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Live

GeschichteDrama, Freundschaft / P12
25.01.2017
25.01.2017
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Vom Vater im Stich gelassen und vom Freund geschlagen - Sätze die ich vor meinem Schicksal in Verbindung mit einem schlechten Film brachte.
Ich dachte nie daran das mir das mal selbst widerfahren würde, nicht schlecht gespielt sondern im echten teilweisen schlechtem Leben.
Weil ich jetzt schon angefangen habe zureden, will ich dir die ganze Geschichte erzählen.
Bei ersterem, als mein Vater mich alleine gelassen hat, war ich 15.
Wir waren eine glückliche dreiköpfige Familie in einem stinknormalen Einfamilienhaus is Brigton.
Klischeehaft habe ich als Einzelkind alles von meinen Eltern, wie man so schön sagt, in den Arsch geschoben bekommen.
Ich ging auf eine normale Highschool und führte, wie schon gesagt, ein typisches normales Leben.
Und nein, ich trinke nicht 3 mal am Tag Tee und bin im Allgemeinen definitiv keine typische Britin.
Leider fällt es schwer mir das abzukaufen, genauer gesagt wird es dir schwer fallen wenn du hörst wie meine Familie so drauf war.
Meine Eltern trafen sich zu dieser Zeit regelmässig zur altbekannten „Tea-Time“ mit meinen Grosseltern. Meine Mutter hat eine Vorliebe für das üppige englische Frühstück und kocht ohne jegliche Gewürze. Mein Vater unterstützt durch seine Kaufsucht der Sun (eine britische Zeitung) und seine Denkenssart, das Grossbritannien die Weltmetropole schlechthin wäre, dieses Bild stark. Dazu haben wir eine sehr helle Haut und meinen Akzent kann ich nun leider auch schwer verstecken.  
Genug über Tee und dummes britisches Zeug geredet, zurück zum Thema.

Mein Vater war Politiker und meine Mutter arbeitete als Reporterin für einen Nachrichtenkanal. Dadurch das sie nur halbtags arbeitete, konnte sie nie gross Karriere machen in dieser Zeit, war aber viel für mich da.
Wie gesagt wir waren eine stinknormale Familie, aber sehr glücklich und meiner Meinung nach hätte es so bleiben können bis ich, mit meinem Abschluss in der Tasche, ausziehen konnte.
Auch finanziell ging es uns gut.
Eines Tages aber kam mein Vater einfach nicht mehr von der Arbeit nach hause. Es gab keine Anzeichen oder spuren wieso er weg war oder wo.
Als er verschwand war es Dienstag. Ich kam von der Schule nachhause, öffnete unsere Haustüre die direkt ins Wohnzimmer führte und sah meine Mutter mit Tränen in den Augen auf unser damaligen blauen Couch. An diesem Tag wollte sie mir nicht nichts von dem Verschwinden meines Vaters sagen. Sie wischte sich ihre hellbraunen Locken ins Gesicht damit ich ihre Tränen nicht sag und sagte das alles okay wäre. Meine Mutter behauptete damals das er auf Geschäftsreise wäre.

Donnerstags, zwei Tage später, klingelte es an der Tür. Zwei kräftigere Polizisten teilte meiner Mutter mit sie hätten eine Leiche in der benachbarten Buchtung gefunden. Sie baten sie mit ihnen mitzukommen.
Bevor sie ging brachte sie mich noch zu unseren Nachbarn. Ich hatte es sehr gut mit unserem Nachbarskind, sie war im gleichen Alter wie ich.

Wie ich erst Wochen später erfahren habe, hatte sie meinen Vater bereits am Mittwoch morgen als vermisst gemeldet.

Sie sollte der Polizei mit ins Observatorium gehen um die Leiche zu identifizieren. Es war das erste Mal, dass ich froh war darüber nicht alleine zuhause zu sein. Ich merkte mehr als meine Mutter meinte. Auch wenn ich meine Nachbarn sehr mochte weiss ich heute noch wie erdrückend die Situation damals war. Ich wusste das es sich bei der Leiche um meinen Vater hätte handeln können. Doch niemand sonst wusste es.
Schlussendlich war er es auch. Gestorben an Selbstmord.
Meine Mutter erzählte es mir nachdem sie Stunden später wieder zurück kam. Diesmal versteckte sie ihre Tränen nicht, sie wischte sich auch keine Haare ins Gesicht um ihre Traurigkeit nicht sichtbar zumachen. Sie umarmte mich fest und erzählte mir langsam und schonend wie es passiert ist und wie es dazu kommen konnte.

