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Todumringtes Leben

von Cathair
Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy / P18 / Gen
08.02.2017
23.05.2018
4
16.623
2
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7 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
15.06.2017 2.892
 
Vorwort: Meine Güte. ednlich geschafft. Ja, ich hatte das Kapitel schon füher versprochen. jedoch - wie das Leben so ist: kranke Kollegen vertreten müssen, Trainerausfall im Verein, dies, das Jenes - und man hat keinen Bock mehr. Und dann hatte ich zu gute Laune um mich an diese eher düstere Geschichte zu setzen...Hier aber nun endlich das zweite Kapitel! Viel Spaß und ich hoffe, das dritte in nicht zu ferner Zukunft gleich nachliefern zu können! Die Storyline steht ja schon, aber diese Dialoge...xD
Gruß, der Cathair





„Wie lange soll das noch so gehen? Wie oft soll das noch geschehen?“

„Solange wie nötig.“

„Befürchtest du nicht, dass es eines Tages schiefgeht? Dass Ich dich dann töte?“

„Nein.“

„Es wäre ein grauenvoller Tod, glaube mir. Wir können nicht sanft töten, selbst wenn wir es wollten.“

„Es gibt Schlimmeres.“

„…“

„…“

„Hast du vor gar nichts Angst?“

„Oh doch.“

„Aber nicht vor mir.“

„Nein.“

„Vor was dann, wenn nicht vor Jemanden wie mir? Abgesehen davon, dass ich dir gerade nichts anhaben kann.“

„Davor, dass etwas, was Ich vor langer Zeit überwand, zurückkehren könnte.“

„Es muss etwas Schreckliches sein, wenn du es mehr fürchtest als meinesgleichen.“

„…“

„Ich wünsche dir von Herzen, dass du Ihm noch einmal gegenüberstehen wirst und es dich tötet.“

„Ich weiß.“

„Bevor es dich umbringt, sorg bitte dafür, dass es mit mir ein Ende hat.

„Ich werde dich nicht töten.“

„Deshalb bist du das grausamste, was mir je begegnet ist.“

„Ich muss gehen.“ Er wandte sich der Tür zu.

„Lass es endlich enden, ich kann nicht mehr.“

„Jemand wie du hat keine Kraft mehr? Das glaube Ich kaum!“

„Ich fürchte mich vor der Dunkelheit, die heranschleicht.“

Die Tür knarrte.

„Warte, lass es bald enden. Bitte.“

Die Tür schlug zu.

„Lass es nicht mehr lange wären, hörst du?“ Das Rufen drang dumpf durch die Tür.

Klirrend rastete das schwere Schloss ein. Schritte entfernten sich.

Elender…“ Murmelte die Gestalt. Resigniert. Erschöpft.









