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Genetic Genius

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFantasy, Freundschaft / P12 / Gen
Aximili-Esgarrouth-Isthill Cassie Jake Marco OC (Own Character) Rachel
08.02.2017
10.03.2017
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08.02.2017 4.124
 
„ Als die Erde versank, flohen sie. Als der Berg Feuer spuckte, starben sie. Als die Yirks über die Menschen herfielen, erwachte einer wieder zum Leben.“

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Wie immer waren sie wieder da. Die Schulstreber, die Madonnas, die „Coolen“ und die, die keinen Bock auf irgendwas hatten. Ein Junge von ca. 13 Jahren lief gähnend durch den Gang, er hatte sich ganz und gar in Schwarz gekleidet: schwarze Jeans, die an den Knien aufgerissen war, schwarze Chucks mit weißer Schuhspitze, einem schwarzen, dicken Pullover ohne Ärmel und einer schwarzen Sonnenbrille auf dem Kopf. Seine schlanke Silhouette hob sich deutlich zwischen der Masse hervor, auch sein Gesicht konnte sich sehen lassen: nicht allzu kantige Züge und hohe Wangenknochen. Wahrscheinlich wäre Zac zum „süßesten Jungen“ der Schule gewählt worden, wäre da nicht seine Eigenart, sich kleinere Tattoos ins Gesicht zu kleben, wie die Klauen eines Wolfes unter seinem Auge beispielsweise.
Er hatte grau-grüne Augen, die an einen verregneten Tag in Kanada erinnerten. Passend dazu besaß er einen blonden Wuschelkopf, den er irgendwann aufgegeben hatte, zu kämmen.
Mit seiner schon leicht ramponierten Umhängetasche von Adidas schlenderte er zum Klassenzimmer.
„Da kommt der Spinner wieder! Bist du heute ein Wolf oder was?“, begann die übliche Schikane. Zac hasste seine Mutter dafür, dass sie in dieses gottverdammte Kaff gezogen waren. Es hatte Jahre gebraucht, seine ehemalige Klasse dazu zu bringen, ihn trotz der Macken zu respektieren, doch diese Klasse war einfach zu doof dazu. Ihre Noten waren unterdurchschnittlich und jeder, der einigermaßen etwas wusste, war sich einfach zu fein, das Wissen zu teilen. Ein Wunder, dass die überhaupt wussten, wie man lebt.
„Lasst ihn doch mal in Ruhe!“, motzte ein braunhaariger Junge das Pack an. Das war Marco. Marco schien genügend Anstand zu besitzen, Spinner in Ruhe zu lassen und Volldeppen vom Dienst in ihre Schranken zu weisen, doch auch er setzte viel auf Streiche. Meist litt dann die gesamte Klasse darunter.
Zac schüttete seine Bücher und Hefter auf den Tisch und schob diese auf den Platz neben sich – dort saß eh keiner. Sie würden nicht stören. Als der Unterricht begann, stützte sich Zac auf den Händen auf, kreuzte die Beine unter dem Tisch und begann, leise vor sich hin zu dösen und gleichzeitig dem Lehrer zuzuhören.

„Zac?“, riss ihn die Stimme des Lehrers aus den haltlosen Träumen. Er öffnete das Wolfskrallen-Auge und sah nach vorne.
„Was denn?“
„Hast du geschlafen?“, was für eine sinnlose Frage. Kein Schüler sagte jemals die Wahrheit darüber, ob man im Unterricht geschlafen hätte. Doch Zac war Zac und dementsprechend sagte er: „Gedöst.“
Sofort wurde er aus dem Unterricht geschmissen und musste sich zum Büro des Direktors Chapman begeben. Chapman war seltsam. Bereits, als er sich bei ihm als neuer Schüler vorstellen musste, empfand er eine innere Abneigung gegen den Mann. Man konnte es Intuition nennen, doch das Gefühl war kaum greifbar und fühlte sich auch in einem gewissen Maße ganz anders als gewöhnlich an.
