Ein Mann. Eine Kugel. Ein Wort.

von Av4l4rion
GeschichteAllgemein / P12
Aramis Athos D'Artagnan OC (Own Character) Porthos
04.02.2017
16.09.2020
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16.09.2020 2.359
 
Liebe Leser, tut mir leid, dass das Kapitel diesmal etwas verspätet hochgeladen wird. Aber wir haben ja alle noch ein Leben neben dem Schreiben ;) Für das nächste Kapitel geloben wir Besserung.
Damit viel Spaß beim Lesen.
___

Da die Musketiere aber gute zwei Stunden später ebenfalls bei Constance aufliefen, hatte das wenig Wert.
Inzwischen war es dunkel und sie waren zu viert. Ich hatte erst geglaubt, sie hätten den Jungspund von neulich dabei, aber als ich zwei hünenhafte Gestalten erkannte, sah ich noch einmal genauer hin und erkannte unter einem der Federhüte Felix' weiche Züge. Er trug ebenso einen blauen Mantel wie die Musketiere, aber bei genauerer Betrachtung fehlte das Wehrgehänge, aber ich hatte auch nicht erwartet, dass sie ihm trotz, nach meiner Ansicht bewiesener Unschuld, einen Degen in die Hand drücken würden. Nicht, nachdem er sie schon mit bloßen Händen auf Trapp gehalten hatte.
Ansonsten war er kaum von den Regimentern zu unterscheiden. Ein guter Trick. Wer erkannte in einer Ronde von vier Musketieren schon den, der keiner war?
Felix setzte den Hut ab und reichte Porthos den Mantel, den der sich stattdessen umschlang. Dann suchte er meinen Blick, plötzlich veränderte sich sein Gesichtsausdruck und er fiel vor mir auf die Knie und umschlang mit beiden Armen meine Taille.
„Elli, ich weiß nicht, was ich tun kann, um dir zu danken.“
Ich war einen Moment perplex, dann entspannte ich mich und legte meine Hände zwischen seine Schulterblätter und drückte ihn an mich.
„Nichts, Felix. Du warst für mich da, ich bin für dich da.“ Ich konnte nicht anders, als zu lächeln. Es war doch nicht alles schlecht. Doch dann fing ich einen Blick von Aramis auf, der mich wieder kalt erwischte. Es war kein Argwohn, aber etwas, das ihm gegen den Strich ging.
Constance mit ihrem untrüglichen Gefühl für zwischenmenschlich kritische Vibes, wandte sich an Athos, wie lange Felix denn bleiben würde, und lenkte damit alle Aufmerksamkeit auf sich, sodass auch Felix sich wieder erhob, aber dicht neben mir stehen blieb, was Aramis diesmal durch einen betont abgewandten Blick quittierte. Mimose. Wir hatten doch nichts miteinander. Warum war er dann… eifersüchtig? Oder gerade deshalb? Aber meinen Versuch heute Morgen abschmettern. Oh, er trieb mich schon wieder zur Weißglut.
„Solange bis wir eine frische Spur haben, wenn es Euch recht ist. Das Regiment kommt natürlich für seine Unterbringung auf.“
Constance sah einmal kurz zwischen Felix und mir hin und her und wie ruhig ich neben ihm war, abgesehen von Aramis' dämlicher Tour, und nickte dann.
„Und du“, wandte Athos sich dann an Felix, „gehst keinen Schritt vor die Tür, bis wir es dir ausdrücklich erlaubt ist.“ Felix nickte unter Athos' Autorität ergeben. Ich legte ihm eine Hand auf den Arm. Athos tippte sich an den Hut und seine Freunde taten es ihm gleich. Aber erst als die Tür hinter ihnen verriegelt war, ließ ich die angezogenen Schultern wieder fallen.
„So ein Idiot.“, murmelte ich. „Auch das.“, bestätigte Constance trocken und wandte sich dann an unseren Neuzugang. „Nun zu Euch. Ihr schlaft im Vorzimmer der Mademoiselle. Ich will keinen Fingerbreit von Euch auf der Straße sehen und Ihr könnt Euch gerne ein bisschen nützlich machen, aber jetzt päppeln wir euch erst einmal ein bisschen auf. Gefangener der Musketiere ist sicherlich kein Zuckerschlecken und wenn Eurer zaghaftes Gemüt sich bewahrheitet, bestimmt kein Ort für Euch.“
Felix schien überrascht von so viel Fürsorge einer gänzlich Fremden, war mir beim ersten Mal auch so gegangen, aber ich stupste ihn an, ihr zu folgen. Das Hausmädchen hatte einen Kartoffeleintopf fertig, von dem Constance ihm eine Extraportion vorsetzte.
