Ich werd’ dich nie vergessen

von RamonaXX
KurzgeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Chris Taylor Elias Grodin
10.02.2017
14.02.2017
3
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Dieses Kapitel
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Hinweis für Späteinsteiger:
Dies ist der finale Teil einer Slash-Trilogie!
Zu Teil eins geht es hier längs: Ich bin für dich da
Und zu Teil zwei dort entlang: Ich bin immer für dich da

Vorbemerkung:
Hier kommt nun also der letzte Teil meiner kleinen, sich steigernden Slash-Trilogie mit Chris und Elias. Es war nie so geplant, sondern hat sich beim Schreiben einfach so ergeben. Die Figuren in meinem Kopf haben sich selbstständig gemacht. Wer schreibt, kennt dieses Gefühl wahrscheinlich. :-)
Auch wenn in diesem letzten Teil „Slash“ mit „Sex“ gleichgesetzt werden kann, bleibe ich bei meinem Standpunkt, dass eine zwanghafte Verkuppelung der Hauptcharakter nicht im Vordergrund steht. Es soll auch hier um die inneren Zweifel, die Hemmschwelle zum eigenen Geschlecht und die entgegengesetzte Anziehung und Bedürftigkeit gehen. Ich hoffe sehr, dass diese Belange noch einmal durchkommen…



In Elias hatte sich ein Knoten gelöst. Seine zweite Begegnung mit Chris war ihm als einschneidendes Erlebnis in Erinnerung geblieben, hatte sie doch gewiss etwas tief in seinem Inneren verändert. Nicht nur weil er die Chance bekommen hatte sich seinen Kummer von der Seele zu reden und in Chris’ Armen Trost und Geborgenheit zu finden – sondern auch, weil sich seine Einstellung zu dem was sie gemeinsam erlebten grundlegend gewandelt hatte.

Elias fing es an Spaß zu machen. Und zu seiner eigenen Verwunderung hatte er keine Probleme damit, sich diese Tatsache einzugestehen. Das Küssen, das Streicheln und das Schmusen, das er mit Chris teilte und das sich regelmäßig wiederholte, bereicherte seinen Alltag.

Es nahm etwas von dem Druck auf Elias’ Seele und gab ihm ein wenig Unbeschwertheit zurück. Vor allem aber gab es ihm die Kraft und Energie, die er zum Weitermachen brauchte. Die Aussicht auf eine weitere ungestörte Stunde mit Chris trug Elias seit nun mehr eineinhalb Monaten durch so manches Stimmungstief.

Gleichzeitig stieg mit der Anziehung, die er empfand aber auch seine Sorge um den Jungen. Es fiel Elias jedes Mal schwerer Chris auf Spähtruppunternehmungen an die Spitze zu schicken; wusste er doch, dass der Mann an der Spitze jener war, den es mit großer Wahrscheinlichkeit als ersten erwischte, wenn sie in einen Hinterhalt gerieten.

Wann immer er Chris an sich und der Kolonne vorbeigehen sah, schaute Elias ihm mit bedenklichen Blicken nach. Er wusste, Chris von der Aufgabe zu verschonen, war keine Option. Es würde nur zu Streit und Rangeleien innerhalb der Gruppe führen, und das jemand seine Autorität als Gruppenführer in Frage stellte, konnte er überhaupt nicht gebrauchen! Denn Dienstgrad hin oder her, am Ende war das Führen vom Menschen – und besonders das, von Soldaten in den möglichen Tod – eine Vertrauenssache.

Also gab Elias sich Mühe all seine Leute gleich zu behandeln und sich so ihr Vertrauen zu sichern. Was wiederum hieß, dass auch Chris seinen Teil dazu beizutragen hatte. Nichtsdestotrotz tat es ihm auf eigenartige Weise weh, das Leben des Jungen zu riskieren, den er… liebte?

Es war eine Frage, die Elias konsequent verdrängte, genauso wie er versuchte auszublenden das Chris oder ihm selbst jederzeit etwas passieren konnte. Hatten sie es erst einmal geschafft sich abzusetzen und in ihrem Versteck zu verkriechen, war ohnehin alles andere für die nächste Stunde bedeutungslos.  

Es ging bei ihrem Zusammenspiel nicht mehr darum Einsamkeit fortzustreichen oder emotionale Leere wegzuküssen. Die Sache selbst begann ihnen Freude zu bereiten. Das galt sowohl für Elias, der seinen Erfahrungshorizont erweiterte, als auch für Chris, der gerade erst damit anfing Erfahrungen auf diesem Gebiet zu machen.

