Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm

GeschichteDrama, Romanze / P18
Florian David Fitz OC (Own Character)
01.02.2017
06.02.2020
25
56.845
5
Alle Kapitel
53 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
01.02.2017 640
 

Hallo zusammen, neue Kategorie, neue Geschichte, dann mal los.

Im Prolog kommt Florian noch nicht in Person vor, aber ich verspreche euch, das nächste Kapitel kommt ganz bald, ist länger und dann wird auch FloFi da sein.

Bis dahin

Liebste Grüße

Vilandra



Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm



Prolog oder Tag 548



Ich wandere durch unser Haus, ziellos. Sitze kurz auf unserem Bett, streiche die ohnehin schon glatte Bettdecke, noch ein wenig glatter. Ich setze mich auf seine Seite des Bettes und lege meine flache Hand auf sein Kopfkissen. Die Leere in mir breitet sich aus.

Wir haben gerade so alle Kartons ausgepackt, Gardinen aufgehängt, Schränke gefüllt. Erst seit etwa zwei Wochen ist das so richtig –unser- Haus. Zwar leben wir seit 3 Monaten in Berlin, aber irgendwie waren wir bisher noch mit den Auflösungen unserer jeweiligen Wohnungen beschäftigt. Sind ständig hin und her gegondelt.

Er: München – Berlin – München und Ich: Bonn – Berlin – Bonn .

Ich wandere weiter in unser gemeinsames Arbeitszimmer. Zwei Schreibtische nebeneinander, mit unseren Laptops darauf. Ein riesiges Plakat eines Klatschmohnfeldes an der Wand. Die kleine Stereoanlage steht auf meiner Seite, ich bin die Jenige, die Musik zum Schreiben braucht, er braucht Ruhe.

In Wirklichkeit schreiben wir aber beide nicht am Schreibtisch. Gestern noch saßen wir auf dem riesigen Flauschteppich, mitten im Wohnzimmer, Rücken an Rücken, jeder seinen Laptop auf dem Schoß. In dieser Position lege ich meinen Kopf zurück auf seine Schulter, wenn ich gerade mal nachdenke, wie es weiter gehen soll.

Im Wohnzimmer angekommen, liegt Clara, unsere schokobraune Labradorhündin, an eben dieser Stelle auf dem Teppich und schaut mich aus großen, braunen Augen an. Ich habe das Gefühl, sie weiß genau was in mir vor geht. Da hätte sie dann auf jeden Fall einen Vorteil, mir gegenüber, denn ich weiß ganz und gar nicht, was gerade in mir vorgeht. Mein Körper fühlt sich leer gefegt und taub an, trotzdem ist es in meinem Kopf viel zu laut.

Unsere Eltern sind auf dem Weg hierher. Ich weiß weder etwas mit mir anzufangen, noch weiß ich was ich mit ihnen anfangen soll, sie wollen mir nur beistehen, dass ist mir in dem Rest denkenden Hirn klar.

Ich gehe an dem alten Klavier vorbei, mit all seinen Verzierungen und streiche liebevoll darüber, so liebevoll, wie Florian das immer macht, bevor er zu spielen beginnt. Seine Oma hat es ihm geschenkt und er hat schon als kleiner Junge gelernt darauf zu spielen.
Ich erinnere mich an unser letztes Weihnachten, er hat Hallelujah für mich gespielt, immer und immer wieder, weil ich es so gerne mag und noch viel mehr, wenn er es mit seiner sanften Stimme singt. Ich schüttele mich. Es klingt in mir, als würde ich ihne gerade jetzt hören.

Jetzt stehe ich in diesem großen Haus und bin allein, allein mit Clara und obwohl ich nie ein Problem damit hatte niemanden um mich zu haben, fühle ich mich das erste Mal seit langer Zeit einsam und das auch nur, weil ich nicht weiß wann er zu mir zurück kommt oder ob. Ich lasse mich mit diesem niederschmetternden Gedanken auf den Klavierhocker fallen und fange lauthals an zu schluchzen. Meine Schultern zittern unkontrolliert, mir ist eiskalt. Das einzig warme, was ich spüre ist der kleine Funke Hoffnung, der in mir glimmt und die sonst kalte, nasse Hundeschnauze von Clara, die gerade gegen meine Hand stupst und mir scheinbar sagen will: Elisa, alles wird gut, so allein bist du nicht, ich bin da und passe auf dich auf.

Ich schenke ihr ein etwas misslungenes Lächeln und kraule sie gleichzeitig hinter beiden Ohren.

Das Klingeln des Telefons reißt mich, aus meiner meditativen Aufgabe des Ohrenkraulens. Ich springe auf und starre auf das Display. Das ist die Nummer vom Krankenhaus. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, entweder ist er aufgewacht, oder…ich hole tief Luft und drücke den grünen Knopf.


***tbc***
Review schreiben