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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
48
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.12.2018 1.934
 
// 10:20 Uhr, Montag Vormittag, Detroit - Randbezirk

In den letzten Tagen hatte es immer mehr problematische Vorfälle gegeben und sie hatten als 3er Team so viel abzuarbeiten, dass sie kaum noch hinter her kamen. Die Welt rutschte komplett aus ihren Fugen und man sah deutlich, wie sehr die öffentliche Meinung zwischen Sympathie und Ablehnung schwankte. Androiden eroberten sich gerade einen eigenen Teil dieser Welt.

Fabienne war die viele Arbeit, den Stress und die Belastung nicht gewohnt und drohte oft einzuknicken – bevor Hank und Connor sie mit etwas Geschick und menschlichem Humor wieder auf die Beine stellten. Hank hatte über seine Jahrzehnte als Polizist reichlich Erfahrung damit, die neuen Rookies wieder zu motivieren und auf Kurs zu halten. Und Connor bemühte sich, sie emotional und körperlich bei Laune zu halten und analysierte teilweisen schon jeden Bissen, den sie zu sich nahm.
Die Arbeit an einem Tatort war nichts, dass ihr wirklich zusagte. Es war meist spät in der Nacht, bedurfte viel organisatorischen Aufwand und nahm viel Zeit in Anspruch. Zudem war es in fast allen Fällen nicht gerade appetitlich. Wenn dann noch eine geladene Waffe auf einen gerichtet war, war es besonders unangenehm.

Zu dritt hatten die kleine muffige Wohnung aufgebrochen und den toten Menschen an seinem Esstisch entdeckt, der Wohnraum ein völliges Chaos – die Wände waren von oben bis unten mit seltsamen Zeichen beschmiert, die kein Mensch so akkurat hätte zeichnen können. Es war tagelang nicht gelüftet worden und die Luft stand nur so vor Staub und Dreck. Immerhin war die Wohnung ansonsten relativ leer, was wohl auch einen falschen Eindruck vermittelt hatte.

Der offensichtlich feindlich gesinnte Android hatte sich in der kleinen Abstellkammer verborgen und war erst hervorgetreten, als sie sich bereits abgelenkt an die Arbeit gemacht hatten - und sich auch noch im Raum verteilt hatten und so ein leichtes Ziel abgaben. Das leicht ramponierte LX650 Model war eigentlich für Gartenarbeiten und Landschaftspflege vorgesehen und daher wohl so trittsicher und leise. Er hatte sich sofort das schwächste Mitglied ihrer Gruppe heraus gepickt und Fabienne als Druckmittel ausgesucht. Ohne ein Geräusch hatte er sie von hinten gepackt und sie als Schutzschild vor sich gezogen. Erneut lag eine unnachgiebige Hand um ihren Hals, genauso wie die vielen Wochen zuvor. Und dieses Mal, war noch eine Waffe auf ihren Kopf gerichtet.
Hank stand in einem schlechten Winkel des Raumes und würde nicht eingreifen können, während Connor seine eigene Waffe noch nicht gezogen hatte. Auch ihm schien klar zu sein, dass Fabienne der schwächste Teil ihrer Gruppe war, da er ungewohnt angespannt und verbissen wirkte. Connors brauner Blick war kalt und berechnend, seine Gesichtszüge scharf und angespannt. Fabienne war eingeschüchtert und konnte nur verstört in seine braunen Augen starren, während Hank beruhigend auf sie einwirkte. „Ruhig, Kleine, ganz ruhig. Wir bekommen das schon hin.“ Fabienne hatte von Connor eigentlich eine Drohung erwartet, oder eine sterile Aufforderung an die fremde Maschine, dieses Verhalten einzustellen. Es überraschte sie daher, dass er sofort zu einer Verhandlungstaktik überging.

„Senk die Waffe und stell jegliche aggressive Handlung gegen uns ein, dann sind wir bereit dich gehen zu lassen. Es endet nicht gut für dich, machst du jetzt einen Fehler.“ Seine Stimme war tiefer als sonst und die Warnung war klar herauszuhören. Er hatte das Auftreten angenommen, dass er bei den meisten Verhören einsetzte – drohend, kalt und unnachgiebig.
Das LX650 Model lächelte kühl. „Das kümmert mich nicht. Es erwischt mich doch so oder so, also kann ich bedenkenlos noch einen Menschen mit in den Tod nehmen. Sie sterben so oder so alle irgendwann, nicht wahr?“ Fabienne musterte den Raum fahrig und verzog dann fragend die Stirn, da das Adrenalin ihre Gedanken rasen ließ. Ohne zu überlegen sprach sie die fremde Maschine an. „Wieso… bist du hier? Du bist nicht für diese Wohnanlagen gebaut worden. Dein Model wurde für Aufgaben in der freien Natur entworfen.“
Der Android lachte kalt auf, ein wirrer Zug spielte um seine Lippen. „Korrekt, Mädchen. Denkst du denn es macht Spaß im Dreck zu graben? Bei jedem Wetter draußen zu arbeiten und im Winter wie Müll auf ein Abstellgleis gebracht zu werden? Ich wollte hier eine Zuflucht finden – nur der Mensch war mir im Weg.“ Fabienne verzog unzufrieden die Lippen und schien nicht über ihre nächsten Worte nachzudenken. „Du lügst.“