Endlich stand er vor der Tür und klopfte mit den Fingerknochen an.
„Herein.“, er drückte die Klinke herunter und trat ins Zimmer. Chapman saß an seinem Schreibtisch und nippte an einem Kaffee.
„Ich hab im Unterricht gedöst und sollte mich hier melden.“, sagte Zac knapp und entlastete seinen rechten Fuß.
„Mensch Zac, was sollen wir nur mit dir machen?“, fragte Chapman in eine nicht vorhandene Runde und stellte die Tasse ab.
„Geben Sie mir einfach einen Tadel, Verweis oder eine Ermahnung.“
„So geht das nicht, Zac. Du musst damit aufhören, ansonsten muss ich dich von der Schule werfen.“, Zac zuckte bloß mit den Schultern. Seit sein Vater sich von seiner Familie getrennt hatte, war ihm alles egal geworden. Da kannte man einen Menschen sein ganzes Leben lang besser als sich selbst und dann verriet dieser Mensch die Familie.
„Wie wäre es, wenn du mal den „Freundschaftsclub“ besuchst? Vielleicht findest du dort Gleichgesinnte und lernst, wie man sich in der Welt anpasst?!“, sagte Chapman auf einmal und händigte ihm eine Karte aus. Zac warf einen scannenden Blick auf die kleine Karte.
> Warum soll ich zu so einem Müll? <, dachte er und nickte Chapman einfach an, ließ die Visitenkarte in der Jackentasche verschwinden und kam mit einer Ermahnung davon. Nun hieß es, entweder ins Klassenzimmer zurück oder bis zur Pause vor der Tür warten.
Er entschied sich dafür, bis zur Pause zu warten und lieber Musik zu hören. Die Flure waren leer, die Lehrer beschäftigt, also niemand, der ihn nerven konnte.
Er lehnte sich an die weiße Wand und schloss die Augen.

„Hey, du!“, jemand rüttelte ihn am Arm und Zac kehrte in die Realität zurück. Vor ihm stand Jake, dessen Cousine ebenfalls in seiner Klasse war. Hieß sie nicht Rachel?
„Was ist los?“, fragte er nuschelnd.
„Unser Lehrer ist weg, wenn du deine Sachen holen willst, ohne ihn noch einmal zu sehen, dann geh jetzt!“, flüsterte Jake, grinste und ging zusammen mit seiner kleinen Gang. Zac schaute dem blonden Jungen hinterher, schlüpfte ins Klassenzimmer und stopfte seine Sachen in die Tasche.
Den restlichen Tag lang kämpfte er mit Übermüdung und war heilfroh, als er wieder nach Hause gehen konnte.
Vor ihm liefen Jake, Marco, Rachel und noch zwei weitere Jugendliche, die auch in seiner Klasse waren. Die Namen hatte er aber vergessen.
Sie mussten wohl auch irgendwo beim Einkaufszentrum wohnen, ihre Wege kreuzten sich regelmäßig, doch dieses Mal wollten sie eine Abkürzung über die örtliche Baustelle nehmen. Ob die wirklich so gut und sicher war? Zac zögerte zunächst, doch dann schlich er den Freunden hinterher. Sie tratschten hauptsächlich über seine Aktionen und darüber, dass Rachel wie Xena herüber kam. Als das Ende der Baustelle in Sicht kam und Zac über seinen nächsten Weg nachdachte, spürte der überempfindliche Junge eine Erschütterung, noch bevor die erstaunten Rufe vor ihm ihn auf die Lichter am Himmel aufmerksam machten.
Zusammen mit seinen Klassenkameraden ging er hinter den Baumaterialien und Bauabfällen in Deckung und beobachtete gebannt, wie ein wahrhaftiges Ufo eine Bruchlandung in der Baustelle hinlegte und qualmend liegen blieb.
