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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
48
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
03.06.2018 2.083
 
Anmerkung
An dieser Stelle vielen herzlichen Dank für Euer Feedback! :) Ich veröffentliche gleich noch ein sehr langes Kapitel, da ich nächste Woche keine Zeit mehr dafür habe.
Ich kann wohl auch gleich sagen, dass es mir der „böse“ Connor aus dem Spiel ebenfalls angetan hat und mir dazu schon eine Story im Kopf herum geistert (@ Lina-san um deine Frage hiermit zu beantworten). Es wird also wahrscheinlich noch ein weiteres Werk in diese Richtung auftauchen :)

In meinen Werken versuche ich tatsächlich viele Details einzubringen, jedoch auch nicht zu viele – da ja doch jeder irgendwie eine andere Vorstellung hat und sich so seine eigenen Präferenzen ausmalen kann. Über Anregungen und Kritik freue ich mich immer, da ich selbst bemerke, wie schwer ich mir z. B. mit Zeitformen tue (tut dies, hat getan, wollte tun etc.) - da komme ich oft einfach ins schludern ;)
Mein OC Fabienne liegt mir sehr am Herzen, da ich sie eigentlich in jeder meiner Geschichte irgendwo einbaue. Es ist einfacher mit einem eigenen Charakter zu arbeiten, als mit bereits vorgegebenen – man hat einfach mehr Möglichkeiten der eigenen Gestaltung. Freut mich also, wenn ihr mit ihr etwas anfangen könnt (@ Danke an LivingInChrysalis für das ausführliche Review :) )

So, damit aber weiter im Text. Viel Freude Euch und bis nächste Woche!

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// Samstag 21:15 Uhr, Detroit – Bellini´s Farben

