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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
17.08.2018 1.385
 
Erst einmal lieben Dank für Eure Reviews :) Ich freue mich natürlich sehr über jedes einzelne!

// Detroit, Anwesen von Carl Manfred

Er winkte sie zitternd näher und wirkte so blass und schwach, wie sie es noch nie gesehen hatte. „Fabienne… ich hatte gar nicht mit deinem Besuch gerechnet. Bitte, setz dich doch. Lass uns bitte allein“, fügte er an das Pflege-Model hinzu, dass sofort aus dem Raum ging. Zögernd trat sie näher und sie wusste sofort, dass etwas passiert war. Ihre zitternden Finger griffen nach seiner Hand, die deutlich kraftlos und dünn war. „Sag mir bitte, was passiert ist Carl…  warum geht es dir so schlecht?“

Carl lächelte gequält und drückte ihre Hand. „Es ist so viel passiert, Fabienne.... mein Sohn Leo ist tot. Es war ein tragischer Unfall, er war so high mit Drogen und Alkohol – er ist völlig außer sich gewesen. Markus wollte mich nur beschützen. Die Polizei ist dann eingetroffen, hat Markus... erschossen und ihn mitgenommen. Er ist weg. Genau wie mein kleiner Junge Leo.“
Seine Stimme war gequält und sie hörte den Schmerz heraus, in seinem langen Leben nun alles auf einen Schlag verloren zu haben. Sie wusste auch, dass er Leo lange Zeit gar nicht gekannt hatte. Fabienne setzte sich an den Bettrand und ließ diese Neuigkeit wirken. Ihre Hände zitterten. „Ich… weiß gar nicht, was ich sagen soll…das ist ja…fürchterlich. Du bist sicher, dass Markus zerstört wurde…?“

Der ältere Mann lächelte gezwungen, ihren jugendlichen Optimismus sehend. „Nein, ich hoffe so sehr dass es nicht der Fall ist… er war immer ein Kämpfer. Das alles war nur ein tragischer Unfall, wir waren einfach alle am falschen Ort, zur falschen Zeit.“ Fabienne war von dieser Neuigkeit so erschlagen, dass sie kaum einen klaren Gedanken fassen konnte. Ungläubig schüttelte sie den Kopf. „Ich wusste dass irgendetwas passieren wird. Es war so ein Gefühl. Ein Gefühl von Bedrohung.“ Carl nickte, die Trauer hatte sich in sein altes Gesicht gegraben. Sie nahm sich zusammen. „Es tut mir sehr Leid. Ich weiß gar nicht, wie ich dir helfen kann, Carl. Bitte sag mir, wenn du etwas brauchst.“
Das Gefühl von Sorge und Bedrohung hielt sich fest in ihren Gedanken und dieser Besuch war nicht das, was sie sich vorgestellt hatte.

// 1 Stunde später, Wohnung im Obergeschoss

Das drückende Gefühl von Angst und Bedrohung hatte sie bis nach Hause verfolgt und selbst ihr Vater schien sofort bemerkt zu haben, dass etwas nicht stimmte. Fabienne hatte sich ohne viele Worte nach oben in ihre Wohnung zurückgezogen und sich dort mit einem billigen Cocktail aus der Dose an eines der großen Fenster gesetzt. Ihre Stimmung war so trüb, dass sie das Gefühl von Leichtigkeit und Benommenheit durch den Alkohol nun willkommen hieß.
Die Fensterbank war breit, mit Kissen und Decken ausgestattet und daher hatte sie ihrer traurigen Stimmung nachgegeben und stierte in den immer dunkler werdenden Abendhimmel. Der sagenhaft schöne Sonnenuntergang ging völlig an ihr vorbei. Es war daher wohl auch nicht überraschend, dass sie zusammen zuckte, als es leise an ihrer Tür klopfte. Sie reagierte nicht und ignorierte auch ein weiteres Klopfen – sie war an einem Gespräch mit ihrem Vater nicht interessiert.

Leicht verstimmt beobachtete sie kurz danach die helle Eingangstür, die ohne ihre Zustimmung einfach geöffnet wurde. Ihre schlechte Laune legte sich etwas, als Connor leise in den Raum trat und die Tür wieder hinter sich schloss. Seine braunen Augen wirkten dunkler als sonst und er schien eine gewisse Vorsicht an den Tag zu legen. Fast meinte sie, ein Zögern in seiner Haltung zu sehen, ob er näher treten sollte oder nicht. Fragend musterte sie ihn als er dennoch näher trat und sie genau zu analysieren schien.
„Dein Vater macht sich Sorgen, Fabienne. War dein Besuch bei Carl Manfred nicht zu deiner Zufriedenheit?“ Sie verzog den Mund zu einem gequälten Strich. „Bemüh deine Datenbank, Connor. Such nach „Leo Manfred“ und sag mir, was in den Akten steht.“ Einen Moment herrschte Stille und dann leuchtete seine LED gelb auf. Connor wirkte sofort bedrohlicher und schien sich wieder in sein analytisches Muster einzufinden.