Als sich Zac nach links drehte, entdeckte er auch Marco, dem die Witze offenbar entfallen waren. Ein Geräusch ließ das Ufo wieder interessant werden, die Türen öffneten sich und eine absonderliche Gestalt humpelte auf die Ladefläche, brach zusammen und keuchte.
> ...Ihr da....<, Zac musste alle Willenskraft zusammen bringen, um nicht vor Schreck aufzuspringen. Die Stimme war nicht von akustischer Natur, nein, er hatte sie IN seinem KOPF gehört gehabt. So eine Art „Gedankensprache“ also. Und der Alien wusste, dass sie hier waren.
> Kommt heraus, ich tue euch nichts.<, lockte der Alien. Keiner bewegte sich, außer der schüchterne Junge aus seiner Klasse – Tobias.
„Kommt Leute.“, munterte er seine Freunde auf und trat auf das seltsame Mischwesen aus Reh, Mensch und Skorpion zu. Zögerlich folgten zuletzt auch die Anderen. Zac entschied sich nach wie vor, keinen Millimeter näher heran zu gehen. Der Schweif sah noch recht intakt aus.
> Du auch.<, war ja klar, dass der Alien zählen konnte. Mit einem gemischten Gefühl erhob sich Zac und trat neben Jake.
„Was machst du denn hier?“, fragte Rachel irgendwie garstig. Vielleicht mochte sie ihn nicht.
„Ich wohne hier in der Gegend.“, meinte Zac kalt und schaute dem Alien in die zwei Augen, die nicht auf seinem Kopf herumwackelten.
Der Alien stellte sich als Elfangor-Sirinal-Shamtul vor, er wollte vom Volk der Andaliten kommen, die sich in einem Kampf gegen die Yirks befanden. Da er des Sterbens nahe war, wollte er ihnen eine besondere Kraft zukommen lassen, über die nur die Andaliten bisher verfügen wollten. Dazu schickte er Jake ins Innere des Raumschiffes, während er über die Kraft berichtete: Morphen.
„Wenn dieser Körper stirbt, wieso morphst du dich dann nicht in einen anderen Körper, der ebenfalls stark ist?“, fragte Zac nach langem Schweigen. Der Andalit lächelte über die Augen und schüttelte schwach den Kopf.
„Einen weiteren Morph würde er nicht ertragen.“, sagte Cassie, das dunkelhäutige Mädchen. Sie hatte beherzt die Hände auf die Brust gelegt und sah den Andaliten mitfühlend an. Jake kam mit einem Würfel aus dem Raumschiff und gab ihn dem Andaliten in die Hände. Dieser befahl ihnen, ihre Hände auf den Würfel zu legen – gesagt, getan. Zac fühlte ein eigenartiges Kribbeln in seinem gesamten Körper, dann hörte es auch schon auf und erneut meldeten seine Sensoren, dass mehrere Dinge über ihm auf ihn zu flogen.
> Geht, das sind sie, die Yirks. Sie kommen, um mich zu töten. Das wird Visser 3 sein, ein abscheulicher Yirk, der Einzige, der es geschafft hat, einen Andaliten zu übernehmen.<, schnaubte der Andalit.
„Das hat er bestimmt nur durch Fixierung geschafft. Mit euren Schwänzen macht ihr bestimmt gutes Schaschlik.“, murmelte Zac und der Andalit lachte in ihren Köpfen. Er befahl ihnen, zu fliehen, doch alle  Sechs postierten sich wieder hinter ihre vorigen Barrikaden.
Tatsächlich dauerte es nicht lange und die sichelförmigen Raumschiffe der Yirks landeten. Kreaturen, die der Andalit als Hork Bajirs bezeichnete, Tausendfüßler, die Taxxons sein sollten und ein Andalit kamen samt Alienknarren aus dem Schiff. Der Visser 3 lachte über den sterbenden Prinzen und all seine Aufmerksamkeit galt nur ihm.
