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Detroit: Become Human - Faith

von Blythe
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Hank Anderson OC (Own Charakter) RK200 Markus RK800-51-59 Connor
07.02.2017
13.03.2019
24
35.572
50
Alle Kapitel
39 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
13.08.2018 1.741
 
// Detroit, Innenstadt - früher Vormittag

Ein installierter Algorithmus in seinem Programm erhielt eine Rückmeldung und Connor erstarrte mitten am Tatort, um diesem Alarm einen Moment nachzugehen. Er hatte diese Notifikation selbst installiert, um auf alle Möglichkeiten jederzeit gefasst zu sein.
Es überraschte ihn also nicht, dass Fabienne auf der CyberLife Homepage nach seinem Model suchte. Ihm war klar, dass sie dort nichts finden würde, denn als Prototyp war er dort nicht verzeichnet. Er war weiterhin nur milde überrascht, als sie sich kurz darauf direkt bei CyberLife einloggte und seine Spezifikationen mit den nötigen Sicherheitscodes abrief, die man ihrem Vater bei seiner Überstellung gegeben hatte. Ihm war sofort klar, nach was genau sie dort suchte und er notierte sich, sie am Abend darauf anzusprechen, um ihr weitere Mühen zu ersparen.

Connor trat einige Stunden später in das helle Wohnzimmer, scannte kurz den Minztee den Fabienne dort gerade trank und blieb vorsorglich in ihrem Sichtfeld stehen. Sie war in ein Buch vertieft.
„Guten Abend, Fabienne. Möchtest du nähere Informationen zu meinem Model erfahren?“ Da sie gerade einen weiteren tiefen Schluck nahm, nickte sie nur und zog fragend eine Augenbraue nach oben, ihn aus dem Augenwinkel musternd.  Er fuhr fort. „Ich bin zwar als Prototyp für alle Bereiche der kriminalistischen Arbeit geschaffen worden, aber ich wurde ebenfalls mit allen körperlichen Merkmalen ausgestattet, um sexuellen Kontakt mit Menschen zu ermöglichen. Auch wenn es bei der RK-Reihe wohl eher ästhetischer Natur ist, verfüge ich über ein voll funktionsfähiges männliches Geschlechtsmerkmal mit allen gewünschten Charakteristiken. Dieser Standard wird mittlerweile auch bei den neueren Baureihen aller Modelle verbaut. Es wird damit vermieden, die Modelle ständig  auf Wunsch nachrüsten zu müssen.“

Fabienne verschluckte sich an ihrem Tee und er stufte ihren Gesichtsausdruck als fassungslos ein, bevor er näher trat, um ihr zu helfen. Sie winkte ab, sprang von der Couch auf und atmete husten ein und aus, als sie zurück wich. Das Buch fiel auf den Boden und sie stellte die Teetasse hektisch zur Seite. „Connor! Was zum Teufel soll denn das?!“
Ihre Stimme war hoch und schrill und er legte fragend den Kopf schief, da sie panisch vor ihm zurück wich. „Du hast dich heute online bei CyberLife über meine Spezifikationen erkundigt. Ich dachte mir, dass ich dir diese Information daher bereitstelle, denn sie ist online nicht verfügbar.“ Sie wirkte immer noch fassungslos, als sie ihn anstarrte und ihr Blick eine Moment hinab zu seinem Schritt huschte, bevor sich ihre Wangen verlegen röteten. „Okay. Schön. Eine neue Regel im Umgang mit Menschen: so etwas spricht man nicht an! Nicht ohne eine kleine Vorwarnung zumindest. Und wieso weißt du bitte, was ich online suche?!“
Er setzte sich auf die Couch und entspannte seine Haltung nachdrücklich, um ihr ein positives Gefühl zu vermitteln. Anscheinend war seine Umsicht, ihr diese Details mitteilen zu wollen, nicht korrekt gewesen.

„Ich habe einen Algorithmus installiert, der mich über einen Zugriff auf meine spezifischen Daten informiert. Sollte ein Fremder auf meine Modifikationen zugreifen wollen, werde ich gewarnt. In deinem Fall war mir klar, nach was genau du suchst, nachdem wir nun intimeren Kontakt eingegangen sind. Darf ich fragen, wieso dieses Thema dich so verlegen macht?“
Fabienne rieb sich über die Augen und stierte ihn missmutig an. Sie setzte sich langsam wieder zu ihm auf die Couch.  „Erinnerst du dich, dass bestimmte Gefühle uns Menschen verlegen machen können, wenn sie angesprochen werden? Das hier ist auch so ein Thema. Du kannst mir doch nicht aus heiterem Himmel erzählen, dass du am Morgen mit einem Ständer aufwachen kannst, nur weil ich vielleicht danach gesucht habe!“ Ihre Worte überforderten ihn und er neigte sich fragend etwas vor. Sein Gesichtsausdruck war wieder der eines Jungen, der ihr Fragen über die Welt stellte.