Wie die zwei es immer wieder schafften sich von der Gruppe zu entfernen und nacheinander abzutauchen, wusste keiner. Tatsache war allerdings, dass es langsam auffiel, dass Chris und Elias unnatürlich oft nicht anzutreffen waren. Der Verdacht, dass mit den beiden etwas nicht stimmte, breitete sich aus, wie ein Tropfen Wasser, der in einen Pfütze fiel und dort gleichmäßige, sanfte Wellenkreise in alle Richtungen zog.

Nicht nur bei den Leuten aus der eigenen Gruppe wurde getuschelt, auch innerhalb des Zuges und der ganzen Kompanie ging rasch das Gerücht umher, es gäbe ein oder zwei schwule Soldaten unter ihnen. Da aber niemand Namen nennen oder Beweise vorlegen konnte, blieb es vorerst bei haltlosem Gerede.

Elias hatte Chris mehrfach ermahnt wachsam zu sein und ihn zu äußerster Vorsicht angehalten, was Blicke und Gesten im Beisein der Gruppe betraf. Dem Sergeant war klar, die anderen Soldaten waren nicht doof und sie würden ihn sicher nicht ewig decken, geschweige denn sein Verhalten auf die Dauer tolerieren. Also blieb Chris und Elias nichts anderes übrig als ihre Spuren zu verwischen.

Zu den vielen kleinen und zum Teil schwer durchzuhaltenden Strategien ihren vermehrten Kontakt zu verbergen, gehörte es auch, dass sie so manche Gelegenheit sich zurückzuziehen ungenutzt verstreichen ließen, um nicht unnötig viel Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Für Chris waren diese verpassten Momente besonders bitter; wenn er wusste, dass er jetzt eigentlich mit Elias hätte zusammen sein können und stattdessen beauftragt worden war ganz anderen Tätigkeiten und Aufgaben nachzukommen und nicht einmal ansatzweise in seiner Nähe sein konnte.

Er fühlte sich dann immer auf eigenartige Weise niedergeschlagen und verspürte eine große Appetitlosigkeit, vermischt mit einem unangenehmen Drücken in seinem Bauch. Und wenn es in seinem Kopf nicht allzu absonderlich geklungen hätte, dann hätte Chris sich womöglich eingestanden, dass er Liebeskummer hatte.

An dem Wunsch einander auszuprobieren und zu erfahren änderten jedoch all diese Faktoren nichts. Die Anziehung zwischen ihnen blieb.


Elias und Chris hatten sich seit ihrer Begegnung auf dem Wachposten auf eine ganz bestimmte Art kennengelernt. Wobei es tatsächlich etwas mit lernen zu tun hatte. Keiner von beiden hatte je mit einem anderen Mann geknutscht oder gekuschelt. Und selbst wenn sie unterschiedliche Geschlechter gehabt hätten, so besaß doch jeder von ihnen seine ganz persönlichen Vorlieben und Abneigungen. Diese zu entdecken und darauf einzugehen, war es was sie aller feindseligen Umstände zum Trotz immer wieder zusammenfinden ließ…

Dass sie sich das letzte Mal getroffen hatten, lag jetzt fast drei Wochen zurück; eine kleine Ewigkeit in Vietnam. In drei Wochen konnte eine ganzen Kompanie auf Operation geschickt, ausgeflogen, durch schlechtes Wetter von der Nachversorgung abgeschnitten und irgendwo draußen im Dschungel aufgerieben werden. Sie hätten beide längst tot sein können!

Wie zum Ausgleich waren sie mit der Sehnsucht zweier lang getrennter Verliebter übereinander hergefallen. Fieberhaft hatte Elias Besitz von Chris ergriffen, als dieser endlich in ihrem Versteck aufgetaucht war und hätte ihn mit seinen gierigen Küssen um ein Haar erstickt. Er hatte es kaum ausgehalten seinen Freund wieder in die Arme zu schließen.

Wobei Chris auch nicht unbedingt zurückhaltend reagiert hatte, was das verteilen von Küssen betraf. Bei ihren vergangenen Treffen hatte er einiges an Übung gesammelt und so allmählich glaubte Chris den Bogen rauszuhaben. Zumal er mit der Zeit aufgehört hatte sich permanent über das „Richtig“ und „Falsch“ dieser Beziehung den Kopf zu zerbrechen.

