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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
01.06.2018 1.663
 
// Donnerstag, 20:30 Uhr, Detroit – Wohnhaus der Familie Belaqua

Die junge Frau zitterte am ganzen Körper und lies sich anstandslos in das helle Wohnzimmer führen. Connor warf einen prüfenden Blick durch den Raum – das Kaminfeuer brannte, die moderne Einrichtung wechselte sich mit alten Möbeln ab und das Zimmer war im Moment betont hell und freundlich beleuchtet.

Der AX200 – Claire, wie sie hier bezeichnet wurde - hatte bereits Tee und leichtes Gebäck bereitgestellt und wirkte so besorgt, wie es ihre Programmierung eben zuließ. Connor hatte sie allerdings bereits vorab informiert und auch sichergestellt, dass Professor Belaqua von dieser Sache im Moment noch nichts mit bekommen würde. Er kannte Menschen und ihre überstürzten Handlungen. Wüsste der Professor, dass seine Tochter heute Opfer einer Geiselnahme geworden war, würde er sofort in das nächste Flugzeug steigen - oder gar mit dem Auto allein zurück fahren. Und er hielt das nicht für ratsam.

Connor schickte Claire mit einer kurzen Anweisung aus dem Raum und führte Fabienne zu dem weichen Ledersessel vor dem warmen Kaminfeuer. Er setzte sich ohne zu fragen ihr gegenüber und musterte sie aufmerksam: ihre grünen Augen waren geweitet vor Schock, eine Wange war aufgekratzt und ihre Sachen waren völlig verschmutzt. Obwohl er weitaus mehr geleistet hatte, war sein dunkler Anzug lediglich etwas verstaubt – ansonsten sah man ihm nicht an, dass er fast 75 Stockwerke in die Tiefe gestürzt wäre, bevor er die junge Frau zurück über die Kante hatte ziehen können. Der Abweichler hatte es dafür nicht so glimpflich überstanden.

Er deutete auf ihre Wange. „Die Verletzung ist nicht tief – sollte ich zur Sicherheit trotzdem einen Arzt kontaktieren?“ Sie schüttelte nur stumm den Kopf und starrte ihn an, ihr Gesichtsausdruck war diesmal kaum zu deuten. Da sie weiterhin kein Wort sagte, blieb er ruhig bei ihr sitzen – der menschliche Kreislauf benötigte einige Zeit, um das viele Adrenalin eines Schocks zu verarbeiten. Wenn sie ihre Gedanken gesammelt hatte, würde sie ihn ansprechen.
Genau 15 Minuten und 22 Sekunden später fokussierten sich ihre grünen Augen auf ihn und er deutete den neuen Gesichtsausdruck nun als wütend. Wäre er fähig zu vermuten, würde er sie als fuchsteufelswild einschätzen. Sie schluckte mit etwas Mühe und nahm dann hastig einen Schluck Tee – ihr Hals schien noch zu trocken, um zu sprechen. Beim zweiten Versuch gelang es ihr dann.

„Connor, du wirst mir jetzt ganz genau zuhören: es ist mir völlig egal, was deine Aufgabe ist und wie du programmiert wurdest. Du wirst so etwas niemals wieder tun. Wenn du einen Befehl dazu haben willst, sieh es als solchen an. Nächstes Mal wagst du es nicht, dich für mich fast in den Tod zu stürzen!“ Sein Gesichtsausdruck musste sein völliges Unverständnis ausgedrückt haben, da sie ein vages Geräusch von sich gab und eine zitternde Hand fest über ihre Augen rieb.
„Okay, okay. Heute nicht mehr. Ich muss jetzt wirklich duschen und mich ganz dringend hinlegen….“, damit stand sie wackelig auf und kam auf ihn zu, die warmen Hände auf seinen Schultern abstützend und seine dunklen Augen aufmerksam musternd. „Ich weiß, dass du das nicht verstehen kannst – aber bitte, bitte mach das niemals wieder. Ich könnte damit... nicht leben, denke ich.“ Damit beugte sie sich vor und küsste ihn auf die Stirn. Ihre Lippen streiften seine synthetische Haut und er verharrte völlig ruhig, ihren schnellen Herzschlag und den hohen Hormonlevel registrierend. Dann ging sie ohne ein weiteres Wort aus dem Raum und er blieb regungslos zurück.


