Подсолнух (Russia x Reader)

GeschichteRomanze / P18
29.01.2017
09.07.2017
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Hallöchen~
Ich habe an Character x Reader-Stories irgendwie ein Narren gefressen und will zum ersten Mal eine Kurzgeschichte damit ausprobieren! Den Titel hat mir übrigens eine russischen Mitschülerin von mir netterweise ins Russische übersetzt.  Vielleicht löse ich ja noch auf, was in dem Titel steht~ ;D

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Angespannt schaust du auf die gegenüberliegende Wand und die dort befestigte Uhr des kleinen Blumenladens. Es ist gleich halb eins... und er würde wieder kommen. Er, Herr Braginski ist seit einigen Wochen einer der neueren Stammkunden. Jeden Tag kommt er in seiner Mittagspause in diesen kleinen, unscheinbaren Laden an der Ecke und lässt sich jeden Tag aufs Neue eine einzige Sonnenblume mit einigen Farnen zu einem kleinen Strauß fertigmachen. Es ist nicht so, dass er unhöflich ist oder sich dir gar aufdrängt, auf gar keinen Fall! Herr Braginski ist immer höflich und ordentlich, allerdings hat er... nun ja... ein ziemlich einschüchterndes Auftreten, weshalb es dich nicht unbedingt behagt, ihn zu bedienen und dabei immer ein strahlendes, offenes Lächeln zu tragen. Die kleine Klingel über der Tür bimmelt und dir rutscht dein Herz ein wenig tiefer. Dein Magen ist ebenso nervös und verknotet sich mehrmals, als der hochgewachsene junge Mann in seinem adretten Anzug vor dir steht. Er hat definitiv eine einschüchternde Aura in diesem maßgeschneiderten Sakko und seine ernsten und diplomatischen Gesichtszüge lassen ihn wie ein knallharter Börsenmakler wirken. Die Frage, warum ein solch hochtrabender Kerl sich ausgerechnet immer wieder in so einen kleinen, schmuddeligen Laden verläuft, bleibt für dich unbeantwortet. Und natürlich kannst du das auch nicht fragen, der kleine Laden braucht jede erdenkliche Kundschaft.

"Bitte wieder eine Sonnenblume, wie üblich.", sagt er mit so einer tiefen Stimme, dass du schlucken musst. Die Landessprache beherrscht er zwar, allerdings mit einem deutlichen Akzent. Diesem nach zu urteilen muss er aus Osteuropa, vermutlich den russisch-sprachigen Ländern stammen. Du nickst schnell, um zu zeigen, dass du verstanden hast. Dieser Mann schüchtert dich ziemlich ein und in seiner Anwesenheit weißt du kaum , wie du dich am Besten verhalten solltest. Mit wackeligen Knien huscht du über die Blumendiele, um die Sonnenblume und ein bisschen hübsches Grünzeug aus den verschiedenen Krügen zu fischen und danach am Tresen zu binden. Deine Finger zittern ein wenig, als du die Blume und die Farne zu einem kleinen Strauß bindest, denn Herr Braginski lässt deine Finger nicht einen Augenblick aus den Augen. Ernsthaft  interessiert beobachtet er dich dabei, wie du seinen Strauß anfertigst. Und das nicht zum ersten Mal, schon seit ein-zwei Wochen beobachtet er dich intensiver denn je bei der Arbeit. Auf der einen Seite ist sein Blick nicht wirklich aufdringlich, nur ehrlich interessiert und das ist etwas, was eine Floristin doch freuen sollte. Trotzdem wirkt er so erhaben, dass du dich am Liebsten ganz klein machen willst. Er muss anscheinend gut Geld besitzen, denn die Uhr an seinem Handgelenk und der Stoff seiner Anzüge wirken alles andere als billig.

Mit einer, etwas sehr auffällig erzwungenen festen Stimme nennst du den zu zahlenden Betrag. Er nickt und greift in seine hintere Hosentasche, um sein Portemonnaie zu zücken. Als er dieses aufklappt springt die ein bestimmter Gegenstand ins Auge. Eine schwarze Kreditkarte. Sofort fühlst du dich in seiner Anwesenheit wie der letzte Straßenköter und senkst schnell den Blick. In einem so jungen Alter bereits in Besitz von solchen Dingen? Entweder muss er aus einer reichen Unternehmerfamilie stammen oder eine sehr steile Berufskarriere hingelegt haben.   Er reißt dich aus deinen Gedanken, indem er das Geld auf den Tresen legt. Schnell zählst du mit einem Blick darauf das Geld nach und stellst fest, dass er einige Euro mehr dazugelegt hat. Verwirrt schaust du auf und begegnest mit deinem Blick einem Lächeln, was sanft und ehrlich seine Lippen umschmeichelt. "Dafür, dass Sie jeden Tag den Strauß so hübsch binden.", murmelt er leise. Schon fast sanft. "V-Vielen Dank!", bringst du gerade noch so hervor. Das Herz klopft dir bis zum Hals und zum ersten Mal betrachtest du ihn richtig. Er besitzt ungewöhnlich weiß-blonde Haare, die allerdings nicht wie gefärbt wirken. Sein Gesicht erscheint vor allem durch die hohen Wangenknochen und seinen ausdrucksstarken Unterkiefer sehr dominant und maskulin. Doch seine dunkelblauen Augen, in welchen gerade ein Sonnenstrahl bricht und sie in samtiges Lavendelfarben verwandeln lässt, drücken irgendwie eine besondere und sympatische Sanft- und Unsicherheit aus. Irgendwie wirkt es schon fast süß auf dich und eine gewisse Anspannung fällt von dir ab. Er ist auch nur ein normaler Mensch, das zeigt dir dieser Ausdruck in seinen Augen, die gerade ein fastzinierendes Farbenspiel inszenieren.

