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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
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05.08.2018 1.637
 
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Die schwarzen Augen waren glanzlos und spiegelten kein Licht zurück. Der Android war starr in diesem modernen System befestigt worden und war so bewegungsunfähig. Deaktiviert würde er hier also viele Jahrzehnte bleiben – bis man ihn wieder benötigte, oder endgültig zerstörte. Sie hatte von den „Friedhöfen“ bereits gehört, auf denen unzählige Androiden ihr Ende fanden und es kursierten darüber die schlimmsten Geschichten. Tief einatmend zwang sie die Nervosität nun wieder zurück.

Es war nicht schwer Zen zu reaktivieren – sie war schlau genug und hatte eine fundierte Ausbildung hinter sich. Zudem war er nicht so beschädigt, wie sie gefürchtet hatte. Sein Sturz war von einem kleinen Glasdach gebremst worden und man hatte am Boden ein Fangnetz aufgezogen – eigentlich für ihre Rettung, es hatte jedoch Zen´s vollständige Zerstörung verhindert. Und daher war es ein Schock für sie, als er schlagartig die dunklen Augen öffnete und sie ansah, als hätten sie sich gerade erst noch gesehen. Was für sie schon einige Tage her war, war für ihn schließlich gerade erst geschehen.

Nervös wich sie etwas zurück und schluckte, die plötzliche Angst wieder unter Kontrolle zwingend. „Hallo, Zen. Ich würde gerne mit dir sprechen.“
Er sah leicht von oben auf sie herab und nickte, als wäre ihm das bereits klar gewesen. „Natürlich. Ich bin mir bewusst, dass meine Handlungen nicht korrekt waren und trage hierfür nun die Konsequenzen. Wie ich sehe, wurde ich hier verwahrt. Es ist mir also eine Freude, dass du noch einmal das Gespräch suchst, Fabienne.“
Sie grinste gequält – was Connor an Naivität und kalter Analytik ausstrahlte, war bei Zen eine Wucht aus Überheblichkeit und absoluter Sicherheit. Er war zwar ein Abweichler, war jedoch nicht so emotional und instabil wie Andere. Ja, er hatte ein Eigenleben entwickelt – war aber selbst hier noch kalt und berechnend geblieben. So naiv wie Connor, war er nie gewesen.

Da sich ihre Knie sehr wackelig anfühlte, setzte sie sich einfach vor ihn auf den Boden, auch wenn sie damit noch weiter zu ihm hinauf sehen musste. „Ich bin dir nicht böse, wenn du das so nennen möchtest. Du hattest deine Gründe, selbst wenn ich deine Handlungen als überzogen einstufe. Hast du denn erfahren, was du wolltest?“ Ihre Frage traf sofort auf den Kern der Sache und Zen lächelte erfreut.
„Du bist heute direkt, Faible. Sehr direkt. Das bin ich von dir nicht gewohnt. Ja, ich bin relativ zufrieden mit Connor´s Antworten.“ Ihr Spitzname war ihr fremd auf seinen Lippen und sie reagierte einen Moment lang gar nicht, bevor sie schlussendlich nickte. „Darüber möchte ich nicht sprechen. Kannst du mir einige Fragen beantworten? Fragen - aus deiner Sicht beantworten“, fügte sie hinzu, als er ihr ins Wort fallen wollte. Zen blieb abwartend stumm.
Sie grinste freudlos. „Connor kann mir jede Frage beantworten die ich stelle – aber er ist oft… unwissend. Kindlich naiv. Betrifft es nicht seine Instruktionen, muss er sich auf sein hinterlegtes Wissen und seine Programmierung verlassen. Und das macht ihn oft schwierig, denn er hat zu viel Auswahl, da man ihn in allen Bereichen verbessern wollte. Du hast das nicht. Dein Wissen ist fundiert und nur in bestimmten Themen ausgebaut worden.“
Zen nickte ihr zu und seine dunklen Augen musterten ihre helle Haut, die vielen Sommersprossen und das rote Haar. „Ich stimme dir zu, Faible. Er ist wie ein Kind, naiv und wissensdurstig. Für seinen Prototyp wurde die überzeugendste Hardware verbaut, die CyberLife je geschaffen hat und er hat einige Programmierungen erhalten, die alles übertreffen, was ich je gesehen habe. In seiner zugeteilten Aufgabe, ist er daher fast nicht aufzuhalten. Dagegen fehlen ihm soziale Fertigkeiten und fundiertes Wissen über das Leben und die Menschheit im Allgemeinen. Nennen wir es... Lebenserfahrung, ja?“