// Nächster Morgen, 09:25 Uhr

Sie war mehr als nur gerädert. Nachdem sie geduscht hatte, war sie mit noch nassen Haaren ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen. Mehrmals war sie aufgewacht und hatte immer wieder das Gefühl gehabt, zu fallen. Erst als Claire ihr eine starke Schlaftablette gebracht hatte, war es besser geworden. Trotzdem war es natürlich eine ätzende Nacht gewesen – sie wusste nicht, ob sie überhaupt richtig geschlafen hatte.

Müde wie sie war, schleppte sie sich nun zum Frühstückstisch und war überrascht, Connor dort sitzen zu sehen, der die morgendliche Zeitung durchsah. Das digitale ultraschlanke Tablet leuchtete verhalten, als er die aktuellen Nachrichten durchging. Sie setzte sich auf ihren gewohnten Platz und musterte den leeren Tisch mit einem zweifelnden Gesichtsausdruck. Connor legte das dünne Datenpad zur Seite.
„Ich habe Claire heute Morgen früher zu ihrem Check-Up geschickt, um dir etwas Ruhe zu verschaffen. Und natürlich bis du bis nächste Woche freigestellt. Möchtest du etwas frühstücken?“ Sie schüttelte nur den Kopf und winkte ab.
„Nein, auf keinen Fall. Eine Tasse Tee…wäre jedoch nett.“ Er stand ohne ein Wort auf und ging in die Küche, sie in der angenehmen Stille des Wohnzimmers zurücklassend. Nur Minuten später wurde ihr eine dampfende Tasse Minztee vor die Nase gestellt, die sie dankbar nickend zwischen die Hände nahm. Die Wärme ging sofort auf ihre Hände über.

Erst einige Sekunden später bemerkte sie Connor wieder, der immer noch neben ihr stand und sie aufmerksam musterte. „Connor…?“
Er ging in die Hocke, war somit auf Augenhöhe mit ihr und sie meinte, sich eine gewisse Besorgnis in seinen braunen Augen einzubilden. Sie nahm heute überdeutlich wahr, dass CyberLife in seinem Design eine jungenhafte Unschuld mit einem absolut analytischen Verstand vereint hatte und so wohl versuchte, ihn überzeugend und vertrauensvoll wirken zu lassen. Auch seine Stimme war dafür geschaffen worden.
„Du musst etwas zu dir nehmen, Fabienne. Dein Körper hat nun bereits 24 Stunden keine Nahrung verwertet und du bist massivem Stress ausgesetzt gewesen. Es wäre klug, die fehlenden Reserven bald aufzufüllen.“ Ihr müdes Lächeln sprach Bände und sie schüttelte abweisend den Kopf.
„Ich habe keinen Hunger, danke. Mir ist nicht nach Essen.“ Er legte fragend den Kopf zur Seite. „Wie wäre es stattdessen mit einem Energieriegel? Oder kann ich sonst etwas für dich beschaffen?“ Sie schnaubte und eine heftige Wut trübte ohne Vorwarnung ihre Sinne – es war, als würde man Benzin ins Feuer gießen. Den Stuhl zurück schiebend stand sie auf und warf die Tasse samt Inhalt gegen die Wohnzimmerwand. Sie war schlagartig unfassbar wütend.