Zac fand es schade, dass nichts mehr von dem Prinzen übrig bleiben sollte, in einem Moment der Unachtsamkeit seines Gefolges stahl sich der hübsche Junge nach vorne in die Trümmerteile des andalitischen Jägers. Prinz Elfangor bemerkte es, traute sich jedoch nicht, seine Augen von dem Visser zu nehmen – einerseits, weil ihn der Visser sicherlich töten würde, ohne einen Kampf gehabt zu haben und er wollte Zac nicht verraten.
Zac legte seine Fingerspitzen ins weiche Fell des Beins und konzentrierte sich wie erzählt auf die DNS des andalitischen Prinzen. Dasselbe Kribbeln wie beim Würfel durchzog ihn und er fühlte, wie die DNS in seine Datenbank aufgenommen wurde.
> Danke.<, flüsterte der Andalit schläfrig in seinem Kopf. Zac nickte und sah zu, dass er in den Schatten verschwand. Auch wenn er auf andere Menschen kaltherzig herüberkam, war er innerlich doch sehr mitfühlend und liebevoll. Wieder eine Eigenart von ihm, die ihn als „Mann“ nicht auszeichnete.
Der Visser – er hatte nichts davon mitbekommen – transformierte sich in irgendein Alienvieh und machte sich daran, den armen, wehrlosen Prinzen zu fressen. Zac bereute es, dass man den Charakter eines fühlenden, denkenden Wesens nicht mitnehmen konnte. Nun hatte er nur noch seine DNS.
Mit großem Glück gelang es ihm, sich von dem Schauplatz unbemerkt zu entfernen und auf dem schnellsten Weg nach Hause zu kommen. Seine Mutter wartete bereits auf ihm, das Essen stand auf dem Tisch und sie schlief auf übereinander gelegten Armen. Sie musste völlig ausgelaugt sein. Ihre Arbeit vertrug sich immer noch nicht mit ihrem Körper.
Zac legte seine Schulsachen in seinem Zimmer ab und rüttelte sie vorsichtig wach.
„Ach Schatz, wo warst du so lange? Es ist bestimmt schon kalt.“, sagte sie verschlafen und umarmte ihn.
„Alles gut, Mama. Ich kann es auch so essen. Wie geht’s dir?“
„Ganz gut, denke ich. Jetzt, wo Sven weg ist, ist die Firma auch wieder auf dem Damm.“
„Das ist gut, oder?“, Zac setzte sich und begann, die kalten Nudeln herunter zu würgen. Kalt schmeckten sie einfach nicht so gut.
„Ja...vielleicht können wir dann endlich mal das Leben führen, was eigentlich normal ist.“, seufzte sie und sah Zac mit ihren dunkelbraunen Augen an. Es ärgerte ihn, dass er die Augen seines Vaters hatte.
Schweigend aß er auf und dachte über seine abendliche Begegnung nach – und über die DNS des Andaliten. Wann sollte er es probieren? Er durfte dann aber nicht die Zeit aus den Augen verlieren. 2 Stunden, ansonsten war man im Körper gefangen. Wie konnte man dann einen Krieg führen? Kriege dauerten Jahre.
„Ich gehe früh ins Bett. Morgen muss ich ins Museum, die Anzüge der Nachtwächter reparieren. Willst du mitkommen oder ist morgen doch noch Schule?“
„Nein, ich komme mit.“, Museum war gut, vielleicht fand er dort Möglichkeiten, an etwas „Exotisches“ zu kommen. Zac war nicht doof, er war sogar sehr klug. Er hatte eine Vorstellung von dem, was er möglicherweise erreichen konnte, so haftbar das auch war. Vermutlich brachen die anderen Kids in den städtischen Zoo ein.