Ecuvaro erwachte allmählich aus traumlosem Schlaf.
Er fühlte sich müde und immer noch erschöpft, aber nicht mehr so zerschlagen wie am gestrigen Tag, nachdem er endlich aus dem Keller gekommen war. Die Gespräche mit seinem Gast waren stets Mühsam. Aber unendlich wertvoll. Deshalb verwahrte er ihn noch immer.
Er war auf dem Sofa in seinem Büro eingeschlafen und war immer noch vollständig bekleidet.
Nun, die Körperpflege musste sich aufgrund des Zeitmangels heute auf eine Katzenwäsche mit einer guten Dosis Parfüms beschränken.
Es war noch viel zu erledigen. Das konnte nicht warten.
An der Tür war ein Klopfen zu hören und kurz darauf trat Amlilian ein.
Ecuvaro bewunderte des Dieners nahezu hellseherisch anmutende Gabe, stets den richtigen Moment zum Eintreten zu wissen.
„Ah der Herr ist erwacht. Ich habe bereits ein leichtes Frühstück angerichtet, wie Ihr es bevorzugt, Herr.“
„Danke mein Guter, aber bring mir bitte nur einige Kleinigkeiten her, Ich muss sofort mit der Arbeit beginnen.“
Der hagere, grauhaarige Diener fuhr sich durch das schüttere Haar und lächelte leicht blasiert.
„Dies habe ich bereits berücksichtigt, wenn Wohlgeboren erlauben.“
Mit diesen Worten griff Amlilian zur Tür hinaus und zog einen Servierwagen herein, bis zur Überladung gefüllt mit mehreren Platten, welche bestückt waren mit verschiedenen Sorten Brot, etwas Käse, Früchten und feinem Schinken, einer Karaffe mit Fruchtsaft und einer Kanne dampfenden Kakaos, jenes Getränkes, das seit neuestem aus dem tiefen Süden importiert wurde.
„Euer Arbeitseifer ist lobenswert aber Arbeit benötigt Kraft. Ich wünsche guten Appetit.“
Ecuvaro lächelte.
„Danke Amlilian. Du bist die gute Seele dieses Hauses…“
Der Diener zog sich mit einer leichten Verneigung zurück.
„Und die eurer Gesundheit und Wohlbefindlichkeit, mein Herr.“ Erwiderte er trocken und ließ seinen Herrn in einer Mischung aus Verblüffung und Amüsiertheit zurück.
Obwohl nur Diener, war der alte Mann durch nichts mehr zu erschüttern, auch nicht durch höchste Herrschaften. Ecuvaro erinnerte sich auch in stressigsten Zeit gerne zur Erheiterung an die Szene vor zwei Jahren zurück, in welcher Amlilian von einem Grafen unerschütterlich die Einladung zur an diesem Abend stattfindenden Veranstaltung sehen wollte, die dieser vergessen hatte. Erst Virgilios Eingreifen bewahrte den hochadeligen Gast davor, von einem schlagfertigen Diener auf die Straße hinaus komplimentiert zu werden.
Den Kopf schüttelnd füllte er sich ein Glas mit Saft und nahm sich ein Bündel Trauben mit zum Schreibtisch.
In einer Welt aus Untreuen und Verrätern ist diese treue Seele der Leuchtturm, der einen daran erinnert, dass es noch Licht am Ende der Dunkelheit gibt. Doch nun zu Wichtigerem.



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Es klopfte an der Tür. Ecuvaro blickte von den Papieren auf, die er soeben bearbeitet hatte. Er runzelte die Stirn, denn er erwartete Niemanden.
Und er hatte Amlilian gebeten, nicht zu stören.
„Herein.“
Verana trat ein. Die kleine, schlaksige, eher knabenhaft wirkende Frau trug wie immer enganliegende Hosen, ein lockeres Hemd und ein ärmelloses Wams. Ihre kurzen, braunen Haare waren frisch geschnitten. Sie hasste Strähnen, die ihr bei ihrer großen Leidenschaft, dem Fechten, ins Gesicht fallen konnten.
Sie war einer der jüngsten Zugänge in seiner Truppe. Viel hatte sie noch nicht von sich gezeigt – nur, dass sie fast verboten gut mit dem Säbel sowie jedweder anderen Fechtwaffe umgehen konnte, wusste er. Schließlich hatte er sie, wie auch den nicht ganz so fähigen Irkar in einer Fechtschule rekrutiert.
„Seid gegrüßt, Herr.“
Er nickte ihr kurz zu und wies auf einen der Stühle, die vor seinem Tisch standen.
Sie nahm Platz.
„Was gibt es?“

