Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
23.08.2018 1.815
 
// 2 Tage später, Innenstadt von Detroit, 12:45 Uhr

Fabienne hatte ihre flexible Mittagspause genutzt und sich in den Läden der Innenstadt umgesehen, sich dort die Zeit vertrieben und einige Dinge eingekauft. Schon seit einer Weile beschlich sie nun ein seltsames Gefühl und sie hatte gelernt, darauf zu hören. Daher trat sie nun zurück auf die Hauptstraße nahe der U-Bahn Station und zog ihr Handy aus der Tasche. Im gleichen Moment bemerkte sie daher gegenüber eine Gestalt aus den Augenwinkeln und ihr Gefühl bestärkte sich nur noch. Recht fassungslos musterte sie den Mann auf der anderen Straßenseite, dessen abgewetzter Mantel nicht über sein gutes Aussehen hinweg täuschen konnte. Und sie wusste sofort wer er war.

Mit wenigen Schritten hatte sie die Straße überquert und näherte sich der kleinen Mauer, auf der er saß. Es war ein weiterer Schock, als sich nun zwei unterschiedliche Augen auf sie richteten – der Blick war ihr fremd, denn sie erkannte nur das grüne Auge davon, das blaue Auge passte nicht ganz ins Bild. Über seine attraktiven Gesichtszüge huschte eine Spur Überraschung, als er zu ihr auf sah. Fassungslos griff sie daher nach seiner Schulter, die sich unter ihrer Hand tatsächlich solide und fest anfühlte.
„Ich dachte du bist tot“, stellte sie tonlos fest. Markus war sofort auf den Beinen und nach einem kaum merkbaren Zögern, drückte er sie fest an sich. „Fabienne. Es ist... ich hätte nicht gedacht, dich noch einmal zu treffen.“ Sie schlang die Arme um ihn und klammerte sich regelrecht an ihm fest. „Wow, das ist verrückt. Ich wusste dass ich dich wiedersehen würde, Markus. Woher auch immer.“ Markus lachte leise auf. „Wenn mich jemand findet, dann wohl nur du. Du hast ein Talent dafür. Hast du... Carl besucht?“

Sie hörte die Sorge in seiner Stimme heraus und nickte, sich nur widerwillig von ihm lösend. Er bedeutete ihr mit einer Handbewegung sich neben ihn auf den Rand der flachen Steinmauer zu setzen. Sie drückte weiterhin fest seine warme Hand, als würde er gleich wieder verschwinden. „Ja, ich habe ihn besucht. Es geht ihm nicht so gut, aber er hält sich tapfer. Was.... darf ich fragen was genau du hier machst? Wieso bist du nicht Zuhause?“
Markus zögerte einen Moment und seine andere Hand strich warme Kreise über ihren Rücken. Er hatte für menschliche Bedürfnisse schon immer einen guten Instinkt gezeigt. „Ich würde es dir lieber nicht sagen, Fabienne. Es ist nicht meine Art, jemanden in meine Probleme mit hinein zu ziehen. Sagen wir einfach, ich finde gerade meinen eigenen Weg in dieser Welt. Aber ich werde Carl auf jeden Fall in Kürze besuchen - er ist wie ein Vater für mich“, fügte er ernst hinzu. Sie wusste, dass es aus seinem Mund ein Versprechen war. Lächelnd nickte sie.
„Ich bin mit allem zufrieden wenn ich weiß, dass es dir gut geht. Und ich habe so meine Vermutungen.“ Ihr offenes Grinsen kannte er bereits und auch ihre meist so treffenden Vermutungen. Zufrieden nickte er. „Ich weiß, du bist gut darin. Mir ist zu Ohren gekommen, dass der Prototyp von CyberLife bei dir lebt? Der, der gegen die Abweichler ermittelt. Stimmt das?“ Er kannte sie lange genug um die roten Wangen, den kurzen Moment des Schocks und die weiten Pupillen zuordnen zu können. Oft hatte es ihn früher verwirrt in seine eigenen Augen zu sehen, wenn er sie ansah. Deshalb verstand er sie aber nun wohl auch so gut. „Oh, ich sehe schon. Es ist mehr an ihm, als nur der Jäger, nicht?“ Fabienne schwieg eisern und starrte ihn abschätzend an. Markus lächelte nur und schüttelte den Kopf, sie fest an sich drückend. Menschen waren faszinierend.


