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Demons

Kurzbeschreibung
GeschichteAngst, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Lucius Malfoy Minerva McGonagall OC (Own Character) Severus Snape
23.01.2017
08.03.2017
3
6.381
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Dieses Kapitel
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14.02.2017 2.008
 
Kapitel 2




PoV Leona Lecter

Mit gedrückter Stimmung saß ich vor einem Stapel zu korrigierender Hausaufgaben und einer halb geleerten Flasche Vodka Lemon. Zu meinem Bedauern ging mir dieser Streit mit meinem ehemaligen Hauslehrer einfach nicht aus dem Kopf, im Gegenteil – die Tatsache, dass mein Zustand nahe 'sturzbetrunken' war, verbot es meiner noch übriggebliebenen Konzentration schlichtweg, sich auf die Hausaufgaben meiner neuen Schützlinge zu beschränken.

Stattdessen sinnierte ich bis tief in die Nacht hinein, weshalb Snape derartig nachtragend war, und was genau an mir er wohl nicht ausstehen konnte. Konnte er überhaupt ein menschliches Wesen leiden?, fragte ich mich in einem Anflug von Humor. Letztlich war er als einer der Erretter der magischen Welt aus dem Krieg gegangen, auch wenn er verhältnismäßig wenig in der Klatschpresse auftauchte. Der Tränkemeister, soviel wusste ich, war niemand, der gerne im Mittelpunkt stand. Es hätte mich nicht weiter überrascht, wenn er die Zeitungen bestochen hätte, seine Person so weit wie es nur ging aus allen Artikeln rauszulassen.

Ob er reich war? Oder hatte nicht doch Lucius Malfoy ihm finanziell unter die Arme gegriffen, im Gegenzug zu einer entlastenden Aussage über seine Position in den Rängen des dunklen Lords. Lucius. Ich erinnerte mich eigentlich gerne an diesen charismatischen, attraktiven Mann und unsere kurze Liason zurück. Allerdings mit Einschränkungen, denn als mein damaliger Hauslehrer davon erfuhr, hatte er – aus Motiven, die mir heute noch vollkommen unverständlich waren – die Hölle zufrieren lassen: ehe mein 6. Schuljahr auf Hogwarts angebrochen war, hatte er mich zu hundert Stunden Nachsitzen verurteilt, in denen ich hauptsächlich sein persönliches Labor und die Klassenzimmer säubern musste – ohne Zauberstab natürlich.
Und obwohl ich all die Demütigungen dieses Mannes, ohne zu klagen und zu weinen – zumindestens nicht vor ihm -, über mich ergehen ließ in dem Glauben, es könne nicht schlimmer werden, hatte dieser Bastard mich des besseren belehrt: das 7. Schuljahr hatte all dem die Krone aufgesetzt. Warum kümmere ich mich überhaupt noch um ihn?
Bitter lächelnd nahm ich einen großen Schluck aus der Flasche.

Als ich absetzte, war mir tatsächlich leicht schwindelig und ich war erleichtert, morgen keinen Unterricht zu haben.

Morgen, 8 Uhr, in meinem Büro. Und wagen Sie es nicht, zu spät zu kommen., drangen mir Snapes Worte ins Bewusstsein. Entnervt stöhnte ich auf und warf einen flüchtigen Blick auf meine Armbanduhr. Sie zeigte 2 Uhr – es war später, als ich vermutet hatte. Es wäre nur klug gewesen, mich abzuschminken und endlich ins Bett zu gehen.

Ohne Elan sah ich mich in meinem neuen Heim um; ein mittelgroßes, kahles Zimmer, natürlich ohne Fenster – schließlich waren meine Räumlichkeiten in den Kerkern, und Snapes Gruft lag nur einen Flur weiter. Ich fragte mich, wieso er überhaupt noch in Hogwarts unterrichtete. Was hielt ihn hier? Dass er seine Schüler verachtete, war allgemein bekannt. Dieses nachtragende Ekel!, fluchte ich innnerlich, bevor ich mich schließlich erhob, nur um mich wenige Meter später auf den Boden zu hocken, weil ich schwarze Punkte vor meinem Auge flimmern sah.
Ich säße gewiß nicht angetrunken auf den kalten Fliesen, wenn Er sich nicht wie ein verdammter Spießer aufgeführt hätte. Wahrscheinlich säße ich stattdessen bei Marcel und würde mich amüsieren.

