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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
13.03.2019 1.906
 
// Freitag Mittag 12:15 Uhr, Detroit Innenstadt, Quarter-Street

Fabienne lächelte schief und hakte sich bei Connor ein, der ihnen einen sicheren Weg durch die Menschenmenge auf dem Fußweg bahnte. Zur Mittagszeit war in der Innenstadt von Detroit die Hölle los und unzählige Menschen gingen ihren Erledigungen nach, besorgten sich etwas zu Essen und hetzten von einem Punkt zum anderen. Connor war heute im DPD beschäftigt und hatte sie daher für ein kurzes Mittagessen abgeholt, was sie mit einem heftigen Kribbeln im Magen freudig angenommen hatte. Es war für sie immer noch neu, dass er sich Zeit nahm, um Zeit mit ihr zu verbringen. Und er überraschte sie jeden Tag mit neuen Dingen.

Heute war es das kleine Restaurant gewesen, dass er für sie ausgesucht hatte. Während sie aß, hielt er sie mit einem aktuellen Bericht seiner Arbeit bei Laune und gab einige Kommentare von Anderson weiter, die sie zum lachen brachten. Sie hatte bereits bemerkt, dass er auch an diesem Menschen sehr hing. Da sie sich mehr auf Bürotätigkeiten im DPD konzentriert hatte – niemand würde sie so schnell wieder an einen Tatort bringen – sah sie Connor weniger oft, als ihr lieb war. Aber dennoch war er mittlerweile jeden Abend in ihrer kleinen Wohnung und ging den Interessen nach, die ihn so zu faszinieren schienen. Menschliche Reaktionen, intime Kontakte, sexuelle Erfahrungen, Interaktionen zwischen den Geschlechtern, das Prinzip von kitzligen Körperstellen.... die Liste war wohl deutlich länger. Sie hörte sich oft seine analytische Meinung dazu an, bevor sie ihn mit einem Kuss einfach unterbrach. Er lernte besser, wenn er Dinge selbst erlebte.

Seine breite Schulter schob sich in den Weg, als ein großer Mann sie fast anrempelte und dann mit einer gestotterten Entschuldigung wieder verschwand. Das Gedränge wurde immer dichter. Fabienne brummte mürrisch und schob sich unter Connor´s Arm, eine schmale Hand über sein weißes Hemd gleiten lassend und seine Bauchmuskeln nachfahrend. Sein brauner Blick glitt kurz fragend zu ihr hinab. „Fabienne?“
Sie lächelte breit.  „Ich bin gern bei dir, lass es mich etwas genießen. Können wir die U-Bahn nehmen?“, fügte sie fragend hinzu. „Wenn wir den Weg zu Fuß zurück zum DPD nehmen, brauchen wir bei dem Gedränge ja ewig. Die U-Bahn schafft es in 2 Stationen.“ Connor nickte bestätigend und bog in die nächste Straße rechts ein, wo sie auf den Untergrundeingang der Bahn zugingen. Ihr Smartphone vibriere in ihrer Tasche und sie zog es heraus, nur um den Anruf lächelnd anzunehmen. „Hallo, Hank. Wir sind schon wieder auf dem Weg zurück.“ Die mürrische Stimme am anderen Ende wirkte genervt. „Beeilt euch, ja? Fouler macht mir hier die Hölle heiß wegen ein paar Berichten und ich brauche dein Superhirn von Roboter, um aus der Nummer raus zu kommen.“
Fabienne schnaubte und tauschte einen belustigten Blick mit Connor. „Ja, damit er sie für dich in kürzester Zeit schreibt. Wir nehmen die U-Bahn zurück und sind in 15 Minuten da. Bye.“ Damit legte sie auf und schüttelte belustigt den Kopf. „Er nutzt dich aus, Connor. Auch wenn er dich auf nette Art und Weise ausnutzt.“ Er nickte zustimmend und hätte wohl zu einer Antwort angesetzt, hätte ihn in diesem Moment nicht etwas abgelenkt. Seine Aufmerksamkeit wurde von einer Gruppe Menschen gefesselt, die vor einem improvisierten Kreuz standen und leise vor sich hin murmelten. Die Gruppe hatte sich in eine kleinere Seitenstraße zurück gezogen und im vorbeigehen schlossen sich gelegentlich weitere fremde Menschen an.