/
Sie hatte Connor absichtlich verschwiegen, dass sie Markus am Mittag getroffen hatte. Ihr Gefühl sagte ihr, dass Connor ihm nicht wirklich zugetan war und es nicht gut wäre, würde er wissen, dass Markus frei durch die Stadt lief. Seine Reaktion auf den Polizeibericht von Carl´s Haus war nicht gut gewesen, daher wollte sie das Thema auch nicht mehr ansprechen. Zudem war ihr klar, dass etwas im Gange war – die vielen verschwundenen Androiden, die vielen Abweichler und dann dieser heftige Ausbruch von freiem Willen. Es würde sich etwas verändern, egal wie sie Veränderungen auch hasste.

Es war für sie zudem sehr einfach gewesen, sich wieder auf den Connor einzulassen, den sie kannte. Er war jederzeit freundlich, offen und neugierig und entwickelte teilweise seinen ganz eigenen Charme mit einer Spur ironischem Humor. Daher verdrängte sie die schlechten Gedanken und ging ihren Leben nach – erledigte ihre Arbeit zuverlässig, verfolgte diverse Forschungsprojekte und versuchte Connor in allen Belangen zu unterstützen. Oft gab es Tage an denen er mit Fragen zurück kam, die sie nur schwer beantworten konnte. Soziale Interaktionen, menschliches Verhalten und diese verwirrenden Gefühle. Es kam nicht selten vor, dass er auch nach ihren wortreichen Erklärungsversuchen noch fragend vor ihr saß und sie einfach nicht wusste, wie sie ihm die Welt noch erklären konnte.
Ihre Gespräche waren oft ausschweifend, lang und kompliziert geworden. Fabienne war froh nicht mit Dummheit geschlagen zu sein und so viele Aspekte des menschlichen Lebens erklären und auch verstehen zu können. Teilweise wurde sie von Connor mit Fragen konfrontiert, die ihr einen Moment lang die Sprache verschlugen und die Welt in einem ganz anderen Licht darstellten. Nicht selten verdrehte sie aber auch die Augen und wehrte ihn mit den Worten „ich bin nicht Gott, ich hab´s nicht gemacht“ ab.

Gravierend war ihr die Veränderung aufgefallen, die er in der kurzen Zeit zwischen ihrem Besuch bei Carl und seiner Ermittlung im Eden Club vollzogen hatte. Seine fast schon wütende, kalte Reaktion auf den Fall von Markus war damals sehr abschreckend gewesen. Dagegen waren seine Zweifel bezüglich der beiden Traci´s schon wieder extrem menschlich gewesen und zeigten eine Entwicklung seines Charakters. Seine Sichtweise hatte sich in kurzer Zeit gedreht, da auch an ihm diese Vorfälle nicht einfach vorbei gingen. Es war eine Veränderung, die wohl niemand mehr aufhalten konnte. Sehr amüsiert hatte sie zudem akzeptiert, dass Hank ihn praktisch als eine Art Sohn adoptiert hatte – gegenüber Connor war er offen, besorgt, freundlich und nahm die Rolle eines mürrischen Mentors ein. Nicht selten gerieten die Beiden in die seltsamsten Situationen und Fabienne stand meist nur lachend daneben und ertrug den säuerlichen Gesichtsausdruck von Hank, während Connor sie mit einer Spur neugieriger Verwunderung ansah.

In letzter Zeit hatte sich Fabienne angewöhnt ihn zu küssen, ohne vorher zu fragen und er hatte gelernt diese intime Geste sofort zu erwidern. Sie tat es nur wenn sie allein waren und auch ihre vertrauten Berührungen fanden mit Bedacht statt. Connor wusste genau warum: offene Beziehungen mit Androiden waren nicht gerne gesehen und sie wollte es ihrem Vater auch nicht auf die Nase binden. Die Konsequenzen wären vorhersehbar unschön.
Connor hatte neben seiner Ermittlungsarbeit auch versucht diese.... Beziehung auszubauen. Fabienne war für ihn wie ein buntes, lebendiges Rätsel dass ihn jeden Tag auf´s Neue forderte und beschäftigte. Er versuchte nach wie vor Bestleistungen zu bringen und löste die ihm zugeteilten Fälle mit Erfolgsquoten. Die Arbeit mit Lt. Anderson war interessant, wenn auch oft verwirrend. Und nebenbei versuchte er die Bedürfnisse einer jungen Frau zu erfüllen, die von ihm völlig fasziniert schien.
/

// Montag, 8. November, Wohnzimmer, 13:15 Uhr

Die nächste Welle dieser Veränderung lies dann nicht mehr lange auf sich warten. Fabienne hatte gerade mit ihrem Vater zu Mittag gegessen und einen der wenigen ruhigen Tage genossen die sie sich frei genommen hatte, als sich die Welt mit einem großen Sprung veränderte.
Das gesamte Fernsehprogramm wurde schlagartig unterbrochen und eine Sondermeldung ging wie ein Lauffeuer durch alle Kanäle. Eine Gruppe Androiden hatte den Stratford-Fernsehturm des Channel 16 mit einer friedlichen Aktion gekapert, eine wortreiche Botschaft verfasst und war dann ohne weitere Hinweise entkommen. Es gab keine Verletzten und keine Drohungen – nur die Bitte um mehr Toleranz, Freiheit und Offenheit gegenüber den Maschinen und der unweigerlich kommenden Veränderung.

