I'm not on drugs I'm just in love

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
30.01.2017
07.10.2017
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Baekhyun saß am Rand des Daches und seine Beine baumelten in der freien Luft.
100 Meter unter ihm war die voll befahrene Straße mit den vielen laut hupenden Autos mit ihren ungeduldigen und gestressten Fahrern.
All dies interessierte ihn nicht.

Er hatte Angst das seine zwei Freunde herunter fallen und für immer verschwunden sein könnten.
Die zwei Freunde, die ihn in den letzten Wochen am Leben gehalten hatten.
Wodka und Pille.
Wodka war immer für ihn da. Wenn er einmal nicht weiter wusste, half er ihm alles etwas klarer und besser zu sehen.
Die Pille half ihm die Schmerzen in seinem Herzen auszuschalten und dann konnte er nicht fühlen.
Er konnte nicht fühlen, wie sein Körper mit Adrenalin vollgepumpt werden sollte, wie er hier am Dachrand saß.
Er spürte nur die innere Ruhe und sein Herz schlug in einem gleichmäßigem Takt.
Es war beruhigend und keinesfalls beängstigend.

Baekhyun sah mit schwankendem Blick gerade aus.
Er sah nur etwas großes, helles vor sich, welches immer wieder von rechts nach links kippte.
Und jedes Mal grinste er leicht, weil er dachte, dass dieses Etwas endlich umkippen und eine wundervolles helles Feuerwerk von sich geben würde.

Das „etwas“ vor ihm war ein teures Hotel, welches natürlich nicht schwankte.
Es stand fest und still, doch in seiner Drogen vernebelten Vorstellung konnte alles passieren.
Baekhyun dachte auch, dass die Wodkaflasche in seiner Hand zwei kleine Ärmchen und Beinchen hatte. Deshalb hatte er Sorge, dass das Fläschchen über den Dachrand springen würde.
Und die Pillenpackung neben ihm flüsterte zu ihm. Die kleinen roten Pillen schrien alle „Iss mich! Iss mich!“

Baekhyun griff zur Wodkaflasche und nahm einen kräftigen Schluck.
Das helle Etwas hatte auf einmal zwei Augen geöffnet und starrte ihn an. Dunkle Höhlen ohne das Licht um sie herum.
Wie verzaubert sah er in die Dunkelheit und merkte, dass sich darin etwas bewegte.
Ein kleiner Feuerkegel drängte sich in seine Sicht und er nahm den Geruch von einer starken Zigaretten wahr.
Er schloss die Augen und zog den Rauch einmal in seine Lunge ein.
Ein tiefes Lachen erfüllte die Luft und Baekhyun öffnete verwirrt die Augen. Ihm gegenüber im anderen Gebäude stand ein Mann auf seinem Balkon mit der offenen Tür hinter sich.
Sein Zimmer war dunkel, doch Baekhyun konnte ihn trotzdem gut erkennen. Er sah recht jung aus.

Seine Droge ließ langsam nach und er konnte wieder normal sehen.
Die beiden starrten sich an und dann nahm er einfach einen weiteren Schluck von seinem Wodka, der schon fast alle war.
Der Mann betrachtete ihn genauer und lächelte dann.

„Hey.“ sagte er und atmete dann den inhalierten Zigarettenrauch direkt auf Baekhyun zu.

Dieser beugte sich etwas vor und atmete den Rauch ein.
Er hatte schon beim ersten Mal bemerkte, dass es eine teure Marke war, die der Fremde rauchte.
Er selber kaufte sich keine Zigaretten, da er sonst kein Geld mehr für die Pillen hatte, welche teurer waren, weil er sie sich illegal besorgte.
Der Wodka war nicht der Rede wert. Irgendein billig Ding vom Supermarkt an der Ecke.

„Du sitzt jeden Abend hier oder nicht?“ fragte der Mann weiter.