Die Polizei stellten uns ich nächster Zeit sehr viele Fragen um den Grund seines traurigen Endes herauszufinden, doch wir wussten es einfach nicht.
Wie du dir sicher vorstellen kannst, zerstörte es aber in den ersten Monaten mein Leben sehr.
Ich fragte mich jeden Abend wieso mich mein Vater allein gelassen hat. Antworten habe ich bis heute nicht.
Mein Vater hatte Jahre vor seinem selbstverschuldeten Tod eine Lebensversicherung abgeschlossen die meiner Mutter und mir zustand. Sie half uns dabei seine Beerdigung und die anderen Lösten zu zahlen..
Seit ihr geliebter Ehemann tot ist, traf sich meine Mutter nie mehr mit irgendjemanden zum Tee trinken, ihre Leidenschaft uns jeden Samstag ein riesiges Frühstück auf den Tisch zu saubern verging ebenfalls. Sie hörte mit dem Klavierspielen auf. Sie gab sich auf. Meine Mutter kommt bis heute nicht richtig mit dem Tod klar.
Jahre vergingen und ich lernte von Tag zu Tag mehr damit umzugehen.
Ich ging weiter auf die Schule und hatte gute Noten. Die Lehrer waren von meiner Motivation, trotz dieses Schicksalsschlag meinen Traum nicht aufzugeben, schwer begeistert. Ich erreichte den nächsten Schritt meines Ziels auch. Ich wurde von der „Ops University“ in London aufgenommen.
Eigentlich hätte ich schon mit 17 diesen Weg auf mich nehmen können, tat ich aber nicht. Bevor ich beruhigt und zufrieden von zuhause weg gehen konnte, wollte ich aber das es meiner Mutter genauso gut wie mir - wenn nicht besser - geht.
Ich arbeitete nach meinem Abschluss noch ein Jahr in einem Callcenter. In meiner Freizeit kümmerte ich mich um meine Mutter, die sich ein Jahr Pause gönnte. Es tat ihr gut zu sehen das sich jemand für sie viel Mühe gab und an ihrem Wohl interessiert ist. Sie hatte viele Hochs und Tiefs, aber mit meiner und deren Hilfe ihrer besten Freundin, schaffte sie es allmählich aus dem Loch raus. Als es meinem Sorgenkind wieder besser ging und ich sah wie sie sich wieder auftakelte und raus ging, wusste ich - Jetzt kann ich gehen.

Ich habe also vor einem Jahr meine Sachen gepackt und bin nach London Medizin studieren gegangen. Ich wohne während meines Studiums auf einem modernen Campus, der direkt an die Universität anschliesst. Finanziert wird das ganze von verschiedenen Ecken. Das Studium ist nicht so teuer, weil der Staat viel dran zahlt, da es dringend neue Ärzte braucht. Den Rest finanziere ich durch einen Nebenjob im Donuat-Laden um die Ecke. Ich bin jetzt ganze 2 Jahre hier und habe mich eingewöhnt. Es gefällt mir ganz gut.
Zurück zur Geschichte.
Als ich hier ankam, war ich sehr nervös, weil ich wusste das hier ein neuer Lebensabschnitt beginnt.  
Das erste halbe Jahr verlief gut und ging schnell um. Ich fand schnell Freunde und lernte fleissig. Aber als das zweite Semester begann, stelle Dervous mein Leben auf den Kopf.
Dervous war mein erster fester Freund. Ich lernte ihn kennen als ich mit meinen Freundinnen ausging. Er kam direkt zu mir und fing mit mir an zu reden. Diese Art, wie er das bekommt was er will und wie er dafür kämpft, gefiel mir sehr. Wir verabredeten uns viel. Nicht viele Treffen später führte uns unser erster Kuss zusammen.
Wir waren über ein Jahr bereits glücklich, als wir beschlossen uns zusammen ein Zimmer auf dem Campus zu nehmen. Wir waren beide schon über 18, darum durften mir zusammen wohnen.
Anstatt einem Zimmer nahmen wir dann ein kleineres Appartement das zwar auch der Uni gehörte, aber etwa 1 km davon weg lag.
Es verlief alles gut, bis vor etwa zwei Monaten.
In den Semesterferien ging er immer mehr mit seinen Jungs feiern und lies mich alleine zuhause. Es interessierte ihn nicht gross wie es mir dabei ging. Aber wenn er Sex wollte, dann war ich die Beste. Ich liess es zulange zu.


