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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
48
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
21.08.2018 1.930
 
Danke für Rückmeldungen und Empfehlungen! Ich freue mich über jede Einzelne und das spornt einen Schreiberling natürlich sehr an ;)

Für alle die sich auch über Leo´s Schicksal gewundert haben (@ Nigrum, nicht nur du hast dich das gefragt) - SPOILER - das kommt natürlich auch auf Eure Entscheidung im Spiel an ;)
Wird Markus in dieser Szene zum Abweichler/Deviant, dann stößt er Leo zurück und hierbei stürzt Leo und verletzt sich. Bleibt Markus dagegen seinem Befehl treu, und tut nichts, stirbt Carl an einem Herzinfarkt…  


// Detroit, Wohnhaus der Familie Belaqua - 6:25 Uhr

Fabienne hätte wohl darauf gefasst sein müssen, dass bestimmte Dinge nicht einfach von allein verschwanden. Es hätte ihr klar sein müssen, dass Connor keinerlei Absicht hatte, sie einfach so in Ruhe zu lassen. Was sie jedoch nie geahnt hätte war die Tatsache, dass auch Hank Anderson in einer ähnlichen Spirale gefangen schien.

Der frühe Morgen war kalt und neblig und sie war zeitig aufgestanden, um der vielen Arbeit im Büro noch irgendwie Herr werden zu können. Das erste Problem war dann das schlechte Wetter gewesen, dass ihre Laune weiterhin den Keller fallen ließ.
Das nächste Problem war danach das alte, schrottreife Auto von Hank Anderson, dass unpraktischer Weise vor ihrer Garage parkte und ihr den Weg versperrte. Fragend trat sie daher aus der voll automatischen Garagentür und lächelte schief, als Hank sofort aus seinem Auto ausstieg – müde, verkatert und mit einem grässlichen Hemd in orange und blau.
„Fabienne! Verflucht, ihr Kinder werdet so schnell erwachsen.“ Sie ließ sich anstandslos fest von ihm drücken und genoss einen Moment lang die Geborgenheit ihrer Kindheit – er hatte sie oft herumgetragen und auf sie aufgepasst, noch bevor er selbst seinen Sohn gehabt hatte. „Hey, Hank. Schön dich zu sehen. Was machst du hier?“ Seine eisblauen Augen musterten sie aufmerksam. Er kannte sie schon so viele Jahre, dass es weh tat – er hatte sie schon auf dem Arm gehabt, da war sie noch keine 24 Stunden alt gewesen. Nur weil der Kontakt in den letzten Jahren weniger geworden war, war dieses Gefühl jedoch nicht einfach weg.

Hank lächelte ihr schief zu. „Ich hole meinen verrückten Robo-Partner ab. Seit er das letzte Mal bei mir aufgekreuzt ist, lasse ich ihn nicht mehr allein in mein Haus. Er kann unangenehm direkt sein und man wird ihn einfach nicht mehr los, ganz zu schweigen von dem kaputten Fenster in meiner Küche.“ Fabienne grinste schief und ignorierte den Stein, der ihr bei seinen Worten in den Magen fiel. „Das verstehe ich. Er kann wirklich anstrengend sein“, fügte sie hinzu als Connor aus der Haustür trat. Seine braunen Augen musterten sie aufmerksam und er trat mit langen Schritten näher. „Guten Morgen, Fabienne. Lt. Anderson.“
Fabienne drückte kurz Hank´s Schulter und wandte sich ab, die beiden ohne ein weiteres Wort einfach stehen lassend. Hank winkte Connor zu. „Los, wir haben wieder einen Fall vor uns. Steig schon ein.“ Connor blickte Fabienne hinterher, seine LED blinkte einen Moment gelb. Dann folgte er seinem unfreiwilligen Partner zum Auto.

// Laborgebäude CyberLife, Büro von Fabienne - 10:15 Uhr

Nur einige Stunden später bekam Fabienne die Quittung für ihren sauberen Abgang am Morgen und war nicht wirklich überrascht, dass sich Connor Zugang zu ihrem Büro verschafft hatte und dort vor ihrem Schreibtisch saß und wartete, bis sie von einer Besprechung zurück kam.
Er saß steif und gerade auf dem Stuhl, sein Blick war fest nach vorn auf die gegenüberliegende Wand gerichtet. Sie seufzte lautlos und warf ihre Notizen auf den Tisch, bevor sie sich ihm gegenüber an ihren Schreibtisch setzte. „Connor....warum bist du hier?“