Kurz stockte sie, ob seiner rau und schroff klingenden Stimme. Doch sie fing sich rasch.
„Ehrwürden Almentor hat mich kontaktiert, Herr. Er sagt, er habe wichtige Informationen für Euch und er bittet ausdrücklich um eure Hilfe. Er würde heute Abend zur nächtlichen Kontemplation im Tempel bleiben. Ihr wüsstet, wie ihr zu ihm gelangen könntet. Aber erst nach der ersten Stunde nach dem Nachtgebet.“
Ecuvaro runzelte die Stirn. Er hatte ohnehin vorgehabt, den Gelehrten aufzusuchen.
Das Almentor ihm zuvorkam, verwunderte ihn aus mehrerlei Gründen. Zum einen waren ihre letzten Begegnungen eher unterkühlt verlaufen aufgrund gewisser Auseinandersetzungen über Ecuvaros Methoden bei ihren gemeinsamen Nachforschungen.  Des Weiteren hätte Ecuvaro nie ein so direktes Hilfegesuch seitens dieses stolzen Mannes erwartet.
Irgendetwas dramatisches musste geschehen sein. Und seine Intuition, die sich über ein unangenehmes Ziehen in der Magengrube meldete, sagte ihm, dass es etwas mit seinen aktuellen Nachforschungen zu tun hatte.
„Danke Verana. Melde dich nun bei Di Geroni. Er wartet auf dich. Auch ihr habt heute Nacht etwas zu erledigen.“


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Verdetti starrte auf die Leiche hinab, als wolle er sie persönlich für all das verantwortlich machen.
Seine Gardisten hielten sich schweigend im Hintergrund auf, spürten sie doch genau, dass ihr Corporal derzeit fürchterlicher Laune war.

Der Kommandant der Garde saß ihm wegen der ungeklärten Morde im Nacken. Das Letzte, was die Bürger angesichts des Bürgerkrieges und drohender Kampfhandlungen noch bräuchten, wären schaurige Ritualmorde, so der Capitan. Er solle endlich den oder die Mörder ausfindig machen, die wohl sicher Unruhestifter des Feindes seien – wer genau auch immer das im Chaos dieses Krieges war.
Doch Verdetti war schlau genug, nicht danach zu fragen, sondern einfach ergeben zu nicken.
Und jetzt das.
„Zwei Morde in zwei Nächten. Bislang war es eine Leiche pro Woche.“ Gardistin Marla als Dienstälteste hatte sich schließlich vorgewagt.
Der Corporal schnaubte frustriert.
„Sieht so aus, als würde unser Mörder – oder die Mörder – an Größerem arbeiten, wenn wir davon ausgehen, dass dies magische Ritualmorde sind.“
Er betrachtete die seltsamen Zeichen, die mit dem Blut des Toten in einem nahezu perfekten Kreis um den Leichnam auf das Pflaster der Gasse gezeichnet waren. Und auf die Stirn des Toten.
Wie immer war der Bauch der Leiche geöffnet worden, die einzelnen Organe ebenfalls um das Opfer herum verteilt, immer vor einem der unheimlichen Zeichen liegend. Und der Darm bildete so etwas wie einen zweiten Kreis um das Opfer.
Einige der Gardisten konnten trotz des mittlerweile fast schon gewohnten Anblickes ein Würgen nicht unterdrücken.
An manchen Dinge gewöhnt man sich nie.
Er ekelte sich ebenfalls, aber auf den Schlachtfeldern, die er während seiner Laufbahn in der Horaslegion gesehen hatte, musste er mit schlimmeren Dingen zurechtkommen.
So bewahrte er seine Haltung, wenn auch zuweilen nur mit Mühe.
So kommen wir nicht weiter. Wir brauchen Hilfe.
„Marla, schicke einen Boten nach der Anatomischen Akademie. Das schmeckt mir nicht, aber ein Magus, der sich auch mit dem menschlichen Körper und derlei Dingen auskennt, scheint nun das zu sein, was wir brauchen. Ich habe schon mit Magister Almentor gesprochen. Er scheint interessiert und gewillt, uns zu helfen.“
Während die Gardistin davoneilte um einen der Anderen auf den Botengang zu schicken, erteilte er Befehle. Seine neue Idee war, das Bild, dass sie hier vorgefunden hatten von einem Zeichner festhalten zu lassen, um es mit eventuellen weiteren Morden abgleichen zu können. Sie brauchten jeden Hinweis.
Er hatte sich lange gesträubt, die Magier hinzuzuziehen. Doch ein magischer Aspekt an den Morden war nicht mehr zu leugnen. Almentor war da sehr eindeutig gewesen.
Was ihr da beschreibt, Corporal, ist düsterste Blutmagie. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich nur um einen wahnsinnigen Serienmörder handelt, der aus Lust tötet, ist äußerst gering. Wie ihr selbst wisst, suchen sich jene meist einander ähnliche Opfer. Hier haben wir es aber nach euren Worten mit völlig unterschiedlichen Opfern zu tun. Sie wurden nach anderen Kriterien ausgewählt. Ihr solltet alle Hilfe annehmen, die ihr bekommen könnt…“
Und so war es noch einige Zeit weitergegangen. Er tat sich schwer mit Magie und Magiern. Alles daran war ihm suspekt, doch leider hatte der Magister Recht. Sie mussten weiterkommen, egal wie.
Verdetti fühlte sich hilflos. Er hatte immer wieder in letzter Zeit das Gefühl, ein an Strippen hängendes Figürchen in einem viel, viel größeren Spiel zu sein.
Und er hasste es, nicht die Kontrolle über eine Situation zu haben.