Fabienne hatte diese kleinen Gruppen in letzter Zeit oft gesehen und sie ahnte, dass Connor dieses Verhalten seltsam vorkam. „Sie beten“, fügte sie belustigt hinzu und erntete einen fragenden Blick. „Mir ist das Konzept des Glaubens durchaus bekannt, Fabienne. Es ist nur... recht unzureichend belegt. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass eine Gottheit – egal welcher Glaubensrichtung – irgendwann einmal existiert hätte, oder gar bis heute die Geschicke der Menschheit lenkt.“ Sie lachte auf und schüttelte belustigt den Kopf. Der Eingang zur U-Bahn war ebenfalls überfüllt und sie kämpften sich die Stufen hinunter. „Ich verstehe was du meinst. Aber Menschen brauchen keinen Beweis, wenn sie an etwas glauben wollen. Eine höhere Macht, ein Wunder – vielen Menschen gibt es Trost und Hoffnung. Man glaubt an etwas, dass größer ist, als man selbst. Das kann vieles bewirken.“ Er nickte verstehend und sie reihten sich in die Schlange der wartenden Menschen ein. Zusammen mit ihr konnte er jeden Eingang benutzen und sich überall frei bewegen. Alleine hätte er sich zu den vielen anderen Androiden begeben müssen, die nach wie vor separate Eingänge und Abteile benutzen mussten.

Connor blickte auf ihren hellen Scheitel hinab und strich unauffällig mit seiner Hand zärtlich über ihre Hand, die noch immer auf seinem Bauch lag. „Glaubst du an etwas, Fabienne?“ Sie blickte auf und ihre grünen Augen funkelten belustigt. „Ich bin nicht sicher. Früher habe ich fest an Gott geglaubt und war jeden Sonntag in der Kirche – ich bin katholisch erzogen worden“, fügte sie hinzu, bis ihr einfiel, dass er das ja lange wusste. Ihre Daten waren für ihn ein offenes Buch.
„Nachdem meine Mum gestorben ist, hat das aber nachgelassen. Es war immer... schwer für mich zu verstehen, warum mir das passiert und Gott nicht eingegriffen hat, um meine Mum zu retten. Natürlich ist es Unsinn so zu denken, denn solche Dinge passieren einfach. Aber es hat mich eben dazu anders denken lassen. Ich bete heute noch zu Gott, auch wenn mein Glaube nicht mehr so stark ist, wie früher. Alles wohl einfach eine Glaubenssache“, fügte sie ironisch hinzu. Connor wirkte aufmerksam und interessiert, daher sprach sie weiter. Die U-Bahn würde immer noch 4 Minuten brauchen. „Ich glaube eher an Dinge wie das Schicksal.  Wobei wir ja mittlerweile wissen, dass auch Androiden an etwas glauben. RA9 ist nichts, dass irgendwo ein Mensch erfunden hat.“

Ihr Gespräch wurde jäh unterbrochen, als die Menschenmenge um sie herum plötzlich in Panik geriet. Schreie wurden Laut, die Unruhe ging wie ein Lauffeuer durch die Reihen und Connor wirkte angespannt, fast schon besorgt. So besorgt, wie sie es noch nie bei ihm gesehen hatte. Er zog sie fest an sich und bemühte sich, sie zum Rand der U-Bahn Plattform zu bringen, weg von all dem Chaos – die Menschenmenge setzte sich gerade panisch in Bewegung und schob sich unaufhaltsam zu den Ausgängen. Er schien bereits die Datenströme in der Umgebung abgerufen zu haben, da er sich leicht zu ihr hinunter beugte. „Ein Hilfsmodel der TK-Reihe ist für das Chaos verantwortlich. Er ist bewaffnet und hat das Feuer in einem Nebenkorridor eröffnet.“ Mit großen Augen blickte sie zu ihm auf, das Adrenalin schoss bereits durch ihre Adern. „Du musst dort hin, Connor. Es ist deine Aufgabe ihn zu stoppen.“ Er wirkte gefangen – zwischen seiner Programmierung, allen möglichen vorherberechneten Eventualitäten und ihrer eigenen Sicherheit. Denn hier war sie in Gefahr und so vielen Dingen ausgesetzt, die er nicht beeinflussen konnte. Sie griff fest nach seiner Hand. „Geh schon, Connor. Ich bleibe einfach hier am Rand stehen. Die Menge zerstreut sich schon. Los!“, fügte sie mit Nachdruck hinzu und er nickte. Mit einem flüchtigen Kuss auf ihre Lippen wandte er sich ab, sein Gesicht war bereits zu einer gefühllosen Maske geworden. Dann verschwand er im Gedränge.

