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Tree of Time

KurzgeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
Handy Hefti Papa Schlumpf Schlumpfine
28.01.2017
28.01.2017
5
6.015
 
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28.01.2017 1.641
 
Stille. In Heftys Kopf klang das Wort ‚Vater‘ immer wieder nach und er schaute ihn fassungslos an, dann überkam ihn eine Welle von Emotionen.
„All die Jahre..wieso hast du mir das verschwiegen? Die anderen Schlümpfe würden alles dafür tun ihre Eltern sehen zu können, aber das werden sie nie und du? Ich hatte meinen Vater all die Jahre vor mir und wusste nichts davon!“ fing Hefty an und wurde langsam immer lauter.
Papa Schlumpf sah alarmiert auf.
„Bleib ruhig Hefty, bitte, sonst hört uns noch jemand.“ versuchte er ihn zu beruhigen.
„Ja und? Dann soll es eben jeder wissen!“ funkelten seine Augen voller Wut und Enttäuschung.
Papa Schlumpf tat es im Herzen weh seinen Sohn so gegen ihn zu sehen, aber er musste standhaft bleiben, er hatte es nicht anders verdient und er ist ihm eine Erklärung schuldig.
Er seufzte.
„Es tut mir alles unglaublich leid, Hefty, aber bitte es darf niemand erfahren. Ich habe es damals so entschieden als deine Mutter starb und mich Mutter Natur gefragt hatte, ob ich bereit wäre einige Waisenschlümpfe aufzunehmen. Glaub mir, ich habe das alles nicht gewollt, aber wenn ich es den anderen erzählt hätte, dann hätten sie sich ausgegrenzt gefühlt und ich wollte nicht damit sie dich ausgrenzen. Hier haben sie sich sicher und zugehörig gefühlt. Ich konnte ihnen diesen Gefühl nicht nehmen und bei dem Versuch alle gleich zu behandeln, habe ich meinen eigenen Sohn völlig vergessen. Du musstest schnell erwachsen werden, weil du auf dich selbst gestellt warst und dein einziges Ventil war der Sport. Ich habe so viel von dir verlangt, was du gar nicht alles leisten konntest, du warst doch noch ein Kind und du warst nicht dumm. Du hast es bemerkt, auch wenn du noch klein warst, aber mit idiotischen Aktionen hast du immer die Aufmerksamkeit von mir bekommen, weil ich dich dann immer angemeckert habe. Es war die einzige Art, die du kanntest.
Hefty, ich habe das alles nicht gewollt. Ich konnte dir kaum in die Augen schauen, weil alles an dir hat mich an deine Mutter erinnert und es hat so geschmerzt. Ich war so egoistisch, habe den Schmerz ausgeblendet, damit auch dich ausgeblendet anstatt für dich da zu sein, denn auch du hast sie verloren, nicht nur ich. Du kannst dich womöglich an nichts erinnern, aber ich werde dich nicht weiter belügen. Ich erzähle dir alles, was du willst, ich hoffe nur, dass du mir irgendwann verzeihst und mich als Vater annehmen kannst. Du bist ein Teil von mir und ich liebe dich. Ich würde es nicht ertragen dich zu verlieren..“ beendete er seine Erklärung und sah Hefty mit Tränen in den Augen an. Seine Stimme wurde zum Ende hin immer zittriger und er konnte nicht mehr weiter reden.
Hefty war so gerührt und war gleichzeitig so überfordert mit dem Ansturm von Gefühlen in ihm. So hatte er schon ewig nicht mehr gefühlt. Und er dachte er wäre verrückt, weil er immer wusste, dass zwischen ihnen ein unsichtbares Band war, was nicht mal die beiden selbst gesehen haben. Hefty wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und lief dann auf seinen Vater zu um ihn in die Arme zu schließen. Papa Schlumpf war schwer überrascht und ein riesen Stein fiel ihm vom Herzen. Er drückte ihn fester an sich und genoss die Liebe, die er all die Jahre nicht ausdrücken konnte.