„Frag mich das nicht! Du empfindest doch überhaupt nichts dabei! Es ist dir doch völlig egal, wie es mir geht. Alles was ich dir sage tust du nur, weil du gewohnt bis zu gehorchen. Was bringt es mir, wenn ich dir sage was ich möchte?! Du tust es ja eh - ohne  freien Willen und ohne irgendein Gefühl dabei!“ Auf seinem Gesicht zeigte sich das Unverständnis eines Kindes, da er ihren Ausbruch nicht erwartet hatte und wohl auch nicht verstehen konnte. Er war in seiner Position verharrt und machte es so nur noch schlimmer. Seine Stimme war völlig tonlos, als er sie ansprach.
„Fabienne, ich bin eine Maschine und programmiert zu gehorchen - was ich möchte, ist völlig irrelevant. Ich habe nicht die Möglichkeit zu entscheiden, was ich tun möchte.“ Ihre Wut schien sich nur noch zu steigern und sie atmete schwer, sich unbewusst über ihre verletzte Wange reibend. „Das stimmt doch gar nicht! Wenn ich dich einkaufen schicke, wählst du das Obst selbst aus – denn da stehe ich nicht daneben und bestimme für dich! Wenn du eine Entscheidung treffen musst, ob eine Geisel stirbt oder nicht, sage ich dir das auch nicht. Natürlich kannst du selbst entscheiden! Du willst nur nicht!“
Er stand auf und schüttelte abweisend den Kopf, sich langsam an den massiven Esstisch lehnend. Ihr war klar, dass er ein Programm zur Interaktion in Streitfällen abspielte: eine betont lockere Haltung, entspannte Gesichtszüge und eine einfühlsame Tonlage. Seine braunen Augen hatten einen seltsamen Glanz und sie fragte sich nun tatsächlich, ob er von ihrem Verhalten genervt war.  Was wohl ein lächerlicher Gedanke war.

„Dieses Gespräch ist haltlos, Fabienne. Ich wähle das Obst nach den Kriterien aus, die mir vorgegeben sind: Haltbarkeit, Nährwert und Zustand. Die Entscheidung einer Geiselnahme dagegen richtet sich allein nach der jeweiligen Situation: eine Geisel zu retten, die laut vorberechneter Einschätzung verloren ist, ist sinnlos.“ Das Funkeln in ihren grünen Augen hätte jeden Menschen nervös gemacht. Sie grinste freudlos. „Ach, auf einmal? Was war das dann gestern? Du hast versucht mich zu retten, obwohl es mathematisch unmöglich war.“ Er zögerte einen Moment und nickte zustimmend. „Diese Entscheidung habe ich unter dem Gesichtspunkt getroffen, dich persönlich zu kennen. Du wärst von meiner Tatenlosigkeit enttäuscht gewesen, da du von mir  mehr erwartet hättest.“

Diese Antwort schien sie zu beschwichtigen, da die Wut schlagartig verschwand und die Spannung aus ihrem Körper wich. Müde sah sie ihn an. „Siehst du, dann triffst du eigene Entscheidungen. Du bist es nur nicht gewohnt.“
Damit ging sie zu einer großen roten Kommode und zog die oberste Schublade auf, zwei Krawatten aussuchend. „Stell dir vor wir gehen morgen Abend auf den Kongressball und du trägst einen schwarzen Anzug. Welche Krawatte würdest du wählen?“ Damit hielt sie ihm eine schlichte Schwarze und eine mit silbernen Nadelstreifen entgegen. Er musterte beide einen Moment und blickte sie wieder an. „Schwarz.“ Fabienne grinste schief.
„Weil….sie schlicht und unauffällig ist? Und besser zu einem Androiden passt?“ Er nickte zustimmend. Sie lächelte. „Dir ist aber schon klar, dass dir die Andere besser gefallen hat, Connor?“ Er zog fragend eine Augenbraue nach oben. „Wie kommst du zu dieser Annahme?“

Sie lächelte nun tatsächlich wieder so offen, wie er es von ihr gewohnt war. „Du hast sie dir länger angesehen. Zudem würde dir das Silber gut stehen.“
Sie räumte die Sachen wieder weg und starrte einen Moment schuldbewusst auf die zerbrochenen Scherben der Tasse, der Tee tropfe noch fröhlich von der weißen Wand. „Entschuldige. Ich wollte nicht so….undankbar sein. Anscheinend musste ich Stress abbauen... auch wenn es dir ja eh egal ist“, fügte sie tadelnd hinzu, eine Spur Humor schwang jedoch in ihrer Stimme mit. Connor trat neben sie und legte eine Hand auf ihren Rücken, sie mit sich nach draußen zur Terrasse ziehend.
„Diese Tasse war genauso ansprechend, wie das Muster der modernen Krawatte. Wie so vieles, geht jedoch auch einmal etwas zu Bruch - das nächste Mal wähle ich eine der schlichten weißen Tassen, die wohl deutlich weniger Verlust bedeuten.“ Ihr verdatterter Blick war kaum zu übersehen. Das Konzept hatte er ja schnell verstanden.
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