Worth of Freedom

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Michael Scofield OC (Own Character)
28.01.2017
15.05.2020
30
77.684
19
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
28.01.2017 1.859
 
Disclaimer: Ich besitze keinerlei Rechte an den Personen oder der ursprünglichen Handlung der Geschichte.


Sie erwachte. Langsam. Nur sehr langsam. Ihre Augenlider fühlten sich unheimlich schwer an. Es pochte dumpf in ihrem Kopf.
Was war geschehen? Krampfhaft versuchte sie sich zu erinnern, aber ihre Gedanken fühlten sich so zäh an wie Honig.
Dunkelheit. Angst. Fliehen. Festgehalten werden.
Nach und nach erinnerte sie sich an ihre letzten bewussten Minuten.
Der Schreck der Erinnerung fuhr ihr durch die Glieder und sie setzte sich ruckartig auf.
Doch das hätte sie besser nicht getan, denn der heftige Schmerz, der sofort in ihrem Kopf explodierte, brachte sie augenblicklich dazu, sich wieder hinzulegen.
Sie kniff die Augen zusammen und zwang sich eine geschlagene Minute lang abzuwarten, bis der Schmerz endlich wieder einigermaßen abgeebbt war.
Dann öffnete sie langsam die Augen.
Das erste was sie sah, war die Unterseite eines Bettes. Wohl ein Hochbett. Sie befand sich offensichtlich im unteren Bett. Die Wand neben ihr war grau und schmucklos. Als sie den Kopf drehte, stellte sie fest, dass der Raum extrem klein war. Höchstens zwei Meter breit.
Und dann fiel ihr Blick auf die Gitterstäbe.
Irgendwo in ihrem müden Gehirn leuchteten auf einmal tausend Alarmglocken auf und sie versuchte verzweifelt zu verstehen, was sie da sah.. Konnte es wirklich sein? Befand sie sich etwa... in einem Gefängnis?
Sie schloss die Augen wieder, holte langsam tief Luft und begann sich dann aufzurichten.
Die Schmerzen schossen augenblicklich wieder in ihren Kopf, doch diesmal nicht so stark wie das Mal zuvor. Sie brauchte allerdings ein paar Sekunden, um den aufkommenden Schwindel abzuschütteln.
Als sie aufstand, achtete sie darauf, nicht mit dem Kopf an den Bettrahmen des oberen Betts zu stoßen. Dann machte sie einen Schritt bis zu dem Gitter und legte die Hände an die kalten Stäbe.
Ihr stockte der Atem, als ihr Blick in die große, düstere Halle fiel. Vor ihr und wahrscheinlich auch neben, über und unter ihr, außerhalb ihres Blickfeldes, waren zahllose Zellen in die Wand eingelassen. Kleine Räume, wie der ihre. Und in jedem Raum, in jeder Zelle, befand sich mindestens ein Mensch, soweit sie das erkennen konnte. Ihr wurde kalt, als sie erkannte, dass es ausnahmslos Männer waren.
Ihr Blick wurde gehetzter. Sie blickte von Zelle zu Zelle und suchte, doch sie hatte sich nicht geirrt. Es waren tatsächlich nur Männer!
Das konnte doch nicht sein. Das durfte nicht sein!! War das überhaupt erlaubt?
Ophelia hatte noch nie von gemischten Gefängnissen gehört. Die Gefahr, dass die Männer, die ja nicht ohne Grund hier gelandet waren, sich an den Frauen vergriffen wäre ja allgegenwärtig.
Und doch, je länger Ophelia ich umsah, umso stärker wurde die Erkenntnis, dass die Situation tatsächlich so war, wie sie sie auf den ersten Blick eingeschätzt hatte.
Ihr Herz begann schneller zu klopfen. Zu rasen. Und in ihr stieg eine Angst hervor, wie sie sie noch nie gespürt hatte. Verzweifelt begann sie an den Gitterstäben zu rütteln. Doch keine Chance. Sie bewegten sich keinen Millimeter weit.
Und im nächsten Moment wurde ihr bewusst, dass sie höchstwahrscheinlich einen Fehler gemacht hatte. Durch die hektischen Bewegungen und das Rütteln an den Gitterstreben hatte sie Aufmerksamkeit auf sich gelenkt.
Einer der Männer in einer gegenüberliegenden Zelle sah in ihre Richtung. Ihre Blicke trafen sich. Ophelia wusste, dass ihr die Angst ins Gesicht geschrieben war. Sie brach den Blickkontakt ab und trat hastig einen Schritt von der Tür zurück. Doch das reichte nicht.