Hefty schniefte. „Ich habe dir schon vor langer Zeit verziehen, weißt du, ich bin alles andere als nachtragend.“ lächelte er mit brüchiger Stimme. Auch Papa Schlumpf lachte und ließ ihn los, hielt ihn aber immer noch an den Schultern um ihn anzusehen.
„Du hast so viel von deiner Mutter, Hefty. Es ist eine Schande, dass ich so viel Zeit mit ihr verbringen durfte und du nur so wenig.“ sagte er. Hefty senkte seinen Blick und traute sich kaum zu fragen, aus Angst vor der Antwort, dennoch hob er wieder seinen Kopf.
„Wie ist sie gestorben?“
Papa Schlumpf sah ihn mit traurigen Augen an und atmete einmal tief durch.
„Es war ein heißer Sommer und du warst gerade mal ein Jahr alt. Wir saßen draußen und du hast im Pool gespielt. Die anderen Schlümpfe mit denen ich aufgewachsen bin waren bei ihren Familien oder gingen ihren Aufgaben nach. Alles war friedlich bis Opa Schlumpf und Nanny schreiend angelaufen kamen, du weißt ja, dass sie meine Papa und Mama Schlumpf waren.“
Hefty nickte und hörte gespannt zu.
„Sie schrien wir sollen weglaufen, uns verstecken. Es flogen große Feuerbälle übers Dorf, die in Häuser einschlugen und diese haben sofort Feuer gefangen. Alle liefen um ihr Leben, deine Mutter schrie noch, ich solle dich nehmen und abhauen, aber ich konnte sie doch nicht alleine lassen. Doch der Rauch war so dicht, ich konnte sie nicht mehr sehen, also bin ich in den Wald gelaufen, wo Opa und Nanny dich mitgenommen haben und ich hörte sie noch rufen, dass ich nicht wieder hinein gehen sollte, aber ich wollte deine Mutter finden. Durch das ganze Chaos hast du übrigens auch deine Narbe bekommen, die Handy mit dem Tattoo übermalt hat. Es war so dichter Rauch und es war schwer etwas zu erkennen bis es endlich besser wurde und es liefen Schlumpflinge an mir vorbei. Dann sah ich sie, hustend am Boden und viele Verbrennungen..“
Papa Schlumpfs Stimme brach und er schluchzte. Hefty reagierte und nahm seine Hand.
Er sah auf und Hefty lächelte ihn leicht an. „Du musst nicht weiter erzählen.“
Doch genau das beruhigte ihn wieder und er wollte ihm alles erzählen, also machte er weiter.
„Sofort lief ich zu ihr und schaute sie mir genau an. Ich werde dieses Bild nie vergessen. Mir liefen sofort die Tränen und wir wussten beide, dass es zu Ende ging, aber ich wollte es nicht wahr haben, also rief ich verzweifelt nach Hilfe, die nie kam. Alle Schlümpfe waren weg. Ich konnte nichts tun, außer bei ihr zu sein. Sie lächelte mich genauso aufmunternd an, wie du gerade. Mit den gleichen Augen und dem gleichen Lächeln. Sie wollte mir ihren Tod so angenehm wie möglich machen und ihre letzten Worte waren: „Pass gut auf Hefty auf, sag ihm, dass ich ihn über alles liebe und kümmer dich genauso gut um andere Schlumpflinge, die deine Hilfe brauchen. Ich liebe dich.“
Und ich habe versucht es so gut umzusetzen wie es mir möglich war. Sie ist durch den Krieg der Menschen gestorben und für die Schlümpfe, die in Not waren. Ich bewundere sie bis heute. Sie hatte so viel Mut und handelte immer mit Herz und Verstand. Jeder mochte sie und es war sicher, dass sie die nächste Generation führen würde, wie ihre Eltern, Opa und Nanny.“
Hefty sah ihn geschockt und überrascht an. Es muss furchtbar gewesen sein und er fühlte mit ihm.