„Ein Abweichler. Leo Manfred wurde durch den Androiden seines Vaters zur Seite gestoßen, eine Reaktion auf einen eskalierenden Streit im Haus. Beim Sturz hat er sich tödliche Kopfverletzungen zugezogen - der Android wurde von den eintreffenden Polizisten erschossen. Mittlerweile wurde er terminiert.“ Fabienne spürte einen wütenden Impuls im Bauch und nahm noch einen tiefen Schluck ihres Cocktails. Der Alkohol kribbelte bereits in ihren Beinen und entfaltete voll seine Wirkung. „Richtig. Du hast Markus erst kürzlich in der Stadt mit mir getroffen – hättest du so ein Verhalten vorhersehen können?“
Connor schüttelte den Kopf. „Nein, es gibt keine offensichtlichen Warnhinweise für ein Fehlverhalten . Den Zeugenaussagen der Nachbarn zufolge, hatte Markus den Befehl erhalten sich nicht zu bewegen und doch hat er reagiert. Seine Terminierung war daher unvermeidbar“, fügte er auf ihren angespannten Gesichtsausdruck hinzu, als würde sie etwas so Offensichtliches nicht verstehen. Er realisierte erst dass sie wütend war, als sie schon auf den Beinen war und ihn anschrie.

„Du hast leicht reden! Du bist ja fein raus mit deiner Vertuschungsaktion gegenüber Amanda! Was sie nicht weiß, kann sie dir nicht vorwerfen – derweil bist du auch nicht mehr die kalte Maschine, die du so gerne sein würdest! Auch du hast dich verändert!“
Fabienne realisierte ihren Fehler erst in dem Moment, in dem seine LED als Antwort rot aufleuchtete. Seine scharfen Gesichtszüge waren starr geworden und die rote LED blinkte hektisch weiter, bevor sein Gesichtsausdruck abweisend wurde und sie damit verstummen ließ. Ihre Rechtfertigung schluckte sie sofort herunter, so fremd wirkte er in diesem Moment auf sie.
„Mir ist bewusst dass diese Situation belastend für dich ist, Fabienne – Markus war für dich sehr wichtig. Ich möchte dich jedoch darauf hinweisen, dass diese intimen Interaktionen zwischen uns, rein auf deinen Wunsch hin erfolgen und nicht von einer Veränderung meiner Programmierung stammen. Ich bin geschaffen worden um meine Mission zu erfüllen und werde dies ohne jegliche Abweichungen durchführen. Sehe ich eine Korrelation mit deinen Wünschen, werde ich dieses Verhalten sofort unterbinden. Ich bin CyberLife unterstellt und nicht dir, vergiss das bitte nicht.“ Seine Stimme war völlig ruhig und gefasst, als würde er ihr gerade den Wetterbericht erläutern. Fassungslos starrte sie ihn an und er sah die pure Verletzbarkeit in ihrem Gesicht, bevor sie mit einer zitternden Hand auf die Tür deutete. „Raus. Sofort.“
Connor ging ohne ein weiteres Wort aus dem Raum und das Gefühl von Verlust, Angst und Trauer schien sie zu erdrücken. Sie hatte wirklich geglaubt, dass er sich verändert hatte und das das alles irgendetwas bedeutete. Sie hatte sich offensichtlich geirrt.


// Nächster Tag, später Vormittag - Labor von Dr. Lenning

Die Nacht war lang gewesen und Fabienne hatte kein Auge zugemacht. Ihre Gedanken hatten sich ständig um sich selbst gedreht und sie hatte nicht gewusst, an wen sie sich wenden sollte - niemand verstand ihr Problem und kaum jemand würde ihr irgendwie helfen können. Daher hatte sie getan, was sie am Besten konnte: ihre Arbeit gemacht.

Sie hatte die Studien der letzten Wochen zusammen gefasst und neu bewertet, mit einigen Kollegen gesprochen und neue Termine für weitere Testreihen angesetzt. Dr. Lenning hatte sie dann schlussendlich in ihrem Büro aufgestöbert, wo sie lustlos an einem Energieriegel kaute. „Fabienne, wie gut dass ich dich hier finde. Wir haben einen neuen Fall – der Prototyp der RK800 Reihe hat heute  erneut zwei Abweichler aufgespürt. Sie werden uns in Kürze überstellt, es ging wohl um einen Mord in einem Sexclub.“ Ihr war bereits klar was vorgefallen sein musste, da sie ihn mittlerweile sehr gut kannte. „Connor hat sie gestellt, richtig?“ Dr. Lenning nickte und schien sich nicht über ihre tonlose Frage zu wundern.

Nur einige Stunden später starrte sie auf die leblosen Körper der beiden WR400 Traci´s und fragte sich, ob sie schon so desillusioniert war und sich gleich so sehr in Connor hatte täuschen können. Offensichtlich hatte er keinerlei Probleme damit, gegen abweichende Androiden ohne jede Gnade vorzugehen. Die beiden Modelle waren unwiderruflich zerstört, eiskalt erschossen. Fabienne winkte das Technikteam weiter und warf das Datenpad frustriert auf den Arbeitstisch des Labors. Ohne ein Wort ging sie wieder hinaus und tippte eine Nachricht an Dr. Lenning:

„Hoffnungslos, damit können wir nicht mehr arbeiten. Sorry, Doc“.

Ohne auf eine Antwort zu warten ging sie zurück in ihr Büro und schloss die Tür mit Nachdruck hinter sich und die Welt somit aus.
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