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Deja Vu

OneshotAllgemein / P12 / Gen
John Keel Karotte Eisengießersohn Lord Havelock Vetinari Sir Samuel Mumm
03.02.2017
03.02.2017
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Havelock Vetinari ist siebzehn, und mittlerweile hat er verstanden, dass er keine romantische Person ist. Er liebt nicht. Er lernt und er verwendet sich – für eine Sache, die es wert ist.

Madame ist charmant und tatkräftig und sie weiß, wie Geld und die Geschichte laufen. Sie akzeptiert die unverrückbaren Gesetze der menschlichen Natur und macht sie sich mit einer Selbstverständlichkeit zu Nutze, als wäre es nicht schwerer als zu atmen. Havelock lernt.
John Keel IST ein grober Schläger, und er hält eine aufgebrachte Masse zorniger Hilfloser mit einem Becher Kakao und Worten im Schach. Vielleicht ist er ein Genie. Havelock erkennt etwas, das seiner Persönlichkeit für immer verschlossen bleiben wird, das jedoch Macht besitzt, raue, widerstandsfähige, Geschichte schreibende.

Margelotta ist immer am Rand des Spiels und zieht an den Fäden mitten im Geschehen. Sie kontrolliert alles mit Taten und mit Persönlichkeit und perfekt gezielten Worten. Havelock ist einundzwanzig und er sieht den Ausdruck in ihren dunklen Augen; den Durst nach Blut, den sie in Durst nach Macht kanalisiert, wie sie alles an sich nutzt, Schönheit und Intelligenz und Bildung und auch Wildheit und Durst und Instinkt. Ich verstehe, warum so viele Lieder über Liebe geschrieben werden, denkt Havelock. Ich verstehe es.  
Es war Faszination auf den ersten Blick. Du wirst bei mir sein, für immer. Ich werde dich nie vergessen. Du bist die Person, der mein Blick durch jeden Raum automatisch folgt. Ich werde dich aus dem Gedächtnis nie löschen, aus dem Herzen nie verbannen, du entfachst das Feuer in mir, denn ich will sein wie du.

Hauptmann Samuel Mumms Nase ist aufgequollen vom Alkohol und seine Augen blicken trüb und trotzig in die Welt. Havelock ist fünfunddreißig, und er würde Mitleid spüren, und Verachtung, wenn er dafür Zeit übrig hätte.
Doch dann weckt Karotte Eisengießersohn die drei Männer, von denen jeder zuallerletzt eine Heldentat erwartet hätte, aus ihrer Lethargie, und sie retten ihre Stadt. Havelock Vetinari ist vierzig und er sieht zum ersten Mal bewusst einen finsteren Blick, Worte und Gesten wie bei John Keel und Durst nach Alkohol und wildes Temperament, beide gezügelt, weil sie in andere, produktive Bahnen umgelenkt werden wie bei Margelotta, und deswegen tritt er zur Seite, unmerklich, und lässt Raum für Herzog Samuel Mumm, Kommandeur der Wache, ungeachtet all der Dinge, die an diesem übermotivierten Mann wirklich herzallerliebst und absolut nicht Vetinaris Stil sind. Vetinari sagt „Such!“, und Mumm findet. Vetinari erlaubt ihm sogar, frech zu sein.

Während Havelock Vetinari die Stadt in den Händen hält, und sie regiert, wie sie regiert werden kann, so hält Karotte sie in der Hand, weil sie ihn liebt. Er sieht Geradlinigkeit wie bei Madame und wie bei Keel, er sieht unwiderstehlich anziehenden Charakter wie bei Margelotta, und auch wenn er doch mit dem Idealismus, den Mumm unter vielen Schichten Grollen vergraben hat und mit dem Karotte durch und durch durchdrungen ist, nichts anfangen kann, so lässt er doch Raum für Karotte Eisengießersohn, Hauptmann der Wache.

Feucht von Lipwig ist lenkbar und durchschaubar wie sie alle, aber er gibt den Menschen, was sie wollen, und er hat die Ideen und die Zähigkeit, die es braucht, um dieser einen Stadt zu geben, was sie will. Havelock ist achtundsechzig, und er wird Feucht nie mögen, aber, so vermutet er, Feucht sieht, was kommt, während Havelock zu sehr meistert, was ist, und was war. Also lenkt er,  beobachtet, und vermacht.

Er beobachtet sie alle, stellt sicher, dass sie ihn nicht von seinem hart erarbeiteten Thron – dem Schreibtischstuhl – stoßen, und er sieht, dass sie ihn, jeder auf seine Art, respektieren. Dass seine Stadt sie alle vier akzeptiert.
 
 
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