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir folgen kann. Würdest du es mir bitte erklären?“ Sie stöhnte frustriert und schlug sich beide Hände vor das Gesicht, da ihre Wangen sich wieder überdeutlich röteten. „Connor, benutz das Internet! Und dann such bitte nach intimen Gesprächen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.“ Er nickte folgsam und ging sofort ihrem Befehl nach, während sie noch einen zittrigen Schluck ihres Tees nahm. Nur Minuten später richtete sich sein Blick wieder klarer auf sie. „Ich verstehe. Verzeih mir mein vorschnelles Handeln. Es scheint ein sehr sensibles Thema zu sein, dass besonders von jüngeren Generationen, gemieden wird.“ Sie schnaubte. „Nett umschrieben. Darf ich dich dazu dann etwas fragen?“ Er sah die Neugier in ihren Augen und nickte sofort.

Sie grinste verlegen. „Hattest du schon mal eine Erektion?“ Einige Sekunden überlegte er, bevor er ablehnend den Kopf schüttelte. „Nicht, dass es mir bewusst wäre. Soll ich es einmal versuch-...“, sie unterbrach ihn sofort mit einem hektischen Kopfschütteln. „Nein! Auf keinen Fall, danke. Das.... geht mir irgendwie zu schnell. Könnten wir dieses Thema vorerst bitte auslassen. Danke.“ Es war mehr ein Befehl als eine Bitte und daher nickte er nur, auch wenn sein Programm gerade sehr viele Daten dazu herunter lud und so sein gewecktes Interesse, zufrieden stellte. Er wusste jedoch, dass sie dazu weitere Fragen hatte, da ihre grünen Augen neugierig glänzten.

Sie enttäuschte ihn nicht. „Weißt du, ich habe letztens in einer Zeitschrift gelesen, dass Maschinen heute bereits alle Sparten an käuflichem Sex übernommen haben und 80% der Bevölkerung eine Maschine im Bett vorzieht, als einen echten Menschen. Denkst du, dass das stimmt?“ Connor neigte einen Moment den Kopf zur Seite. „Ich würde zustimmen – Maschinen tun das, was immer von ihnen verlangt wird. Ohne zu fragen, sich zu weigern oder sich irgendwie verlegen zu zeigen. Wir sagen nicht nein“, fügte er hinzu und sie hatte den Eindruck, dass er es zweideutig meinte. „Wie Kamski bereits in einem seiner Interviews sagte, stellen wir Maschinen den perfekten Partner dar und tun genau das, was von uns verlangt wird.“ Fabienne grinste schief.
„Warum sollte man sich also die Mühe machen, sich einen echten Menschen zu suchen und sich durch die langwierigen Prozesse von Kennenlernen und Zusammenleben zu quälen.... wenn man gleich jemanden haben kann, der perfekt ist?“ Abgelenkt schüttelte sie den Kopf und ging in Richtung Küche. "Ich denke die Menschheit wird aussterben, wenn das so weiter geht", murmelte sie vor sich hin.


