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Between Heaven And Hell

GeschichteÜbernatürlich / P16 Slash
03.02.2017
15.05.2020
35
134.441
3
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19.02.2017 961
 
Schweissgebadet setze ich mich kerzengerade im Bett auf und keuche schwer.
Was war das bloss für ein Traum, zum Teufel?! Es fühlte sich alles so real an.
Die Flammen, welche meine Haut verbrannten.
Die Fledermäuse, die auf mich losgegangen sind.

Okay. Ich bin definitiv reif für die Klapse.

Langsam schaffe ich es mich zu beruhigen, atme tief durch und schliesse die Augen.
Mein Puls normalisiert sich, das Adrenalin in meinen Adern flaut langsam ab.
Alles klar. Ich glaube, ich bin wieder da.

Ich werfe einen Blick nach draussen: erste Sonnenstrahlen beginnen durch die Wolkendecke zu drücken. Hm, also wird bald der neue Tag anbrechen.
Ohne die Uhr auf meinem Nachttisch zu beachten - ich will lieber nicht wissen wie spät es ist - stehe ich auf, strecke mich ausgiebig und mache mich auf zum kleinen Badezimmer, welches gleich neben der Zimmertür rechts liegt.
Mein Zimmer ist eines der wenigen die diesen Luxus haben. Und ich bin wirklich froh darum. Morgens sollte man mich nicht ansprechen - da kommt nur Geknurre aus meiner Kehle.

Nach einer eiskalten Dusche trete ich aus der Duschkabine heraus, knote mir ein Badetuch um die Hüften und trockne mir die Haare mit einem Handtuch ab.
Während ich dieser Beschäftigung nachgehe, verlasse ich das Badezimmer und begebe mich zum Kleiderschrank. Dieser steht links von meinem Bett - und somit ist er ebenfalls in der Schusslinie - ja, ich nenne sie so - meines heiss geliebten Spiegels.
Kaum habe ich die Haare trocken gerubbelt, werfe ich das etwas feuchte Handtuch auf das Bett und mache Anstalten den Kleiderschrank zu öffnen, als plötzlich wieder dieses helle Licht mir die Sicht nimmt.
Mann, was soll der Quatsch?!
Genervt kneife ich die Augen zusammen, drehe mich zum Spiegel um und nähere mich ihm einige Schritte. Hat es ihm noch nicht gereicht schon vor einigen Stunden den Platz einer Discokugel einzunehmen?!
Als ich wieder versuche die Ursache dieses Lichtes zu finden, flaut jenes wieder ab und lässt mich nur den Blick auf mein Spiegelbild erhaschen.
Mein Gesicht verdunkelt sich, die Hände ballen sich zu Fäusten.
Warum muss ich nur solche Augen besitzen? Was habe ich falsch gemacht?
Wut schäumt in mir hoch, vermischt sich mit Verzweiflung und Verwirrung - dieser Cocktail pumpt anschliessend durch meine Adern und füllt jede einzelne Körperzelle.
Seit ich klein war habe ich mich so gefühlt. Tag für Tag.
Meine Augen starren ihr Spiegelbild an - und Hilflosigkeit blitzt in ihnen auf.

Das linke Auge strahlt in einem Himmelblau, so wunderschön und intensiv wie ein heisser, wolkenloser Sommertag.
Das rechte hingegen blitzt in einem leuchtenden, fast schon bedrohlichem Feuerrot auf. Als würde ein Waldbrand diesen Sommertag vermiesen.
Warum ich diese verschiedenen Augenfarben habe weiss ich nicht. Meine Mutter sagte früher immer wieder;
"Du bist etwas ganz besonderes. Besondere Menschen haben besondere Augen."
...Was hätte sie als Mutter anderes sagen können? Meinen Vater konnte ich nicht fragen - er war vor meiner Geburt unter mysteriösen Umständen gestorben. So hatte man mich immer abgespeist, auch wenn ich mir hatte denken können, was mit ihm passiert war. Naja, Schnee von gestern.
Achtzehn lange Jahre begleiten mich nun diese Augen - ein Segen und ein Fluch zugleich. Und ich habe immer noch nicht den leisesten Schimmer was ich mit ihnen soll.
Klar - ich sehe etwas. Aber es muss doch noch etwas dahinter stecken, oder?!

Während ich vor mich hin grüble, starre ich weiterhin mein Spiegelbild an - und bemerke die Veränderung nicht.
Nicht meine Veränderung. Sondern die meines Ichs im Spiegel.
Es vergrössert sich um gute zehn Zentimeter - mit 1.85 m bin ich ja wohl nicht klein - und zieht sich leicht in die Breite.
Der sehr muskulöse Körper hüllt sich in ein schwarzes Gewand, die Kapuze ruht zwischen den Schulterblättern.
Das Gesicht bleibt von den Zügen her ziemlich gleich, nur ändern sowohl die Haare ihre Länge um wenige Zentimeter - und die Augen werden rot.
Rubinrot.
Belustigung blitzt in ihnen auf als sie meinen Blick erwidern, die Lippen verziehen sich zu einem Grinsen, welches nicht gerade Gutes verheisst.
Als ich dann endlich bemerke das etwas nicht stimmt, blinzle ich wie ein Reh, das von den Scheinwerfern eines Autos geblendet wird.

"Was glotzt du so?"
Die Stimme ist fast so tief wie meine, etwas heiserer und widerspiegelt die Belustigung welche in den Augen ihres Besitzers aufblitzt.
Ich muss zugeben - ich bin geschockt. Wer würde in so einer Situation denn gelassen reagieren?!
"Was zum...-?!"
Weiter komme ich mit dem Satz nicht; und auch nicht mit dem Hechtsprung zur Seite, für den ich gerade Anlauf genommen habe.
Wieder werde ich von diesem grellen Licht geblendet. Instinktiv schütze ich meine Augen mit der einen Hand.
...Dann habe ich das Gefühl erdrückt zu werden.
Was sogar stimmt - schliesslich habe ich etwa 80kg auf mir.

Moment.

Ich nehme die Hand runter und starre geradewegs in die rubinroten Augen, welche mich bis vor kurzem noch durch den Spiegel angestarrt haben.
Der Überraschungseffekt ist so gross, das ich nichts entgegnen kann.
"Hm, nicht schlecht. Wirklich nicht schlecht."
Wieder dringt diese tiefe, leicht heisere Stimme an meine Ohren - und lässt mich erzittern.
"Verdammte Scheisse, was soll das?! Runter von mir!"
Normalerweise braucht es ziemlich viel bis ich explodiere, aber in dieser Situation bin ich fast ausser mir. Mit allen Mitteln versuche ich dieses komische Wesen von mir herunter zu bekommen, doch dieses starrt mich nur weiterhin mit diesem beschissenen Blick an, grinst und entgegnet:
"Aber es macht Spass. Und ich muss gestehen: auch wenn ich für solche Dinge erst das zweite oder dritte Date abwarte..."
Er unterbricht sich selbst, blockiert meine Hände mit den seinen und hält sie fest, beugt sich gefährlich nahe über mein Gesicht und lässt langsam und genüsslich seine Zungenspitze über meine rechte Wange gleiten.
"...bist du es doch Wert diese Regel einmal zu brechen."
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