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Virgilio unterdrückte mit Mühe den Drang, zu niesen.
Nachdem Phex derart mit ihm gewesen war, wollte er das Geschenk nun nicht verschwenden. Wenn nur dieses vermaledeite Heu nicht wäre, das ihn in der Nase kitzelte.
Er hatte sich in der Schenke aufgehalten, in der viele der Handlanger und Bediensteten der Mechanikermeister verkehrten.
Zwar waren seit den ominösen Sabotageakten gegen die auch Werkstätten diese durch Bewachung quasi abgeriegelt, doch gab es in der Enklave keine Schänken, in denen man sich anständig verlustieren konnte.
Hier hatte er gehofft, mehr zu erfahren. Aber es war noch viel besser gekommen. Ein Fuhrmann war hereingekommen, um ein Bier gegen den Durst zu trinken. Die Einladung einiger Arbeiter aus den Werkstätten lehnte er aber ab mit der Begründung, er müssen ihnen ihre Betten noch in die Enklave liefern, sonst müssten sie bald auf dem Boden schlafen.
Während die Männer sich noch über den Witz amüsierten, hatte Virgilio unauffällig die Schankstube in Richtung des Hinterhofes verlassen. Er hatte sofort begriffen, dass es hier um eine Lieferung Stroh für die Schlaflager der Arbeiter handelte.
Und wo konnte man sich besser verstecken? Es war allerdings eine Szene wie aus den neuartigen Kreuzerromanen, die überall gedruckt wurden und die seinem literarischen Kunstverstand Albträume bereiteten.
Jedoch – es schien zu funktionieren, vorausgesetzt, dass die Handwerker mittlerweile nicht derart paranoid waren, dass sie sogar Stroh durchsuchen würden.
Doch er schien seinen Vorrat an Glück noch nicht verbraucht zu haben. Der Wagen hielt zwar bei den Wachposten, welche am Beginn der Straße mit den Werkstätten führte, fuhr aber nach einem kurzen Wortwechsel mit den Wachen weiter.
Nachdem er noch zweimal abgebogen war, hielt der Fuhrmann endlich an. Dem Hall der Stimmen nach zu urteilen befanden sie sich in einem der Hinterhöfe.
Virgilio hörte, wie der Mann vom Kutschbock sprang und sich entfernte. Er wartete geduldig einige Minuten, bevor er langsam den Kopf aus dem Stroh steckte. Er hatte richtig vermutet. Um ihn herum sah er mehrstöckige Stadthäuser sowie die Rückseite eines Lagerhauses. Aus einigen Fenstern drangen Licht und Stimmen. Auf dem Hof selbst sah er im Moment Niemanden, mit Ausnahme zweier Wachen, die den Eingang zum Lagerhaus bewachten, sich die Zeit aber gerade mit Würfelspiel auf einem alten Fass vertrieben.
Im Hof selbst standen mehrere Fuhrwerke, Stapel mit Kisten oder Fässern und in der Mitte ein Brunnen.
Virgilio schälte sich auf der den Wachen abgewandten Seite des Wagens aus dem Stroh und kauerte sich in den Schatten zwischen zwei der abgestellten Fuhrwerke. Nicht zu früh, denn kurz darauf kehrte der Fuhrmann mit zwei Gehilfen zurück und begann, den Wagen zu entladen.

