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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
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03.06.2018 1.745
 
// Samstag 15:30 Uhr, Detroit – Terrasse

Fabienne schob sich ein Stück Schokolade in den Mund – die Echte, nicht den künstlichen Ersatz – und schlenderte zu ihrem Vater auf die Terrasse. Der Tag war warm, sonnig und so verbrachte ihr Vater seine Zeit meist draußen im Garten, wo sie ihm oft Gesellschaft leistete. Fabienne war die ganze Woche Zuhause gewesen, hatte einige Studien nachgearbeitet, viel Zeit mit Freunden verbracht und sogar eine Therapiesitzung genommen, um ihre Geiselnahme besser zu verarbeiten.

Mit etwas Mühe hatte sie dieses Programm allerdings nun aus Connor herausgekitzelt und ihm letztendlich befohlen, mit ihr dieses Erlebnis durchzusprechen. Wobei sie hier schlicht sich selbst geholfen hatte – es wäre ihr im Traum nicht eingefallen, zu einem Psychologen zu gehen, egal ob menschlich oder nicht. Sie hatte zudem auch Connor´s Beharren auf eine Therapiesitzung gelöst, die seiner Einschätzung nach zwingend notwendig war. Zu ihrer Belustigung war es für Connor eine eher schwierige Aufgabe gewesen, da ihn ihre vielschichtigen Gefühle und die diversen Bedürfnisse eines Traumas, immer wieder vor Rätsel gestellt hatten und nicht selten hatte er sie mit diesem unschuldigen Blick fragend angesehen. Viele ihrer Emotionen waren für ihn einfach nicht greifbar.

Die wenigen freien Tage hatten ihr wirklich gut getan und ihre Sinne waren wieder fokussiert und aufmerksam. Was wohl auch der Grund war, warum ihr die drei Akten auf dem großen Gartentisch sofort auffielen. Ihr Vater trank gerade genüsslich eine Tasse Kaffee und starrte träge in den grünen Garten, daher warf sie einen näheren Blick auf die Daten und ein Gefühl von plötzlichem Verlust schwappte über sie hinweg. „Oh“, rutschte ihr unbewusst heraus und ihr Vater blickte auf, seine dampfende Tasse zur Seite stellend.
„Hallo, Engel. Schön, dass du mich hier draußen besuchst. Das sind die vom DCPD bereitgestellten Akten – Connor wird demnächst einen Detective auf Einsätze begleiten und in beratender Funktion vor Ort sein. Kommt dir denn hier jemand bekannt vor?“ Fabienne warf erneut einen Blick über die Akten und schnaubte dann belustigt.
„Natürlich! Hank Anderson – wie könnte ich ihn je vergessen. Ihr wart zusammen auf der Polizeischule. Das letzte Mal beim Abendessen hat er fast 2 Falschen Whiskey allein getrunken.“ Ihre grünen Augen glänzten hinterlistig als sie breit grinste und sich an den grimmigen Lieutenant  erinnerte. „Oh ich freue mich auf den Moment, wenn sich Connor vorstellt und ihm klar macht, dass er ihn begleiten wird.“ Sie lächelte boshaft und ihr Vater lachte laut auf. „Ich bitte dich, Engel, Hank wäre keine gute Wahl – du kennst seine Vorgeschichte.“
Fabienne zuckte mit den Schultern und legte die Akten auf einen sauberen Stapel. „Ich finde er wäre die perfekte Wahl, Dad. Es würde auch ihm helfen, über seinen Schatten zu springen und sein Weltbild wieder zu ändern. Du weißt, wie ich darüber denke.“ Fabienne lächelte leicht und ging zurück in´s Haus, als ihr Smartphone von drinnen einen schrillen Signalton von sich gab. Ihr Vater blickte nachdenklich auf die drei Akten und nickte sich selbst zu, bevor er die Datei von Lt. Anderson weiter an CyberLife schickte und seine Empfehlung abgab.