Sein Plan wurde am nächsten Morgen in die Tat umgesetzt. Noch vor Öffnungszeit fuhren seine Mutter und er zum Museum. Dort waren allerhand Dinosaurier, urzeitliche Säugetiere und Dinge über Höhlenmenschen ausgestellt. Zacs Mutter schloss das Gebäude auf und sofort stank es nach alten Dingen. Beklemmt ging Zac hinein und schaute sich um.
„Ich bin unten, falls du mich brauchst. Hier ist deine Karte, damit alle wissen, dass du umsonst hier rein kannst.“, sagte sie und stieg kurz darauf die Stufen nach unten. Kaum war Zac alleine, machte er sich auf einen Rundgang auf. Er besuchte die einzelnen Abteile, bis er in das Dinosaurier-Archiv kam. Hier lagerten Knochen und Abdrücke, die oben in der Halle keinen Platz besaßen oder wenn sie nicht vollständig waren. Wenn er Glück hatte, konnte er einen Zahn aus einem Kiefer heraus brechen. Er hatte gelernt, dass manchmal, in ganz seltenen Fällen, die DNS in einem Zahn überdauert hatte. Jedenfalls gaben es so manche Wissenschaftler an, DNS von Dinosauriern zu finden. Manchmal konnte in gefundenen Proteinen auch Hämoglobin sein. Wurde alles schon entdeckt.
Leise suchte er in den ausgepolsterten Kisten herum, bis er bei einem Zahn tatsächlich fündig wurde.
Der Zahn war so lang wie ein Finger. Auf der Kiste stand kein Name, von wem dieser viel versprechende Zahn sein könnte.
Doch Zac gab die Hoffnung noch nicht auf. Auf einem langen Stahltisch fand er ein paar Schaber, mit denen er eine Mulde in die Zahnwurzel zauberte und sich einen Weg zum darin befindlichen Mark frei bohrte. Kaum hatte er das weißliche Zeug gesehen, legte er sofort einen Finger daran und versuchte, die verbleibende DNS aufzunehmen, bevor der Sauerstoff die DNS zerstörte.
Das Kribbeln war kaum spürbar und auch nicht so intensiv wie beim Andaliten, aber es war da. Fragte sich nur, ob das ausreichte...
Hoffentlich hatte er keinen Tyrannosaurus Rex erwischt, denn der konnte nicht mal schnell hinter einem Felsen in Deckung gehen.
„ZAC?!“, schrie seine Mutter aus der Halle. Schnell stopfte er den Zahn zurück in die Kiste und schob sie ins Regal des Archivs. Behutsam schloss er die Tür hinter sich, packte die Hände in die Taschen und schlenderte wie auf einem Rundgang durch die angrenzende Urmenschenabteilung.
„Ach hier bist du. Der Leiter des Museums hat uns gebeten, die Uniformen mitzunehmen. Bedeutet, dass ich einen Tag zu Hause habe. Willst du gleich mitkommen oder dich noch umsehen?“
„Ich würde gerne in den Wald gehen, wenn du nichts dagegen hast.“
> Und meinen neuen Morph ausprobieren, wenn er denn funktioniert hat.<
„Pass aber auf dich auf, ich hab heute morgen gehört, dass wieder ein paar Wölfe gesehen sein sollen.“, Zac nickte. Mit dem, was er vielleicht im Petto hatte, legten sich bestimmt keine Wölfe an.
Seine Mutter fuhr ihn zum Waldrand und dann selbst nach Hause.
Aus der Ferne erkannte er die Farm, auf der Cassie angeblich wohnen sollte. Ihn machte es nervös, was, wenn die restlichen Leute auch gerade am ausprobieren waren? Oder wenn er das Vieh nicht kontrollieren konnte?
