Karins Vergangenheit

von Lady0409
GeschichteDrama, Familie / P12
Dr. Karin Thaler Dr. Michael Lüdwitz
26.01.2017
12.06.2020
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26.01.2017 1.404
 
Karins Vergangenheit


Dr. Karin Thaler übernimmt die Krankheitsvertretung von Gabi in der B-Crew des Medicopter 117. Doch schon der erste Einsatz an diesem Wintertag wird für die Notärztin zur Katastrophe...


Kapitel 1:
„Einsatz für Medicopter 117!"


Es war ein wunderschöner Tag im Winter und Biggi Schwerin saß auf der Basis und schaute seufzend aus dem Fenster. Kaum drei Wochen war es her, als die Pilotin ihren ersten Arbeitstag bei Medicopter hatte.
Seitdem hatten sie und ihre Crew, die aus Notärztin Dr. Gabriele Kollmann und Sanitäter Ralf Staller bestand, schon einige Einsätze gemeinsam hinter sich gebracht.

Momentan saßen Pilotin Biggi und Gabis Krankheitsvertretung Dr. Karin Thaler gemeinsam im Aufenthaltsraum der Medicopterbasis und amüsierten sich über die eher erfolglosen Versuche von Ralf, Rettungshund Gonzo, der im Schnee draußen spielte, wieder ins Haus zu locken.
„Gonzo! Ja, Gonzo, Komm her.”, rief der Sanitäter, doch ohne Erfolg - der helle Golden Retriever stellte auf stur und spielte weiter mit den weißen Flocken, die vom Himmel herab segelten. „Gonzo… Jetzt komm doch bitte rein…“

„Lass ihn doch, Ralf. Er wird schon wieder rein kommen, wenn es ihm doch zu kalt wird.”, merkte Biggi lächelnd an, doch Ralf schüttelte den Kopf und erklärte, Gonzo würde sich nicht einfach eine Minute vom Schnee trennen lassen.

Energisch schritt der Sanitäter nun auf den Hund zu und zog Gonzo am Halsband ins Haus, in dessen Eingang sich der Retriever ausreichend schüttelte und… Ebelsieder, der just in diesem Moment aus seinem Büro trat, mit Schnee vollpuderte.

„Herr Staller…”, räusperte sich der Basisleiter und sah zwischen dem sich noch nass triefend in eine Ecke werfenden Golden Retriever und den verlegen grienenden Sanitäter hin und her.
„Herr Ebelsieder… Das tut mir leid. Ich hab das so nicht geplant. Ich habe Gonzo nicht dazu… aufgefordert, sie…”
„Jaja, ich verstehe. Aber sorgen sie doch bitte in Zukunft dafür, dass der Hund bei solchem Wetter nicht unbedingt so nass hier rein kommt, wie eben. Dann kommt es nicht mehr zu solchen… Unfällen…”, knirschte Ebelsieder, sah noch einmal mit strengem Blick auf Gonzo und wandte sich dann an Biggi: „Frau Schwerin… Könnte ich sie einen Augenblick in mein Büro bitten?”

„Natürlich, Herr Ebelsieder. Schon unterwegs…”, erwiderte Biggi und erhob sich von ihrem Platz, als sich die Rettungsleitstelle meldete und die Crew zum Hubschrauber rannte.

„Rettungsleitstelle ruft Medicopter 117. Verletzter Skifahrer, ein Notarzt ist bereits vor Ort. Ihre Koordinaten…", gab die Rettungsleitstelle durch und Biggi und ihre Crew liefen zum Hubschrauber, der sich schon kurze Zeit später in der Luft befand – auf dem Wege zum Einsatz.


„Bin ich froh, dass der Einsatz gerade rein kam… Keine Ahnung, was der Chef schon wieder von mir wollte…", meinte Biggi beim Zurückblicken auf die Basis, als sich die rot-gelbe BK 117 langsam in die Luft hob und die drei Retter zum Einsatzort flogen.
„Vielleicht hat Thomas gekündigt… Er scheint momentan ein paar Probleme mit Lisa zu haben…", erzählte Karin und dachte an den letzten Morgen, an dem Thomas mit seiner Tochter eine sehr laute Diskussion auf der Basis gestartet hatte.

Lisa, die mit ihren knapp 8 Jahren schon zu beginnen schien, gegen ihren Vater zu rebellieren, hatte sich über Thomas' Umgang mit ihr und ihrer Schwester beschwert. Der Pilot der A-Crew würde sich doch viel zu wenig Zeit für die beiden Mädchen nehmen und hätte wohl nur noch die Fliegerei und seine Biggi im Kopf.
„Lisa und Laura haben es auch nicht einfach. Ihre Mutter hat sich von Thomas getrennt, weil sie mit einem neuen Mann zusammen ist. Und Kontakt zu ihrem Vater haben die beiden Mädchen nur am Wochenende. Weil Vera Thomas eine Besuchssperre auferlegt hat… Da würde ich mich wohl auch beschweren…", erklärte Biggi und sah auf ihre Kollegin.

Seit knapp zwei Wochen flog Karin Thaler schon als Notärztin mit dem Medicopter 117 mit. Vorher war Gabriele Kollmann die Notärztin, doch eine schwere Lungenentzündung hatte sie dahin gerafft und Karin übernahm ihre Vertretung.

„Wir sind gleich da... Es müsste hinter der nächsten Bergkuppe schon der Unfallort zu sehen sein…", erklärte Biggi und tatsächlich – kaum hatte der Medicopter 117 die nächste Bergkuppe überflogen, standen Biggi und ihre Crew mit dem rot-gelben Hubschrauber bereits über der Unfallstelle.