// Detroit, einen Tag später, Wohnzimmer - später Abend

„Fabienne, würdest du mich als naiv bezeichnen?“ Fragend blickte sie von ihrem Datenpad auf und musterte Connor, wie er abwartend vor ihr im Wohnzimmer stand. Sie hatte sich angewöhnt hier unten zu arbeiten, statt in ihrem eigenen Wohnzimmer oben – denn hier unten war wenigstens etwas los. Und sie bekam immer mit, wenn Connor am Abend nach einer Mission nach Hause kam, was sie beruhigte. Sie machte sich tatsächlich Sorgen, sobald er nicht im Haus war.
Zögernd nickte sie und lächelte ihn schief an. „Nimm es mir nicht übel, aber ich würde sagen das bist du. In vielen Dingen bist du… leichtgläubig. Hat Anderson das zu dir gesagt?“ Connor nickte und trat zu ihr, sich neben sie auf die Couch setzend. Er wirkte ehrlich interessiert.
„Er hat angemerkt, dass ich in vielen Bereichen unerfahren und eher eine Belastung bin. Es erscheint mir durchaus schwierig, manche Themen zu verstehen. Das menschliche Verhalten ist oft... sprunghaft.“ Fabienne lächelte nachsichtig. „Das ist richtig. Auch wir Menschen lernen das alles über die Jahre erst. Je mehr du erlebst, desto besser wird es und desto mehr weiß man vom Leben. Mach dir keine Sorgen, das kommt noch alles von allein. An was arbeitet ihr gerade?“, fügte sie hinzu und lehnte sich wieder tief in die vielen Kissen und so auch gegen seinen Arm. Sie hatte die Scheu vor ihm schnell abgelegt und es war für ihn bereits nicht mehr befremdlich, wenn sie ihn berührte oder sich entspannt an ihn lehnte.
„Wir haben heute einen Mordfall untersucht. Ein Android hat seinen Besitzer mit 27 Messerstichen getötet. Ich konnte ihn im Dachboden des Hauses stellen, wir befragen ihn morgen. Es ist ein sehr interessanter Fall, der deinen Studien hilfreich sein könnte.“

Müde seufzte sie und er registrierte, dass sie sich anscheinend gerade nicht wirklich über dieses Thema unterhalten wollte. „Mal sehen, es ist gerade viel los... wie kommst du mittlerweile mit Hank zurecht?“ Connor dachte einen Moment über die Frage nach. „Nun, unsere Zusammenarbeit verbessert sich. Er hat mittlerweile eine lehrende Position mir gegenüber eingenommen und lässt mich die Fälle analysieren, bevor er sie anschließend mit mir durchgeht. Leider ist ihm meine Echtzeitanalyse bestimmter Flüssigkeiten nach wie vor sehr suspekt."
Fabienne verfiel in einen Lachanfall und lehnte sich vertraut fester gegen seinen Arm. Aufmerksam musterte er die Ausschüttung von Glückshormonen und den erhöhten Herzschlag, die diese Reaktion mit sich brachte. Das alles kam zu einem Stopp, als sie sich eine Hand vor den Mund schlug  und ihre Augen groß wurden.

„Igitt! Du nimmst das alles in den Mund und ich habe dich geküsst!“ Verwirrt erwiderte er ihren fassungslosen Blick und erneut spürte er ein gewisses Unverständnis. „Ich kann dir versichern, dass für dich keinerlei Gefahr besteht. Um andere Spuren nicht zu kontaminieren, wird jegliche Substanz in meinem Mund sofort wieder zersetzt.“ Zögernd musterte sie ihn und nickte dann zustimmend. „So gesehen, muss es ja einen Sinn haben. Wie sollte das sonst in einem Sexclub funktionieren.“ Er nickte zustimmend. „Korrekt. Auch hier sind ähnliche Methoden im Einsatz.“
Ihre grünen Augen musterten ihn, bevor sie sich näher zu ihm lehnte und erneut spiegelte sich die Neugier in ihrem Gesicht. „Connor, nach was schmecke ich?“ Er zögerte kurz und versuchte dann, ihre Frage zu beantworten. Dafür war er nun wirklich nicht ausgelegt.
„Ich nehme Geschmack nicht so wahr wie du. Küsse ich dich, finden in meinem System verschiedene Analysen statt – ich analysiere den Wasseranteil von meist 95%, einen Rest gelöster Bestandteile und die Körperwärme in diesem Bereich. Geschmack ist für mich nicht vorhanden.“ Fabienne gab ein angeekeltes Geräusch von sich und er sah, wie sich Gänsehaut auf ihren Armen bildete. „Das ist ja widerlich. Hätte ich besser nicht gefragt.“

Er musterte den geraden Scheitel ihrer roten Haare einen Moment und fragte sich erneut, warum Menschen so schwierig waren.
„Wie schmecke ich?“, fügte er im nächsten Satz hinzu und verfolgte so einen eigenen Gedankengang. Sie schien einen Moment zu überlegen. „Nicht künstlich, falls du das denkst. Eher wie... kühles Wasser, ein Hauch Minze und nach dir.“ Connor stockte einen Moment. „Ich habe einen Geschmack?“ Fabienne zuckte mit den Schultern. „Für mich schon. Ich kann ja nicht analysieren was genau es ist“, fügte sie belustigt hinzu, küsste ihn flüchtig auf die Lippen und lehnte sich wieder an ihn.
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