Dein Blick gleitet tiefer, sein kräftiger und sehniger Hals ist stilvoll mit einem, über die Schultern gelegten Schal bekleidet. Er besitzt zudem einen breitgebauten Oberkörper, der zusammen mit seinen großen Händen und den schlanken Fingergliedern schon erahnen lässt, dass sich ein trainierter Körper unter dem Anzug befinden muss. Alles in allem sieht er tatsächlich haargenau wie einer dieser attraktiven russischen Neureichen aus, die allerdings einen Scheiss auf Gefühle und Moral geben. Typische Börsenarschlöcher. Trotzdem musst du fast anschmachtend seufzen. Auch wenn er wahrscheinlich ein Arschloch ist, er ist verdammt nochmal heiß und attraktiv! Und er kauft bei dir im Blumenladen ein!

Auch wenn jetzt schon alles Geschäftliche erledigt ist, geht er noch immer nicht. Er betrachtet dich eingehend, ehe er sich etwas jugendlich und unbeholfen durch die Haare fährt, was in deinem Magen ein wildes Kribbeln auslöst. Irgendwo in seinem Stammbaum müssen wohl slawische Gene durchkommen, denn er sieht wirklich 1A russisch aus. Endlich kannst du aufhören, ihn anzugaffen und blickst dich suchend nach weiterer Kundschaft oder zumindest deinen Kolleginnen um, doch die haben sich aber klammheimlich in den winzigen Pausenraum verkrümelt. Tolle Kolleginnen, dich hier mit diesem Kerl alleine zu lassen. Krampfhaft überlegst du, wie du ihn auf höfliche Art und Weise aus dem Laden bugsieren kannst und dir kommt die rettende Idee. "E- Entschuldigen Sie, allerdings muss ich mich wieder meiner Arbeit widmen. Einige Trauerkränze für eine Beerdigungen müssen noch angefertigt werden.", murmelst du und holst demonstrativ einen großen Ring hervor, der mit Moosgummi überzogen ist, womit immer die Trauerkränze gebunden werden.

Er zuckt ertappt zusammen, was dazu führt, dass noch ein wenig mehr von seinem unnahbaren Auftreten abbröckelt. Es verwundert dich, wie unbeholfen er sich heute benimmt, während du durch den Laden huscht und sämtliche  benötigte Blumen einsammelst.

"Entschuldige, wenn ich Sie bei der Arbeit behindert habe und ich Sie so etwas nun aus heiterem Himmel frage... hätten sie allerdings daran Interesse, mit mir auszugehen? Natürlich nur, wenn es Ihnen passt und sie Lust haben... S-Sie haben doch keinen festen Partner, oder? E-Entschuldigen Sie, dass ich eine solch dumme Frage gestelltbhabe...", fragt er plötzlich und gerät zum Ende hin ins Stottern, was ihn zwar nicht wirklich geschäftlich kompetent wirken lässt... aber dafür unheimlich süß ist! Vollkommen überrascht drehst du dich zu ihm um und er hat allen Ernstes ein wenig rosa angehauchte Wangen. Er tut sich also schwer, Frauen anzusprechen und auf ein Date einzuladen? Dann kann er ja nicht der allzu größte Playboy sein. Aber zu ällererst musst du deine Gedanken sortieren. Er scheint zwar immer noch ein Neureicher zu sein, aber... jetzt kommt das große Aber, er wirkt ehrlich. Und irgendwie auch nicht schmierig und schnöselig. Eher gesagt hat er wohl große Probleme damit, Frauen kennen zu lernen und außer auf Geschäftsessen mit ihnen auszugehen. Man könnte es ja ausprobieren, denkt sich deine alte innere Teenie- Stimme, die total auf solche Typen abfährt, obwohl du bereits zwanzig bist und eine erwachsene, gestandene Frau bist!

"Kommendes Wochenende hätte ich Zeit...", beantwortest du leise, kaum hörbar seine Frage. Er atmet hörbar auf und räuspert sich, ehe er eine Visitenkarte zückt und dir diese reicht. Sie ist aus dicken, edlem Papier und die Buchstaben sind fühlbar mit schwarzer Tinte auf das blütenweiße Papier eingestanzt. Alleine diese Visitenkarte könnte schon locker fünfzig Euro kosten. "Melden Sie sich bitte, damit wir Ort und Zeit ausmachen können. Ich müsste nämlich dafür noch einige Termine verschieben.", sagt er leise, mit bedeutungsgeschwängerter Stimme. Du schluckst, bedankst dich nochmal und ehe du dich versiehst ist er mit einem leisen Bimmeln wieder durch die Eingangstür verschwunden. Du atmest tief ein und aus, kannst kaum glauben, dass dich ein wahrscheinlich ziemlich wohlhabender Geschäftsmann um ein Date gebeten hat. Eine einfache Floristin. Zaghaft und bewundernd streichst du über die Lettern des kleinen, aber bedeutungsvollen Stück Papiers. Langsam liest du Wort für Wort das, was auf diesem kleinen Zettelchen steht und stellst entgeistert fest, dass dich ausgerechnet einer der führenden Köpfe der Sberbank, einer der größten Banken Russlands zu einem Date eingeladen hat...
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