Für Chris zählte dieses beschwingte Gefühl, das ihn überkam, wenn er mit Elias zusammen war. Es befreite ihn kurzweilig von all seinen Sorgen, ebenso wie von der Angst getötet zu werden und seinem Heimweh, dem er nicht ausweichen konnte.


Eng beieinander hockten die beiden im Lichtschein der Coleman-Lampe auf dem Boden und ließen den anderen spüren, wie sehr sie ihn in den letzten Tagen vermisst hatten.

Vor Freude und Verlangen seufzend und stöhnend, küsste Elias Chris, während er sich hektisch bemühte aus seiner Feldbluse rauszukommen. Er wollte es bequem haben. Und bequem hieß für ihn weg mit den schmutzigen, stinkenden und abgenutzten Klamotten, die mal vor Monaten einer niegelnagelneuen Dschungeluniform der U.S. Army entsprochen hatten.

Seine schlammverkrusteten Dschungelstiefel hatte Elias bereits aufgeschnürt als er noch auf Chris gewartet hatte und sie ordentlich in eine Ecke neben dem Eingang gestellt. Auch wenn er etwas für gutmütige Rebellion und freundlichen Anarchismus übrig hatte und sich mehr Individualität unter den Soldaten wünschte, gab es doch militärische Grundzüge, die Elias über seine lange Dienstzeit in Fleisch und Blut übergegangen waren. Diese letzte Hürde wagte er erst zu überspringen, wenn er mit Chris allein war.

Dann setzte binnen von Minuten bei ihm ein Rauschzustand ein, als hätte er eine ganze Nacht durchgemacht. Wie bei einem angenehmen Alkoholrausch fühlte Elias sich sorgenfrei und enthemmt. Es war ein Zustand, in dem er die Zeit mit Chris ungeachtet jeder möglichen Konsequenz einfach genießen konnte. Und so ein Zustand war jetzt!

Endlich hatte Elias es geschafft sich seiner Feldbluse zu entledigen und sie achtlos beiseite geschmissen. Die Lippen im Duell mit denen von Chris gefangen, suchten sich seine Hände ein neues Ziel und fanden Chris’ Oberkörper. Begierig begann Elias darüber zu streichen und mit beträchtlicher Geschwindigkeit knöpften seine Finger blindlings die Feldbluse seines Partners auf.

Chris nahm nur entfernt wahr, dass Elias dabei war ihn auszuziehen. Zu sehr war er damit beschäftigt sich gegen Elias’ Zunge zu währen, die unbedingt in seinen Mund zu wollen schien. Er hatte es schon mehrmals erlebt, dass Elias sich nicht halten konnte und ihn in der ersten Viertelstunde regelrecht vereinnahmt hatte, bis sich seine erste Sehnsucht befriedigt gezeigt und er etwas zurück geschaltet hatte.

Doch diesmal ging es Chris wirklich zu schnell. Er hob die Arme und nahm Elias’ Gesicht in seine Hände. Die Handflächen an die Wangen von seinem Freund gelegt, schob er ihn bestimmt zurück und versuchte so dem ungewollten Zungenkuss zu entkommen.  

Elias hatte gerade den letzten Knopf geöffnet als er Chris’ eindringliche Forderung bemerkte und seine Lippen von ihm löste. Atemlos schauten sich die Männer in die Augen und der Ältere begriff, was er falsch gemacht hatte.

„‘Tschuldigung.“, keuchte Elias und legte seinerseits eine Hand an die Wange von Chris, „Ich war – ein bisschen – zu stürmisch – stimmt’s?“

Chris blinzelte und nickte schnaufend.

Erleichterung machte sich in ihm breit als sie ihr verliebtes Spiel nach einer kurzen Pause mit gedrosseltem Tempo wieder aufnahmen. So ist es besser, dachte Chris und schloss genussvoll die Augen. Er konnte fühlen wie Elias an dem Stoff über seiner Schulter zupfte. Entgegenkommend nahm er die Hände runter und ließ sich seine Feldbluse ausziehen.

Ein kratziger Kuss auf die unrasierte Wange, ein inniger auf den Mund und ein saugender auf die nackte Schulter oder das Schlüsselbein – das entsprach eher dem Rhythmus, in dem Chris schwingen und sich gehen lassen wollte. Langsam ließ er sich nach hinten kippen und konnte fühlen, wie Elias ihm folgte. Als dieser jedoch plötzlich das Küssen unterbrach und neckisch zu grinsen anfing, ahnte Chris, dass seinem Sergeant eine Idee gekommen war – nur welche wusste er nicht.

