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Between Heaven And Hell

GeschichteÜbernatürlich / P16 Slash
03.02.2017
15.05.2020
35
134.441
3
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03.06.2017 1.716
 
Ja, es stimmt tatsächlich.
Mein linkes Auge war das Problem.
Ob es daran liegt das es ein 'menschliches' Auge ist, kläre ich irgendwann.
Zuerst muss ich mal verarbeiten was ich gerade sehe.
Denn so etwas habe ich noch nie gesehen - nicht einmal in einem Film.

Ich stehe in einem Flur. Der Boden ist, wie bereits das Zimmer, mit schwarzen Fliesen erstellt worden. Die Wände wurden mit einer feuerroten Farbe gestrichen.
An beiden Seiten des Flures hängen riesige Bilder; einige mit Motiven starker Drachen, andere mit Kriegern, welche ihre Waffen stolz in den Himmel strecken.
Fackeln, welche hoch oben an den Wänden befestigt sind, erhellen den Flur und hüllen diesen in ein leicht gespenstisches Licht.
Es herrscht Totenstille.
...Draculas Schloss ist nichts im Vergleich zu diesem Flur.

Schritt für Schritt nähere ich mich hoffentlich einer Tür oder einem Ausgang; ich kann den Impuls einfach darauf los zu rennen unterdrücken.
Ich habe das Gefühl schon seit einer viertel Stunde in diesem Flur gefangen zu sein und absolut nichts zu hören - bis ein etwas vertrautes Geräusch an meine Ohren dringt.
Flügelschlagen.
Oder wohl eher; ein Flattern.
Unbewusst entspannt sich mein Körper etwas, meine Hände, zu Fäusten geballt, lassen los. Da hatte ich wohl mal wieder eine Angriffsposition eingenommen ohne es zu bemerken.
Das Flattern kommt näher, bis ich irgendwann in diesem gespenstischem Licht Astarte erkenne, welcher direkt auf mich zu fliegt. Seine bernsteinfarbenen Augen leuchten wie ein kleiner Sternenhimmel.
"Da seid Ihr ja, Meister!"
"Nenn mich Kyran."
Freudig flattert Astarte um mich herum, begutachtet mich von oben bis unten und flattert dann gefährlich nahe an meinem Gesicht auf und ab. Da ich nicht weiss was er vor hat, werfe ich ihm einen fragenden Blick zu und ziehe eine Augenbraue hoch.
"Was ist los, Astarte?"
"Ich wollte Euch... dich abholen kommen! Wir haben uns schon Sorgen gemacht."
Scheint als ob das kleine Fellknäuel endlich begriffen hat das es mir ernst ist; wer würde einen wie mich schon gerne freiwillig 'Meister' nennen?
"Sag mal, Kyran: warum hast du ein Auge geschlossen?"
"Weil ich sonst nur Dunkelheit sehe. Deswegen konnte ich vorhin nicht aus dem Zimmer."
"Oh."
"Ja."
"Das musst du mir genauer erklären!"
"Nicht hier, Kleiner. Wo muss ich jetzt hin?"
So nett und hilfsbereit die Fledermaus auch sein mag; im Moment nervt sie nur. Ich will diesen Flur so schnell wie nur irgendwie möglich verlassen.
Ein ungutes Gefühl macht sich wieder in meiner Magengegend breit - und momentan scheint dieses Gefühl immer recht zu behalten.
Astarte scheint bemerkt zu haben das ich mich etwa unwohl fühle; der Kleine flattert noch einmal um mich herum und fliegt dann langsam voraus.
"Folge mir einfach!"
Ich tue wie mir befohlen und versuche alles um mich herum, ausser der Fledermaus vor mir, auszublenden.
Gleich wird dieses Gefühl verschwinden.
Hoffentlich.
Schweigend folge ich Astarte, welcher auf und ab flattert, während in meinem Kopf alle Gedanken wie in einem Mixer vermischt werden.
Ich brauche definitiv Antworten. Und zwar eine Menge.
Ob ich wohl alle bekommen werde?