„Ich kann deinen Eltern nicht explizit schreiben, dass du auf freiem Fuß bist, aber ich werde Madame Henriette eine Nachricht zukommen lassen, sodass sie deine Eltern beruhigen kann.“
Constance sah mich skeptisch an. „Bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?“
„Was der Musketier nicht weiß, macht ihn nicht heiß.“
Sie verzog missbilligend die Lippen.
„Ich werde die Nachricht mit einem vertrauenswürdigen Boten schicken und es wird etwas Unverfängliches drinstehen, das nur Madame zu deuten wissen wird, aber seine Eltern bangen sich zu Tode. Das kann nicht so weiter gehen.“, beschloss ich entschieden.
Um Constance zu beruhigen, ließ sich sie lesen, was ich schrieb, und sie war nicht zufrieden, aber wenigstens konnte sie bestätigen, dass daraus niemand lesen konnte, was wirklich los war, der nicht wusste, worüber ich zuletzt mit Madame gesprochen hatte. Ich schrieb darunter, dass diese Lage nicht öffentlich war und ob sie mein Geheimnis wahren würde. Den Rest würde sie begreifen. Ich versiegelte den Brief und schob ihn in meine Tasche. Ich würde ihn morgen früh dem Boten bringen, der sonst Maries Briefe an Felix überbracht hatte.
Bis ich am nächsten Morgen nach dem Frühstück ausgehfertig angezogen war, hatte Felix Constance bereits die neue Lieferung Stoffe verräumt und die alten nach ihrer Direktion neu geordnet. Er sagte dabei nicht viel, dafür redete sie für beide. Ich schüttelte nur belustigt den Kopf. Dann machte ich mich auf den Weg. Der Bote war wie immer pünktlich an dem Treffpunkt. Er war ja nur alle paar Tage mal in Paris und ansonsten in der Weltgeschichte unterwegs, aber als er mich erkannte, huschte ein kurzes Lächeln über sein Gesicht.
„Kundschaft, die bleibt, ist die liebste.“
„Zuverlässigkeit macht sich verdient.“ Ich zog den Brief aus den Rockfalten.
„Diesmal nicht an den Waldarbeiter, sondern an die Wirtschafterin. Nur zu ihren Händen. Kein Dienstbote, sondern direkt an sie.“ Er tippte sich in einer Geste an die Stirn. „Geht klar.“ Ich drückte ihm die Münzen in die Hand.
„Falls sie eine Antwort schicken will, wartest du und ich bezahle dir das extra.“ „Einverstanden.“
Ich glaubte nicht, dass er das bei seiner gut gefüllten Botentasche wirklich brauchte, aber ihm das in Aussicht zu stellen konnte nicht schaden.
Auf dem Rückweg beeilte ich mich nicht wirklich, sondern streifte noch durch das Viertel und stolperte über… Porthos.
Der sah mich, hatte sich aber sofort wieder im Griff und tat, als ließe er seinen Blick einfach über mich schweifen und als kenne er mich überhaupt nicht. Er trug auch keine Musketieruniform. Ich zählte eins und eins zusammen und schlenderte weiter, aber in eine andere Richtung davon. Ich machte langsam und wie ich gehofft hatte, kam Porthos mir nach, legte mir den Arm in den Rücken und zog mich dann in eine uneinsehbare Seitengasse.
„Was tust du hier? Das ist nicht gerade das Pflaster, in dem sich eine Mademoiselle herum treiben sollte geschweige denn, in dem wir gerade dich sehen wollen.“
Bitte? Meine Wohnung lag keine fünf Minuten um die Ecke.
„Ich war auf dem Markt und habe einen Brief verschickt, wenn´s recht ist. Was machst du überhaupt hier?“
Er grummelte etwas, dann rang er sich zu einer Antwort durch. „Wir fangen neu an, zu ermitteln. Wo Francois in der Nacht her kam und wer die Schläger waren, die den Überfall durchgeführt haben. Auf diesen Straßen findet sich genug Pack, das sich gegen ein bisschen Geld die Hände dreckig macht. Dass ich ausgerechnet dich hier treffe, gefällt mir gar nicht. Wenn ich jetzt eins und eins zusammen zählen sollte, würde ich denken, du bist doch wieder auf unserer Verdächtigenliste.“
Ich starrte ihn ungläubig an.