Auf dem Rücken liegend und auf beide Ellenbogen gestützt, beobachtete er verblüfft wie Elias sich neben ihn kniete und die Schnürsenkel an seinem rechten Stiefel aufknotete.

„Die brauchst Du nicht für das, was wir vorhaben.“, sagte Elias vergnügt, zog Chris den Schuhe aus und warf ihn samt der Socke in die Ecke. Neckisch fügte er hinzu: „Sind nur unbequem.“

„So?“, fragte Chris etwas ungläubig und sah wie Elias sich an seinem anderen Fuß zu schaffen machte, „Was haben wir denn vor?“

Wieder grinste Elias.

Chris kannte dieses Grinsen. Es war ein Anzeichen dafür, dass dem Sergeant der Sinn nach etwas Gemütlichem stand. Den gleichen Gesichtsausdruck hatte Elias damals gehabt als er Chris das erste Mal zum Kiffen überredet hatte.  

Selbst schon ordentlich dicht in der Rübe, hatte Elias ihn schief von der Seite angelächelt und Chris aufgefordert seinen Mund um die Mündung einer Schrotflinte zu legen, die er ihm direkt vors Gesicht gehalten hatte.

Chris hatte geglaubt, dass es sich dabei um eine Art Vertrauensbeweis handelte und war der Aufforderung nachgekommen. Mit großen Augen hatte er verfolgt, wie Elias an einem Joint gezogen, die Luft kurz angehalten und dann den Rauch durch den Patronenauswurf in den Lauf der Schrotflinte geblasen hatte.

Der Rausch seiner ersten „Shotgunning“-Erfahrung hatte lange in Chris nachgewirkt, aber das Vertrauen, welches er Elias geschenkt hatte, war nicht enttäuscht worden. Also warum sollte es jetzt anders sein, wenn der Sergeant wieder diesen besonderen Blick drauf hatte?

Nachdem auch sein zweiter Stiefel mit Socke in die Ecke geflogen war, richtete sich Chris von seiner Neugier getrieben auf und bewegte sich auf Elias zu. Er hatte seine Frage eigentlich noch einmal stellen wollen, um eine Antwort zu erhalten, aber dazu kam es nicht. Noch bevor er das erste Wort rausgebracht hatte, erstickte Elias jeden Laut in einem langen Kuss.

Der Sergeant hatte es geschafft, dass jeder von ihnen nur noch die grüne Hose seines Kampfanzuges trug. Alle anderen überflüssigen und unbequemen Kleidungsstücke waren verschwunden und wenn es nach ihm ging, war das noch nicht das Ende!

Erpicht darauf mehr vom dem anderen Mann spüren, legte Elias seine Hände auf Chris’ Schultern und ließ sie über dessen nackten Oberkörper hinab gleiten. Es war ein prickelndes Gefühl, das nicht nur Wärme in seinem Bauch hinterließ, sondern auch das Blut in seinen Schoss jagte. Nein, sagte Elias sich, diesmal werd’ ich das nicht unterdrücken.

Es war der Moment, in dem ihm bewusst wurde, was er sich tatsächlich von Chris wünschte. Er wollte nicht nur Rumknutschen und ein bisschen Fummeln. Er wollte mehr. Was er nicht wusste, war, ob Chris das auch wollte?

Seine streichelnden Hände hatten den Hosenbund von Chris erreicht und mit einem erwartungsfreudigen Lächeln löste Elias sich aus dem innigen Kuss, der bis jetzt angedauert hatte. Er sah dem Jungen tief in die Augen und fragte leise: „Vertraust Du mir?“

Chris nickte. Im nächsten Moment konnte er fühlen, wie sich eine große, warme Hand auf seinen Schritt legte. Die Alarmglocken in seinem Kopf schrillten mit einem ohrenbetäubenden Lärm als sich die Hand zu allem Überfluss auch noch schloss und gefühlvoll zupackte.

Elias grinste verstohlen. Das viele Küssen und Streicheln war auch bei Chris nicht ohne Wirkung geblieben. In der Hose des Jungen tat sich was – eigentlich sogar eine ganze Menge, stellte Elias bei weiterem Tasten und Reiben fest. Doch irgendwie wirkte Chris mehr schockiert, denn erfreut über die Reaktion seines Körpers.

Um es ihm leichter zu machen und ihn abzulenken, suchte Elias wieder Kontakt mit seinen Lippen. In einen verspielten Kuss verwickelt, nahm er seine zweite Hand dazu, öffnete erst den Knopf und dann den Hosenschlitz.

