Religionsunterricht

GeschichteAllgemein / P12
30.01.2017
30.01.2017
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Ich bin nun schon ein paar Jahre aus der Schule draußen, doch manchmal denke ich an diese Zeit zurück und wünsche mir, damals wären einige Sachen anders gelaufen. Heute soll es aber nur um das Thema Religion gehen. Ich hatte dieses Fach damals auch, meist war es für mich eine Zeit der Geistigen Entspannung, in der man mit halbem Ohr zuhört, weil man das meiste sowieso schon kannte: Gott ist da oben, die Bibel ist ein dickes Buch, der Teufel ist Böse, wer eine Sünde begeht muss beichten oder kommt in die Hölle. Das alles wusste ich schon nach der Grundschule und dem Kommunionsunterricht. Wenn es aber um andere Themen ging, dann wurde ich wacher und machte sogar mit. Nach meinem Referat über die Church of Satan kaufte ich mir sogar die Satanische Bibel.
Aber leider wurden die spannenderen Themen, über die ich nicht so viel wusste nur im Schnelldurchlauf abgehandelt und in der Regel nur sehr einseitig: Judentum und Islam waren da für mich weniger spannend. Klar, andere Bräuche, andere Gebete aber es ist der gleiche Gott, also weitermachen mit dem Wachkoma für 45 oder 90 Minuten. Bei den Sekten, Okkultismus und Satanismus war ich wesentlich aufmerksamer und meist auch genervt. Letzteres galt auch für meine Lehrerin, die versuchte uns einzureden, dass das alles ganz Böse wäre. Meine Frage, ob nicht auch das Christentum eine Jüdische Sekte sei, wurde einfach übergangen. Ja, so ist das, wenn man konfessionellen Unterricht hat.
Manche Themen kamen gar nicht erst auf den Lehrplan, über Hinduismus lernten wir nur, dass es ihn gibt, Buddhismus genauso und versuchten uns einen Film anzusehen, aber der Videorekorder mochte die Kassette nicht. Sikhismus und andere Glaubenssysteme kamen garnichterst an die Reihe. Manchmal frage ich mich, was wir eigentlich die ganzen sechs Gesamtschuljahre gemacht hatten. Für Judentum und Islam hatten wir ein halbes Jahr und für die Sekten und den anderen bösen Kram, Satanismus und Okkultismus, hatten wir auch ein halbes Jahr. Blieben noch fünf Jahre, in denen nur über das Christentum geredet wurde, meist über die eigene Konfession, in meinem Fall der Katholizismus, manchmal noch über Luther, aber das war's dann schon. Zum gekreuzigt werden langweilig.
Aber ich will nicht nur meckern, ich möchte euch auch meinen Lösungsvorschlag unterbreiten, auch wenn ihr wohl in den seltensten Fällen der Kultusminister von irgendeinem Bundesland seid.
1. Weg mit dem Konfessionellen Religionsunterricht.
Alle Schüler bleiben in ihrer Klasse und werden gemeinsam Unterrichtet. Da können die Kinder auch aus erster Hand etwas über andere Glaubensrichtungen lernen. Wenn man ein jüdisches Kind da hat, kann das etwas über die Jüdischen bräuche erzählen und genauso mit nem muslimischen Kind. Vielleicht können diese dann mal ihren Rabbi oder Imam bitten vorbeizukommen und auch etwas zu erzählen.
Ginge das denn nicht?
2. Weg mit Konfessionellen Lehrern.
Jeder Lehrer bringt auch seine Vorstellungen mit ein. Wenn ein Deutschlehrer nicht viel von Inhaltsangaben oder so hält, dann wird man das merken. Das Thema wird schnell abgehandelt und es geht weiter im Lehrplan. Genauso ist es mit Religion, wenn der Lehrer Katholisch ist, muss er ja sein, damit er katholischen Religionsunterricht abhalten darf, dann wird er hauptsächlich über seine Konfession reden und den Rest eher schnell abhandeln. Könnte man dann nicht einfach einen Theologen nehmen, der das ganze aus Theologischer Sicht behandelt und nicht aus dem persönlichen Glauben heraus?.
3. Vielfalt in den Stundenplänen.
Ja, wir leben in einem Christlich geprägten Land, aber es gibt hier auch viele Menschen mit anderen Glaubenssystemen. Von mir aus, kann man jedes Jahr im Religionsunterricht nach dem Sommerferien bis zu den Herbstferien nochmal über das Christentum reden, aber dann sollte es gut sein damit. Danach sollten dann erstmal die Weltreligionen behandelt werden. In der fünften Klasse das Judentum, in der sechsten dann der Islam, in der siebten der Hinduismus, in der achten der Buddhismus. wenn man das richtig macht, dann hat man am Ende des Schuljahres noch ein Viertel Jahr übrig, in dem man über Naturreligionen, alte Glaubenssysteme, wie die der Römer und Griechen, Ägypter und Phönizier, Babylonier und Kelten, Wikinger und verschiedene Indianerstämme und was es sonst noch alles gab. Das könnte man auch über ein Projekt machen, die Kinder werden zu Paaren zusammengewürfelt und sollen dann über ein Referat ein Glaubenssystem halten. wäre das nicht eine Idee?
Was macht man dann ab der neunten Klasse? da kann man über verschiedene Auslegungen sprechen, zum Beispiel was zum Geier ein Quäker ist, was der Unterschied zwischen Suniten und Shiiten ist, da muss ich auch erstmal auf Wikipedia gucken und gleichzeitig könnte ich dutzende Unterschiede zwischen Katholiken und Evangelen aufzählen. Man kann Themen wiederholen und vertiefen. Es gibt so viele Möglichkeiten.
4. Weg von der Vorstellung, man müsste den Kindern einen Glauben beibringen
Die Kinder dürfen sich sowieso noch keine Religion aussuchen, das machen die Eltern. Erst mit vierzehn, darf man sich selbst entscheiden, ob man bei dem alten Gott und der alten Konfession bleibt, oder sich was neues sucht. Wieso wird den Kindern dann in der Grundschule erklärt, dass es Gott gibt, wieso werden sie in die Kirche gezerrt und müssen da dem Pfarrer zuhören? Wieso das ganze?
Wieso kann man den kleinen nicht von Anfang an beibringen," Die Leute im Christentum glauben dass Jesus der Sohn Gottes war und am Kreuz gestorben ist"? Weil die Kinder dann fragen: "Stimmt das, dass Jesus der Sohn Gottes war und dass er am Kreuz gestorben ist und gibt es eigentlich Gott?" Kindern sowas zu erklären kann anstrengend sein. Aber es ist nicht die Aufgabe der Schulen den Kindern zu sagen, was sie glauben sollen, wenn überhaupt ist es die Aufgabe der Eltern, entweder bleiben die Kinder dann bei dem Glauben oder sie verwerfen ihn. Das kommt von ganz alleine.
Wenn die Eltern es nicht schaffen, den Kindern den Glauben zu erklären, dann gibt es noch immer Priester und andere Männer und Frauen des Glaubens, an die man sich wenden kann. Die Schule kann und muss den Kindern nicht alles beibringen.
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