Die braunen Augen musterten sie einen Moment lang und der Blick darin war kühl und klar. Als wäre Nichts dahinter, nur nackte Programmierung und Berechnung. „Hallo, Fabienne. Ich würde gerne unser Gespräch von gestern noch einmal aufgreifen. Es war nicht sehr zufriedenstellend für dich."
Da sie nicht antwortete, fuhr er fort. "Ich möchte mich bei dir entschuldigen - meine Reaktion gestern Abend ist sehr unhöflich ausgefallen. Ich wollte nicht unfair wirken.“ Sie musterte ihn ohne eine Regung und sie spürte die Säure in ihrem Magen. Für sie hatte dieses Gespräch keinen Sinn, denn sein Standpunkt war mehr als deutlich geworden.
„Du musst dich nicht entschuldigen. Du warst lediglich ehrlich – ich habe mir etwas eingebildet, das nicht da ist und mich in etwas rein gesteigert, was es offensichtlich nur für mich gibt. Ich erinnere mich noch an deine Worte – dass ich irgendwann erkennen werde, dass es mich nicht glücklich machen wird, eine Maschine zu lieben. Du hattest Recht damit. Wie immer.“ Die braunen Augen wirkten völlig klar als er schwieg und sie weiterhin so offen musterte. Die hohen Wangenknochen, die scharfen Gesichtszüge und die immer perfekte Frisur waren fast schmerzhaft anzusehen. Sie fragte sich einmal mehr, wie talentiert man als Ingenieur sein musste, um so attraktive Gesichtszüge zu schaffen.

Fabienne seufzte müde und rieb sich über die brennenden Augen. „Du hast die beiden WR400 gestern erschossen. Kannst du mir sagen warum?“ Er nickte knapp, ein Muskel zuckte in seiner Wange. „Sie waren eine Gefahr, ich konnte sie nicht einfach entkommen lassen.“ Fabienne lächelte kalt. „Warum nicht? Was hätten sie denn schon tun sollen?“
Connor unterbrach ihren Gedankengang ohne Mühe. „Diese Überlegung ist haltlos, Fabienne. Du solltest uns Maschinen nicht ständig vermenschlichen. Ein Android kann einen Menschen auch ohne Waffen in kürzester Zeit töten, wir sind euch körperlich um ein Vielfaches überlegen. Jede Konfrontation könnte sofort tödlich enden.“ Erneut wurde sie wütend und biss sich einen Moment lang fest auf die Lippe, um das Ziehen in ihrer Brust besser zu ertragen. Bevor sie ihn anfahren konnte, war er bereits aufgestanden und zu ihr getreten. Seine kühle Hand griff nach ihrem Kinn und er neigte ihren Kopf etwas nach oben.
„Du hast dir auf die Lippe gebissen, Fabienne. Es blutet stark.“  Fluchend griff sie nach einem Taschentuch aus ihrer Handtasche und drückte es fest gegen die blutende Unterlippe. Ihre grünen Augen waren feucht und sie war vor seiner Berührung einen Moment zurück geschreckt. Natürlich hatte er das bemerkt.

Connor zögerte einen Moment und die LED an seiner Schläfe blinkte hektisch in sattem gelb. „Ich möchte nicht, dass du dich durch meine Anwesenheit unwohl fühlst. Auch wenn ich CyberLife unterstellt bin, bin ich für das Wohlergehen der Menschen in meinem Umfeld verantwortlich – es war ein Fehler dich so anzufahren. Du wirkst heute verletzt und unglücklich. Wenn eine Vermutung dazu erlaubt ist: weil ich nicht das sein kann, was du brauchst.“ Fabienne verzog die Lippen und presste das Taschentuch fester dagegen, die Blutung hatte bereits wieder aufgehört. „Kannst du es nicht sein - oder willst du es nicht?“
Connor zögerte einen Moment, bevor er knapp entwaffnend lächelte. „Im Moment kann ich es mir nicht erlauben. Sei bitte nachsichtig mit mir, Fabienne – meine Möglichkeiten sind beschränkt.“ Ein kleiner Stein des Gerölls in ihrem Magen löste sich und sie atmete etwas leichter ein. Vielleicht musste sie hier einfach mehr Geduld und Zuversicht beweisen – nichts veränderte sich sofort von heute auf morgen. Ihre grünen Augen musterten ihn fragend, ihr Gesichtsausdruck wurde wieder offener.

„In Ordnung. Kannst du mir etwas versprechen? Bitte?" Er legte fragend den Kopf schief und sie sprach eilig weiter.
"Du wirst nach Möglichkeit versuchen nur noch Abweichler zu terminieren, die dir gefährlich werden - den Rest versuchst du zu retten. Bitte, Connor? Für mich?“ Seine Augen waren klar und aufmerksam, die Linie seines Kiefers war angespannt und schmerzhaft gerade. Er nickte einen Moment später und lehnte sich gegen den Schreibtisch, so von oben auf sie hinab sehend. Seine Haltung wirkte entspannter, als noch vor einigen Minuten.
„Das kann ich dir zusichern, Fabienne. Ich habe die beiden Androiden im Club erschossen, da ich nicht einschätzen konnte, was sie tun werden. Es war nicht klar, ob sie sich noch einmal gemeinsam gegen Lt. Anderson wenden würden, selbst wenn es keinen Grund dafür gab. Ich hätte gerne… anders gehandelt“, schloss er mit einer Spur Unzufriedenheit in der Stimme. Fabienne lächelte schief und deutete auf seine gelbe LED, die hektisch blinkte.