Panik flammte in Chris auf als er spürte wie Elias versuchte ihm die Hose auszuziehen. Erschrocken wandte er sich aus dem Kuss und schob den Sergeant von sich weg.

Der unterbrach sein Tun sofort und behielt seine Hände dort, wo Chris sie sehen konnte. Fragend sah er den Jüngeren an.

„Elias!“, begann Chris vollkommen außer Atem, „Ich… ich…“ Er wusste nicht wie er es sagen sollte. „Ich hab sowas noch nie gemacht.“, brachte er schließlich heraus.

Beruhigend sah Elias ihn an und sagte mit einem bestätigenden Schmunzeln: „Ist für mich auch das erste Mal. Ich hab’s auch noch nie mit einem Kerl gemacht.“

Chris schüttelte den Kopf. „Nein“, widersprach er und nahm einen zweiten Anlauf. Konnte es denn wirklich sein, dass Elias so begriffsstutzig war? „Ich meine“, versuchte Chris sich zu erklären, „ich hab es noch nie gemacht. Noch. Nie. Verstehst Du?“

Plötzlich fiel es Elias wie Schuppen von den Augen und als ihm klar war, was Chris ihm gestanden hatte, entglitten ihm kurzzeitig die Gesichtszüge. Er hatte es nicht nur mit einem Mann zu tun, der ebenfalls keine homosexuellen Erfahrungen hatte. Er hatte es mit einem Mann zu tun, der überhaupt nicht wusste, was es hieß sexuelle Erfüllung mit einem Partner zu teilen! Kurzum: Chris war noch Jungfrau?!?

Erschreckend schnell konnte Elias sich einen Reim auf Chris’ Abwehrhaltung machen. Der Junge war schlicht und ergreifend unsicher, weil er gar nicht wusste welches Erlebnis auf ihn wartete und wie sein Körper sich dabei verhalten würde. Für einen Augenblick zögerte Elias das Ganze abzubrechen, entschied sich dann aber dagegen.

Der Umstand, dass Chris – der sich erkennbar dafür schämte – ohne jede Erfahrung war, machte die Sache zwar komplizierter, aber für Elias nicht unlösbar. Er würde einen Gang zurückschalten und sich ausreichend Zeit für Chris und seine körperlichen Reaktionen nehmen. Wenn der Junge Vertrauen fasste und sich darauf einließ, würde er ihn sicher führen. Wofür war er sonst Sergeant, wenn er nicht gut führen konnte? Elias schmunzelte kurz bei diesem Gedanken. Es hatte nur wenige Sekunde gedauert bis er zu seinem Entschluss gefunden hatte.

„Das is’ keine Schande, Chris.“, sagte er und näherte sich vorsichtig wieder an. Die Gesichter nur Zentimeter voneinander entfernt, flüsterte Elias: „Ich werd’ ganz behutsam sein, versprochen.“ Dann küsste er Chris, diesmal aber betont sanft und zurückhaltend.

Chris’ Panik flaute ab. Er fühlte sich angenommen von Elias, weil dieser ihn nicht wegen seiner Unerfahrenheit vor den Kopf stieß, sondern sensibel darauf einging. In seiner Vorstellung hätte diese Situation auch ganz anders ausgehen können! So war es jedoch angenehm für Chris und als sich die Arme seines Sergeants um seine Schultern schlossen, fühlte er sich wirklich sicher.

„Leg dich wieder hin.“, bat Elias leise, nachdem er den Kuss beendet hatte. Besänftigend schon er nach: „Ich kümmere mich um den Rest.“ Seine Stimme klang voller Selbstvertrauen, aber wirklich geheuer war ihm die Sache nach dem Geständnis nicht mehr. Einen Rückzieher zu machen, kam für ihn jedoch ebenso wenig nicht infrage.

Verschwommen erinnerte Elias sich daran, dass er vor Jahren mal mit einem Mädchen ins Bett gestiegen war, die ihm – ähnlich wie Chris – kurz vorher gestanden hatte, dass sie es noch nie gemacht hatte. Er hatte sich um sie bemüht und war vorsichtig gewesen, nur wie es ausgegangen war, das wollte ihm natürlich ausgerechnet jetzt nicht mehr einfallen.

Vielleicht würde es gar nicht so kompliziert werden, wie er sich das ausmalte? Eventuell war es sogar ein Vorteil, dass Chris auch ein Mann war? Sich in den Körper eines Einundzwanzigjährigen einzufühlen, war doch gewiss leichter, als in den eines siebzehnjährigen Mädchens oder?

