Mythos Academy - Frostschatten

KurzgeschichteFantasy / P12
31.01.2017
13.02.2017
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Mythos Academy (spielt zwischen dem dritten und vierten Band)



Kapitel 1



Wir stehen in der Turnhalle, von Freunden umgeben. Logan und ich; ein bezaubernder Spartaner und ein vollkommen in den Kuss versunkenes Gypsymädchen.
Sie alle lachen und jubeln gleichzeitig. Das seltsame war; es stört mich nicht im geringsten, nein es spornt mich nur noch mehr an, meine Zunge in Logans Hals zu stecken.
Ich weiß nicht wie lange wir unsere Leidenschaftlichkeit gegenseitig austauschen, aber es muss eine ganze Weile gewesen sein. Jedenfalls löse ich mich seufzend ein Stückweit von dem Spartaner als ein leises Kläffen in meine Ohren dringt und mir ein Wollknäuel um die Füße streicht. Mit einem Lächeln sinke ich auf die Knie, streiche dem kleinen Wolf über das rabenschwarze Fell. »Wird mal wieder Zeit dass ich dir mehr Aufmerksamkeit widme«, murmle ich.
»Die Aufmerksamkeit hat mir stattdessen nicht geschadet«, kommt es von oben.
»Selbstverliebter Ego.« Mit diesen Worten nehme ich Nyx in die Arme und richte mich auf.
»Bevor der Unterricht anfängt, muss ich sie zu deinem Onkel bringen. Könntest du vielleicht mitkommen?«
»Damit ich ihn überrede für die Wölfin Babysitter zu spielen?« Er renkt seinen blauen Augen zu schlitzen, überkreuzt die starken Arme vor seinem muskulösen Oberkörper.
Ich zucke die Schultern. »Warum nicht?«
Für eine Sekunde scheint er sich ernsthaft zu überlegen, mir den Gefallen nicht zu tun, doch dann dreht er sich zu seinen Freunden und sagt, wir müssten noch schnell was erledigen.
Daphne zieht nur die perfekt geformten Augenbrauen nach oben, sagt aber nichts.
Kenzie wirft mir das Schwert von der Tribüne zu. Es hätte meine Arm zu Rinderschnitzel verarbeitet, wenn Logan das Schwert nicht vornweg für mich auffing.
»Nächstes mal ein bisschen vorsichtiger!«, schrie der Spartaner zu seinem Freund hinüber. Logan drückt mir das Schwert in die Hand, worauf Vic prompt einen ungenierten Wutausbruch zum besten gibt.

In der Bibliothek der Altertümer, suchen wir Nickamedes auf. Am Ausleihtresen steht er, nimmt einer Schülerin den Bücherstapel ab, beugt sich über eine Schriftrolle und hakt die zurückgegebenen Bücher unter ihren Namen ab.
Ach, wie oft ich genau das schon getan habe. Unzählige Schülernamen gesucht, unzählige Bücher abgehakt, in die Regale sortiert, mich Eindutzendmal immer wieder genau an diesem Ort in Gefahr begeben, obwohl ich nie groß was dafür konnte.
Ich bin halt dieses Gypsymädchen; Nikes Champion. Verrückt mag es klingen. Loki ist frei, und ich habe versagt. Nie mehr wird es sein wie früher, wo alles noch okay war, keine Freunde gehabt hatte, ich die mythologischen Wesen als lachhaft empfand, es für mich keinen von sich besessenen Gott mit dem plausiblen Titel »das Chaos« gab, wo die Schnitter noch nicht davon besessen waren, mir eins zu eins den Kopf abzuhacken.
Das Mädchen am Tresen wendet sich von dem Bibliothekar ab. Mit der teuren Schultasche in der Hand, schreitet sie auf hochhackigen Schuhen an uns vorbei.
»Sie muss eine vom ersten Jahrgang sein«, fährt es mir durch den Kopf.
Ihr braunes glattes Haar schlenkert um ihre breiten Hüften, betont von einem enganliegendem Blazer – man müsste fast meinen, sie hätte sich mit Absicht in dieses Ding gestopft, damit sieht sie aus wie eine überperformte Kartoffel im Bikini. Noch dazu sind ihre Wangen mit einer dicken Schicht Make up überzogen, so wie die vollen
knallrot bemalten Lippen noch eins daraufsetzen.
Das Schuljahr ist fast schon zu ende, und dieses Augenmerk war mir bisher noch nie aufgefallen oder gar über den Weg gelaufen.
Das sollte sich gar ändern, nun tränkt sie sich an mir und dem kleinen Wolf vorbei. Kein Lächeln, keine Entschuldigung, keine Würdigung eines Blickes. Nichts als eine starre ausdruckslose Miene.
An der Seite von Logan, nehme ich ihren Platz vor dem Ausleitresen ein.
Nickamedes schaut auf. Scheinbar überrascht, seinen Neffen Händchenhaltend mit mir zu sehen. »Hallo Logan … hallo, Gwendolyne.«
Die beiden Verwandten nicken sich einander zu. »Meine Freundin bräuchte jemanden«,
bringt es Logan auf den Punkt und betont das Wort >Freundin> überdeutlich, »der auf ihren Welpen aufpasst, solange–«
»Sie beim Unterricht ist«, beendet der Bibliothekar den Satz. Er rauft sich das schwarze Haar, steckt den Stift hinter das Ohr und mustert mich aus seinen eisblauen Augen von oben bis unten. Wieder sticht die Ähnlichkeit zwischen ihm und Logan hervor, genau wie ich glaubte, er würde wieder eines dieser abfälligen Bemerkungen über mich an den Tag legen, doch an dieser Stelle habe ich mich ausnahmsweise mal getäuscht. Dem Gegenteil bewiesen, lehnt er sich über die Tischplatte und betrachtet die kleine Wölfin die an meinen Füßen kauert. Ein kleines Lächeln weicht dem strengen Bibliothekar über die Lippen.
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