recht behalten würde.
Da ich an diesem Abend nirgendwo mehr nützlich sein konnte setzte ich mich in eine mir zugewiesene Wohnkuppel und meditierte. Vielleicht würde mir das Klarheit verschaffen.
Es brachte natürlich nichts.
Früh am nächsten Morgen holte Florandus mich ab. Sein Gespräch mit den Weisen am gestrigen Abend hatte auch keine weiteren Hinweise gebracht, also zogen wir wieder in Richtung Gareths.
Der Menschentempel war immernoch verunstaltet und so war die Spurensuche nicht erschwert, mal abgesehen von diesen sogenannten Priestern die andauernd etwas von wegen "Entweihung der heiligen Hallen" und "Stören der Totenruhe" sagten und uns böse Blicke zuwarfen.
Florandus brauchte nicht lange um seine Vermutung zu bestätigen.
„Was bin ich nur für ein Narr? Ich hätte wissen müssen dass es hier nicht sicher war, aber ich wollte die Sippe nicht in Gefahr bringen.“, regte Florandus sich auf. Noch nie habe ich ihn so gesehen.
Also stimmte es. Ein schwarzes Auge - ein starkes magisches Relikt, aus einer Zeit vor den Elfen - war in den Händen von geblendeten Menschen, die wahrscheinlich nicht einmal wussten wie man diese gewaltige Macht kontrolliert.
Wir würden sofort handeln müssen wenn wir Schlimmeres verhindern wollten.
Sofort machten wir uns ans Werk. Wir fragten Stadtwachen und Passanten, suchten nach magischen Spuren und studierten Karten. Erfolglos.
Als der Abend gerade anbrach und wir uns in einer etwas heruntergekommenen Taverne umhörten, sprach uns plötzlich ein gut gekleideter Mann an.
„Den Zwölfen zum Gruße meine Freunde. Lang ist es her dass wir uns getroffen haben. Kommt, setzt euch zu mir, ihr habt bestimmt viel zu erzählen.“, sagte er zu uns.
Ich hatte diesen Menschen noch nie zuvor gesehen und wollte ihm gerade sagen dass er uns wohl mit jemand anderem verwechseln müsse, aber er drehte schon um und ging zielstrebig auf einen runden Tisch in der Raumecke an.
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