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Er genoss jedes Mal die angenehme Kühle dieser Hallen. Während draußen die Sommerhitze über der Stadt flirrte, sorgte die Architektur des Gebäudes für einen wunderbar kühlen Luftzug.
Während er auf Magister Almentor wartete, betrachtete Ecuvaro die kunstvollen Malereien an den Wänden der Eingangshalle der Akademie.
Er war müde. Mehr als äußerlich war er innerlich erschöpft. Die Namen der Vergangenheit, die aufgetaucht waren, diese seltsame Magie – sie weckten Erinnerungen, die er bis dato sicher in den Tiefen seines Unterbewusstseins vergraben geglaubt hatte.
Erinnerungen, gegen die er sich nur mit Mühe wehren konnte. Zugleich kamen nämlich auch Bilder aus den Zeiten hervor, in denen er glücklicher gewesen war, in denen die Organisation noch bestand und alles einen Sinn hatte.
Wofür kämpfte er jetzt noch? Er diente keinem Herrscherhaus, keinem Staat, keiner Kirche. Außer einer Handvoll verbündeter und ihren bescheidenen Mitteln verfügte er über keinerlei Macht.
Doch er hatte nichts Anderes. Keinen Beruf, kein Ziel, keinen Sinn.
Das hier hielt ihn von dem Fall in die Leere ab. Das und der Gedanke, dass eine Bedrohung in den Gassen der Stadt wuchs, die schon einmal zu einer Katastrophe geführt hätte.
Er betrachtete ein Mosaik, dass Seite an Seite kämpfende Ritter zeigte, die gegen eine gewaltige Armee voller Monster kämpfte.
Wehmut kam in ihm auf.
Ach Kameraden, Euch könnte ich gebrauchen, jetzt wie damals…“

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Schreie hallten durch die felsigen Gänge. Schreie des Grauens, voller Schmerz und Entsetzen. Dazwischen ein unmenschliches Kreischen und Brüllen, aus nicht menschlichen Kehlen stammend. Heulende, geifernde Stimmen.
Schwer atmend lehnten Ecuvaro und ein halbes Dutzend anderer Männer und Frauen an der Wand.
Die steinerne Wand hatte etwas Beruhigendes, gab für einen Moment Sicherheit. Doch die Angst kam wieder, sobald der nächste Schrei erklang. Waffenlärm in der Ferne. Oder doch nur einen Gang weiter? Man konnte es nicht sagen, zu sehr brachen sich alle Geräusche in dem Wirrwarr aus Gängen, Höhlen und Katakomben.
Er blickte zum Hauptmann. Marlek stand aufrecht in der Mitte der Gruppe. Das Gesicht blass, die Lippen zusammengepresst und doch ein Blick voller Entschlossenheit.
„Los, weiter, wir müssen die Treppe wiederfinden, über die wir gekommen sind.“

„Wir kommen hier nicht raus, sie finden uns, holen uns, töten uns.“ Weinte einer der Männer.
Ein Fausthieb der Soldatin neben ihm traf ihn. Garlina. „Schnauze, Kerl, reiß dich zusammen. Solange du SIE durch dein Geheul nicht anlockst, können wir es schaffen.“

