Demon Hole

GeschichteAllgemein / P16
26.01.2017
25.07.2019
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26.01.2017 664
 
Die tote Asche knirschte unter schweren Militärboots, als der Spähtrupp aus der Höhle trat. Sie ließen ihre MacLights durch die fast undurchdringliche Schwärze der Nacht huschen, in der Hoffnung, dass die Lichtkegel etwas berühren würden, dass ihre Situation erklären konnte. Lieutenant Gregory Holmes warf einen schnellen Blick auf die Leuchtziffern seiner Armbanduhr. Elf Uhr am Vormittag. Was bedeutete, an der texanischen Küste sollten zu diesem Zeitpunkt mindestens 28 Grad Celsius herrschen. Die Sonne sollte ihnen entgegen blenden und nach der Dunkelheit in der Höhle unangenehm in den Augen brennen. Stattdessen herrschte absolute Finsternis jenseits des Höhlenausgangs und eine unangenehme Kälte kroch unter der Weste an ihm hoch. Im Licht seiner Taschenlampe sah er seinen Atem in kleinen Wölkchen kondensieren. Und das war auch schon alles, was er sah. Seine Kameraden um ihn her machten raschelnde Geräusche, als sie vorsichtig hier hin und dort hin traten, doch keiner traute sich so recht, allzuweit vom schützenden Höhleneingang wegzutreten. Holmes warf einen schnellen Blick zurück über die Schulter und stieß ein paar gemurmelte Flüche aus. Seltsamerweise schien die Dunkelheit in der Höhle weniger undurchdringlich als die hier draußen. Was verflucht war passiert?
Ihm war der Auftrag von vorneherein seltsam vorgekommen. Wieso ordnete das Pentagon persönlich die Suche nach einer Gruppe Hobby-Höhlenforscher an und wieso in Teufelsnamen betraute man das Militär damit? Es waren schließlich nur eine Hand voll Zivilisten gewesen. Sollte sich doch die hiesige Polizei oder von ihm aus auch das FBI mit diesem Vermisstenfall herumschlagen. Aber wieso seine Einheit? Doch Holmes, dem der Gehorsam während seiner Laufbahn in Fleisch und Blut übergegangen war, hatte den Auftrag schweigend entgegengenommen und das ungute Gefühl, dass beim Lesen der fast gänzlich geschwärzten Akte an ihm genagt hatte, erfolgreich ignoriert.
In diesem Moment jedoch wünschte er sich, er hätte dem verdammten General in sein boniertes Gesicht gespuckt, die Mappe mit den spärlichen Informationen zerrissen und sich nach Kuba abgesetzt. Offensichtlich waren sie auf direktem Wege in die Hölle gestolpert. Holmes war kein gläubiger Mensch doch anders konnte er sich das plötzliche fehlen von Licht und Umgebungsgeräuschen einfach nicht erklären. Es war, als habe die Dunkelheit alles um sie herum verschluckt. Und nun waren sie an der Reihe. Es hatte nur einen einzigen Zugang zur Höhle gegeben. Auch in der Höhle waren sie weder auf  Verzweigungen noch andere Pfade gestoßen, es war also ausgeschlossen, dass sie sich schlicht verlaufen hatten und nun in einem weitläufigen Höhlenabschnitt standen, mal davon ab, dass ihre Taschenlampen einen Radius von über 80 Metern hatten und deren Lichtkegel weder auf Höhlenwände, noch auf Stalaktiten stießen. Dort war einfach – Nichts. Düster erinnerte er sich an ein Buch aus seiner Kindheit, in dem das „Nichts“ sich wie eine Krankheit über die Welt ausgebreitet und alles in ihr lebende verschluckt hatte. Das ungute Gefühl in seiner Kehle drohte überzuschwappen und in eine Panikattacke zu münden, die er sich als Kommandierender nicht erlauben durfte. Er klickte seine Taschenlampe in die Halterung an seinem Helm, zog seine Glock aus dem Holster und entsicherte sie. Das schwere Metall in seiner Hand beruhigte ihn ein wenig, doch noch immer pochte seine Halsschlagader unangenehm an den Kinnriemen seines Helms.
Gerade als er einen weiteren Schritt nach vorne in die Dunkelheit trat begann einer seiner Privates zu schreien, wie nur jemand schreien konnte, der gerade Todesqualen litt. Holmes zuckte zusammen, ein Schuss löste sich aus der Waffe in seiner Hand und dröhnte durch die Dunkelheit. Er drehte sich schnell von links nach rechts, orientierungslos durch die Dunkelheit und das Klingeln, dass der Schuss in seinen Ohren zurückgelassen hatte. Er merkte verschwommen, dass er etwas schrie, realisierte aber nicht, was es war. Mündungsblitze leuchteten in der Dunkelheit auf, dicht gefolgt von widerhallendem Knallen. Seine Männer schienen das Feuer auf irgendwas eröffnet zu haben. Holmes konnte jedoch nicht erkennen auf was. Er hob seine Waffe erneut, als ihn etwas Großes, Schweres mit enormer Wucht an Kopf und Schulter traf. Lieutnant Gregory Holmes spürte nicht mal mehr, wie er auf dem staubigen Boden aufschlug.