Der Mann hatte leider zu viel gesehen. Ophelia hörte, wie er seinen Zellennachbarn laut zuschrie:
„He, ihr da. Ihr Weißbrote! Schaut mal in die Zelle gegenüber von euch. In die, die bis gestern noch leer war. Ich glaub wir haben da was ganz besonderes bekommen.“
Ophelia gefror das Blut in den Adern. Gehetzt sah sie sich um. Doch der Raum bot nichts weiter, als eine stählerne Toilette, ein kleines Waschbecken und das Bett.
Auf dem Bett lag eine Decke und ein Kissen. Hastig riss Ophelia die Decke hoch und versteckte sich darunter.
Nun sah sie zwar nichts mehr, von dem, was sich draußen abspielte, doch leider musste sie immer noch jedes Wort mit anhören. Das was sie hörte, war alles andere als beruhigend.
Die Männer in den gegenüberliegenden Zellen begannen sich lautstark mit dem ersten Mann zu streiten. Sie konnten in Ophelias Zelle nämlich nichts weiter außer der etwas ausgebeulten Decke auf dem Bett erkennen. Der Mann erklärte daraufhin, dass er sich nicht hundertprozentig sicher sei, aber, und das sagte er mit sehr bedeutsamer Stimme, dass er sein Mittagessen dafür verwetten würde, dass er gerade ein Mädchen in der Zelle gesehen hatte.
Diese Aussage schlug ein wie eine Bombe. Die Gespräche in den anderen Zellen wurden leiser oder verstummten ganz. Ophelia wagte kaum noch zu atmen.
Dann begann einer zu lachen.
„Du bist doch nicht ganz bei Trost. Ein Mädchen? Ich glaube deine Fantasie ist mit dir durchgegangen! Du hast wohl Entzugserscheinungen.“
Der andere begann zu fluchen und beleidigte seinen Gesprächspartner. Er bestand darauf, dass er wusste, was er gesehen hatte.
So entspann sich ein Streitgespräch, in welches sich nach und nach immer mehr Männer einschalteten. Das ging eine ganze Weile so weiter, bis der laute Pfiff einer Trillerpfeife und zackige Befehle erschallten.
Offenbar waren die Wärter auf das Geschrei aufmerksam geworden und sorgten nun für Ruhe und Ordnung.
Tatsächlich war der Streit damit beendet, doch Ophelia spürte die Anspannung, die sich aufgebaut hatte, fast körperlich.
Sie zitterte unter ihre Decke. Und so dünn wie diese Decke war, würde sich das Zittern wohl auch nicht in Bälde legen. Sie fragte sich, ob auf dem Bett über ihr vielleicht noch eine zweite Decke lag. Doch andererseits würden sie im Moment keine zehn Pferde dazu bringen, freiwillig unter ihrer Decke hervor zu kriechen und sich damit den Blicken der anderen Gefangenen auszusetzen.
Da sie nicht wusste, was sie tun sollte, blieb ihr nichts anderes übrig als zu warten.
Das Warten zog sich hin. Lange Zeit geschah einfach gar nichts. Sie konnte das Gemurmel aus den umliegenden Zellen hören, doch sie verstand nichts, von dem was gesprochen wurde.
Doch dann, nach ungefähr einer Stunde, wenn sich ihr Zeitgefühl nicht täuschte, erscholl eine laute Sirene. Sie zuckte heftig zusammen und ihr Herzschlag, der sich seit einiger Zeit normalisiert hatte, wurde wieder schneller.

Und dann hörte sie plötzlich ein elektrisch klingendes Geräusch. Sie riss die Augen auf, als ihr klar wurde, dass sie gerade hörte, wie ihre Zellentür zur Seite fuhr. Ihr Herz blieb für einen Augenblick stehen, um sofort wieder mit doppelter Geschwindigkeit weiter zu schlagen.
Innerhalb der nächsten Sekunden brach die Hölle los. Sie hörte rennenden Schritte, die sich ihrer Zelle näherten. Zwei Sekunden später, erschienen gleich mehrere Männer in ihrer Zellentür und stürmten drängelnd herein.
Ophelia schrie wie am Spieß und presste die Decke an ihren Körper, während sie sich in die hinterste Ecke des Bettes zurückzog. Doch das half ihr gar nichts. Schon hatte ein Mann ihr die Bettdecke weggezogen, während ein anderer nach ihr griff. Er packte grob ihr Gesicht und starrte sie an.
Ophelia wusste, dass sich dieser Anblick für immer in ihr Gedächtnis einprägen würde und sie wohl für immer Alpträume davon haben würde.
Doch sie hatte keine Zeit darüber nach zu denken, da der Mann ihr mit fast überschnappender Stimme ins Gesicht schrie:
„Ich werd verrückt, es ist wirklich ein Mädchen!“
Das absolute Chaos brach los. Ophelia hörte, wie die Männer außerhalb ihrer Zelle zu johlen begannen. Es drängten sich immer mehr Männer in ihre Zelle und Ophelia hörte nicht mehr auf zu schreien.