// Samstag 18:30 Uhr, Detroit – Wohnzimmer

Sie schob sich einen weiteren Schokoladenriegel in den Mund und griff nach ihrer schwarzen Lederjacke. Es wurde bereits langsam Dunkel und sie wollte sich daher auf den Weg in die Stadt machen, die jede Nacht ein unglaubliches Bild mit all ihren Lichtern bot. Besonders heute war wieder einmal eine lange Einkaufsnacht geplant und die Stadt würde dank Kerzen und der vielen LED Lichter ein Meer aus Farben und Lichtspielen darstellen. Als sie über die massive Steintreppe in den unteren Teil des Hauses ging, sah sie Connor im Wohnzimmer stehen – allein, starr und mit geschlossenen Augen. Vorsichtig kam sie näher und musterte das entspannte Gesicht und die leblose Haltung. Ihr war nicht ganz klar, was er gerade tat, daher sprach sie ihn leise an. „Connor?“

Die hellbraunen Augen öffneten sich sofort und die gelbe LED wechselte in das gewohnt hektische blau. „Hallo, Fabienne. Entschuldige, ich habe gerade einen Bericht bestätigt. Kann ich dir helfen?“ Sie nahm die Erklärung an und lächelte freundlich, einem spontanen Impuls folgend. „Könnten wir uns... kurz unterhalten?“ Sie setzte sich auf die Ecke des Sofas und wartete, bis er sich ihr gegenüber setzte. Er hatte lange gelernt, dass es einfacher war, sich auf Augenhöhe mit Menschen zu unterhalten – sie fühlten sich nicht wohl, wenn man starr vor ihnen stand. Und Fabienne hatte ihm bereits klar gemacht, dass er sich jederzeit setzen konnte, ohne auf ihre Erlaubnis zu warten. „Über was möchtest du sprechen, Fabienne?“ Milde lächelte sie und zögerte einen Moment; er nahm einen erhöhten Herzschlag und leicht gerötete Wangen wahr. „Mir ist aufgefallen, dass ich mich noch gar nicht bedankt habe. Dass du mich gerettet hast, auf dem Dach vor zwei Wochen.“ Er nickte knapp, sein Gesicht war völlig ausdruckslos. „Ein Dank ist unnötig. Ich habe getan, für was ich gebaut wurde. Es war meine Aufgabe, dein Leben zu retten und diese Situation aufzulösen.“ Sie lächelte, doch diesmal fehlte der Glanz in ihren Augen. „Ich weiß. Trotzdem bin ich dir sehr dankbar.“ Den Kopf leicht schief legend, drehte sie das dünne Armband an ihrer Hand und ließ die Werbeanzeige für die Nacht der Lichter in Detroit aufleuchten.

„Hättest du Lust mich zu begleiten? Ich gehe zur Einkaufsnacht nach Detroit – die Geschäfte haben heute bis 24 Uhr geöffnet. Außer natürlich, du hast bereits etwas vor“, fügte sie vorsichtiger hinzu. Es war immer schwer einen Androiden zu etwas „einzuladen“ – meist wurde es einfach als Befehl aufgefasst. Connor legte den Kopf schief. „Ich habe für diesen Abend keine Anweisungen. Wenn du möchtest, begleite ich dich.“

// 20:40 Uhr - Detroit, Innenstadt

In der Stadt herrschte dichtes Gedränge und sie knurrte frustriert durch die Zähne, als sie wieder von einem Mann angerempelt wurde, der sich sofort wortreich entschuldigte. Auf die gleiche Idee waren wohl noch viele andere Menschen gekommen und so waren die Straßen dicht bevölkert und es gab kaum ein Durchkommen. Connor war dicht hinter ihr und schien selbst von all den Reizen irritiert zu sein. Er griff nach ihrer Schulter und zog sie zu einer kleinen Seitengasse, in einen ruhigeren Bereich ohne so viel Gedränge. Aufmerksam blickte er zu ihr hinab. „Mir scheint, dass so eine Veranstaltung sehr viele Menschen anzieht. Sag mir wohin du möchtest, dann gehe ich voraus. Es ist sehr gefährlich, dich allein durch diese Menschenmasse gehen zu lassen.“ Sie lächelte dankbar. „Danke, Connor. Wir müssten etwas im CyberLife Store abholen und danach würde ich gerne neue Farben kaufen. Bellini ist hinten in einer kleinen Seitengasse.“
Connor nickte wortlos und trat direkt in das Gedränge der Fußgängerzone – er hatte die einfachste Route bereits berechnet. Fasziniert beobachtete sie, wie seine steife Haltung und der scharfe Gesichtsausdruck ihr Übriges taten und er ihnen so fast mühelos einen Weg durch die Menge schnitt. Der nächste CyberLife Store war direkt gegenüber des Plaza und es dauerte nur wenige Minuten, bis sie den Eingang erreichten. Die neue Software-Biokomponente für Clarie war bereits hergerichtet und nach einer kurzen Bestätigung - und der Anweisung damit wie immer sehr umsichtig zu sein - befanden sie sich bereits wieder vor dem Laden. Sie bemerkte aus dem Augenwinkel, wie Connor die anderen Modelle mit einem flüchtigen Blick musterte . Fragend legte sie ihm eine Hand auf den Arm. Der synthetische Stoff war weich und fühlte sich trotzdem robust an.
„Stört es dich? Dass sie hier verkauft werden wie... Spielzeug?“ Connor wirkte ausdruckslos, als er auf sie hinab blickte. „Keineswegs. Ich stamme selbst aus einem Labor in CyberLife und bin sicherlich nicht das einzige Connor-Model. Wir sind, was wir sind: ein technischer Meilenstein der Menschheit.“ Nachdenklich nickte sie und folgte ihm weiter durch die belebten Straßen, als er ihr erneut ohne Mühe einen Weg durch die vielen Menschen bahnte.