Mit einem Mal wurde Elias bewusst, dass Chris’ Unsicherheit auf ihn abgefärbt hatte. Und nicht nur das, auch seine anfängliche Erregung hatte durch die unerwartete Offenbarung einen beträchtlichen Dämpfer bekommen. Aber Elias war sich sicher, dass gute Gefühl würde zurückkommen, wenn Chris und er wieder in einen gemeinsamen Rhythmus fanden.

Chris hatte derweil getan, was ihm aufgetragen worden war und hatte sich eine bequeme Stelle auf der Strohmatte gesucht. Mit leichtem Herzklopfen sah er zu Elias auf, der neben ihm kniete. Er war nicht sicher, was als nächstes geschehen würde oder was von ihm erwartet wurde, aber er vertraute Elias und seinem Wort.

Dem Sergeant war klar, dass er die Stimmung irgendwie wieder anheizen musste, wenn aus dieser Begegnung noch etwas werden sollte. Ein feines Lächeln stahl sich über Elias’ Mund. Er platzierte seine Hände links und rechts von Chris’ Kopf, beugte sich über ihn und nahm das Spiel ihrer Lippen wieder auf – erst verhalten, dann fordernder.

Sicherheit und Geborgenheit kehrten zurück und sorgten dafür, dass Chris sich fallen ließ. Die Augen im Kuss geschlossen, hob er die Arme und begann mit seinen Händen über Elias’ Rücken und Schultern zu gleiten. Es fühlte sich gut und richtig für ihn an. Kein wenn, kein aber – einfach nur dieses schöne Gefühl.

Ja…, dachte Elias lustvoll und fühlte wie eine Hand von Chris über die zwei Halsketten in seinem Genick fuhr, so muss das sein. Mit viel Gefühl rieben warme Finger durch seinen empfindsamen Nacken und Elias glaubte unter der Berührung dahin zu schmelzen. Es war an der Zeit den zweiten Gang einzulegen.

Spielerisch dehnte Elias seine Küsse aus und warf dabei einen heimlichen Blick auf Chris’ offenstehende Hose. Er verspürte große Lust ihm das unnötige Stück Stoff auszuziehen. Aber in Anbetracht von Chris’ Reaktion auf seinen ersten Versuch übte Elias sich in Geduld. Der Junge würde ihm ein Zeichen geben, wenn er soweit war.

Chris gab inzwischen all seine Bedenken auf und ließ sich ganz auf Elias’ Liebkosungen ein. Die vielen intensiven Küsse erregten ihn und es dauerte nicht lange bis dieses kribblige Rauschen wieder da war, das er schon einmal gespürt, damals aber niedergekämpft hatte.

Es war nicht so, dass Chris diesem Gefühl entkommen wollte, aber irgendwie musste er ihm einen Ausdruck geben, sich ein Ventil dafür suchen. Ohne, dass er es wirklich steuern konnte, wurde sein Griff um Elias’ Schultern fester. Was sogleich zur Folge hatte, dass dieser ihn noch besessener küsste. Chris tat das seine und wo es ging, krallte er sich mit der gebotenen Vorsicht in Elias’ Rückenmuskulatur.

Elias fühlte wie seine Erregung in die Höhe schoss und das Engegefühl in seiner Hose bedrohlich anstieg. Chris machte ihn heiß, wahnsinnig heiß sogar! Er musste seiner aufkommenden Erektion dringend mehr Platz verschaffen, bevor ihm noch ein Unglück passierte.

Für einen kurzen Augenblick ließ er von Chris ab, um seine Hose zu öffnen und schenkte ihm dann wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit. Es dauerte allerdings nicht lange, bis der gewonnen Platz von seinem anschwellenden Glied aufs Neue ausgefüllt wurde.

Angeregt schnaufend erforschten Elias’ Lippen Chris’ Hals. Er konnte einfach nicht aufhören daran zu saugen und zu lecken. Die Haut von Chris fühlte sich unfassbar zart und verletzlich an. Und der Geruch erst! Der Junge roch so verdammt gut! Elias wäre am liebsten mit diesem sinnlichen Duft verschmolzen.

In Wahrheit stank Chris wahrscheinlich genauso nach Dreck, Schweiß und Erde, wie er selbst, aber in seinem liebestrunkenen Zustand nahm Elias nur das wahr, was mit seinen feuchten Traumbildern in Einklang zu bringen war. Also war alles an dem Jungen wohlriechend und wohlschmeckend.