Am nächsten Morgen erwachte ich, mit schmerzenden Gliedern und Kopfweh, dort, wo ich eingeschlafen war: auf dem Fußboden. Die Uhr zeigte Viertel vor acht, und ich brauchte einige Minuten, um mich in meinem Wohnraum zurecht zu finden. An meinen Termin bei Severus Snape erinnerte ich mich – leider – noch.

Merlin sei Dank, dass ich nicht halb so verkatert aussah, wie ich mich fühlte. Nachdem ich meine morgendliche Schmink – Routine beendet hatte, stellte ich fest, dass weder Zeit für einen starken Kaffee, noch Zeit um mich umzuziehen, wenn ich pünktlich sein wollte.
Ich wägte meine Prioritäten ab und kam zu dem glorreichen Schluss, das dunkelgrüne Kleid in Kombination mit schwarzen Stiefeln zu tragen.



„ Können Sie mir bitte sagen, wieso Sie sich um ganze 10 Minuten verspätet haben?“


Vorwurfsvoll ruhte sein grimmiger Blick auf mir. Wie ich Severus Snape kennen gelernt hatte, meinte er es todernst. Man sollte es nicht glauben, aber er legte großen Wert auf Pünktlichkeit.
Und er sah es wohl als eine Verletzung seiner Prinzipien und Werte an, wenn sich jemand mal nicht denselbigen orientierte. Es nutzte nichts, ich würde mich entschuldigen müssen.
An diesem Morgen fühlte ich mich zu verkatert und müde, als dass ich auf die Defensive setzen würde. „ Es tut mir leid, es wird bestimmt nicht wieder vorkommen.“, beeilte ich mich also zu erwidern.

„ Das war keineswegs die Antwort auf meine Frage, hören Sie besser zu.“, schnarrte Snape enerviert und bedeutete mir mit einem Wink, in sein Büro einzutreten. Ich bemerkte, auch er war nicht in der Stimmung für leidenschaftliche Auseinandersetzungen, wie die von gestern Abend.

Ich konnte es nicht vehindern; meine Mundwinkel verzogen sich zu einem bitter amüsierten Lächeln. Sir, ich habe mir gestern Abend so richtig die Kante gegeben und bin deswegen zu spät. Weil ich das armselige Bedürfnis habe, meine Gefühle mit Alkohol zu betäuben, obwohl ich es eigentlich besser wissen müsste. „ Glauben Sie mir, das wollen Sie nicht wissen.“, entgegnete ich deswegen und ging tapfer in die Mitte des Raumes, wo ich mich bereits neugierig umblickte.
Es war genauso trostlos, wie ich es erwartet hatte; die Wände schienen feucht und eine haarsträubende Kälte herrschte in seinen Räumen. Regale, randvoll mit Büchern, ragten bedrohlich zur Decke empor, doch ich konnte keinerlei persönliche Gegenstände von hier ausmachen.

„ Setzen Sie sich und hören Sie auf, so unverschämt offenkundig meine Räumlichkeiten zu observieren.“, kommentierte mein ehemaliger Hauslehrer und wies mich an, ihm gegenüber – er selbst setzte sich in einen dunkelroten Ohrensessel, der so hässlich wie verranzt aussah – auf dem Diwan Platz zu nehmen. Zwischen uns war ein etwa kniehohes, auffallend edles Tischchen, auf dem ein Service mit Kaffee stand.

„ Der Kaffee dürfte mittlerweile erkaltet sein.“, schnarrte Snape und machte sich augenscheinlich nicht die Mühe, diesen magisch zu erhitzen. „ Bedienen Sie sich doch.“, sagte er herausfordernd. Nun, an diesem Morgen erschien mir selbst kalter, wahrscheinlich noch abartig bitter schmeckender Filterkaffee als ein Geschenk des Himmels.

„ Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.“, antwortete ich, und ohne mir das freche Grinsen, welches sich jäh auf meine Lippen stahl, zu verkneifen. „ Darf ich Ihnen auch etwas einschenken?“

Der Zaubertränkeprofessor ignorierte dies geflissentlich und ließ stattdessen mit zauberstabloser Magie eine dunkelgrüne, augenscheinlich bis zum Äußersten gefüllte Mappe kommen. „ Einige dieser Punkte werden wir noch im Laufe dieses Tages abarbeiten.“, kommentierte er. „ Schließen Sie Ihren Mund wieder, das ist nichts auffallend Anspruchsvolles. Nichts, was Ihren Intellekt überfordern wird -“, das Wort 'Intellekt' betonte er spöttisch - „ zumindest nicht, wenn Sie einen wachen, nüchternen Geist haben.“

Da wusste ich es; Snape hatte mich durchschaut. Mit einem leisen Seufzer, und ohne auf seine unterschwellige Schikane einzugehen, nahm ich einen großen Schluck des kalten Kaffees. Er schmeckte genauso abscheulich, wie ich es geahnt hatte und es kostete mich alle Kraft, nicht angewidert meinen Mund zu verziehen. „ Können wir dann anfangen?“, fragte ich auffordernd.

Missbilligend wanderte seine Augenbraue in die Höhe, doch er begann mit tiefer, sonorer Stimme, mir die wichtigsten Punkte der Liste zu nennen. „ Zunächst wird Ihr Umgang mit den Schülern im Unterricht, Ihre Lehrmethoden und Ihre 'soziale Kompetenz' – beziehungsweise der armselige Rest , der noch übrig ist – von mir bewertet und Sie werden konstruktive Kritik erhalten...“, mein ehemaliger Hauslehrer unterbrach sich und warf mir einen düsteren Blick zu. Ich hatte keine Ahnung, was er wollte. „ Wieso schreiben Sie nicht mit, Lecter?“

„ Wieso mussten ausgerechnet Sie meine Betreuung übernehmen?“, wollte ich wissen und ignorierte seine vorhergehende Frage ohne mit der Wimper zu zucken. „ Als Kriegsheld hätten Sie es wahrscheinlich nichtmal mehr nötig, überhaupt zu unterrichten.“

„ Sie sind eine Slytherin , und es ist nun einmal Tradition, dass ehemalige Schülern die Ehre zufällt von ihren ehemaligen Hauslehrern – sollten diese noch leben und unterrichten – eingewiesen zu werden. Glauben Sie mir, wenn ich nur die geringste Chance gegen Minervas Penetranz gehabt hätte, dann hätte ich sie auch genutzt. Es gibt eine beinahe unendliche Liste mit Dingen, die ich lieber machen würde, als meine wohlverdienten Wochenenden in Ihrer Gesellschaft zu verbringen.
Der Rest geht Sie nichts an. Und, Sie haben jetzt schon zum zweiten Mal innerhalb 5 Minuten eine meiner Fragen übergangen. Haben Sie in Ihrem Elternhaus keinen Anstand gelernt?“

Verständnislos hatte ich seinen harten Worten zugehört. „ Vielen Dank für Ihre Ehrlichkeit.“, erwiderte ich, nicht weniger zynisch wie er selbst. Dieser Mann konnte echt ein Scheusal sein. „ Bitte, verzeihen Sie mir die Annahme, es könne offensichtlich sein, dass ich mein Schreibmaterial vergessen habe. Und zu Ihrer letzten Frage; dieser augenscheinliche Mangel an Anstand ließe sich aus der Tatsache ableiten, dass ich seit meinem 17. Lebensjahr den Kontakt zu meiner Familie gebrochen habe.“

„ Zu der Zeit waren Sie noch Schülerin unter meinem Haus. Wo zur Hölle haben Sie die Ferien verbracht? Es herrschten verdammt gefährliche Zeiten.“ Ich fragte mich, woher dieses plötzliche Interesse an meinem Leben kam. Wahrscheinlich lag es an seinem Zwang, alles um sich herum kontrollieren zu müssen...

