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Spirit Chaos

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Aomine Daiki Himuro Tatsuya Kise Ryōta Midorima Shintarō Murasakibara Atsushi Takao Kazunari
11.02.2017
10.04.2020
28
39.233
14
Alle Kapitel
48 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
02.08.2017 1.313
 
Wow, schon zwanzig Kapitel... O.O Das ist mehr als ich je bei einer anderen Geschichte geschrieben habe - und laut aktuellem Stand werden es noch viele, viele mehr.
Ich möchte mich an dieser Stelle bei den fleißigen Reviewschreibern bedanken. Es motiviert mich wirklich ungemein eure lieben Worte lesen zu dürfen!
Und auch bei den Schwarzlesern bedanke ich mich - auch wenn ich es natürlich schöner fänd, wenn sie mir auch Feedback daließen ;)

Dieses Kapitel ist ziemlich düster geworden - ein wenig ungewollt, aber mal wieder hat sich beim Schreiben alles verselbstständigt - aber ich hoffe ihr habt dennoch Spaß beim Lesen!

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Kapitel 20

Feine Linien zogen sich von Midorimas linkem Hüftknochen bis hoch zu seinem rechten Schulterblatt. Wo sie sich kreuzten erblühten weiße Blütenkelche und die langen, schlanken Blätter, die sich in Dunkelgrün dazwischen emporreckten, machten das ganze nur noch mehr zu einem Kunstwerk.
Takao konnte nicht anders. Fast ehrfürchtig überbrückte er die wenigen Meter zwischen dem Größeren und sich und fuhr mit den Fingerspitzen das Tattoo nach. Der Grünhaarige erschauderte bei der Berührung und auf seinem Rücken sowie auf seinen Armen bildete sich eine Gänsehaut. Keiner von ihnen wagte etwas zu sagen. Es war einer dieser magischen Momente, die ewig anzuhalten, in denen die Zeit und auch die Welt um einen herum stillzustehen scheinen.

Doch es kam wie es kommen musste und ein weiterer Hustenanfall Midorimas zerstörte die Magie. Sofort machte der Tengu einen Schritt zurück. Es war selten, dass er rot wurde, aber erst jetzt wurde ihm so richtig die Intimität des gerade Geschehenen bewusst.
„Du…du solltest nicht so lange hier herumstehen. Du kühlst noch völlig aus!“
Der Schwarzhaarige schob den Priester auf die große Steinwanne zu und half ihm hineinzusteigen, was dieser ohne Protest hinnahm. Nach der Szene gerade eben konnte es eh kaum noch seltsamer zwischen ihnen werden.

Das hatte er zumindest gedacht, aber seine Augen wurden groß als der Andere nun auch anfing sich auszuziehen und mit jeder Bewegung mehr von sich entblößte als Midorima je von einem Mann gesehen hatte. Reflexartig rutschte er in der Wanne so weit nach hinten wie möglich und schloss die Augen.
„Ta…Takao, was tust du da?“
Der Tengu hielt in der Bewegung inne und grinste als er sah wie der Grünhaarige dasaß.
„Na wonach sieht‘s denn aus? Ich komm mit rein!“
Mit einem leisen Plätschern ließ sich auch der Kleinere nun ins Wasser gleiten und nahm dem Anderen die Brille ab.
„Du kannst die Augen wieder aufmachen, Shin-chan~“, raunte er diesem ins Ohr und freute sich diebisch als sich auf Midorimas Armen wieder eine Gänsehaut bildete.
„Willst du dich selber waschen oder soll ich dir helfen?“, fragte er unschuldig, griff aber ohne zu warten nach der Seife und verteilte sie auf dem Oberkörper des Größeren.
Der ließ sich matt gegen ihn sinken. Er war schließlich immer noch krank und jetzt, wo alle Anspannung aus ihm gewichen war, bahnte sich die Erschöpfung ihren Weg. Dennoch musste er sich irgendwie wachhalten, denn dass er hier in der Wanne einschlief wollte er dem Schwarzhaarigen nicht auch noch aufbürden. Der Kleinere machte ohnehin schon mehr als nötig und er war nichtmal ein Heiler. Einmal in einer klaren Phase, während das Fieber seinen Tribut gefordert hatte, hatte er einen Streit zwischen Miyaji und Takao mitbekommen, weil letzterer sich strikt geweigert hatte die Pflege Midorimas jemand anderem zu überlassen. Vielleicht hatte er sich das aber auch nur eingebildet, denn warum sollte der Tengu so viel Mühe auf sich nehmen obwohl er nicht musste?

„Das sind Lilien…“, murmelte er, um seinen Geist ein wenig wachzuhalten und dem einlullenden Effekt zu entkommen, den Takaos sanfte Bewegungen auf seiner Haut hatten.
„Was sind Lilien?“, fragte der Kleinere und begann die Seife wieder abzuspülen.
„Das Tattoo. Das sind weiße Lilien. Sie stehen für Reinheit, Liebe und Tod.“
Jetzt hielt Takao doch inne und starrte eine Weile ins Leere. Eigentlich war er sich sicher, dass das nicht der richtige Zeitpunkt war, um danach zu fragen, aber vermutlich gab es auch gar keinen ‚richtigen‘ Zeitpunkt dafür und so rutschte ihm das „Was hast du vorhin mit ‚noch jemanden‘ gemeint?“ doch über die Lippen.