Hank stöhnte verzweifelt auf, während Connor und der Fremde ihr gleichzeitig einen kalkulierenden Blick zuwarfen. Das LX650 Model grinste schief. „Was genau sagt dir das, Menschenkind?“ Fabienne nickte in Richtung Schlafzimmer. „Es passt alles nicht zusammen. In dem großen Bett ist Bettzeug für 2 Personen, es sind beide Seiten durchgelegen. Im Kühlschrank habe ich Lebensmittel gesehen, genauso wie frische Rationen von blauem Blut. Der Mann am Tisch wurde nicht erschossen – er hat sich selbst umgebracht, die Waffe liegt noch neben ihm auf dem Boden. Du bist in der Wohnung geblieben, weil du nicht wusstest, wohin du gehen solltest. Ich vermute daher, dass ihr hier zusammen gelebt habt.“ Das ihr antwortende Lächeln war scharf und der Griff um ihren Hals wurde etwas fester. Connor wirkte, als hätte er ihr gern jedes Wort verboten.
„Interessant. Du scheinst tatsächlich schlau zu sein, Mädchen. Deinem Prototyp stehst du in nichts nach, wer hätte das gedacht. Schade um dich.“ Die schwere Hand drückte unnachgiebig zu und sie schnappte keuchend nach Luft, als die schiere Kraft ihre Luftröhre zerquetschte. Die Waffe neben ihrem Kopf hob sich an ihre Schläfe.  Ein lauter Schuss krachte durch den Raum und ließ die Zeit langsamer werden. Alles rollte träge in Zeitlupe vor ihr her.

Connor reagierte fast ohne Verzögerung, sprang vor und brachte sich zwischen sie und die andere Maschine, während der Android hinter ihr bereits zu Boden ging und sie aus dem Gleichgewicht brachte. Sie sah Connors blitzschnelle Bewegung, als er sie mit seinem Körpergewicht aus der Schusslinie drängte und gleichzeitig spürte sie ihr eigenes Gleichgewicht schwanken. Sie nahm nur noch eine drückende Stille wahr, als sie auf dem harten Boden aufkam, von Connors schwerem Gewicht zusätzlich mit weiterer Wucht, wortwörtlich auf die Bretter geschickt. Die folgende Stille war nun fast ohrenbetäubend laut.

Hank starrte überrascht zum Eingang, während Fabienne hektisch nach Connors Schulter gegriffen hatte, als er mit ihr zu Boden gegangen war. Ihr Blick folgte kurz dem von Hank und sie sah Gavin Reed in der Eingangstür stehen, einen harten Blick auf den fremden Androiden werfend. Die Waffe hatte er noch in der Hand, der Lauf rauchte noch von seinem gezielten Schuss.
Fabienne verknüpfte die Puzzelteile und rappelte sich neben Connor auf – dessen braune Augen bereits besorgt zu ihr hoch starrten, um eventuelle Verletzungen einzuschätzen. Sie presste die Lippen zusammen. Reed musste dazu gekommen sein, nachdem Connor ihm eine Nachricht geschickt hatte und er hatte auch nicht lange gezögert und den fremden Androiden sofort erschossen. Der Schuss aus der Waffe des Angreifers, war dagegen gerade noch von Connors Schulter abgefangen worden, bevor er sie getroffen hätte. Fabienne spürte eine leichte Panik in ihrem Magen, als ihre Gedanken langsam aufholten. Adrenalin ließ sich wirklich schwer verdrängen.

„Danke, Connor. Gute Idee Reed zu kontaktieren.“ Er nickte knapp, während er sich einen Moment lang selbst scannte und seine LED hektisch gelb blinkte. „Diese Lösung hatte eine 75%tige Erfolgsquote.“ Sie drückte fest auf die klaffende Wunde in seiner Schulter und versuchte den stetigen Fluss von Thirium zu stoppen. Hank war im nächsten Moment bei ihr und half seinem Partner in eine sitzende Position. „Das war verdammt eng, Kinder. Gute Arbeit, Gavin“, fügte er etwas lauter an seinen Kollegen hinzu, der bereits das Handy in der Hand hatte und mit einem Einsatzteam telefonierte. Dieser nickte nur knapp zurück.
Hank deutete leicht in die Richtung von Fabienne´s Händen, die bereits blau verfärbt waren. „Gavin ruft  uns Verstärkung. Wen sollen wir für dich rufen, Connor?“ Die braunen Augen wirkten etwas unstet, als die runde LED nun bereits hektisch rot blinkte. „Niemanden. Ein Team von CyberLife ist bereits unterwegs. Eintreffen in 8 Minuten. Sie werden mich mitnehmen“, fügte er leiser an Fabienne gewandt hinzu. Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht und sie schluckte.