„Ziemlich weit oben sogar.“
„Ich musste mit ansehen, wie Maries Bruder ermordet und sie grausam entführt wurde.“ „Möglicherweise bist du hier, um Spuren zu verwischen.“
Ich hörte doch wohl nicht recht. „Soll heißen?“
„Bei genauerer Überlegung hättest du eben doch wieder eine Gelegenheit gehabt. Vielleicht hast du ja nicht nur uns, sondern auch die Söldner bezirzt. Vielleicht hattest du vor Aramis schon Übung.“
Dabei ließ er einen eindeutig zweideutigen Blick an mir herunter gleiten. Ich wusste nicht, wo das herkam, und ich hatte sowas auch noch nie gemacht, aber ich war auch noch nie von einem solchen Hinterwäldler unbegründet und gleichzeitig als Flittchen und Verräterin bezeichnet worden. Ich holte aus und schlug mit der flachen Hand zu. Darauf war er offensichtlich nicht vorbereitet gewesen, denn sein Kopf flog ohne Gegenwehr herum. Aber er war zu sehr Soldat, um sich aus der Bahn werfen zu lassen. Er hatte sich sofort wieder im Griff, rieb sich nur kurz über den Kiefer, funkelte mich ärgerlich an und ließ sich seinen Schmerz, wenn er welchen hatte, nicht anmerken. Mir zumindest taten jetzt die Finger weh, aber das ignorierte ich und setzte mit drohend erhobenem Finger angriffslustig zur Standpauke an.
„Einmal noch so eine Anzüglichkeit und es gibt ein Donnerwetter. Ich habe euch alles gesagt, was ich weiß, ich habe euch Hinweise gebracht und versucht, zu helfen, ich habe euch aus der Klemme geholfen, als ihr bis zum Hals in der Tinte saßt und ich verbitte mir solches Misstrauen.“
Er sah nur aus Argusaugen auf mich hinunter. „Und ich habe niemanden bezirzt, Mistkerl.“ Neben meinen Fingern, pochte auch meine Seite durch die ruckartige Bewegung. Aramis wäre sicherlich nicht begeistert, wenn ich seine Nadelarbeit ruinierte, weil ich Porthos eine rein zimmerte, aber das eben hatte er bestimmt für irgendetwas verdient. „Jetzt geh und mach dich nützlich und wenn du nicht willst, dass deine Tarnung auffliegt, warte fünf Minuten, bis ich weg bin. Ich bin bei Constance, falls ihr mich braucht.“ Damit griff ich mir in die Röcke und rauschte davon.

Die folgenden Tage machte ich mich gemeinsam mit Felix bei Constance nützlich, fegte, wischte und wusch mit ab, während Felix mehr die schweren Arbeiten übernahm. Da Constances Mann selten da war und sie nur einen Knecht hatte, fiel auch im Haus eine Menge Arbeit an, bei der Felix mit anpacken konnte.
Zudem hatte ich begonnen, kleinere Handarbeiten, wie Stickereien, Stricken und Ausbesserungen zu übernehmen und mir so eine Kleinigkeit dazu zu verdienen. In der Garnison ließ ich mich gar nicht blicken, da nur einen Tag, nachdem ich Porthos in der Stadt getroffen hatte, Tréville mir eine Nachricht geschickt hatte, nach der ich die Füße still halten und ihnen das Ermitteln überlassen sollte.
Ich hatte es so hingenommen. Da Felix nun aus dem Schneider war, hatte ich ohnehin vorerst keinen Grund mehr, mich hinein zu hängen, zumal Porthos mir klar gemacht hatte, dass ich für die Musketiere wohl doch nicht ganz unschuldig war.
Obwohl es mich wurmte, den Ermittlungsstand nicht sofort und aus erster Hand zu erfahren, fügte ich mich und begab mich nur noch in die Stadt, wenn ich für Constance oder für mich selbst einkaufen gehen musste. Hin und wieder traf ich dabei Aramis, der mich jedoch meist ignorierte und tat, als habe er mich nicht gesehen, oder mir nur unbeteiligt zunickte. Obwohl ich es gerade Constance und auch mir selbst gegenüber ungern zugab, vermisste ich seine Aufmerksamkeit und die Art und Weise, wie er mich dauernd geärgert und zur Weißglut gebracht hatte. Und dass er mich nun ignorierte oder wahlweise mit einem hochmütigen oder abweisenden Blick strafte, tat mir weh und machte mich gleichzeitig wütend, wobei ich mir gleichzeitig versuchte, einzureden, dass es besser so war. Immerhin kam ich aus dem 21. Jahrhundert und er aus dem 17. Sugardaddys in allen Ehren, aber 400 Jahre waren für mich dann doch zu viel des Altersunterschieds.