„Komm schon Zac, das schaffst du!“, redete er sich ein und betrat den Waldweg. Die Sonne stand im Zenit, demnach musste es um 12 rum sein. Die Waldtiere verhielten sich angemessen still, nur ein Bussard kreiste in der Ferne. Als er immer tiefer in den Wald eindrang, veränderte sich die Vegetation zu einem dichten Laubwerk. Auf einer Lichtung mit Felswand hielt er inne. Hier schien es perfekt zu sein, wenn das Vieh durchdrehen sollte, würde es nicht so schnell Richtung Zivilisation kommen können. Bei seinem Glück hatte er bestimmt irgendeinen Pflanzenfresser erwischt. Vielleicht war es ja so ein Triceratops. Dann konnte er die Klingenviecher aufspießen.
Er stellte sich breitbeinig hin, schloss die Augen und konzentrierte sich auf das unbekannte Reptil in sich. Schon merkte er, wie zähflüssig seine Knochen in den Beinen brachen und sich neu zusammen setzten, seine Arme bogen sich steif und seine Finger wurden länger. Die Fingernägel verwuchsen mit den Fingerkuppen und wurden schwarz und hart. Sein großer Zeh platzte aus seinem Schuh und bog sich samt Zehnnagel nach unten. Im Allgemeinen rutschte der Apparat jedoch am Fuß hoch und verharrte auf dem Fuß.
Sein Steißbein ploppte aus der Jeans, die nun endgültig in Fetzen von seinen neuen Beinen hing. Sein Rücken krümmte sich und er fiel vorne über, seine gesamte Mundpartie zog sich in die Länge und er erhaschte einen kurzen Blick auf seine ungesund dunkelbraune Haut. Diese wurde hart wie ein Panzer und streckte sich bald über jede Körperpartie. Zum Schluss und als krönender Abschluss des sehr langwierigen Prozesses wandelten sich die Augen um: von seinem menschlichen Sehen blieb kaum etwas übrig. Seine Sehschärfe veränderte sich, wurde noch besser und seine Reflexe reagierten bereits bei der kleinsten Bewegung, sein Gehör litt, doch sein Geruchssinn war 1A. Anhand der vielen, großen und scharfen Zähne schloss er daraus, dass er einen Raubsaurier erwischt hatte. Doch allzu groß war er nicht, er konnte kaum bis zum Ast des einen Baumes kommen, welcher ihm als Mensch in Halshöhe hing.
> Beeindruckend...<, dachte Zac und versuchte einen Schritt. Es war einfach, er lief auf zwei Beinen, eben nur, als wenn er sich vor gebückt hätte. Sein langer Schwanz glich das Gewicht seines Oberkörpers aus und hielt somit das Gleichgewicht aufrecht. Die Instinkte des Jägers waren überraschend ruhig, er hatte keine Angst...wer sollte sich schon mit ihm messen? Jedoch war es dem Dinosaurier unangenehm, ohne Rudel in einem fremden Wald zu sein. Er hatte seine Krallen und Zähne, war ein kluger Jäger und schnell. Zac drängte das Wesen zurück und überlegte, auf welchen Dinosaurier das zutraf. Es gab viele Jäger dieser Klasse, er brauchte ein Spiegelbild. Dann konnte er im Netz nachsehen. Er roch den See, der hier in der Nähe sein musste.
Als er so langsam durch das Unterholz streifte, keimten in ihm verschollene Erinnerungen des Sauriers auf, er sah hohe Bäume, viel höher als in diesem Wald und roch Sauropoden. Doch alles, was er hier wahrnehmen konnte, waren kleine Beutetiere, sie reichten kaum, um den Jäger am Leben zu halten. Es gab viele kranke Tiere und dann war da der Geruch von einer Spezies, die seltsam schwach roch. Gemischt mit vielen anderen Gerüchen. Das mussten die Menschen sein. Der Jäger wusste instinktiv, dass die „Schwäche“ schnell verhängnisvoll für den Jäger sein konnte. Ein Glück war er nun der Einzige, der diesen Jäger beherrschte.
Der Saurier war schlauer als die meisten Rüpel seiner Klasse!
