Kein Platz für Helden

OneshotDrama, Familie / P16
OC (Own Character) Winter Soldier / James Buchanan "Bucky" Barnes
25.01.2017
25.01.2017
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Kein Platz für Helden


(Inspiriert von 'Short change hero', The Heavy)

„Bitte, erschießen Sie mich nicht“, schluchzt die Frau vor ihm. Sie hält sich beide Hände vor das schweißbedeckte Gesicht und zittert unkontrolliert.
Sie hat Angst.
Vor ihm.
Er sieht an sich herunter. Und er entdeckt eine Waffe in seinen Händen. Sie ist geladen und entsichert, das weiß er. Aber warum zielt er auf sie?
Das weiß er nicht.
Erschrocken nimmt er die Waffe runter und steckt sie sich in das Holster an seinem Gürtel. Er trägt nur Schwarz und eine Maske.
Die nimmt er sich vom Gesicht, während die Frau vor ihm langsam die Arme sinken lässt, um ihn entgeistert zu beobachten. Sie wirkt erschüttert, beinahe ungläubig über das, was gerade passiert.
Er kennt sie nicht.
Doch er weiß, dass er sie töten soll. Warum soll er das?
Er erinnert sich nicht daran. Auch nicht an die Leute, die ihm diese Uniform angezogen und diese Waffe in die Hand gedrückt haben. Er erinnert sich nur an Kälte, Eis und Schmerzen.
Mehr nicht.
„Was machen Sie...?“ beginnt die Frau und drückt sich beide Arme auf den Bauch. Sie weint immer noch. Was soll er nur tun?
Er hört lautes Rufen, unterbrochen von lauten Schritten, die auf das nasse Kopfsteinpflaster unter ihnen klatschen. Das sind die Männer, die ihn begleiten sollten.
Sie suchen ihn, denn er hat das Ziel nicht ausgeschaltet.
Diese Frau ist das Ziel.
Entschlossen streckt er ihr eine Hand entgegen. Sie ergreift sie zögerlich und lässt sich auf die Füße ziehen. Dann bleibt sie neben ihm stehen, unsicher über das, was sie da gerade getan hat. Er fühlt sich genau so.
Unsicher und der Gefahr ausgesetzt.
Von wem diese Gefahr ausgeht, weiß er noch nicht. Es könnten diese Männer sein, aber genau so gut er selbst, denn er ist auch bewaffnet.
Er hätte sie fast getötet, doch hatte irgendetwas dafür gesorgt, dass er es nicht tat.
„Komm“, fordert er und zerrt sie schon aus der schmutzigen Gasse, in die er sie zuerst getrieben hatte, um sie vor Zeugen abgeschirmt ermorden zu können. Eiskalt und absolut desinteressiert.
Sie läuft ihm hinterher und sieht sich verstohlen in alle Richtungen um. Vielleicht wird sie gleich vor ihm weglaufen, er würde es ihr nicht verübeln.
Er würde sie laufen lassen, doch erst, wenn er es mit ihr aus diesem kleinen Ort hier hinausgeschafft hätte. Warum war er ihr überhaupt nachgestiegen?
Das würde sie ihm sicherlich nicht beantworten, denn sie hatte Angst vor ihm.
Er dreht sich nach ihr um und packt sie unsanft am Oberarm, um sie vor sich her zu schieben. Sie geht nur langsam durch die Haustür, in die er sie gerade hineindrückt. Hinter ihm nähern sich Schritte, sie sind schnell und schwer.
Stiefel auf Steinboden.
Die Männer hatten sich aufgeteilt, das würde er so auch machen.
„Ruhig“, befiehlt er der Frau, die sich demonstrativ hinter ihn stellt, um an ihm vorbei sehen zu können.
„Pass auf“, flüstert sie, doch verrät sie dadurch nur noch mehr, was hier vor sich geht: Sie lebt noch und er denkt nicht daran, sie zu erschießen.
Dann ertönt auch schon der ohrenbetäubende Knall – jemand schießt auf sie. Er will sie zurückhalten, doch stürmt sie an ihm vorbei und stößt ihn bei Seite. Die Kugel bleibt in der Hauswand stecken.
Er hat schon die Waffe gezogen und zielt auf den Schützen, den er zuverlässig außer Gefecht setzt, indem er ihm in den Kopf und in die Brust schießt. Der Mann fällt tot um und bleibt reglos liegen.
Erneut packt er ihren Arm und zieht sie hinter sich her. Sie müssen hier weg. So schnell es geht.
Zusammen schleichen sie durch leere Gassen und dunkle Straßen. Der trübe Tag gereicht ihnen nun zum Vorteil. Sie werden sie nicht direkt finden.
Die Straße aus der Stadt raus ist schon zu sehen.
Mit einem Nicken gibt er ihr zu verstehen, dass sie laufen soll. So schnell es geht.
Sie sieht ihn an und nimmt seine mechanische Hand in ihre. Das scheint sie nicht zu stören, denn sie drückt sie auf ihr Herz.
„Danke“, haucht sie gleichzeitig ängstlich und ehrlich erleichtert und beginnt zu rennen. Die letzten Meter. Gleich hat sie es geschafft. Und aus dem Nichts ein Schuss, der die neblige Luft zerfetzt.
Die Fremde geht zu Boden. Ein roter Fleck breitet sich auf ihrem Rücken aus und wird von ihrer Kleidung aufgesogen. Sie ist so gut wie tot, er kann nichts mehr für sie tun.
Wie erstarrt bleibt er für einen Moment stehen und macht dann etwas, das er nicht kontrollieren kann – er geht auf die Getroffene zu, die auf dem kalten Stein zu seinen Füßen liegt.
Sie spuckt Blut und sieht ihm stumm in Gesicht. Ihre Augen sind grün, genau wie die seiner jüngeren Schwester...
Er weiß, warum er sie nicht hatte töten wollen. Sie erinnert ihn an jemanden, an seine Schwester. Er hatte nicht gewusst, dass er eine Schwester hat. Doch erinnerte sie ihn an sie.
Sie stirbt und sieht ihm dabei ununterbrochen ins Gesicht. Ihr Blick trübt sich und ihr Körper bäumt sich ein letztes Mal auf, bevor er für immer in sich zusammensackt.
Er steht immer noch neben ihr.
Und hört zu spät, dass sich weitere Schritte nähern. Seine Augen sind geweitet, denn er kann den Blick nicht von dem Gesicht der toten Frau nehmen. Er bewegt sich nicht, ist wie eingefroren.
„Umdrehen, Soldat.“
Er reagiert nicht. Das verdächtige Klicken.
Dann ein Schuss und danach Dunkelheit.
Für immer.
In seiner Welt ist nämlich kein Platz für Helden. Also werden sie beseitigt.

Anmerkung: Heute mal ein Oneshot, der schon seit August 2016 auf meinem USB-Stick darauf wartet veröffentlicht zu werden. Wenn man als Organisation fünf weitere Soldaten hat, auf die man zurückgreifen kann, dann ist es sozusagen klar, dass irgendwann aussortiert wird... Wer gerne noch einen anderen Oneshot lesen möchte, in dem Bucky sich erinnert, der ist vielleicht bei Ruhelose Pein gut aufgehoben :)
LG, Erzaehlerstimme
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