„Gut zu wissen. Sagst du mir Bescheid, bevor du deswegen einen emotionalen Zusammenbruch hast?“ Fragend stockte er einen Moment, bevor er darauf einging. „Das wird nicht passieren. Ich bin weder für emotionale Reaktionen ausgelegt, noch sollte mich das überfordern, denn meine Prozessoren können...“ Connor unterbrach sich selbst, als er ihr schiefes Grinsen sah, dass halb von dem Taschentuch verborgen war. „Ah, ich verstehe. Menschliche Ironie.“
Fabienne lächelte ihn an und er sah die übliche Offenheit in ihrem Blick, die er mittlerweile so gewohnt war. „Ich meinte nicht böse, was ich gestern zu dir gesagt habe, Connor. Es ist nur alles sehr... schwierig“, schloss sie verzagt und er sah genau die Last, die die gesamte Situation auf ihre Schultern legte. Er nickte und suchte eines der sozialen Protokolle heraus, die für die Beruhigung eines Menschen geschrieben worden waren. Seine kühle Hand legte sich auf ihre Wange und er neigte sich etwas zu ihr hinab.
„Ich bin nicht, was du dir vorstellst, Fabienne. Ich werde jedoch versuchen, mich dir besser anzupassen. Es liegt nicht in meiner Absicht, dich unglücklich zu machen – mein Protokoll schreibt vor, deine Wünsche bestmöglich zu erfüllen und harmonisch mit den Menschen in meinem Umfeld zusammen zu arbeiten. Auch wenn es zugegeben sehr trickreich ist, das alles ohne genaue Anweisungen zu bewerkstelligen.“ Sie hörte seinen Unterton heraus und grinste breit, sich mehr in die Berührung lehnend.
„Ich kann versuchen das etwas besser zu machen, Connor. Aber ich frage mich wirklich warum du dir so schwer tust - wenn du tatsächlich erst gestern Detective Reed eine Tasse Kaffee ins Gesicht geschüttet hast.“ Ihr Tonfall war neckend und er hörte einen gewissen Stolz heraus. Er setzte sich wieder gerader hin und sein Gesichtsausdruck blieb völlig stoisch. „Das war nicht beabsichtigt, die Tasse muss mir durch eine Störung meiner Schaltkreise aus der Hand geglitten sein. Ich bin sicher, Lt. Anderson hat bei seiner Erzählung des Vorfalls maßlos übertrieben.“

Ihr helles Lachen war ansteckend und die gewohnte Wärme fand in seine braunen Augen zurück, während ein knappes Lächeln um seine Lippen spielte. Die Grübchen neben seinem Mund waren ihr so vertraut, wie die feinen Poren seiner Haut und die störrische Locke seines braunen Haars. Fragend neigte sie sich etwas zu ihm, ganz von seinem Anblick gefangen.
„Denkst du wirklich, dass du eine kalte, emotionslose Maschine bist, Connor?“ Er neigte den Kopf leicht und sein Lächeln war erneut so offen, dass es ihr den Wind aus den Segeln nahm. „Ich bin eine Maschine – besser und schneller in allem, was ein Mensch je leisten könnte. Jedoch ist da eine Nuance, die nicht in mein Programm passt. Ich bin...hungrig nach menschlichen Erfahrungen. Ich würde das gerne ausbauen, soweit es mir meine Programmierung erlaubt. Und ich es vor Amanda verbergen kann.“

Fabienne neigte sich nach oben und küsste ihn impulsiv direkt auf den Mund. Er stockte einen Moment um die Verletzung ihrer Lippe abzuschätzen, bevor er sich hinab neigte und den Kuss sachte erwiderte. Seine braunen Augen funkelten amüsiert als er sich wieder aufrichtete. „Ich gehe davon aus, dass auch du diese Empfindungen ausbauen möchtest.“ Fabienne grinste schief, mit einem Finger sachte über ihre schmerzende Lippe fahrend. „Darauf kannst du wetten. Ich sehe so viel Potential in dir, Connor. Ich würde das gerne mit dir erforschen. Ist das.... ein Deal?“
Er nickte und wirkte tatsächlich interessiert und neugierig. „Deal, Fabienne. Wie wäre es, wenn wir mit einem Mittagessen beginnen? Ich habe bemerkt, dass dein Blutzucker sehr niedrig ist und es wäre ratsam, etwas zu dir zu nehmen. Auch mehr Flüssigkeit wäre angebracht.“ Fabienne lachte auf und schüttelte den Kopf. „Wunderbar, beginnen wir also gleich mit dem Nanny-Protokoll für menschliche Fürsorge.“
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