Bevor er aus den Schatten an den See treten wollte, sah er sich erst um. Dabei bewegte er nur seine lange Schnauze, der Rest des Körpers verschmolz mit den Pflanzen. Der Jäger in ihm hatte etwas entdeckt, was Zac erst Bruchteile danach sah – er musste sich mehr auf die Schnauze verlassen.
Am Ufer des Sees grasten zwei Rehe. Unwillkürlich spannten sich die Muskelpakete an den Flanken an, seine hochgestellte Klaue klickte in die Erde und seine Hände krümmten sich.
Noch bevor Zac irgendwie den Jäger unterdrücken konnte, brach der Instinkt aus ihm, mit einem mächtigen Satz und einem kleinen Sprint war er bei der Ricke und schlug seinen schmalen Kiefer in den Hals des Tiers. Er war auf dem Rücken gelandet, die Ricke schwangte bei seinem Gewicht, die Krallen hatten sich in die Bauchseite gebohrt. Diese Art des Tötens kam Zac erschreckend bekannt vor.
Das Leben des Rehs war verloren, das andere sprang panisch davon. Im letzten Moment untergrub er den Jagdinstinkt und ließ von dem Tier ab.
Damit hatte er nicht gerechnet. Wenn er von dem Morph Gebrauch machen wollte, musste er schneller reagieren können, schneller als dieser Jäger. Das Reptil hatte sich triumphierend zurückgezogen und Zac war alleine.
Mit blutiger Schnauze schaute er ins Wasser und entdeckte verschiedene Brauntöne auf seiner Haut, ein stromlinienförmiger Körper samt mittelgroßen Augen, die ihm kalt entgegen starrten. Er war wunderschön. Für einen Saurier.
Er wollte sich noch länger beobachten, doch Stimmen ließen ihn aufschrecken. Wanderer! Sie durften ihn auf gar keinen Fall sehen.
So schnell der Jäger laufen konnte, sprang er ins nächste, hohe Gebüsch und schaute, von wo die Stimmen kamen. Einerseits wollte er gerne sehen, wie die Wanderer beim gerissenen Reh reagierten, andererseits wusste er nicht, wie das Reptil reagieren würde, daher machte er, dass er zum Waldrand kam. Dort morphte er sich unerträglich langsam zurück und musste feststellen, dass er komplett nackt war. Wie peinlich war das denn?
War hier irgendwas, in das er sich morphen konnte, ohne das er auffiel? Mal sehen: Bussard, Insekten, Dachs, Stinktier..... nicht wirklich. Er brauchte eine Katze oder sowas in der Art. Plötzlich ging ihm ein Lichtblitz durch den Kopf: Cassies Farm. Hatte sie nicht immer davon erzählt gehabt, wie sie die Wildtiere behandelte und wie toll der ganze Stress war?! Vielleicht hatten sie auch was Normales wie einen Hund oder so.
Er bewaffnete sich mit ein paar Blattästen und kroch durch das Gras hinunter zu Cassies Farm. Sie besaßen Pferde, der Morph könnte sich irgendwann ganz gut erweisen, doch im Moment wollte er so schnell wie möglich weg. Vorsichtig schaute er durch das Scheunentor und sah niemanden: Aber eine kleine schwarze Katze im Stroh, perfekt.
Er kniete sich hin, kroch in die Scheune und lockte das neugierige Kätzchen an. Bevor dieses wieder abhauen konnte, hatte er dessen DNS übernommen, keine Sekunde zu früh. Denn er vernahm Cassies und Rachels Stimmen vor der Scheune. Nun war Eile geboten. So schnell er konnte morphte er sich in die Katze. Der Morph war ähnlich dem des Sauriers, nur hatte er dieses Mal Fell, lief auf vier Beinen und war dezent kleiner.