Fabienne musste sich eingestehen, dass das hier keine ihrer guten Ideen gewesen war. Es war dumm von ihr, Connor weg zu schicken, auch wenn es das einzig Richtige war. Er war der Einzige, der im Moment noch mehr Chaos verhindern konnte, besonders wenn es sich um einen bewaffneten Abweichler handelte. Zwar war das DPD garantiert schon unterwegs – Connor dachte immer an alle Möglichkeiten – würde aber noch etwas bis hierher brauchen. Zudem mussten auch die Einheiten erst einmal diese Menschenmasse überwinden.
Allerdings hatte Fabienne unterschätzt, was eine aufgebrachte Ansammlung aus Menschen so anrichten konnte. Die panischen Menschen stolperten übereinander, rempelte sich zur Seite und nicht wenige stürzten zu Boden. Einige davon sah sie nicht wieder aufstehen.
Fast 250 Menschen drängten nun auf die schmalen Ausgänge nach oben und so stand sie mittlerweile sehr nahe am Rand der U-Bahn und bemühte sich, auch dort zu bleiben. Der Weg nach vorn war von Menschen blockiert, die sich panisch in die Gänge drängten. Und der Weg zurück bot ebenfalls weniger Optionen, da dort die Gefahr lauerte und nur immer noch mehr Menschen in ihre Richtung eilten. Und den Weg nach unten zu den unter Strom stehenden Gleisen, wollte sie auf jeden Fall vermeiden. Erleichtert atmete sie auf, als sie Connor aus einem der Korridore der großen Plattform auftauchen sah – zusammen mit einem blau uniformierten Androiden. Er hielt die Hände des anderen Androiden fest hinter dessen Rücken und wirkte kalt und kalkulierend. Die Gefahr war also vorbei, was sie sofort beruhigte.

Dann schrien die Menschen schräg vor ihr ohne Vorwarnung panisch auf, laute Schüsse hallten durch die hohen Gänge und die Menge bewegte sich rapide und unaufhaltsam auf sie zu. Connor war aus ihrem Sichtfeld verschwunden und obwohl alles in ihr danach schrie, dass sie hier weg musste, hielt sie die lähmende Angst an Ort und Stelle. Sie konnte sich vor Angst nicht bewegen.

Neben ihr stolperte ein älterer Mann, stürzte über den Rand und fiel mit einem dumpfen Geräusch auf die Schienen – im gleichen Moment, als ein Schwall Menschen sie ebenfalls zum Rand schob. Neben ihr stürzte ein Android über die Kante, bevor ein anderer Mann sie frontal anrempelte und aus dem Gleichgewicht brachte. Mit einem panischen Aufschrei stürzte sie rückwärts nach unten und sah aus den Augenwinkeln bereits die Lichtkegel der einfahrenden U-Bahn. Das helle Licht blendete sie, die Bremsen der Maschinerie quietschten vor Mühe, die vielen Tonnen Gewicht zum stehen zu bringen – und schon folgte der Aufprall auf die funkenden Schienen und der heiße Schmerz des Sturzes war blendend. Dann war es vorbei.

//
Hank Anderson blickte auf als die Nachrichten sich für eine Sondermeldung unterbrachen und er starrte fassungslos auf den Bildschirm. Die Nachrichtensprecherin wirkte angespannt und im Hintergrund blendete man das Bild der brennenden U-Bahn Station ein, die sich nur 2 Stationen von hier befand.

„Wir unterbrechen das Programm für eine Eilmeldung! Vor 15 Minuten hat es in der Quarter-U-Bahn-Station einen schweren Zwischenfall gegeben. Mehrere bewaffnete Androiden haben dort einen Anschlag verübt und wahllos in die wartende Menschenmenge geschossen. Die einfahrende U-Bahn hat mehrere Menschen erfasst, die im heillosen Gedränge auf die Gleise gestürzt sind. Durch die Entgleisung der Wagons ist der Tunnel in Brand geraten, die Löscharbeiten dauern noch an. Es gibt bisher 45 bestätigte Todesfälle und viele schwer verletzte Opfer. Wir berichten natürlich weiter live für Sie.“
Hank bemerkte nur am Rand wie ihm die Kaffeetasse aus den Händen glitt und das Keramikgefäß auf dem Boden zerschellte.
//


Tja.... da war´s ;)
Diese Geschichte ist hiermit zu Ende. Der nächste Teil ist ja bereits online - die Fortsetzung heißt "Dedication". Und ja, es gibt eine Fortsetzung, denn ich wollte auch endlich mal eine Geschichte abschließen.

Einen herzlichen Dank an alle Reviews, Empfehlungen und die unzähligen Klicks! Jedes hat mich gefreut und ich freue mich natürlich weiterhin über alle Rückmeldungen! :)

(eine kleine Anmerkung dazu: ich beantworte Reviews grundsätzlich nicht. Mir fehlt schlicht die Zeit dazu, mich ständig zu rechtfertigen und auf alle Fragen zu antworten, die so auftauchen. Tut mir Leid, aber ich mache das hier rein in meiner Freizeit und würde ich noch auf  alle Fragen / Einwände / Kritiken eingehen, käme ich gar nicht mehr zum schreiben - was ja mein eigentliches Hobby ist ;)
Daher schreibt mir gern bei brennenden Fragen eine priv. Nachricht. Viel Freude mit der Fortsetzung!)
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