Chris für seinen Teil erlebte zum allerersten Mal wie es sich anfühlte derart nah bei einem anderen Menschen zu sein, dass sich der Wunsch nach einer echten, einer körperlichen Verbundenheit in ihm regte. Geistige Verbundenheit hatte Chris schon öfter in seinem Leben gespürt, aber das hier fand definitiv auf einer anderen Ebene statt! Es war als würde sein Körper mit dem von Elias kommunizieren. Sein Herzschlag, seine Atmung, seine wachsende Erektion… Jede seiner Empfindungen schien von Minute zu Minute stärker zu werden.

Während Elias die Augen geschlossen hielt und dem dringenden Bedürfnis nachkam den Geruch von Chris zu seinem eigenen zu machen, tastete er blind nach dessen Hand. Seine Finger schlossen sich um das Handgelenk und mit Bestimmtheit führte er die Hand zwischen seine Beine. Er wollte, dass Chris ihn berührte, sein sexuelles Verlangen erlebte, ihn richtig hart werden ließ…

Kalte Panik schwappte durch Chris’ Eingeweide wie salziges Wasser, das laut gegen die Mauer eines Piers klatschte, als seine Finger Elias’ steifes Glied streiften, das halb aus dessen geöffneter Hose stand. Vollkommen überfordert mit dem unbeabsichtigten Kontakt zog er seine Hand weg.

Elias bekam das Zurückschrecken seines Partners zwar mit und ließ ihn los, war aber dennoch viel zu sehr in seiner eigenen triebgesteuerten Fantasie gefangen, als dass er angemessen darauf hätte reagieren können. Den unerwarteten Kontaktmangel glich er einfach aus, indem er sich zwischen die Beine von Chris drängte und seine Hüfte soweit senkte bis er auf eine angenehmen Widerstand traf, an der er sich reiben und weiter aufgeilen konnte.

Sekundenschnell füllte die Reizüberflutung Elias’ Gedanken aus. Er dachte an sein bestes Stück, das dabei war zu Höchstform aufzulaufen… Seine grüne Kampfanzughose, die das noch immer verhinderte… Dann die Hose von Chris… Und dahinter ein ebenso geiler Schwanz, der auf ihn wartete… Haut. Stoff. Stoff. Haut. Schoss es Elias durch den Kopf und er begann zu keuchen.

Das bunte Synapsenfeuerwerk in Chris’ Kopf war mindestens genauso wild und unkontrolliert, ging aber in eine ganz andere Richtung. Nah bei Elias zu sein, war die eine Sache. Ein bisschen Küssen und Streicheln, das war okay. Aber mit ihm tatsächlich Geschlechtsverkehr  – wie Chris es als gebildeter Mensch bezeichnete – zu haben, das war etwas ganz anderes!

Geschlechtsverkehr. Wie das schon klang, irgendwie unkomfortabel und so technisch. An dem was Chris hier erlebte war überhaupt nichts technisch. Aber die vulgären Ausdrücke wie >Bumsen< oder >Ficken<, die täglich durchs Lager gegrölt wurden, waren ihm noch unsympathischer. Es war nicht die Art von Sprache, die in den Büchern verwendet worden war, die er zu dem Thema gelesen hatte.

Apropos: Lesen und Bücher! Er hatte Mal davon gehört, dass homosexuelle Paare sich ihren erigierten Penis in den Hintern schoben. Chris stellte sich das äußerst schmerzhaft vor und bei dem Gedanken Elias könnte ihn so behandeln, lief ihm ein eisiger Schauer über den Rücken. Fast schon panisch brach seine Angst aus ihm heraus.

„Stopp!“, rief Chris wie aus heiterem Himmel und brachte seinen Partner damit augenblicklich zum Innehalten. Etwas leiser aber noch immer sichtlich aufgewühlt schob er nach:„I-i-ich will das nicht.“

Elias brauchte einen Moment, um aus seiner heftigen Erregung zurück in die Wirklichkeit zu finden. Dass er bei Chris’ Aufschrei sofort angehalten hatte, war mehr ein Reflex, denn eine bewusst gesteuerte Handlung gewesen.

Noch reichlich benommen, drückte er sich mit seinen Armen hoch, um etwas Abstand zwischen sich und Chris zu bringen. Überrascht blickt er in das Gesicht des Jungen. Der verstörte Anblick ließ jeden Restfunken seiner Lust wirkungsvoll erlöschen. Schlagartig war Elias nüchtern.