Das kleine Ladengeschäft lag in einer ruhigen Seitengasse und hier war kaum noch ein Mensch unterwegs. Bellini´s Farben entsprang seit 1909 einer langen Tradition, hatte die Jahrhunderte überdauert und sie war einfach gerne hier – sie zeichnete selbst, schuf große Werke mit viel Farbe und legte daher auch Wert auf die gute Qualität ihrer Farben. Connor warf nur einen kurzen Blick in den Laden und sie wusste, dass er bereits alle verfügbaren Daten abgerufen hatte und sich wohl im Moment auch mit Kunstwissenschaft beschäftigte. Es war die Natur seines Models, sich jegliche Informationen zu beschaffen.

Sie betrat das Geschäft daher vor Connor und sog die sofortige Stille im Inneren regelrecht auf. Eine Hand auf die Glasfläche legend, lächelte sie dem rothaarigen Androiden hinter der Theke freundlich zu. Der leise Signalton bestätigte ihre Identität und sie warf einen Blick auf die vielen Farbnuancen. „Guten Abend, ich würde gerne einige Farben kaufen.“ Ein steifes Nicken folgte, die Augen des Rotblonden waren völlig ausdruckslos. „Sehr gerne, Miss Belaqua. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Kurz einen träumerischen Blick über die fabelhafte Farbzusammenstellung werfend, entschied sie sich spontan. „Ich nehme alle Töne, die hier oben in der Reihe mit roten Pigmenten angemischt sind. Wie viele Farben sind das?“ Der Verkaufs-Android benötigte nur Sekunden für die akkurate Antwort. „Das sind 16 Farben, Miss. Die Kosten betragen für die standardisierten Größen insgesamt 125 Dollar. Lieferung erfolgt frei Haus.“ Sie lächelte dankbar. „Perfekt. Ich nehme sie.“ Mit einem weiteren Handabdruck war die Bezahlung abgeschlossen und sie bestellte noch einige Farben für ihre beste Freundin Bella. Wie oft kam sie denn schon hierher um diese Auswahl live zu sehen.

Als sie sich umwandte, warf sie einen verdutzten Blick auf Connor. Er stand neben der Tür, hatte sich von den vielen Farben abgewandt und spielte mit seinen Händen. Fast wirkte er unruhig, wie er aufmerksam seine Hände bewegte und die LED hektisch blinkte. Sie grinste schief. „Connor, du bist unterfordert.“ Er blickte fragend auf, eine Spur Unverständnis huschte über seine Züge. Wieder hatte sie das Gefühl, einen jungen Hund getreten zu haben, so naiv wirkte er einen Moment lang auf sie.
„Wie bitte? Ich war jederzeit aufmerksam, Fabienne.“ Die junge Frau grinste und kramte in ihrer Handtasche. „Das ja. Aber dein Programm hatte zu wenig im Hintergrund zu tun, daher hast du dich mit deinen Händen beschäftigt. Hier“, fügte sie hinzu und hielt ihm eine abgenutzte Münze entgegen. Ein viertel Dollar von 1994. Mit etwas Fingerspitzengefühl bewegte sie das kühle Stück Metall tanzend durch ihre schmalen Finger und grinste. „Versuch es damit. Du kannst deine Hand-Gehirn Koordination verbessern. Oder, äh… Hand-Prozessor Koordination, in deinem Fall. Das beschäftigt die Hintergrundprozesse etwas.“ Lächelnd ging sie an ihm vorbei nach draußen, als er noch im Laden damit begann, seine Fertigkeiten an dieser Münze zu testen.
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