Gebrochene Seele

von Noxtra
GeschichteAngst, Tragödie / P16
Nyu/Lucy OC (Own Character)
27.01.2017
27.01.2017
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Ohne eine einzige Regung hatte sie dem Doktor in die Augen geblickt – hatte sein Mitleid gesehen, seine Verzweiflung und auch eine Wut gegenüber das geschehene. Ihr inneres tobte, alles schrie – denn das geschehene war ein geschehen das niemals hätte passieren sollen. Hass, ein Gift welches sie hinunterschluckte, Hass gegenüber alle Menschen auf dieser Welt – denn sie waren alle lediglich Parasiten und ein heuchelndes, armseliges Gesindel das von dieser Welt zu verschwinden hatte.
Die beschwichtigende Geste des Doktors kaum spürend, auch ihren gesenkten Blick konnte sie nicht heben.
Grausam, grausam war der Mensch – anekelnd ihre Natur.
„Wir konnten ihn nicht retten.“
Diese Wut...diese gewaltige Wut...
„Ich muss ihn sehen...“ Mein kleiner Bruder....
„Natürlich, ich bringe Euch zu ihn.“
Schweigend den Mann folgend, schweigend ließ er sie hinein in den Raum wo vergeblich versucht wurde ein Leben zu erhalten. Die Tür leise hinter sich schließend – das menschlichste was er ihr anbieten konnte.
Der Operationsaal war in Dunkelheit gehüllt, das einzige Licht das Licht über den Operationstisch – und auf diesen ruhte noch immer die Leiche eines Kindes. Vorsichtig trat sie näher zu den leblosen Körper, sah auf diesen hinunter. Wenn nicht besser wissend hätte sie tatsächlich geglaubt er würde nur seelenruhig einer Narkose durchschlafen, denn auf seine Gesichtszüge lag etwas friedliches – sie sah näher hin jedoch.
„Kinder sollen nicht an Selbstmord denken; keiner soll es.“
Melancholie. Angst.
Gegen seiner kalten Stirn hauchte sie einen Kuss.
„Es tut mir so Leid...es tut mir alles so Leid...“
„Diese Welt könnte so schön sein...würden Menschen einander nur zuhören. Genau wie du und ich es Tun.“
„Wir sind aber Familie, mein kleiner.“
„Wieso können wir nicht alle Menschen als Familie sehen? Unsere Gefühle macht uns zu Familie, nicht unser Blut.“
Dieser emphatischer kleiner...kleiner...
Augenblicklich war die Trauer.
Freundlichkeit, Empathie, Liebe, Emotionen...für dieses gab es wenig Platz. Sie waren alle Eigenschaften die, ironischerweise, geschätzt wurden, doch ihr Bruder zerbrach an seinen eigenen Stärken weil die Welt Anderssein nicht duldet - und so wurde er eine gebrochene Seele.
Geöffnet wurde die Tür, und ihr Blick wich zu dieser, augenblicklich schritt sie zu dieses Kind hinüber – packte ihn an seiner Kleidung – ihr Blick glühte von solch einen Hass; Hass klingelte in ihren Ohren, Hass betäubte den Schmerz in ihrem Herzen – Hass das einzig wahrgenommene.
Du wagst es dich hier blicken zu lassen?! Du bist doch einer dieser Bastarde der Luzifer auf dem Gewissen hat!“ Das kleine Kind war am zittern, er war fahl – er hatte Angst, Angst um sein Leben. Dies war Gerecht, mehr als nur Gerecht.
„E-e..es...“
Um seiner Kehle legte sie ihre Hand.
„Es tut dir Leid? Ist es dieses was du sagen möchtest?“ Ein beschämtes, verzweifeltes leuchten in diese grünen Augen. Verhöhnend nur lachte sie auf, der Griff um die Kehle dieses Kindes nur verstärkend.
„Dafür aber ist es zu spät; du hast ihn nämlich umgebracht...Luzifer hat wegen dir sein leben genommen!“
Monster...
Auch Kinder waren grausam, auch Kinder konnten ermorden – direkt wie indirekt.
Monster...
Egal ob nun ein Kind oder nicht; jeder verdiente es für seine Taten bestraft zu werden.
Monster...
Das geflüsterte Wort entsprach der Wahrheit; sie war wie jeder andere Mensch ein Monster.
Tu es nicht Lucy!
Erstarrte, blickte in den Augen des kleinen Jungen – in seinen Augen schimmerten Tränen. Achtlos ließ sie ihn zu Boden gehen. Vergrub verzweifelt ihr Gesicht in ihre Hände.
„Sei vorsichtig, Kaede - denn Lucy ist gefährlich; niemals darf sie gewinnen, hörst du? Niemals.“
Fiel auf die Knie, ein trauerndes Lächeln gegen ihre Lippen.

„Du bist kein Monster, Schwester.“
Der kleine Junge noch immer vor Angst zitternd. Sah ihn nur schweigend an; um seiner Vergebung würde sie niemals bitten, denn sie hatte diese niemals verdient.
Doch, ich bin ein Monster, kleiner Bruder – genau wie wir es alle sind, denn auch ich bin eine gebrochene Seele.
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