~ ~ ~


„Midorima-kun wird sicher nicht wollen, dass wir davon erzählen…“, meinte Kuroko ein wenig besorgt und sah Akashi an.
„Er wird auch nicht begeistert sein, dass ihr sein Liebesleben ausspioniert! Ich glaube nicht, dass ihr das schlimmer machen könnt. Wisst ihr, es gibt Dinge, die passieren nicht ohne Grund hinter verschlossenen Türen!“
Kagamis Missbilligung war ihm deutlich anzuhören, aber der rothaarige Priester lächelte nur.
„Da dürftest du recht haben, Taiga. Es gibt jedoch keinen Grund für Geheimnisse in diesem Schrein.“
Seine Worte klangen wie ein Befehl.

~ ~ ~


Midorima seufzte. War er wirklich bereit zum ersten Mal seit sieben Jahren davon zu erzählen? Der Einzige, der die Geschichte kannte, war Akashi. Nun gut, er vertraute Takao, aber er wusste nicht ob er seiner eigenen moralischen Verfassung trauen durfte. Vermutlich nicht, aber eigentlich war dieser Zeitpunkt so gut wie jeder andere.
„Sayo… Ich habe mit meiner Ausbildung zum Priester angefangen als ich zwölf war. Ziemlich schnell hat sich herausgestellt, dass ich eine Begabung fürs Heilen habe. Sie…hat immer versucht mich zu unterstützen…“
Der Schwarzhaarige unterbrach ihn mit sanfter Stimme.
„Von wem redest du, Shin-chan?“
Der Größere atmete tief durch, bevor er die Worte „Meine jüngere Schwester.“ hervorpresste. Erneut bildeten sich Tränen in seinen Augen.
„Meine jüngere Schwester, Sayo, ist eines Tages von einem Hocker gefallen, hat dabei ein Regal mit umgerissen und wurde darunter begraben. Sie…ihre Beine waren gebrochen und sie hatte so große Wunden, dass sie ohne sofortige Hilfe verblutet wäre. Wir waren alleine zu Hause. Und weil ich bereits ein Jahr in Ausbildung war habe ich gedacht, dass ich ihr helfen könnte. Ich hab sie unter dem Schrank hervorgezogen und dann versucht die Blutungen zu stillen.“
Seine Stimme brach. Er legte seinen Kopf an Takaos Brust und versuchte seine Tränen wegzublinzeln. Der Tengu begann über seinen Kopf zu streicheln.
„Shhh, Shin-chan… Ich bin bei dir.“
„Ich… Ich hab sie umgebracht…“, murmelte der Größere erstickt.
„Ich hab versucht ganz ruhig zu bleiben und alles so zu machen wie ich es gelernt habe, aber ich…ich konnte nicht! Meine Hände haben gezittert und…ich habe die falschen Zellen geheilt. Und dann ist sie in meinen Armen gestorben… Und weißt du was das Letzte war, was sie gesagt hat? „Ich bin stolz auf dich, Onii-chan!“ Das hat sie gesagt und dann hab ich sie umgebracht…!“
Er konnte seine Tränen jetzt nicht mehr zurückhalten und schluchzte haltlos während Takao ihn in den Armen wiegte wie ein kleines Kind und ihm über den Rücken strich.
„Shin-chan…du hast sie nicht umgebracht. Du hast sie nur nicht retten können.“
„Das…ist doch das Gleiche…!“
Der Schwarzhaarige lächelte.
„Nein, ist es nicht.“
Überrascht hob Midorima den Kopf und sah ihn aus verweinten, roten Augen an.
„Das Ergebnis ist doch dasselbe. Es gibt keinen Unterschied zwischen töten und sterben lassen!“
„Es gibt einen Unterschied zwischen töten und nicht retten können. Die Intention ist eine andere. Shin-chan, du warst dreizehn. Wie kannst du da ruhig und professionell bleiben während deine kleine Schwester verblutet? Ich bin mir sicher, dass sie das auch so gesehen hat. Sie war stolz darauf, dass du versucht hast ihr zu helfen anstatt sie im Stich zu lassen.“
Der Mund des Grünhaarigen stand erstaunt leicht offen und Takao drückte ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Und jetzt steigen wir aus der Wanne und sehen zu, dass du ein bisschen Schlaf bekommst.
Ein wenig später kuschelte der Tengu sich wieder zu dem Größeren unter die Decke. Dieser hatte die Augen bereits geschlossen.
„Takao?“, fragte er leise.
„Hmm?“
„Ich glaube du hast recht. Danke!“
Ein kleines Lächeln bildete sich auf den Lippen des Schwarzhaarigen und er strich dem Priester noch einmal durch die grünen Haare.
„Ich bin immer für dich da. Schlaf gut, Shin-chan.“
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