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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
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Dieses Kapitel
1 Review
 
13.08.2018 833
 
// Wohnzimmer von Fabienne, oberes Stockwerk - später Vormittag

Die hellgrünen Augen beobachteten ihn schon seit einer Weile und er unterbrach daher die Durchsicht der vielen alten Akten, um sie anzusehen. Fabienne saß zusammengerollt auf ihrem Lieblingsplatz auf der großen Couch ihrer Wohnung und sie schien tief in Gedanken versunken - ihre Augen blickten zwar in seine Richtung, sie schien ihn jedoch gar nicht zu sehen.

Connor stand in einer flüssigen Bewegung auf, trat zu ihr und setzte sich vor sie auf den dunklen Couchtisch, um etwas mehr auf Augenhöhe mit ihr zu sein. Sie lächelte schief. „Sorry, ich habe dich angestarrt.“ Connor lächelte verhalten. „Keine Entschuldigung nötig, Fabienne. Was kann ich für dich tun?“ Sie richtete sich etwas auf und er sah, dass sie zögerte und auch ihr Puls etwas schneller schlug. „Eine Frage, Connor. Eine… schwierige Frage. Weiß Amanda, dass ich dich geküsst habe?“

Dieser Gedanke war ihm natürlich bereits deutlich früher in den Sinn gekommen, als ihr. Er war sich sicher, dass diese Interaktion mit seiner eigentlichen Aufgabe in krassem Gegensatz stand und wenig förderlich war – weshalb Amanda dies wohl sofort unterbunden hätte, wüsste sie davon. Er zögerte einen Moment, um für Fabienne eine verständliche Antwort zu formulieren und seine LED leuchtete einen Moment lang gelb auf.
„Nein. Ich habe diese Daten auf einen externen Server verlagert, der sich außerhalb ihres Wirkungskreises befindet. Es mag eine Handlung sein, die mein Programm so nicht vorgesehen hat, jedoch wollte ich dich nicht in Schwierigkeiten bringen. Es wäre nicht von Vorteil, wenn Amanda sich einmischt. Sie kann sehr problematisch sein.“
Fabienne lächelte und offene Erleichterung huschte über ihr Gesicht. „Du bist klasse. Es wäre der Supergau, würde sie das wissen. Wie… ist sie denn mit deiner sonstigen Leistung zufrieden?“
Er neigte den Kopf zur Seite und ging seinen letzten Bericht noch einmal durch. „Sie ist sehr zielorientiert und verfolgt ein perfektes Ergebnis. Der Erfolg dieser Mission steht jederzeit im Vordergrund. Bisher ist sie von meiner Arbeit überzeugt, jedoch sieht sie Lt. Anderson als Störfaktor an. Ich arbeite daran, sie vom Gegenteil zu überzeugen – seine Expertise ist sehr nützlich.“ Fabienne zögerte einen Moment und dachte an ihre eigenen Nachforschungen zurück, die nach wie vor in Papierform in ihrem Schlafzimmer versteckt waren. Es gab einige Dinge, mit denen Connor niemals rechnen würde. Sie hoffte aber, dass es nie soweit kommen würde und Kamski genau das getan hatte, was sie von ihm vermutete. Sie nahm den Gesprächsfaden wieder auf.

„Im Moment halten sich deine Ermittlungen in einem überschaubaren Rahmen – der letzte Fall ist ja schon eine Weile her. Denkst du, dass die Anzahl der Abweichler weiter zunimmt?“ Connor nickte nur Sekunden später. „Im System des DPD sind aktuell über 245 Fälle verzeichnet und über 120 Modelle verschiedenster Baureihen sind bis heute als vermisst gemeldet. Ich bin mir sicher, dass sich dieses Verhalten auch weiter durch die nächsten Modellreihen ziehen wird. Es erscheint mir eine Verkettung von fehlerhaften Programmierungen zu sein, die jedoch keinen Zusammenhang zu haben scheinen.“
Fabienne lächelte interessiert und fragte sich, ob er bemerkt hatte, dass auch er sich verändert hatte – im Vergleich zu der starren Maschine noch vor einigen Wochen, war nun ein neugieriges und sehr intelligentes Individuum an seine Stelle getreten. Sie hoffte auch, dass Amanda das nicht bewusst war, denn ihr war klar, wie das ansonsten enden könnte.
Sie lächelte gezwungen und schob die Panik in ihrem Bauch zur Seite. „Ich würde heute gerne Carl besuchen. Den Künstler“, fügte sie hinzu, obwohl er bereits wusste von wem sie sprach. Er nickte. „Ich werde am Nachmittag einigen Nachforschungen mit Lt. Anderson nachgehen. Wir sehen uns also heute Abend wieder, Fabienne.“ Damit ging er zurück zu seinen Akten, Fällen und Daten und Fabienne versuchte das ungute Gefühl in ihrem Magen zu verdrängen.


// später Nachmittag, Anwesen von Carl Manfred

Ihren schwarzen Audi parkte sie wie immer in der großen Auffahrt des Hauses und griff nach ihrer Handtasche und der Schachtel hübsch verpackter Pralinen. Das Haus von Carl Manfred war ein Kunstwerk für sich und sie war gerne hier – sie liebte den Garten und die helle Galerie. Es war ein Haus, dass auch ihr gefallen würde, um ihre eigenen Bilder zum Leben zu erwecken. Das Alarmsystem des Hauses erkannte sie sofort und ließ sie mit einer freundlichen Begrüßung ein, weshalb sie ihre Jacke über den Kleiderständer warf und dem Geräusch leiser Stimmen nach oben ins Haus folgte. Sie hatten sich schon oft in seinem Schlafzimmer unterhalten, da er an manchen Tagen einfach zu schwach war, um überhaupt aufzustehen. Noch einen Blick nach unten in den offenen Wohnbereich auf die ausgestopfte Giraffe werfend, klopfte sie an die Zimmertür und trat nach einer Aufforderung ein.

Ein eiskaltes Gefühl überraschte sie beim Anblick des fremden Androiden an Carl´s Seite. Es war ein Pflegemodel der RK300 Reihe und ihr völlig unbekannt – denn wofür sollte er es auch brauchen? Er hatte eigentlich immer Markus an seiner Seite gehabt. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass bereits ein Ersatz im Haus war. Fassungslos erwiderte sie den traurigen Blick der blauen Augen von Carl.
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