Die junge Rothaarige war gerade aus der Ladentür getreten, als eine kühle Hand nach ihrem Arm griff, um sie vor einem Zusammenstoß zu bewahren. Verwirrt blickte sie auf und ein weiteres Paar grüner Augen sah zu ihr hinab – es waren sogar exakt ihre Augen, wie sie sehr genau wusste. Strahlend ließ sie sich von dem hochgewachsenen Androiden umarmen. „Hallo Markus, schön dich zu sehen! Holst du wieder einmal Farben für Carl ab?“ Der Android nickte ihr zu, die Lippen zu einem leichten Lächeln verzogen. „Korrekt. Wie geht es dir, Fabienne?“ Die junge Frau nickte dankend und strich eine Falte im dunklen Stoff seiner Jacke glatt. Man bemerkte sofort die gewisse Vertrautheit an ihrer Haltung ihm gegenüber. „Gut, vielen Dank. Ich hoffe Carl geht es gut? Er war bei meinem letzten Besuch nicht wirklich bei guter Gesundheit.“ Markus nickte zustimmend. „Es geht ihm deutlich besser. Er würde sich bestimmt über einen weiteren Besuch freuen, Fabienne.“ Nickend lächelte sie und deutete auf den Laden hinter sich. „Ich habe gerade neue Farben gekauft. Alles Rottöne. Es reizt mich, mal wieder mit ihm über Farbmischungen zu debattieren,“ fügte sie freundlich hinzu. Sie bemerkte in diesem Moment, wie Markus und Connor einen ausdruckslosen Blick tauschten und ein seltsames Gefühl nistete sich in ihrem Magen ein. „Oh, Entschuldigung. Markus, darf ich dir Connor vorstellen? Er arbeitet gerade mit meinem Dad am Feinschliff seiner Fähigkeiten.“ Die beiden Maschinen blickten sich weiterhin wortlos an und sie fragte sich ernsthaft, ob es eine Rivalität zwischen bestimmten Modellen gab – oder ob Androiden einfach nur nicht oft miteinander kommunizierten. „Ähm, okay. Dann… ich melde mich bei dir, Markus.“
Markus verabschiedete sich mit einem warmen Lächeln von ihr und sie bemerkte, dass Connor ihn überdurchschnittlich aufmerksam musterte. Als sie einige Meter die kleine Gasse hinunter gegangen waren, blickte sie zu ihm auf. Seine braunen Auge musterten sie bereits, als würde er noch zögern sie anzusprechen. Aber natürlich tat er es trotzdem. „Fabienne, darf ich eine Frage stellen?“ Sie lächelte auffordernd. „Natürlich. Was möchtest du wissen?“
„Mir ist aufgefallen, dass die Augen dieses Androiden nach deinem Vorbild gestaltet wurden. Darf ich fragen, was es damit auf sich hat?“ Er hatte damit wohl seine übliche Neugier wieder entdeckt, die ihm seine Entwickler eher nicht mitgegeben hatten. Sie sah es als seinen ganz eigenen Wesenszug an.
Aufgrund der Frage lächelte sie verlegen und schob es seiner akkuraten Programmierung zu, dass es ihm sofort aufgefallen war. „Ja… ich kenne Kamski persönlich durch meinen Vater. Markus wurde extra  für den Künstler Carl Manfred designt und entworfen. Er ist auch ein RK-Prototyp, wie du. Und Kamski hat sich damals meine Augen als Vorbild genommen – ich stand dummerweise zufällig daneben…. Er meinte auch, seine Art ist der meinen sehr ähnlich - das konnte ich aber nie so recht bestätigen“, fügte sie nachdenklich hinzu. Connor nickte. „Ich habe es bemerkt, er agierte sehr besonnen und ruhig. Du bist sehr vertraut mit ihm.“ Aufmerksam blickte sie ihn an und nickte. „Ja, wir kennen uns schon eine Weile. Ich bin bei Carl oft zu Besuch.“ Kurz zögerte sie, bevor sie ihn wieder ansprach. „Darf ich dir dazu eine Frage stellen?“ Er nickte nur und legte ihr eine Hand auf den Rücken, um sie im Gedränge nicht zu verlieren, während er ihnen wieder einen Weg durch die Menschenmassen bahnte. „Unterhalten sich Androiden nicht untereinander, Connor?“ Das RK-800 Model schüttelte ablehnend den Kopf. „Unnötig. Uns verbindet nichts und das Konzept von Smalltalk ist uns fremd.“ Eine leise Ablehnung machte sich in ihr breit und sie folgte ihm stumm, da es nichts mehr dazu zu sagen gab.