„Gut gesprochen Soldatin, Maul halten und mir nach.“
Sie rafften sich auf und liefen los.
Die Fackeln hoch erhoben, vorbei an dunklen Abzweigungen, durch Räume und Höhlen, vorbei an den toten Leibern ihrer Kameraden, die zerfetzt, geschunden und mit Schrecken in den erstarrten Gesichtern in ihrem Blut dalagen. Überall.
Immer weiter.
Hinter ihnen! Das Heulen und Knurren. Dann ein Brüllen.
Marlek und einige Andere, die sich umdrehen.
„Lauft, bei allen Zwölfen, lauft, wir halten sie auf.“
Nackte Panik, nur weiter. Rennen, nach links oder rechts? Ein Kreischen. Marlek, es ist sein Todesschrei, hat nichts Menschliches mehr.
Wo war seine Waffe? Verloren! Egal, sie nutzt nichts, nicht gegen diesen dunklen Feind.
Da vorne, Tageslicht. Rennt,
los, rennt um euer Leben. Noch ein Schrei hinter uns…Garlina?
„Ecuvaro?....Ecuvaro!“…



„Ecuvaro, du siehst ja schrecklich aus, was ist mit dir?
Verwirrt schaute er sich um. Er stand immer noch in der Halle der Akademie, schwer atmend, schwitzend, zittrig.
Vor ihm, hager, mit spärlichem grauen Haar, Magister Almentor di Scavoggia.
„Almentor, ich grüße dich. Danke…ich…es geht. Ich denke, die Hitze hat mir heute etwas zu schaffen gemacht. Man wird nicht jünger, aber wem erzähle ich das…“
Der Magier sah ihn nachdenklich an und nickte schließlich.
„Komm, ich denke, ein Glas kühles Wasser in meinem Arbeitszimmer wird dir gut tun. Und dort können wir uns in aller Ruhe unterhalten…“

Sie gingen durch die Flure der Akademie. Sie schwiegen, um nicht zufälligen oder absichtlichen Lauschern brisante Informationen zukommen zu lassen.
Im Zimmer angekommen, stellte Almentor sicher, dass die Fenster zum Hof geschlossen waren.
Nachdem ein Diener Wasser und einige frische Früchte gebracht und wieder gegangen war, beugte Almentor sich in seine Sessel vor und fixierte Ecuvaro.
„So, raus mit der Sprache. Etwas Hitze hat dir noch nie etwas ausgemacht. Du sahst aus als wären die Erzdämonen persönlich hinter dir her. Was ist los?“
Ecuvaro sah lange in sein Glas, bevor er etwas sagte.
„Ich habe mich an damals erinnert.“

Kurz schaute Almentor fragend, dann nickte er verstehend.
Er seufzte. „ja, ich weiß. Solche Ereignisse hinterlassen ihre Spuren in der Seele. Nie wird man sie gänzlich los…aber versuche, es hinter dir zu lassen. Halte nicht fest, was vorüber ist. Der Schrecken ist gebannt.“
„Ich fürchte, nicht ganz.“
Der Magister schaute erschrocken. „Was sagst du da, Ecuvaro? Bist du sicher, dass du nicht fantasierst?“
„Du weißt, woran ich gerade arbeite? Diese seltsamen geheimen Zirkel, die sich an der Magie versuchen? Einer von ihnen nennt sich ‚Die Hüter von Alraman‘.“
Lange schwiegen Beide.
Schließlich war es Almentor, der mit mühsam beherrschter Stimme das Schweigen brach.
„Ich denke, du weißt, wen ich nun informieren muss. Auch wenn es uns nicht behagt. Es wird einige Zeit dauern. Derweil habe ich etwas, was angesichts dessen, was du da gerade gesagt hast, in einem neuen Licht erscheint und auch für dich interessant sein dürfte. Hast du von den Ritualmorden der letzten Zeit gehört?“

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