Aber gleichzeitig hatte er noch mehr lebende Familienmitglieder als je ein anderer Schlumpf hatte. Er hatte Großeltern, die Eltern seiner Mutter, die eine Heldin war. Er wusste nicht, was er sagen sollte, er war völlig überwältigt. Papa Schlumpf wusste, was in seinem Kopf gerade vor sich ging und lächelte ihn an.
„Ich glaube es war genug für heute, du solltest jetzt schlafen gehen. Ich würde sagen, wir sehen uns morgen nach dem Frühstück bei Opa und Nanny im Haus, ich möchte dir noch was zeigen.“
meinte er. Hefty nickte lächelnd. Papa nahm ihn bei der Schulter und begleitete ihn noch hinaus.
Sofort spürten sie die kühle Nachtluft. Sie war erfrischend und wohltuend. Es war sternenklarer Himmel und Hefty erkannte sogar die Milchstraße. Nach einigen Sekunden drehte er sich wieder zu Papa Schlumpf.
„Danke.“ lächelte er. Papa Schlumpf war verwirrt.
„Wofür?“ fragte er nach.
„Für alles. Das du auf Mum aufgepasst hast, dass du für jeden ein unglaublich guter Vater warst, auch für mich. Ich meine du warst ja trotzdem immer Papa Schlumpf und wirst es immer bleiben. Und danke, dass du den Mut hattest mir das alles zu erzählen. Du bist ein guter Vater, Mum wäre stolz auf dich, was du dir hier aufgebaut hast.“
Papa Schlumpf war berührt. Er musste sich die Tränen verkneifen und fand auch keine richtigen Worte dafür. Deshalb umarmte er seinen Sohn einfach, denn Taten sagen bekanntlich mehr als Worte. Hefty wusste das zu schätzen und war glücklich, aber er war kaputt und müde vom Tag. Er gähnte und Papa Schlumpf ließ ihn lachend wieder los. Sie wünschten sich noch eine gute Nacht und Papa schaute Hefty noch hinterher, wusste nicht wie er jetzt schlafen sollte, dabei wusste er noch nicht, dass er seit diesem Tag heute Nacht am besten schlafen würde.

Hefty war völlig fertig und freute sich nur noch auf sein Bett. Er ging also schnurstracks nach Hause um gerade nicht seine besten Freunde auf seiner Coach schlafen zu sehen! Aber er war ihnen nicht böse, im Gegenteil, er lächelte sanft, denn er hatte wirklich die besten Freunde der Welt. Sie wollten extra warten bis er wieder da ist, haben es aber leider nicht geschafft. Er ging zu seinem Schrank hinüber und holte zwei Decken hinaus und deckte die beiden zu. Auch wenn Sommer war, konnten die Nächte sehr abkühlen. Er versuchte die beiden nicht zu wecken, was aber nicht ganz so gut klappte, denn Schlumpfine blinzelte langsam auf. ‚Mist‘ dachte sich Hefty und wartete ab.
„Hey Hefty, wie war‘s?“ flüsterte sie und rieb sich die Augen.
„Erzähl ich euch morgen, okay?“ lächelte er sie liebevoll an. Schlumpfine bemerkte die getrockneten Tränen auf seiner Haut und wollte ihn lieber schlafen lassen.
Sie lächelte zurück und schloss ihre Augen wieder. Hefty grinste bei dem niedlichen Anblick und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Daraufhin kuschelte sie sich friedlich in ihre Decke, was Heftys Herz nochmal höher schlagen ließ.
„Okay Hefty, geh jetzt endlich schlafen.“ flüsterte er zu sich selbst und packte sich einfach nur in sein Bett. Er schlief sofort ein und träumte von Familien und vielen Kindern im Schlumpfdorf.
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