Er schien nüchtern zu sein, wie langweilig von ihm.
Baekhyun sah ihn mit leicht geöffneten Lippen an und nickte dann langsam.
Dann drehte er sich zu seinen Pillen und griff nach ihnen.
Er verfehlte die Packung bei Weitem, stieß sie jedoch leicht an.
Sie fiel herunter und er zeigte keine Reflexe.
Emotionslos sah er hinunter in die Tiefe der Stadt.
Der Fremde sah ebenfalls nach unten.

„Meine Pillen.“ murmelte Baekhyun und schmollte leicht.

Er hatte nicht mehr genug Geld, um sich neue zu holen und er hatte keine Lust arbeiten zu gehen.
Jedenfalls nicht diese Woche.

„Zum Glück.“ sagte der Fremde und Baekhyun sah ihn empört an.

„Wo soll das denn Glück bedeuten?“ fragte er sauer.
„Das war mein bester Freund. Jetzt habe ich nur noch Wodka.“

Er klammerte sich an seine Flasche und Tränen sammelten sich in seinen Augen.

„Du bist ein Wrack.“ sagte der Fremde.

Er überlegte kurz und verschwand dann aus dem Fenster.

„Gut so.“ hauchte Baekhyun. „Geh weg! Verzieh dich!“

Er seufzte und hob die Flasche an, um aus ihr zu trinken, doch jemand riss sie ihm aus der Hand.
Er drehte sich herum und dort stand der Fremde.
Er hob die Flasche hoch und zerschmetterte sie auf dem Boden des Daches.

„Spinnst du?“ zischte Baekhyun und sah auf die Scherben herab.
Nun hatte er gar keine Freunde mehr.

„Du bist am Ende.“ sagte der Fremde und setzte sich neben ihn.

Er sah Baekhyun an und blies ihm dann den Zigarettenrauch direkt ins Gesicht.
Baekhyun atmete tief ein und schloss die Augen.

„Wie verdienst du überhaupt Geld, um diese Dinge zu kaufen?“

Baekhyun öffnete die Augen und sah den Fremden lange an „Ist doch egal, oder?“

Der Fremde zog wieder mit der Zigarette ein und öffnete den Mund, doch ließ den Rauch nicht heraus.
Er kam langsam von selbst heraus und löste sich in der Luft auf, bevor er hätte Baekhyun erreichen können.
Deshalb lehnte sich der mit Drogen vollgepumpte und besoffene Baekhyun so weit vor, dass sich ihre Lippen fast berührten.
Er atmete den Rauch ein, der aus dem Mund des Fremden kam.
Als er alles inhaliert hatte, stöhnte er erleichtert auf.

Der Fremde grinste gemein.
Er hatte Baekhyun schon hübsch gefunden, als er ihn gegenüber von sich gesehen hatte.
Allerdings wurde ihm klar, dass der junge Mann eine verlorene Seele war, da er Drogen und Alkohol zu sich nahm.
Er kannte solche Seelen.
Sein Vater war eine gewesen und war an der Einsamkeit gestorben.
Das sollte diesem hübschen, jungen Mann nicht passieren.
Er wollte wiederholen, was er eben gemacht hatte.
Er wollte ihn wieder nahe an sich spüren, also hob er die Zigarette an.

Allerdings schnappte ihm Baekhyun die Zigarette aus der Hand.
Er nahm selber einen tiefen Zug und schmiss sie dann in die Tiefe herab.

„Rache.“ hauchte er, während der Zigarettenrauch aus seinem Mund kam.

Der Fremde musste zugeben, dass das ziemlich sexy bei ihm aussah.

„Chanyeol.“ stellte sich der Fremde auf einmal ohne Vorwarnung vor.
Er hatte beschlossen sich mit dieser heißen, verlorenen Seele anzufreunden.
Es sah nach Spaß aus.
Er konnte etwas Abwechslung von seinem langweiligen Bürojob gebrauchen.