// Sonntag 11:45 Uhr, Detroit – Dachgeschoss der Familie Belaqua

Fabienne legte eine weitere Maschinenladung Wäsche zusammen und seufzte, da es heute ein düsterer Tag war. Bereits seit dem frühen Morgen regnete es durchgehend wie bei einem Weltuntergang und man hatte das Gefühl, dass ganz Detroit bald wegschwimmen würde. Sie hatte den trüben Tag genutzt, um ihre Wohnung zu putzen, aufzuräumen und etwas mehr Ordnung zu schaffen. Claire war zwar oft gesehen hier oben, sie hatte jedoch alles auch gern selbst im Griff – ihre Aufräumarbeiten hatten einfach etwas mehr Liebe zum Detail. Die trägen, einfachen Hausarbeiten beschäftigten sie zudem und schufen eine zufriedene innere Ruhe. Der Regen prasselte mit einem beruhigenden Geräusch gegen die Fenster und der heiße Minztee verbreitete einen angenehmen Duft in den eher weitläufigen Räumen.
Ihr Vater war wieder einem seiner Hobbys nachgegangen und mit einigen Kollegen auf ein Football Spiel gegangen. Daher hatte sie das Haus für sich allein, sah man von Claire und der Hauskatze ab. Connor war zu einem weiteren Test zu CyberLife bestellt worden und so waren die Chancen hoch, dass zumindest er bald zurück kommen sollte. Oft kam ihr das Haus einfach zu leer vor und sie hatte schon mehrmals darüber nachgedacht, noch eine Katze oder einen Hund zu adoptieren. Wie auf ein Stichwort hörte sie die automatische Eingangstür aufgehen und sie war für dieses moderne System tatsächlich dankbar. „Alarmanlage deaktiviert. Willkommen zurück, Connor.“
Es hatte ihr einen heiden Spaß bereitet das System auf ihn zu programmieren, da er tatsächlich einen Moment gestockt hatte, als die Frauenstimme ihn das erste Mal angesprochen hatte. Danach schien er es als sentimentale Geste Ihrerseits abgetan zu haben. Kommentiert hatte er es nie.
Sie legte das grüne Shirt zur Seite und ging die Steintreppe in den Gang hinunter. Es kostete sie einen Moment um Connor genau zu mustern und zu verstehen, was heute so anders an ihm war. Er war wortwörtlich klatschnass und es sammelten sich bereits nasse Wasserpfützen auf dem Boden. Fassungslos starrte sie ihn an und winkte ihn näher. „Was ist denn mit dir passiert, Connor? Bist du in einen Fluss gefallen?“ Er schüttelte verneinend den Kopf und trat zu ihr. „Nein, Fabienne. Meine Testreihe hat heute auf freiem Gelände stattgefunden. Meine analytischen Fähigkeiten wurden auch auf schwierigem Gelände geprüft. Das Ergebnis war zufriedenstellend.“ Sie schnaubte und bedeutete ihm stehen zu bleiben, während sie ein großes Handtuch aus dem Badezimmer holte.
„Zufriedenstellend? Du siehst aus, als hättest du einen Orkan überlebt.“ Er kommentierte ihre Antwort nicht und beobachtete starr, wie sie ihm das nasse Jackett von den Schultern zog. Sie verdrehte die Augen und stierte frustriert zu ihm hoch, als er keine Anstalten machte sich zu bewegen. „Connor, zieh das aus.“ Er gehorchte ihr sofort und zog die Anzugjacke aus und lockerte die schwarze Krawatte. „Die Mühe ist unnötig, Fabienne. Nässe ist nicht schädlich für meine Systeme. Ich bin durchweg hermetisch abgeriegelt und meine Sensoren haben die kalten Temperaturen ausgeblendet.“ Die junge Frau starrte ihn erneut an und schien über ihre Antwort nachzudenken, bevor sie den Kopf schüttelte. „Claire soll deine Sachen trocknen, schick ihr einen Befehl. Ich mag den Gedanken nicht, dass du total durchnässt bist und keiner kümmert sich um dich.“ Als er widersprechen wollte, hob sie drohend eine Hand. „Keine Widerworte. Ich mag es nicht, also tun wir etwas dagegen.“ Damit warf sie ihm das Handtuch wortwörtlich an den Kopf. Er folgte gehorsam dem Zug ihrer Hände nach unten und registrierte stoisch, dass sie seine braunen Haare sachte trocken rieb. Das weiche Frotteetuch verschwand und zierliche Finger strichen seine nassen Haarsträhnen wieder in Form. Er verharrte folgsam. Zufrieden nickte sie und griff nach seiner Hand. „Schon besser. Komm mit ins Wohnzimmer.