Hände griffen nach ihr, nach ihren Händen, ihren strampelnden Füßen. Sie spürte Hände an ihrem ganzen Körper und sie wand sich wie verrückt, um ihnen zu entkommen.
Plötzlich traf sie ein Schlag an die Schläfe, der sie halb bewusstlos werden ließ. Ihre Gegenwehr erschlaffte. Doch gerade, als sie glaubte, dass der Wahnsinn um sie herum nie wieder aufhören würde, ertönten die schrillen Pfiffe der Trillerpfeifen erneut. Diesmal in nächster Nähe und der Tumult in ihrer Zelle wurde noch um einiges heftiger. Dann endlich, wurden die Hände, die sie bedrängten weggerissen und sie blieb alleine, zitternd und schluchzend auf dem Bett zurück. Ihr Atem ging so schnell, dass sie schon fast keine Luft mehr bekam.
Mit weit aufgerissenen Augen beobachtete sie, wie die dunkel gekleideten Wärter einen Mann nach dem anderen aus ihrer Zelle zerrten und mit Stöcken auf sie einschlugen. Dann kam ein Wärter von höherem Rang und forderte mit lauter Stimme Ruhe ein. Er sprach eine Drohung nach der anderen aus und nach und nach fanden seine Worte Gehör. Die Männer wurden langsam ruhiger, doch die Anspannung blieb.
Ophelia hatte keine Zeit, sich über die Ruhe zu freuen, denn schon in der nächsten Sekunde, betrat der Mann, der gerade eben noch Befehle erteilt hatte, ihre Zelle. Er füllte mit seiner Körperbreite fast die ganze Zellentür aus. Ophelia hielt den Atem an, da sein Blick nichts Gutes verhieß. Und schon bellte er sie an:
„Keine Ausnahmen. Alle treten vor ihre Zelle. Du auch!“
Als sie vor Schreck nicht gleich reagierte, ging er auf sie zu, packte ihren Arm und zerrte sie aus dem Bett. Ophelia hatte seiner Körperkraft nichts entgegen zu setzen. Sie wurde von ihm durch die Tür gezogen und dann losgelassen.
Hunderte Augenpaare richteten sich auf sie. Völlig verschreckt hatte sie die Augenlider gesenkt und versuchte nur sich so vorsichtig wie möglich umzusehen, um ihre Umgebung in Augenschein zu nehmen.
Sie hatte richtig vermutet. Auch ihre Seite des Gebäudes enthielt unzähligen Zellen. Vor, über und unter ihr standen die Männer vor ihren Zellen in Reih und Glied und starrten sie an.
Das Johlen setzte wieder ein. Ophelia hatte sich noch nie in ihrem Leben so ausgeliefert und wehrlos gefühlt. Sie musste einen jämmerlichen Anblick abgeben. Wahrscheinlich waren ihre Haare völlig zerzaust und ihre Kleidung völlig derangiert.
Rechts und Links von ihr standen je zwei Wachmänner, die verhinderten, dass die Männer aus den neben ihr liegenden Zellen, sich erneut auf sie stürzten.
Dann begannen die Wächter, die Männer durchzuzählen. Dabei nannten sie immer deren Namen. Bei Ophelia angelangt, wurde alles still, sodass jeder Häftling ihren Namen laut und deutlich vernehmen konnte.
Sie machte vorsichtig einen Schritt auf ihre Zellentür zu, doch sofort stellte sich einer der Wächter vor ihre Tür und versperrte ihr mit seinem Arm den Weg. Ophelia sah zu ihm hoch und traf auf einen unbewegten Blick. Sie durfte sich wohl keine Hoffnungen machen, dass sie von den Wärtern irgendeine Form von Sonderbehandlung bekommen würde.
Also lehnte sie sich vorsichtig an die Wand neben ihrer Zellentür und wartete zitternd ab, bis die Anwesenheit aller Männer kontrolliert worden waren. Dann durfte sie endlich wieder in ihre Zelle.
Die Tür blieb allerdings bei allen Zellen geöffnet. Die Männer durften sich offensichtlich frei bewegen. Die vier Wächter verharrten vor ihrer Türe. Immer wieder liefen Männer an der Tür vorbei und spähten herein. Die Wächter hinderten sie allerdings daran, herein zu kommen. Ophelia hatte sich wieder unter ihre Decke verkrochen und wartete zitternd in der hintersten Ecke, bis endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, jeder Mann wieder in seine Zelle musste und nach einer weiteren Zählung das Licht ausgeschaltet wurde.
Ophelia hätte sich niemals träumen lassen, wie froh sie war, in einer Zelle eingeschlossen zu sein.
Review schreiben