Recht fassungslos hatte sie mit ihrem Vater zusammen die Nachrichten beobachtet und sofort gewusst, dass sich nun alles gravierend verändern würde. Sie hatte es bereits lange erwartet und ihr war klar gewesen, dass Markus hierin eine Rolle spielen würde. Denn diese Stimme und diese Augen hätte sie überall erkannt, ob Markus nun seine künstliche Haut trug oder nicht. Dieses stilisierte Gesicht mit der weißen Plastik-Carbon-Legierung trug trotz allem seine ganz eigenen Gesichtszüge. Und ihr war klar, dass auch Connor ihn wiedererkennen würde.
Ihr Vater brummte tief, als er sich die Forderungen dieser Gruppierung anhörte und sie wusste, dass es ihn nicht wirklich überraschte – mit einer solchen Entwicklung hatten sie schließlich beide schon gerechnet. Allerdings war es das „wie“, dass sie nun verblüffte. Auch Fabienne hätte nie geglaubt, dass sich die Androiden auf diesem Weg ihre Eigenständigkeit sichern wollten. Andererseits – was blieb ihnen auch sonst über?
Als die Übertragung endete und sich alle Nachrichtensender hektisch darauf stürzten, begann sie mit ihrem Vater eine verstörend ruhige Debatte über dieses Thema, bevor er von seinem Job abgelenkt wurde. Als Clarie ihm sein Smartphone brachte, er sich entschuldigte und aus Raum ging, griff sie selbst nach ihrem Handy. Nervös tippte sie eine Nachricht an Connor.

-Hast du es gesehen? Ermittelst du dort?-
Nur Sekunden später erhielt sie eine Antwort.

-Ja. Ich bin mit Lt. Anderson vor Ort und untersuche den Vorfall.-
Sie seufzte besorgt und spürte das ungute Gefühl in ihrem Magen.

-Sei vorsichtig-
Die Antwort kam ebenfalls postwendend.

-Selbstverständlich.-

Ihr Vater war kurze Zeit später sofort auf den Beinen gewesen und hatte seine Unterlagen zusammen gesucht, als bereits sein Handy erneut geklingelt hatte und er vom DPD abgezogen wurde. Innerhalb von Minuten war er aus der Tür geeilt und sie blieb mit einem flauen Gefühl im Magen zurück.

Ihr besorgter Blick war über Clarie gewandert, die schon so viele Jahre an ihrer Seite war – und das wohl auch bleiben würde. Das nun wirklich alte Modell dieser Baureihe war nicht so weit entwickelt worden, dass sie die nötigen Komponenten hatte, um einer Revolution irgendwie zu folgen. Da ihre blaue LED bei den Nachrichten und Markus Rede nicht einmal geblinkt hatte, war tatsächlich keinerlei Reaktion da. Fabienne war sich sicher, dass sich diese Veränderung auch nur auf eine Reihe neuerer Modelle übertragen würde – alle älteren Modelle waren wohl inkompatibel. Zumindest war ihr noch kein älteres Model unter gekommen, dass die gleichen Auffälligkeiten zeigte.
Es war nun unvermeidbar: die Welt musste sich verändern und sie fragte sich ernsthaft, wie das gehen sollte. Die Menschen waren gewohnt, sich von den Maschinen bedienen und lästige Arbeiten einfach erledigen zu lassen. Die Arbeitslosigkeit war rapide gestiegen, da niemand mehr die Straßen fegen wollte, auf Baustellen arbeiten oder gar für die städtische Müllabfuhr tätig sein wollte. Menschen hatten gelernt, dass niedere Arbeiten nicht mehr nötig waren – sie waren lieber arbeitslos, als solche Jobs anzunehmen. Und das war es, was ihnen das Genick gebrochen hatte und weshalb heute die Hälfte der Bevölkerung arbeitslos war. Auch das würde sich nun wieder verändern müssen, egal wie sich dieser Konflikt nun entwickeln würde.
//
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast