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Between Heaven And Hell

GeschichteÜbernatürlich / P16 Slash
03.02.2017
15.05.2020
35
134.441
3
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10.07.2017 1.367
 
Zwei bodenlose Löcher fixieren mich, die Nüstern sind leicht gebläht und spitze Zähne werden mir ebenfalls noch vorgeführt. Das warme Sonnenlicht wird von den rot-gelb gefärbten Schuppen reflektiert.
Stumm stehe ich da, erwidere den Blick des Ungeheuers und weiss nicht was ich tun soll.
Ich habe einen Drachen vor mir.
Einen echten Drachen.
Was für ein Quatsch soll das denn bitte sein?!
Für einen Augenblick habe ich gedacht ich würde wieder in einen hysterischen Lachanfall fallen - anscheinend haben Drachen ja so eine Wirkung auf mich -, doch es passiert nichts.
Oder zumindest nichts ähnliches.
Ich bleibe immer noch wie angewurzelt vor diesem Gigant stehen, starre in seine Augen; bis mir plötzlich ein heisser, übel riechender Wind um die Ohren peitscht.
Hat mich das Teil gerade angeschnaubt? Alter!
Meine Augen verengen sich zu zwei schmalen Schlitzen, die rechte Hand ballt sich zu einer Faust.
Der Drache empfindet meine Veränderung wohl als Herausforderung; seine pechschwarzen Augen blitzen angriffslustig auf, aus seiner Kehle dringt ein tiefes, bedrohliches Knurren hervor.
Ein kalter Schauer jagt mir über den Rücken und ich merke wie sich kalter Angstschweiss auf meiner Stirn breit macht.
Kacke. Jetzt hab ich 'n Problem.

"Wie ich sehe hast du schon Freundschaft mit Remiel geschlossen."
Schritte nähern sich mir von hinten und kurz darauf steht der Kapuzenheini - doch noch - neben mir.
Als wäre es das normalste auf der Welt streckt er seine rechte Hand aus und streicht diesem Monster über die schuppige Schnauze. Fast sofort schliesst Remiel die Augen und lässt abermals etwas aus seiner Kehle dringen; es ist aber kein Knurren. Eher ein Schnurren.
Ungläubig stehe ich daneben und, mit hochgezogener Augenbraue, starre ich den Kapuzenheini an welcher seelenruhig weiter mit diesem Vieh kuschelt.
"Gefällt dir Kyran, Kleiner? Er sieht wie ein Arsch aus, aber eigentlich ist er ganz nett."
Xaphan benutzt genau diese Stimme - ja, genau die. Jeder Tierbesitzer benutzt sie wenn sie mit den Tieren reden. Diese hohe, kindliche Stimme.
Diese nervtötende, zum Mord verleitende Stimme.
"Danke für die Blumen, du mieses Sch-"
Weiter komme ich mit meiner Dankesrede nicht; hinter Remiels riesigem Kopf hört man grosse, schwere Flügel schlagen - gefolgt von einem markerschütternden Schrei.
Mein Herz setzt vor Schreck eine Sekunde aus, die Kinnlade fällt runter. In meinem Kopf dreht sich alles.
Das komische Gefühl eines dejà-vu tritt ein, doch ich weiss nicht warum.
"Das ist so typisch. Wieso kann niemand dieses Vieh in Schach halten?! Alles muss man selber machen!"
Genervt lässt der Kapuzenheini von Remiel ab, hüpft neben den Drachenkopf runter und verschwindet kurz darauf aus meinem Blickfeld.
Am liebsten wäre ich ihm hinterher, doch meine Beine wollen nichts davon wissen. Sie lassen sich keinen einzigen Millimeter bewegen - egal in welche Richtung.
Mein Herz scheint ebenfalls noch in einem eiskalten, eisernen Griff gefangen zu sein; es sticht und fühlt sich so an als würde es von einem Augenblick auf den anderen explodieren.
Als würde Remiel spüren das etwas in mir sich verändert hat, stupst er mich - um nicht zu sagen er rammt mich - mit seiner riesigen Schnauze auf der Brust an.
Unbewusst lege ich den Blick auf seine zwei bodenlosen Löcher, welche den Blick erwidern. Etwas in ihnen blitzt mitfühlend auf.
"...Es geht mir gut."
Murmle ich abwesend und streiche mit der rechten Hand über die schuppige Schnauze des Drachen.
Wow. Ich muss ja wirklich weggetreten sein.