“ Connor spürte erstmals den massiven Unterschied ihrer Körpertemperatur – seine synthetische Haut war durch die lange Zeit im kalten Regen kühl und klamm. Ihre Haut dagegen glühte fast, war warm und weich. Er strich unbewusst mit dem Daumen über die sanfte Wärme ihrer Haut und folgte ihr zur Couch, auf die er sich ohne Umschweife setzen ließ. Innerhalb weniger Minuten wurde ihm ein weiteres Handtuch um die Schultern gelegt und er verharrte ruhig auf seinem Platz. Als sie erneut zurückkehrte, hatte sie laut seiner Analyse eine Tasse mit  Thirium 310 – dem blauen Blut der Maschinen -  in den Händen. Fragend hob er eine Augenbraue. Sie zuckte lächelnd mit den Schultern. „Ich dachte mir, dass du vielleicht eine warme Alternative zu Tee möchtest. Das hier kannst du zumindest auch verwerten.“ Folgsam nahm er die Tasse entgegen und nahm so diese ungewöhnliche Nährstoffaufnahme an, die auch noch angewärmt war. „Vielen Dank. Auch das wäre nicht nötig gewesen.“  Die junge Frau setzte sich ihm gegenüber auf den Couchtisch und lächelte nachsichtig. „Nimm es für mich einfach so hin. Mir geht es besser wenn ich weiß, dass sich jemand um dich kümmert, auch wenn es dich gar nicht stört. Ich möchte nicht, dass du nass irgendwo herumstehst, als wärst du nicht mehr als ein moderner Toaster.“
Er legte den Kopf schief und sie wusste, dass sie ihn wieder vor ein Rätsel stellte. „Ich bin durchaus weiter entwickelt, als ein Toaster. Aber ich.... verstehe deine Ansicht. Vielen Dank“, fügte er jovial hinzu und sie verdrehte die Augen. „Was geht gerade in einem Prozessor vor? Du bedankst dich, damit ich ruhe gebe - oder einfach weil es höflich ist?“ Er nahm einen tiefen Schluck des blauen Blut´s und stellte überrascht fest, dass die lange Kälte im Regen seine Reserven um 15 % dezimiert hatte. Seine Systeme mussten warm gehalten werden und verarbeiteten daher mehr des blauen Bluts, als sonst. Einen Moment nahm er sich noch Zeit, um die korrekte Antwort für sie zu finden. Sie war ein sehr aufmerksamer Mensch und registrierte viele Dinge, die andere Menschen gerne einfach übersahen. „Mein Dank gilt hauptsächlich der Fürsorge, die du mir zukommen lässt. Es ist... ungewohnt. Und ja, ich agiere nach den Grundsätzen der menschlichen Höflichkeit.“ Sie nickte nur und strich noch einmal sein langsam trocknendes Haar zurück. Anscheinend war sie nicht damit zufrieden, wie es gerade trocknete. „Musstest du bei CyberLife oft nur herum stehen?“ Zustimmend nickte er. „Natürlich. In den Zeiten ohne weitläufige Tests oder lange Funktionsreihen, wurde ich nicht genutzt. Zudem wurde ich bereits deutlich länger vor meiner Aufgabe hier in Betrieb genommen.“
Er sah eine Spur Unmut in ihrem Gesicht, bevor sie das Gefühl wieder kaschierte. Ihm war klar, dass sie eine gewisse.... Bindung zu ihm entwickelt hatte. Es war daher wohl auch nicht überraschend, dass sie sich um ihn kümmerte. Fasziniert neigte sie sich schlagartig vor und tastete den Stoff seines weißen Hemds ab. „Das ist ja cool. Der Stoff ist gleich trocken?“ Connor hatte die nötigen Informationen sofort für sie abgerufen. „Der Stoff ist dazu designt, den meisten Umwelteinflüssen und nassen Flüssigkeiten zu widerstehen. Zudem ist er extrem reißfest und trocknet innerhalb kürzester Zeit. Möchtest du die genaue Zusammensetzung wissen?“ Fabienne lächelte schief. „Denkst du, dass ich das wissen will?“ Er sah sie einen Moment lang an. „Ich vermute die Antwort wäre nein.“ Sie lachte auf und strich ihm eine letzte wirre Strähne aus der Stirn. „Genau, Connor. Bleib hier sitzen, ich muss noch kurz etwas aufräumen.“ Damit ging sie aus dem Raum und er blieb regungslos sitzen, seine Sensoren nahmen akkurat wahr, wie schnell seine Kleidung trocknete und wie die Feuchtigkeit auf seiner Haut verdampfte. Er nahm einen weiteren Schluck des warmen Thirium 310 und schloss die Augen. Sein Prozessor war noch mit Hintergrundaktivitäten beschäftigt und er versuchte so viel an unnützen Daten zu löschen, wie möglich. Seit er unter Menschen war, wurde er täglich mit neuen Datenströmen konfrontiert und sein Quantenprozessor war teilweise über die Hälfte seiner Kapazität ausgelastet. Es war recht faszinierend.
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