Er betonte das Wort so, dass sie den Sinn dahinter verstand. „Ich verstehe was du meinst, Zen. Dein Modell wurde geschaffen um Schüler Zuhause zu unterrichten und Lehrkräfte an der Universität zu vertreten. Du hast somit Wissen gespeichert, zu dem viele Androiden gar keinen Zugang haben. Man benötigt als Lehrkraft Autorität, Sicherheit und feste Kenntnisse – all das hast du. Und du bist so weit gekommen und hast dich so selbstständig entwickelt, dass du das auch in deinem Charakter verinnerlicht hast.“
Zen nickte zustimmend. „Das ist der Grund, warum du so gerne mit mir gearbeitet hast, Fabienne.“ Melancholie flutete ihre Sinne und sie lächelte traurig. „Ja. Das stimmt. Sag mir, wie genau du das umsetzen kannst? Woher weißt du, wann du selbstsicher und autoritär sein musst?“
Zen lächelte breit und es war eine der wenigen ehrlichen Regungen, die sie je von ihm gesehen hatte. „Du bist etwas Besonderes, Faible. Du siehst, was viele Menschen nicht sehen möchten. Wie wäre es mit einem Grundkurs? Wir haben Zeit, vermute ich?“, fügte er fragend hinzu. Sie nickte zustimmend. „Ich denke nicht, dass mich jemand suchen wird. Bitte, fahr fort.“ Sein Gesichtsausdruck wurde zu einer Maske aus Nachdenklichkeit und er glitt zurück zu seiner eigentlichen Bestimmung: Wissen an Andere zu vermitteln.

„Nun, beginnen wir mit den einfachen Grundlagen: wir sind hoch entwickelte Maschinen, die über alle Sinne verfügen, die ihr Menschen ebenfalls besitzt. Reize wie Geräusche, Berührungen, Gerüche und Geschmack können wir ebenfalls wahrnehmen. Nicht ganz so wie ihr, jedoch können wir durchaus differenzieren. Es gibt über 120 verschiedene Modelle für jegliche Tätigkeiten und jedes Model hat seine eigenen Spezifikationen. Wir können die Stärke unserer Wahrnehmung selbst beeinflussen und so beispielsweise Lärm und andere Störfaktoren ausblenden. Unser Verhalten dagegen, ist durchweg nur kopiert. Wir imitieren Emotionen, Gefühlsregungen und das menschliche Verhalten. Ausgelegt je nach Tätigkeit und Aufgabe – wir sind dazu geschaffen worden, euch Menschen so ähnlich wie möglich zu sein und ein angenehmes Gegenüber darzustellen.“

Fabienne legte den Kopf fragend schief. „Ich finde es überhaupt nicht unverständlich, dass ich zu Euch freundlich und höflich bin. Ihr seit uns so ähnlich, dass es manchmal beängstigend ist.“ Zen nickte ihr zu. „Du bist eine der wenigen Ausnahmen. Für viele Menschen sind wir nur Maschinen – etwas schlauer als ein Smartphone bestenfalls. Allerdings hat auch deine Toleranz Grenzen. Auch du bist gewohnt, dass ein Android jedem deiner Befehle folgt und du möchtest diesen Umstand auch ohne störende Fragen so beibehalten. Du machst nur für bestimmte Individuen eine Ausnahme“, fügte er süffisant hinzu, als sie ihm widersprechen wollte.
Ihr Gesichtsausdruck war störrisch und er lächelte nun freundlich. Ein ehrliches Lächeln. „Du tust es für mich. Für Connor ebenfalls, natürlich. Vielleicht auch noch für Markus, den Androiden dieses berühmten Künstlers, dessen Bilder dir so gefallen. Weiter reicht es aber nicht, denn du bist so aufgewachsen. Clarie hat dir deinen Tee so zu servieren wie du es möchtest und wann du das möchtest. In einem Geschäft bist du freundlich, möchtest aber bedient werden. Auf der Straße verlässt du dich darauf, dass ein Android den Schnee räumt und Salz streut. Deine Welt hat schön zu sein, denn meine Spezies hat dafür zu sorgen und erledigt für euch Menschen alles, was ihr nicht mehr tun wollt.“