„Beschissener Name.“ lächelte Baekhyun gemein. „Meiner ist Besser. Baekhyun.“

„Der ist wirklich besser.“ stimmte Chanyeol zu, der es von seiner Mutter gelernt hatte, gut und effektiv zu flirten und attraktiv herüber zu kommen.

„Schleimer.“ Baekhyun sah nach rechts und links von sich.

Nichts.
Wenn er weiterhin nichts zu sich nahm, würde er noch nüchtern werden und weiterhin mit diesem Chanyeol reden.

„Als was arbeitest du denn jetzt?“ fragte Chanyeol neugierig.

„Als was arbeitest du denn jetzt?“ äffte Baekhyun ihn nach und sah ihn ernst an.
„Interessiert dich nicht. Aber was ist denn dein Job, dass du in so einem teuren Hotel pennen kannst?“

Chanyeol konnte es nicht fassen.
Jemand so hübsches mit einem so frechen Mundwerk.
Sonst traf er nur auf höfliche, schöne Menschen, doch Baekhyun zeigte ihm, dass das Aussehen täuschen konnte.
Doch er war nun mehr überzeugt von ihm.
Er wollte mit ihm befreundet sein.

„Ich bin CEO von International Tecnic Industries. ITI.“ sagte er und wartete auf eine Reaktion.

Er hatte viel Geld von seinem Vater geerbt und sein Job selber gab ihm auch noch jede Menge Einkommen. Seine Mutter war Model und seine große Schwester ebenfalls.
Sie waren eine der wohlhabendsten Familien der Stadt.

„Aha.“ gab Baekhyun von sich und sein Mund war ein wenig offen.
Dann fügte er hinzu „Dann bin ich Prinz von dem Meermenschvolk im Fluss da hinten.“
Er zeigte zum Hafen.

Chanyeol musste anfangen zu lachen „Interessant. Leider lügst du und ich nicht.“

„Okay, du lügst also nicht?“ fragte Baekhyun überrascht. „Dann zeig mal her deine Kohle. Kann ja jeder behaupten CEO zu sein.“

Chanyeol griff in seine Jackentasche und holte ein Bündel Scheine heraus.
Baekhyun starrte stumm auf das Geld.
So viel hatte er noch nie in seinem Leben in der Hand gehabt.
Er versteckte seine Hände in den Ärmeln des zu großen grauen Pullover, den er trug.

„D-Das sagt gar nichts.“ stotterte er und sah schnell nach links, in die Richtung, wo Chanyeol sein Gesicht nicht sehen konnte.

Dem CEO war klar, dass der kleinere Mann nun wusste, dass er nicht log.

„Was ist nun dein Job?“ fragte er wieder nach.
Er war nicht nur im Job hartnäckig, sondern auch privat.

„Jetzt sag ich ihn dir erst recht nicht.“ sagte Baekhyun und sah auf seine Füße herab.
„Da sehe ich ja noch dümmer aus, als vorher schon.“

Chanyeol rückte an ihn heran und legte einen Arm um seine Schultern.

„Ach komm schon. Wieso sollte ich lachen? Natürlich hast du einen Job, der nicht so gut wie meiner ist. Immerhin ist meiner der beste in der ganzen Stadt oder nicht?“

„Aber ich habe einen Job, wo jeder lachen würde.“ sagte Baekhyun und sah ihn sauer an.
„Ein Job, wo selbst Arbeitslose mich auslachen würden.“

Chanyeol runzelte die Stirn „Was ist es denn nun? Ist er so schrecklich?“

„Prostituierter, okay?!“ schrie Baekhyun wütend und rutschte zwei Meter von Chanyeol weg.
„Ich bin eine verkackte Hure, klar?!“

Die beiden sahen sich an und dann lief Baekhyun hochrot an.
Er sah schnell von ihm weg und murmelte leise „Oh mein Gott, wieso habe ich das gerade gesagt?“
Dann drehte er sich zu Chanyeol und grinste „Nur ein Witz! Ich bin eigentlich Mechaniker!“

Der CEO sah ihn lange an und Baekhyun schluckte schwer, während er auf seiner Lippe herum kaute.
„Du scheinst keine Scherze zu verstehen oder?“ fragte er dann nach einer Weile.