Wir standen ihm Flur als ich ihm sagte, dass ich das nicht mehr dulden werde. Ich stand direkt neben der weissen Türe.
Er sagte nichts dazu, doch dann kam er einige Schritte näher und drängte mich an die Wand. Seine linke Hand drückte mein Brustkorb an den Türrahmen. Er hielt sein Gesicht direkt vor meines und verbiss sich seine Lippen. Er zitterte vor Wut. Ich weiss nicht wie lange diese Situation Bestand hielt, aber es fühlte sich für mich lange genug an.
Seine lockere Hand wurde plötzlich zu einer Faust - Er schlug mir ein blaues Auge und machte sich dann ohne Worte aus der Wohnung, vorher schloss er aber noch die Tür ab und nahm den Schlüssel mit.
Ich konnte also nicht raus.
Stunden voller Panik und Angst vergingen. Mein Herz klopfte und mein Auge schwoll immer mehr an. Die Angst ergriff mich, die Angst vor seiner Rückkehr.
Es dauerte lange bis ich mich überwinden konnte die Nummer der Polizei einzutippen. In dem Moment als ich anrufen wollte, hörte ich wie der Schlüssel in das Schloss gesteckt und umgedreht wurde.
Ich bekam Gänsehaut und die Angst ergriff mich erneut. Schnell stiess ich mein Handy in die Gesässtasche meiner hellblauen Jeans und nahm meine Handtasche griffbereit in die Hand.
Als sich die Tür öffnete, roch ich den Geruch von Alkohol - so wie jeden Abend in dieser Zeit.
Dervous betrat den Raum. Er knallte die Türe zu und streifte sich die Schuhe mit Hilfe des jeweiligen anderen Fusses ab.  Er musste sich an der Wand ablehnen, weil er sonst hingefallen wäre. Sein Zustand machte mir recht Angst, doch ich wollte das auf keinen Fall über mich ergehen lassen. Ich redete mir selber Mut ein : „Ich bin stärker als diese Mädchen im Fernsehen die von ihren Männer geschlagen werden, trotzdem aber bei ihnen bleiben in der Hoffnung das sie sich ändern. Das Problem werde ich beseitigen, er muss aus meinem Leben.“
Seine Arme strack er nach vorne um mich zu umarmen, doch ich wich ihm aus. Erfolglos versuchte ich ihm klar zu machen das er mich in Ruhe lassen soll.
Mein alkoholisierter Ex-Freund versuchte mehrmals mich zu küssen, denen ich ebenfalls auswich, bevor er mich plötzlich fest an der Hüfte packte. Er forderte mich auf mit ihm zu schlafen. Ich versuchte seine Hände von mir loszuschlagen. Es nütze alles nichts. In einem Moment als er mich nicht scharf beobachtete griff ich in meine schwarze Lederhandtasche, deren Reißverschluss zum Glück noch offen war, und hollte mein Pfefferspray raus.
Dervous drängte mich immer Stück für Stück in Richtung Schlafzimmer. Als er runter schaute um seinen Hosenknopf aufzumachen nahm ich den Spray und sprühte es ihm ins Gesicht.
Ein lauter Schrei kam aus ihm. Er liess mich los und fing an an seinen Augen zu hantieren. Ich schubste ihn ein wenig zur Seite griff wieder zu meiner Handtasche und verliess die Wohnung. Natürlich nahm ich vorher noch den Schlüssel und schloss ihn, wie er es mit mir getan hat, ein. Wenige Minuten folgten bis die Polizei vor Ort war.
Die Polizisten fragten mich viel über den Tathergang. Sie machten mich echt fertig, nicht wegen ihren Fragen, sondern weil sie Erinnerungen in mir weckten an die Polizisten die vor ein paar Jahren an unsere Türe standen und meiner Mutter mitteilte das eine Leiche gefunden worden war, die wie mein Vater aussah. Breit, kräftig, der eine hatte dunkle Haare, der andere eher hellere bis zu den Ohren.
Mein Freund bekam nur eine Geldstrafe wegen Nötigung, Freiheitsberaubung, Gewaltätigkeiten und versuchter sexueller Missbrauch. Er musste sein Studium beenden und eine Alkoholtherapie besuchen. Er zog freiwillig aus.