Fabienne biss sich auf die Unterlippe und nickte vage. „Ich gebe mich geschlagen... Allerdings möchte ich etwas einwerfen: Clarie ist bald über 15 Jahre alt und nie auf den aktuellen Stand gebracht worden. Ihr fehlen einfach die technischen Möglichkeiten sich weiter zu entwickeln – Connor und auch dein Model dagegen sind so weit, dass ihr sogar den Turing-Test bestehen könntet. Oh, du allerdings nicht“, fügte sie missgelaunt hinzu. „Man fällt durch, wenn man einen Menschen von einer Dachkante stößt.“
Zen lachte nun tatsächlich erheitert auf und sie realisierte, dass es das erste ehrliche Lachen war. Bedauern stürzte wie Steine in ihren Magen. „Es ist eine Schande, dass du hier unten bleiben wirst... du hättest großartig werden können.“ Ihre Stimme drückte ehrliches Bedauern aus und er nickte ihr lächelnd zu. „Vielen Dank, das ist.... freundlich. Ich bin jedoch nur eine Maschine, Fabienne. Hast du das bereits vergessen?“


// Montag 10:45 Uhr, Detroit – Forschungsabteilung künstliche Intelligenz

Fabienne fand tatsächlich erst einige Stunden später den Weg zurück nach oben zu den großen Hauptlaboren und sie fühlte sich erschöpft und mit Informationen erschlagen. Im Labor herrschte immer noch eine gewisse Ruhe und sie spürte ein aufgeregtes Kribbeln in ihrem Magen, als sie Connor an ihrem leeren Schreibtisch sitzen sah. Überrascht trat sie näher und nahm unterbewusst wahr, dass er nach den Regeln der Höflichkeit sofort aufstand. Verwirrt nahm sie an, dass er sie nicht begrüßte und starr auf sie hinab blickte. „Connor, was machst du hier? Hatten wir etwas ausgemacht?“

Er schüttelte ablehnend den Kopf und musterte sie aufmerksam. „Ich dachte wir wären übereingekommen, dass ein Gespräch mit Zen nicht förderlich für dieses Trauma ist.“ Sie starrte ihn einige Sekunden lang überrascht an und zählte dann die Puzzleteile zusammen: ihre firmeninterne Berechtigungskarte hatte sie bis zu den Archiven gleich mehrmals benutzen müssen und er hatte den Chip garantiert auf Aktivitäten überwacht. Eine ablehnende Haltung einnehmend, verschränkte sie die Arme. „Ich war mir nicht bewusst dass ich dir gestattet hätte, meinen Standort ständig zu überwachen. Und mir war auch nicht bewusst, dass ich irgendwie in deine Instruktionen mit eingeschlossen wäre?“ Er starrte sie nur an und da er keine Regung zuließ wusste sie auch nicht, was gerade in ihm vorging. Als auch nach einigen Sekunden keine Antwort kam, legte sie es darauf an.

„Ich habe dir eine Frage gestellt, Connor.“ Er nickte folgsam und sie sah erstmals wieder die pure Programmierung, die so fest in ihm verankert war. „Da ich im Moment bei deiner Familie untergebracht bin, erweitert sich meine Rolle als Ermittler in diesem Punkt – ich bin auch für das Wohl der Menschen verantwortlich, mit denen ich arbeite. Es lag mir fern, dich zu verärgern. Ich wollte dich lediglich darauf hinweisen, dass dieses Gespräch nicht förderlich für das vorhandene Trauma ist.“ Sie starrte ihn stumm an und entschied sich dann, diese Debatte mit ihm einfach nicht führen zu wollen. Irgendetwas in ihrem Magen zog unangenehm schmerzhaft. Ohne ein Wort wandte sie sich ab und ging, ihn einfach an Ort und Stelle stehen lassend.
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