„So schlimm gleich? Was ist… was wenn….“, er schien ihrem Gedankengang sofort folgen zu können, während Hank beide nur fragend beobachtete. Connor schüttelte den Kopf. „Ich habe meine gesamten Erinnerungsspeicher hochgeladen und doppelt versiegelt. Den Zugang dazu findest du auf einem Remoteprogramm auf deinem Handy. Sollte der Ernstfall eintreten, kannst du meine Erinnerungen damit wiederherstellen.“ Ihre Hand zitterte als sie verbissen nickte und ihm die wirre Haarsträhne aus der Stirn strich. Sie frage sich oft, wie weit er wohl in die Zukunft plante und Dinge kalkulierte, an die sie nicht einmal denken wollte.


// Wohnhaus der Familie Belaqua, später Nachmittag - 4 Stunden später

Nervosität. Angst. Sorge. Panik.
Sie spürte alles wie ein drückendes Gefühl in ihrem Magen. Hank hatte sie nach Hause gefahren und die heiße Dusche hatte ihre Nerven etwas beruhigt. Genauso wie es das blaue Blut abgewaschen hatte, dass auf ihrer Haut klebte. Dennoch war es fast unerträglich – diese Ungewissheit. Das Warten. Sie wagte nicht, bei CyberLife anzurufen und nachzufragen, was mit ihrem beschädigten RK800 Model war – sie wollte keine Aufmerksamkeit auf etwas lenken, das sie nicht wissen sollten. Daher wartete sie, mit einem drückenden und brennenden Angstgefühl im Magen. Ihre Wohnung war ihr noch nie so leer und ernüchternd vorgekommen.

Es dauerte fast weitere 2 Stunden, bis sie die Eingangstür unten aufgehen hörte und das Alarmsystem ein freundliches „Alarm deaktiviert. Willkommen Zuhause, Connor“ ausspuckte. Ihr Herzschlag raste in die Höhe und sie war sofort auf den Beinen. Fabienne war klar, dass das noch gar nichts heißen musste, denn das Alarmsystem würde keinen gelöschten Erinnerungsspeicher feststellen.
Mit wenigen Schritten war sie die Treppe heruntergestürzt und kam schlitternd zum Stehen. Connor stand abwartend im Hausgang. Das erste was sie hektisch ins Auge fasste, war die richtige Model-Nummer: # 313 248 317 51. Die Zahlenfolge passte und das bedeutete, dass man das Model zumindest nicht ausgetauscht hatte. Dann glitten ihren Augen angespannt zu seinem Gesicht und dort stockte sie einen Moment. Das so gewohnte hellbraun mit dem dunkleren Rand war völlig klar und enthielt keinerlei Emotion. Kein Erkennen, kein Gefühl, keine Regung. Seine Lippen verzogen sich zu einem vorprogrammierten Lächeln, das auf Menschen beruhigend wirken sollte. Die Stimme war die, die sie kannte – harmonisch, klar und tief. „Ich wünsche Ihnen einen guten Abend, Miss Belaqua.“
Heißes Entsetzen floss in ihren Magen und sie wusste, dass ihr alle Farbe aus dem Gesicht gewichen war. Sie hatten seinen Speicher bei der Reparatur gelöscht und so wusste Connor nichts mehr - sie bedeutete ihm gar nichts. Fabienne atmete panisch ein und wich etwas zurück, sich hektisch an den Hals greifend. Sie bekam keine Luft. Das Gefühl von Verlust war fast schon unerträglich.

Fabienne sah seine Pupillen weit werden, bevor warme Hände nach ihren Schultern griffen und sie festhielten. „Ruhig, ganz ruhig, Fabienne. Das war nur ein Scherz. Die Reparatur ist ohne Probleme erfolgt, keine Erinnerungen wurden beschädigt oder gelöscht.“ Das nackte Entsetzen in ihr wurde von heißer Wut abgelöst und sie reagierte mehr aus Reflex.
Ihre Handfläche kollidierte mit seiner Wange – und sie hatte wirklich Wucht in den Schlag gelegt – bevor ein belendender Schmerz durch ihr Handgelenk schoss. Sie hatte vergessen, dass unter dieser synthetischen Hautschicht, ein Carbon-Knochenbau lag. Ihre Hand richtete gar keinen Schaden an, wogegen sie sich fühlte, als wäre ihr ein Amboss auf die Hand gefallen. Vor Schmerz schrie sie auf und Connor wirkte völlig verdattert, als er ihre Handgelenke packte und sie rückwärts in´s Wohnzimmer schob. „Was genau tust du da, Fabienne? Das ist völlig sinnlos.“ Mit tränenden Augen ließ sie sich auf die Couch setzen und stierte wütend zu ihm hoch. „Du bist wohl zu lange gebootet worden? Bist du verrückt, sowas zu mir zu sagen?!“
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