„ Wieso sollte ich Ihnen das beantworten, Sir? Quid pro quo.“, ich bezweifelte, und das noch während ich sprach, dass er dieses eher zweifelhafte Angebot annehmen würde. Seit wann ließ sich ein Severus Snape auf Spielchen ein, deren Regeln er nicht selbst bestimmte? Aber er antwortete – zu unserer beiden Überraschung.

„ Natürlich habe ich mit dem Verdienst des Merlinsorden für 'besonderen Kriegsdienst' einige tausend Galleonen erhalten. Wie viele Träger dieses Preises habe auch ich das Geld zur Restauration Hogwarts gespendet. Den größten Teil zumindest. Ich habe einen großen Teil meines Lebens in diesen Kerkern verbracht, und wollte nach dem Krieg nicht umziehen. Fragen Sie nicht warum. Die Vorraussetzung ist natürlich, dass ich den Kindern weiterhin Wissen einbläue. Im wahrsten Sinne des Wortes; ich habe das Gefühl, dass sie von Generation zu Generation immer dümmer und impertinenter werden. Apropos impertinente Gören -

Sie sind dran.“

Mit gemischten Gefühlen hatte ich seinen Worten gelauscht; seine Ehrlichkeit überraschte mich. Ich konnte mich nicht erinnern, jemals mit meinem ehemaligen Hauslehrer Dinge über die Vergangenheit ausgetauscht zu haben; geschweige denn, dass er sich für meine Angelegenheiten interessierte. Seit meiner Ankunft in Hogwarts war ich nie davon ausgegangen, dass sich jemand wie Er ändern würde. Es riss mich irgendwie aus dem Konzept, und ich brauchte einige Sekunden, um mich zu sammeln, bevor ich zum Sprechen ansetzte.

„ Nun, mir wurde finanziell unter die Arme gegriffen, dass ich die Ferien über in einem kleinem Apartement in Muggel – London verbracht habe. Wie Sie vielleicht wissen, war ich in den Todesser Reihen nicht gerne gesehen, obschon meine Eltern seinem Gefolge angehörten und durchaus Ansehen genossen. Ich wette, sie wären mir ebenso gefährlich geworden wie die Lestranges, hätten sie meinen Aufenthaltsort erfahren.“ Dass Lucius Malfoy derjenige war, der das Apartement für mich gemietet hatte, ließ ich geflissentlich aus. Snape würde sich ohnehin seinen Teil dabei denken.

„ Ich nehme an, es wäre damals unter der Würde ihres größenwahnsinnigen, leichtsinnigen Ichs, in Hogwarts Zuflucht zu suchen.“, schloss mein Gegenüber mit einem unergründlichen, feinen Lächeln, welches ich nur halbherzig erwiderte.

„ Sie waren derjenige, der damals meinem größenwahnsinnigen, leichtsinnigen Ichs mit seinem Verhalten vermittelte, dass Sie mich eher persönlich dem dunklen Lord vor die Füße werfen würden, als mir in meiner ungünstigen Lage zu helfen - “, meine Worte waren unüberlegt und affektiv – und als ich mir dem gewahr wurde, verstummte ich abrupt, um einen Augenblick innezuhalten. Mein Gegenüber hob in einem Anflug von Humor seine Augenbraue und musterte mich, wie auch schon beim gestrigen Essen, unverhohlen.


Schließlich machte es für mich weniger Sinn denn je, mit diesem grimmigen, nachtragenden Mann über die alten Zeiten zu sinnieren. Da ich die nächsten Jahre wohl auch in dem Schloss unterrichten würde, wäre es klüger, den Namen 'Severus Snape' auf den letzten Platz der Liste mit Personen zu setzen, mit denen ich über meine Vergangenheit sprechen sollte, - falls mir mein Seelenheil denn etwas bedeutete.

„ Belassen wir es einfach dabei.“, murmelte ich darauf und nahm meine kalte Tasse, um die aufkeimende Nervosität vor ihm zu verbergen. Der Kaffee schmeckte immer noch abscheulich, aber nicht bitterer als die Erkenntnis, dass wir wahrscheinlich nie wieder derart persönlich werden würden. Und dieses Gefühl war auf seltsame Art und Weise beängstigend.



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