Damit man nicht bemerkte, dass es hier zwei identische Katzen gab, sprang er auf den Heuballen, um auf das Dachgebälk zu kommen. Dort duckte er sich und schielte nach unten, wo die beiden Mädchen die Scheune betraten.
„Wenn du immer so herumläufst, wird dich niemand als Mädchen ansehen.“, sagte Rachel und Cassie verdrehte die Augen. Da hatte sie aber Recht.
Je weiter sie in die Scheune kamen, desto weiter schlich er Richtung Ausgang.
„Es interessiert mich nicht.“
„Auch nicht, wenn es um Jake geht?“, fragte Rachel und Zac war dran, die Augen zu verdrehen. Auf Mädchengespräche hatte er nun wirklich keine Lust. Also sprang er elegant in den Heuhaufen und schoss zur Tür hinaus.
„Holla, wo willst du denn hin?“, fragte ihn ein paar Sportschuhe und er wurde aufgehoben. Panisch fauchend schlug er um sich, doch Jake hatte ihn fest im Griff und brachte ihn wieder hinein.
„Das ist unser neues Kätzchen. Gut, dass du es aufgehalten hast. Es ist noch zu kalt.“
Zac stemmte sich gegen Jakes Brust und wollte sich aus dem Griff entwinden, doch der gab ihn an Cassie weiter und die setzte ihn doch glatt in einen Laufstall.....mit fünf weiteren Kätzchen. Sofort war all sein Optimismus dahin und er schaute wehleidig nach oben, doch die Tierpflegerin hatte kein Herz für sowas. Hauptsache den Babys ging es gut, auch wenn sie es nicht wollten, wie?
Beleidigt streunte er vor dem Käfig auf und ab und schmulte nach draußen.
„Und? Wir haben coole, neue Morphs, was wollen wir machen?“, fragte Marco.
Er betrat als Letztes zusammen mit Tobias die Scheune. Scheinbar war das ihr neues Hauptquartier.
„Herausfinden, wer bei den Yirks alles mitmacht, würde ich sagen.“
Unterdessen fand Zac das Loch, aus dem der originelle Körper entkommen war und schlüpfte hindurch. Just in diesem Moment entdeckte Cassie die echte Katze und griff nach ihr, alle wandten sich zu ihr um und Zac nutzte die Gelegenheit, um sich schnurstracks aus dem Staub zu machen.
Es war ganz cool, zwischen den Gassen herumzuspringen und seinem Zuhause schnell näher zu kommen. Er kletterte den Baum im Vorgarten hoch, sprang auf sein Fenstersims und kam durch das zum Lüften angekippte Fenster in sein Zimmer.
Dort morphte er sich erstmal in aller Ruhe zurück, zog sich an und ging erschöpft nach unten, um nach Toast und Nutella zu suchen. Seine Mutter saß in ihrem Schneiderstübchen und die Maschine ratterte.
„Bin wieder da!“, rief er.
„Hallo Zac!“, rief seine Mutter zurück. Er nahm sich alles, schmierte sich zwei Toasts und aß den Geschmack des rohen Rehs einfach weg. Nachdenklich starrte er auf die Morgenzeitung und überlegte, wie er es bewerkstelligen konnte, dass er nach einem erfolgreichen Zurückmorphen noch Klamotten anhatte.
„Mama, haben wir noch den alten Neoprenanzug?“
„Was willst du denn damit?“
„Ich will ihn umbauen. Bzw. den Stoff davon.“
„Er müsste im Schuppen liegen.“
„Danke.“, schnell stopfte er sich alles in den Mund und holte das schwarze Ding sogleich heraus. Den Anzug parkte er unter seinem Bett und setzte sich gesättigt an den Rechner, um seine Geheimwaffe zu googeln.
Dazu gab er Aussehen, Körperbau und Verhalten ein und stieß auf mehrere Treffer, doch nur einer sah fast genauso aus, wie er, bloß mit unterschiedlichen Farben: sein neuer Morph war ein Deinonychus!!!
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