Dennoch. Eine Spur der Kränkung spürte ich. Immer, wenn ich ihn sah. Vor Constance konnte ich freilich meine Gefühle nicht verbergen. Sie bedachte mich stets mit einem wissenden Blick, wenn ich vom Markt kam und ihr wortkarg und reserviert antwortete und scheute sich auch nicht, mich darauf anzusprechen.
„Im Ernst, Constance, können wir bitte einmal über etwas anderes reden? Den Vortrag über Aramis' zweifelhaften Ruf kenne ich zur Genüge. Und das nicht nur von dir.“, fuhr ich sie an, als wir etwa eine Woche nach Felix' Befreiung gemeinsam Mittags in der Küche saßen und Gemüse fürs Mittagessen putzten. Wir waren inzwischen zum vertrauensvollen Du übergegangen und zwischen Constance und mir hatte sich – abgesehen von ihren Vorträgen über die Musketiere – so etwas, wie eine Freundschaft entwickelt.
Sie war es auch, die mir einige Kontakte unter ihren Nachbarinnen und Freundinnen besorgt hatte, für die ich nun hin und wieder Handarbeiten übernahm und so etwas eigenes Geld verdiente.
Constance hielt kurz darin inne, die Kartoffel, die sie in der Hand hielt, zu schälen und blickte mich mit zusammengezogenen Brauen an. Dann schüttelte sie den Kopf, setzte ein unbeteiligte Miene auf und antwortete: „Wie du willst. Schlussendlich musst du selbst wissen, was das beste für dich ist.“
„Ganz genau.“, schnappte ich zurück und begann damit, geschälte Rüben zu zerkleinern.
Eine Weile war es still, lediglich unterbrochen von den Geräuschen meines Messers, bis ich irgendwann merkte, dass Constance inne hielt, ihre Kartoffeln zu schälen und mich mit hoch gezogenen Brauen anschaute.
„Was?“,fragte ich und fuhr damit fort, die Rübe in Scheiben zu schneiden.
„Was du da in der Hand hast, ist kein Beil und scharf genug. Du brauchst nicht so auf die Rübe einzuhacken.“
Ich atmete tief durch und versuchte, mich etwas zu beruhigen.
„Das Wetter ist wechselhaft dieser Tage.“, sagte ich schließlich, um ein unverfängliches Gesprächsthema anzufangen. Constance nickte.
„In der Tat. Für Morgen ist wieder zeitweise Regen gemeldet. Hast du vor, das Haus zu verlassen?“
Ich nickte. „Madame Willy hat mich gebeten, eine Silberstickerei an ihrer Stola auszubessern. Dafür benötige ich Silberfäden.“
„Nun, dann solltest du einen Schirm mitnehmen.“
Constance stand auf und nahm den Topf, in den sie die geschälten Kartoffeln geschnippelt hatte und hängte diesen über die Feuerstelle. In dem Augenblick kam das Dienstmädchen in die Küche gelaufen und knickste vor ihrer Dienstherrin.
„Madame, Monsieur Minard von den königlichen Musketieren steht an der Tür.“
„Dummes Ding, worauf wartest du? Führe ihn herein. Für ihn werden wir wohl auch noch einen Platz am Tisch finden.“, sagte Constance energisch, die mit Minard ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, da auch er eine Zeit lang ein Zimmer gemietet hatte.
„Verzeihung, Madame, aber er ist nicht zum Essen hier. Er sagte, er soll Mademoiselle Elisabeth abholen.“
Jetzt wechselten Constance und ich einen Blick, ehe ich fragte: „Hat er gesagt, warum?“
Das Dienstmädchen zuckte die Schultern. „Er sagte, das ginge nur Euch und ihn etwas an.“
„Na schön.“, machte ich und legte das Messer zur Seite. Während ich dem Mädchen nach unten folgte, überlegte ich, was Minard wohl von mir wollte. Aramis hatte ihn wohl kaum geschickt. Kamen nur Tréville und Athos in Frage. Hatten die beiden beschlossen, mich doch in den Ermittlungsstand einzuweihen?
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