Erst als der Höllendrache mich anschnaubt und mich dieser übel riechender Gestank wieder in das Hier und Jetzt befördert, ziehe ich stirnrunzelnd meine Hand zurück.
"Na wenn das mal kein guter Anfang war."
Immer noch etwas durcheinander, und von diesem komischen Gefühl geplagt, schaffe ich es endlich meine Beine wieder zu bewegen.
Mein Herz rast, doch ich versuche mich nur darauf zu konzentrieren, meine Beine immer weiter nach vorne zu bekommen.
Schliesslich bin ich an den Punkt angelangt, wo der Kapuzenheini vorhin neben Remiels Kopf runter gesprungen ist; jetzt weiss ich warum er springen musste.
Dieser kleine Gang war nur dazu gedacht, die Aussenwelt mit diesem Kolosseum zu verbinden. Der Rest sieht aus wie ein gigantisches Loch, in dem im Moment ungefähr 10 Drachen herumfliegen, dösen oder wie wild Feuer spucken.
Remiel schlägt nicht mit den Flügeln um sich in der Höhe zu halten, sondern krallt sich mit seinen grossen Klauen an der felsigen Wand fest. Deswegen erschien es mir im ersten Moment etwas komisch.
Ich schlucke leer, werfe dem Drachen einen schnellen Blick zu und springe dann neben ihn runter.
Keine Ahnung wie tief dieses Loch ist, aber mehr als 20 Meter bestimmt. Ich befinde mich immer noch im freien Fall, verfluche mich selbst weil ich ein kompletter Vollhorst bin und schliesse die Augen um den sandigen Boden, welcher immer näher kommt, nicht sehen zu müssen.

Anstatt Kyran am Spiess gibt es etwas neues im Angebot: Omelette à la Kyran. Mit einigen gebrochenen Knochen, um dem Ganzen etwas Biss zu verleihen.

Ich sollte aufhören mich als unwiderstehliche Delikatesse verkaufen zu wollen und mich lieber darauf konzentrieren, dass ich nicht als Omelette ende.
Just in dem Moment als ich meine Augen wieder öffne um zu sehen wie lange ich noch im freien Fall bin, spüre ich wie mich etwas an den Schultern packt, tief in mein Fleisch dringt und mich nach oben reisst.
"Shit! Was soll das?!"
Ich versuche mich von diesem einschneidendem Teil zu befreien, halte aber nach wenigen Sekunden inne und hebe leicht den Kopf um zu sehen was dieses Etwas ist.
Nun. Bei diesem Etwas handelt es sich um Remiel, der mich mit einer seiner riesigen, leicht geschuppten Klauen festhält.
Der Drache schlägt einmal mit den Flügeln und segelt langsam auf den Boden. Er landet genau neben dem Kapuzenheini - der natürlich grinst. Am liebsten würde ich ihm die Fresse polieren - und löst den eisernen Griff auf meine Schultern.
"Du solltest dich nicht blind in ein Abenteuer stürzen - vor allem nicht, wenn es eine Drachenhöhle ist."
Die Stimme des Kapuzenheinis ist so belustigt wie sein Blick. Anstatt etwas zu entgegnen werfe ich ihm einen meiner Killerblicke zu und klopfe mir auf beide Schultern um mich zu vergewissern das sie alles heil überstanden haben. So wet, so gut. Nur ein leichter Schmerz ist zu spüren; der Rest scheint intakt zu sein.
Kaum bin ich mit diesem Check durch, drehe ich mich zum Höllendrachen um - ja, er hat es sich neben uns bequem gemacht - und deute ein leichtes Lächeln an.
"Danke, Remiel."
Die Augen des Drachens leuchten kurz auf; aus seinen Nüstern bläht mir leichter Rauch entgegen und ich muss mir alle Mühe geben um nicht angewidert das Gesicht zu verziehen.

"Respekt. Remiel ist zwar sehr anhänglich, aber nicht jeder schafft es so schnell sein Vertrauen zu gewinnen."
Xaphan pfeift anerkennend, verschränkt die Arme vor der Brust und, mit einem etwas unglücklichen Blick auf den Drachen, ergänzt er:
"Mich hat er bei unserer ersten Begegnung fast in Asche verwandelt."
"Bist ja auch ein komischer Kauz, du Kapuzenheini."
Auch wenn ich es wirklich ehrlich meine legt sich dennoch ein schiefes Grinsen auf mein Gesicht. Das scheint nicht nur mich zu überraschen: als Xaphan endlich den Blick von Remiel abwendet um dann mich anzuschauen, bleibt er mit offenem Mund stehen.
"Grinst du gerade?"
"Sieht so aus."
"Wow."
"Gewöhn' dich nicht dran."
"Also magst du mich doch!"
Bevor sich diese nervtötende Konversation in die Länge ziehen kann, unterbricht uns ein erneuter Schrei.
Wie der vorherige ist er markerschütternd, tief, bedrohlich.
Schwere Flügel schlagen mehrmals, Staub wird aufgewirbelt.
Ich kann meinen Körper nicht bewegen - alles scheint paralysiert zu sein.
Nur meine Augen können noch wie wild hin und her hüpfen; und das machen sie auch -
solange bis sie herausfinden welche Kreatur diesen Schrei ausgestossen hat.
Uns gegenüber, auf der anderen Seite des riesigen kraterähnlichen Loches, erhebt sich ein pechschwarzer Drache in die Luft. Seine Schuppen sind so matt, das kein einziger Lichtstrahl reflektiert wird.
Feuerrote Augen funkeln stolz und machtvoll, spitze Zähne werden gefletscht.
Als sich dieser Drache endlich in die Lüfte erhebt und davonfliegt, habe ich das Gefühl zu ersticken.
Nur eines schaffe ich mit grösster Mühe zu stammeln:
"...Ker."
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