„Sagt mal, das da unten ist doch Michael…", erkannte Ralf bei genauerem Hinsehen den Kollegen der A-Crew. „Dr. Lüdwitz? Bist du dir sicher, Ralf?“, wollte Karin wissen.
„Ja, natürlich. Das ist Michael…", bestätigte auch Biggi und landete den Medicopter direkt neben der Unfallstelle.

Ralf, ihr Co-Pilot und Notärztin Dr. Kann Thaler sprangen aus dem Hubschrauber und liefen zu dem Kollegen, der bereits die Erstversorgung des Patienten übernommen hatte.

„Ah, Frau Dr. Thaler. Schön, sie zu sehen… Der Patient ist wieder ansprechbar, allerdings nicht orientiert. Er redet die ganze Zeit von einer gewissen Marie. … Ich denke, es liegt ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma vor. Außerdem Verdacht auf Oberschenkelfraktur rechts und mehrere Rippenfrakturen. Ich habe ihn noch nicht bewegt, eine Wirbelsäulenverletzung kann ich noch nicht ganz ausschließen…"

„OK… Ich übernehme den Patienten.. Guten Tag, mein Name ist Dr. Thaler. Ich bin Notärztin. Wie geht es ihnen? Haben sie Schmerzen?"

Der Patient sah die Notärztin nur ganz kurz an, dann fragte er wieder völlig verwirrt: „Marie… Marie… Wo ist meine Tochter? Wo ist meine Tochter? Wo ist Marie?"
„Keine Sorge. Wir werden ihre Tochter finden. Machen sie sich keine Sorgen… Jetzt müssen wir uns erst einmal um sie kümmern…", beruhigte Karin den Patienten, neben den sie sich hockte und vorsichtig die Brust abtastete. „Haben sie hier Schmerzen?“

„Marie… Marie… meine Kleine… wo ist mein Kind? Wo ist meine Tochter? Was haben sie mit meiner Tochter gemacht? Wo ist sie?"

Der Skifahrer, der einen blauen Skioverall trug und am ganzen Körper vor Aufregung zitterte, brüllte immer wieder nur nach seiner Tochter Marie, die anscheinend auch mit ihm in den Bergen gewesen war.
Dafür sprach vor allem der kleine Teddy, den er in seiner Jackentasche stecken hatte und auf dessen Halstuch der Name „Marie“ eingestickt war.

„Gut… Wir müssen den Patienten erst einmal ruhig stellen… Ralf, gib mir schon mal einen Zugang aus dem Rucksack. Und zieh' gleich mal 10 mg Fentanyl und 5 mg Diazepam auf. … Beruhigen sie sich bitte, wir finden ihre kleine Tochter… Machen sie sich keine Gedanken um die Kleine, meine Kollegen von der Bergrettung finden ihre Maus. Es wird alles in Ordnung kommen."

„Ich will meine Tochter wieder… Wo ist meine Tochter? Was ist mit Marie passiert? Sie ist doch erst eineinhalb… Sie ist doch noch so klein. Bitte, Frau… Frau Doktor, wo ist meine Tochter?", brüllte der Patient und auch, als Karin ihm das Beruhigungsmittel langsam in die Vene spritzte, brachte ihm das keine Beruhigung.
Mehr noch, er brüllte noch lauter und bewegte sich viel zu sehr, weswegen Karin und Michael den Patienten nun, nachdem Karin die Wirbelsäule untersucht und dem Patienten eine Halskrause angelegt hatte, auf der Trage fixierten.

„Biggi, wir fliegen ihn in die Rosenheimer Unfallklinik… Bleiben sie bitte ruhig. Wir bringen sie jetzt ins Krankenhaus…", erklärte Karin und während Ralf und Biggi die Trage zum Hubschrauber brachten, fiel dem Patienten ein Foto aus der Tasche.

Abgebildet war darauf ein kleines Mädchen, wohl seine kleine Tochter Marie, die laut seiner eigenen Aussage verschwunden war.

Michael hob das Foto auf und betrachtete es länger. Irgendwo hatte er dieses Mädchen schon einmal gesehen… Diese fröhlichen Augen, dieses liebe und glückliche Lächeln…
Wo hatte er das schon einmal gesehen?, fragte sich Michael, doch er konnte sich einfach nicht daran erinnern.

Lange sah der Notarzt, der heute eigentlich seinen freien Tag hatte, dem aufsteigenden Hubschrauber hinterher; auch, als seine Kollegen bereits kaum noch zu sehen waren, sah er in den Himmel und verfolgte „Baby“ mit seinen Augen.

Mit Karin kam er meistens gut zurecht; die beiden waren sich auf Anhieb sofort sympathisch und Michael hatte sich sehr gefreut, dass ausgerechnet Dr. Karin Thaler Gabis Vertretung während derer Krankheit übernahm.

Doch außer Michael schien auch Pilot Thomas Wächter ein Auge auf die Ärztin geworfen zu haben, weswegen es zwischen den beiden häufig zu Streit kam.
Aber gerade, wenn sich der Notarzt der A-Crew mit Thomas um die Notärztin stritt, wusste er, dass sie wohl die richtige Frau für ihn war.

Ihr Lächeln, ihre unvergleichliche Schönheit… Michael war vom ersten Augenblick vollkommen in diese Frau verliebt und wusste, dass er diese Ärztin wohl sehr vermissen würde, sobald sie wieder von der Basis verschwunden war.
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