"Da sind wir!"
Astartes piepsige Stimme reisst mich aus meinen Gedanken; ich bleibe hinter ihm stehen und beobachte mit kritischem Blick und erhobener Augenbraue die Tür, vor der wir nun stehen.
Viel versprechend sieht sie nicht gerade aus - halt eine massive, schwarze Holztür. Der Türknauf glänzt golden vor sich hin - ob das nur so aussieht weil er geputzt worden ist oder wirklich aus Gold besteht, kann ich nicht richtig erkennen.

Dann wollen wir mal.

Ich trete vor, lege eine Hand auf den Türknauf und drehe ihn auf die linke Seite. Ein Klicken ertönt und die Tür geht mühelos auf.
Nachdem ich sie einen Spalt breit geöffnet habe, atme ich tief durch und reisse die ganze Tür weit auf; nichts kann mich mehr überraschen.
Die Einrichtung des Zimmers, sowie auch die Farbe der Wände und der Fliesen, ist alles wie in dem Zimmer in dem ich aufgewacht bin. Mit Ausnahme eines massiven, runden Holztisches in der Mitte des Raumes, welcher von sechs ebenfalls massiven Holzstühlen umgeben ist.
An der Wand hinter dem Tisch prangt ein riesiges Wandgemälde; es zeigt einen pechschwarzen Drachen mit feuerroten Augen, welcher ein beachtliches Feuer spuckt.
Unbewusst nähere ich mich diesem Bild und betrachte es mit gemischten Gefühlen. Der Drache sieht majestätisch aus. Stark. Mutig. Treu.

"Na, gefällt dir mein Bild?"
Als diese Stimme an meine Ohren dringt, drehe ich mich zu seinem Besitzer um - bereit anzugreifen.
Doch das stellt sich als unnötig heraus.
Ich blicke in das Gesicht eines Jungen, vielleicht so alt wie Xaphan. Markante Gesichtszüge, eine gerade und kleine Nase, schmale Lippen und Augen, die wie zwei wertvolle, klare Smaragde aussehen. Sein Haar sollte man eher als eine flammende, etwas gewellte Mähne bezeichnen, welche ihm geschmeidig über die Schultern fällt und bis zu seinen Hüften reicht.
Er ist von Kopf bis Fuss in Leder gekleidet - enge Lederhosen, ein Lederkorsett, eine kurze Lederjacke und enge, kniehohe Lederstiefel.
Natürlich alles schwarz.
"Wer bist du?"
Frage ich vorsichtig, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Auch wenn er freundlich zu sein scheint; der Schein kann des öfteren trügen.
Vor allem hier in der Hölle.
Der Rotschopf scheint amüsiert über meine Frage zu sein; belustigt nähert er sich mir einige Schritte, wirft sich das Haar über die Schulter und antwortet:
"Das sollte ich dich fragen, Fremder. Was machst du hier?"
...Er hat mich erwischt. Immerhin bin ich in sein Zimmer gerannt, nicht umgekehrt. Ich frage mich was sich Astarte wohl gedacht hat?!
Während ich jegliche Foltermethoden in Gedanken durchgehe um der kleinen Fledermaus das alles zurück zu zahlen, streiche ich mir mit einer Hand durch die Haare und erwidere ruhig:
"Ich heisse Kyran. Was ich hier mache, weiss ich selber auch nicht so genau."
Schweigen.
Der Lederfetischist vor mir starrt mich mit leicht offenem Mund an, als hätte ich gesagt ich wäre der Gott - oder Teufel - persönlich. Seine smaragdfarbenen Augen werden grösser und grösser, scheinen sehr überrascht zu sein.
Da ich mich etwas unwohl und gereizt fühle, entschliesse ich mich dazu meinen Mund abermals zu öffnen. Ich ertrage dieses Schweigen nicht. Es ist... anders.
"Naja, ich sollte dann mal gehen. Sorry für die -"
"Du bist es. Er hatte recht."
Sein Gesichtsausdruck wird sanfter, fast schon verführerisch. Abermals nähert er sich mir um einige Schritte, streckt eine Hand nach mir aus und streicht sanft mit dem Zeigefinger über meine Lippen.
Ich bleibe an Ort und Stelle stehen, lasse es ihm durchgehen - töte ihn allerdings mit dem Blick. Was fällt diesem Lederheini ein?
"So volle, geschmeidige Lippen. Am liebsten würde ich sie beissen."
"Versuche es und du wirst es nicht überleben."
Wenn seine Stimme mit Lust geschwängert ist, dann ist es meine mit Ekel. Wieso müssen diese Typen hier nur solche Lustmolche sein? Richtig zum kotzen.
Jeder einzelne Muskel spannt sich in meinem Körper an, die Hände ballen sich zu Fäusten - und dann höre ich sie.
Auch wenn sie nerviger erscheint, so schafft sie es dennoch mich zu beruhigen; zumindest soweit, dass ich diesem Typen keinen Vorgeschmack auf meine leckere Faust gebe.