Nach dem Vorfall besuchte ich meine Mutter.
Es blieben mir noch 9 Tagen von den Semesterferien. Doch die 9 Tage taten mir sehr gut.
Wie gewohnt lebte ich meinen Uni-Alltag ,nach den Tagen bei meiner Mutter, weiter. Ab und zu dachte ich noch an den Vorfall.
Doch meine Tage fanden schnell wieder in die Routine zurück. Jeden morgen unter der Woche stand ich um 7.30 Uhr am morgen auf. Um 9 Uhr fand die erste Lesung statt. Am Abend ging ich entweder aus oder arbeitete. Denn Job hatte ich mittlerweile gewechselt. Ich arbeitete Montags in einer Tankstelle und  Mittwochs bis Freitag in einem Krankenhaus als MPA ( Medizinische Praxisassistentin).
Auch wenn meine Arbeitsstellen sehr abwechslungsreich waren, war die Uni sehr abwechslungsarm. Fast jedes Wochenende ging ich mit meinen Freunden aus.
An einem Freitag holte mich eine Freundin von der Abendschicht im Krankenhaus ab.
Sie wollte mit mir unbedingt in das neue Pup, da da angeblich als Eröffnung eine Band spielen würde und die ersten 2 Getränke wären gratis. Ich hatte keine speziellen Erwartungen an den Abend, weil ich nicht sonderlich gerne Bars und Pups besuche.
Doch was wir dort antrafen schockte mich.
Das Pop sah echt abgerissen aus. Es lag in der Altstadt und das noch ziemlich abgelegen. Die Wände waren aus alten Holzlatten, einzelne gingen etwas über die Wand hinaus.
Die Tische waren ebenfalls aus altem loddrigem Holz. Die Bühne bestand aus einer Platte die auf zwei Erhöhungen stand, links und rechts aber nicht in der Mitte. Ich versuchte meine Freundin, Nina heisst sie übrigens, verbal zu überzeugen zu gehen. Sie blieb aber fest dabei das, dass sicherlich absichtlich so aussieht. Wir machten ab, dass wir noch eine Stunde bleiben werden.
So wie ich es vermutet habe, war nicht mal die Band gut. Die meisten Gäste waren sichtlich älter als wir. Sogar die Stücke waren deutlich älter als wir. Doch meiner Freundin zu liebe blieb ich die abgemachte Stunde gelangweilt auf meinem Stuhl sitzen. Nie mehr wieder.
Als ich sie eine Stunde später an der Hand rauszog, war sie schon etwas betrunken.


Ich fragte ob wir nach hause gehen sollen, doch sie meinte sie will noch etwas erleben. „Weisst du noch, als wir uns kennenlernten ? Wir waren bevor du mit Dervous zusammen kamst, jedes Wochenende bis um 5 Uhr nachts draussen. Du bist so spiessig geworden!“ - WOW, es war echt hart das zuhören, die Wahrheit zu hören. Als ich sah das sie ihre Worte wirklich ernst gemeint hat, zog ich doch noch mit ihr weiter. Unteranderem weil ich wusste das sie sonst alleine gehen wird.
Wir gingen weiter ins Barek, ein Club. Meine Freundinnen und ich sind öfters hier, es läuft einfach immer gute Musik und die Tanzfläche ist ziemlich gross. Normalerweise wären wir mindestens zu dritt gegangen, da unsere Mädelsgruppe in dieser Zeit zum grössten Teil aber vergeben war, gingen wir alleine. Nina und ich waren zu dieser Zeit beide ziemlich gefrustet.

Sie hatte ihre Beziehung ebenfalls vor etwa einem Monat aufgegeben, weil es Einfach nicht mehr passt.
Unsere Leben ähnelten sich in vielen Sachen sehr. Ihr Vater ist auch tod, warum weiss ich bis heute nicht. Mit ihren blonden Haaren und ihrem eher kleinen Körper sieht sie fast gleich aus wie ich.