Er wusste nicht was passiert war, aber die Ernsthaftigkeit der Lage war ihm durchaus bewusst. Um die unangenehme Situation wenigstens etwas zu entkrampfen, wählte er seine nächsten Worte mit Absicht locker und antwortete Chris: „Dein kleiner Freund sagt aber was anderes.“ Noch bevor Elias den Satz zu Ende gesprochen hatte, erkannte er, dass sein Versuch missglückt war.

Chris wusste nicht was er darauf erwidern sollte und flüchtete mit seinem Blick zur Seite. Sicher, er war sexuell erregt und ja, er vertraute Elias – wollte es zumindest. Aber sich… sich von ihm… in den Hintern? Nein!

Unter seinem Körper konnte Elias fühlen, wie sich Chris verspannte. Da war etwas in dem Jungen, das sich stäubte, nicht nur mit Worten. Er hatte allerdings nicht das Gefühl, dass sich diese Abwehr gegen ihn richtete. Sie richtete sich mehr gegen die Sache selbst. Ein Teil von Chris wollte das hier nicht. Warum auch immer.

Unnachgiebig suchte Elias den Blick von Chris bis er ihn gefunden hatte. „Was ist los?“, fragte er ruhig und ohne Druck oder Erwartung in der Stimme. Sein Partner gab keinen Mucks von sich, aber er konnte ihm die Antwort an den Augen ablesen. Chris hat Angst, dachte Elias betrübt. Von allen möglichen Begleitern, war Angst der ungünstigste. Ein bisschen nervöses Flattern beim ersten Mal war nichts Schlimmes, aber Angst gehörte hier nicht her.

Eingeschüchtert erstarrte Chris weil der Sergeant nicht den Blick von ihm nehmen wollte und wiederholte flehentlich: „Ich will das nicht.“

„Was willst Du nicht?“, fragte Elias rücksichtsvoll. Er spürte, dass es Chris um etwas ganz Bestimmtes ging. Nur, um was?

„Ich… Ich…“, stotterte Chris und hatte sichtlich Mühe den Satz herauszubringen, „Ich will… Ich will nicht, dass Du mich von hinten nimmst, so wie andere schwule Paare das machen. Ich hab’ Angst, dass das wehtut.“

Es tat gut die Worte ausgesprochen zu haben, wenngleich es seine Furcht nicht milderte, sondern nur verschob. Statt Angst davor zu haben, dass Elias ihm wehtun könnte, hatte Chris jetzt Angst davor, wie Elias darauf reagieren würde, dass er ihm genau das offenbart hatte.

Verständnisvoll ging Elias auf Chris’ unbegründete Sorge ein. „Hey…“, begann er mit weicher Stimme, „Ich würde dir niemals“ – Elias betonte das Wort indem er es wiederholte – „niemals würde ich dir wehtun.“ Wie zur Bestätigung rutschte er von Chris herunter, legte sich neben ihn und streichelte ihm sanft mit dem Handrücken über die Wange. In warmem Ton sprach Elias: „Wir machen’s auf eine andere Art, okay?“

Mit einem zaghaften Nicken stimmte Chris zu und in Elias’ Gesicht zeichnete sich ein leichtes Schmunzeln ab. Jetzt würde es wirklich für sie beide angenehm werden.  


A.N.
Ätsch! An dieser Stelle ist das erste Kapitel zu Ende. ;-)
Aber keine Sorge, das zweite Kapitel kommt in Kürze!

Und noch eine Anmerkung habe ich zu machen: Dass Chris sich an die „Shotgunning“-Erfahrung erinnert, war einer dieser Punkte, an dem sich die Figuren verselbstständigt haben und ich nur noch „ausführende Schreibkraft“ gewesen bin. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Szene für mich zu den intensivsten des ganzen Filmes gehört. Es war der Moment, wo ich mich in die beiden verliebt und sie in mein Herz geschlossen habe – nicht etwa weil sie Drogen konsumieren, sondern weil ihre Charaktereigenschaften so gut zur Geltung kommen.

Elias als traumwandlerischer und verrückter Held, der genau weiß wie der Hase läuft und der unbeirrt das Vertrauen von Chris einfordert. Und Chris als unbefleckter und naiver Idealist, der nicht ahnt, was ihn erwartet und der Elias dennoch sein Vertrauen schenkt.

Einfach mal reinschauen. Das Video dauert nur eine Minute: Chris & Elias
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