Chanyeol wusste nicht, ob er mitspielen sollte, um es so Baekhyun einfacher zu machen, oder er das Thema einfach weiter ansprechen sollte.
Sicherlich war sein Job eines der vielen Probleme, die Baekhyun hatte.
Wenn Chanyeol ihm wirklich helfen wollte, musste er damit anfangen.

„Wenn es einer wäre, würde ich ihn verstehen. Aber es ist keiner, hab ich Recht?“ fragte er ernst.
„Hör zu, es muss dir nicht peinlich sein. Immerhin verdienst du doch Geld ohne harte Arbeit.“

Baekhyun hatte gedacht, dass jetzt etwas Nettes kam.
Es war auch toll, bis dieser Vollidiot meinte, dass es keine harte Arbeit sei.
Es war definitiv keine harte Arbeit sich von fremden, älteren Männern begrabschen zu lassen und sich nicht zu wehren oder zu schreien.
Es war definitiv keine harte Arbeit so zu tun, als hättest du den Spaß deines Lebens.
Es war definitiv keine harte Arbeit zerstört und benutzt zu werden und dann wie ein benutztes Taschentuch liegen gelassen zu werden.
Nein, all dies war keine harte Arbeit.
Es war das reinste Zuckerschlecken.

„Was machst du in deinem Job?“ fragte Baekhyun und man konnte hören, wie sehr er angepisst war.

Chanyeol hatte keine Ahnung, was nun auf ihn zu kam, doch es war definitiv ein Hurricane.

„Du gehst von einem Büro zum anderen oder?
Du trägst hier und dort ein paar Zahlen ein?
Erzählst hier und dort von deinem Plan, für dessen Erstellung du fünf Minuten gebraucht hast, richtig?
Und danach führst du noch Telefonate und zeigst dein hässliches Grinsen auf irgendwelchen Presseveranstaltungen.
Nicht so schwer oder?
Keine harte Arbeit, nicht?“

Baekhyun fing an zu zittern und er kratzte seine schlimmsten Erinnerungen zusammen.

„Aber jeden Abend von irgendwelchen perversen, alten Männern berührt zu werden und seinen Instinkt sich zu wehren und um Hilfe zu schreien zu unterdrücken und seine tiefsten Ängste zu vergraben, das kann ja nicht so schwer sein oder?
So zu tun, als hättest du Spaß und es gäbe nichts Besseres, als von diesen Männern auf die Matratze herunter gedrückt zu werden, das ist auch nicht so schwer oder?
Und sicherlich ist es ein Einfaches dann weg geschmissen zu werden, benutzt, zerstört und in die Ecke geworfen.
Überhaupt kein Problem.“

Chanyeol bekam keine Luft mehr.
Was Baekhyun da sagte, schürte ihm die Kehle zu.
Und all das hatte er erlebt?
Er sollte viel mehr als Chanyeol verdienen, doch er bekam nicht mal ein Viertel davon.
Das Leben war nun mal nicht fair, wie Chanyeol noch nie bemerkt hatte, bis zu diesem Zeitpunkt.

Baekhyun stand ohne ein Wort auf und ging zur Tür, die hinunter in das Treppenhaus führte.
Chanyeol stand nicht auf und folgte ihm, um zu sagen, dass es ihm Leid tat.
Nein, das tat er nicht.
Stattdessen blieb er sitzen und sah das Hotel gegenüber an.
Oft versuchte er ein Gentleman zu sein, doch manchmal verhaute er es eben.
So wie eben gerade.
Er hatte keine Ahnung, wie Baekhyun zu diesem Job gekommen war.
Sicherlich nicht, weil er wollte.
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