"Halte deine schmutzigen Gedanken im Zaum, Redu. Er gehört zu mir."
Ich werfe einen Blick hinter den Rotschopf und sehe ihn in der Tür stehen - erstaunlicherweise fühle ich mich wirklich sicher. Auch wenn nur für kurze Zeit; immerhin hat mein Gehirn gerade Xaphans Worte verarbeitet.
"Ich gehöre zu niemandem."
Knurre ich, verenge die Augen zu zwei kleinen Schlitzen und hätte ihm am liebsten auch gleich eine gescheuert.
Der Lederfetischist dreht sich zum Kapuzenheini um und tänzelt auf ihn zu.
"Oh, Xaphan! Wie schön, deinen heissen Körper hier in meinem Zimmer zu haben!"
"Ja ja, reiss dich gefälligst zusammen."
Als Redu eine Hand auf Xaphans Brust legt und sich an ihn schmiegt, wirft der Kapuzenheini mir einen schnellen Blick zu der Bände spricht: "Rette mich."

Oh nein, Alter. Das hast du dir selber eingebrockt.

Ein hämisches, böswilliges Grinsen legt sich auf mein Gesicht, meine Arme verschränken sich lässig vor der Brust und, mit hochgezogener Augenbraue, lasse ich all meine Schadenfreude mit folgenden Worten aus mir heraus strömen:
"Dann lasse ich euch beide mal alleine."
Xaphans Augen weiten sich vor Entsetzen, sein Kopf schüttelt sich fast schon automatisch. Tja, blöd gelaufen.
Langsamen Schrittes gehe ich an den Turteltauben vorbei und begebe mich zum Ausgang des Zimmers.
"Du kannst nicht einfach so gehen! Astarte hat dich nicht ohne Grund hier her geführt!"
Höre ich da etwa ein Flehen aus der Stimme des Kapuzenheinis?
Ob ich es will oder nicht; ich denke über seine Worte nach. Er hat recht. Astarte hat mich nicht ohne irgendeine Erklärung hier her, zu Redu, gebracht.
"...Also gut."
Ich unterdrücke den Impuls eine Grimasse zu schneiden, wende mich den beiden Täubchen zu und deute mit einem leichten Kopfnicken die Würgeschlange - netter Spitzname für den Lederfetischisten, oder? - an.
"Wenn er dich los lässt, können wir vielleicht über diesen Grund sprechen."
"Er lässt mich gleich los!"
"Was? Jetzt schon? Aber Xaphan, du bist so schön warm!"
Die darauf folgende Szene erinnert sehr an ein kleines Kind, welches sein Lieblingsspielzeug nicht aus der Hand geben möchte; Redu klammert sich verzweifelt an Xaphan, während Xaphan verzweifelt versucht ihn von sich ab zu bekommen.
Ich kann einfach nicht anders als schadenfreudig vor mich hin zu grinsen. Jetzt noch eine Tüte Popcorn und dann wäre es perfekt.

Nach wenigen Sekunden dieses hin und hers fängt plötzlich der Boden unter uns zu beben an und ein komischer Schrei erklingt.
Man könnte es auch eher als ein lautes, tiefes und bedrohliches Zischen beschreiben. Jedenfalls jagt es mir einen kalten Schauer über den Rücken.
Ich sehe mich hektisch um, kann aber nichts aussergewöhnliches entdecken.
"Was zum Teufel war das?!"
Frage ich an niemand speziell gerichtet.
Die Antwort lässt etwas auf sich warten, da sich Redu endlich von Xaphan losreisst und ein undefinierbares Grinsen sich auf seinem Gesicht breit macht.
Erst danach wirft er mir einen Blick mit seinen smaragdfarbenen Augen zu und antwortet:
"Das war der Grund warum dich dein kleiner Gehilfe hier her gebracht hat."
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