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Geliebter Feind

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / Gen
Máté Kamarás Maya Hakvoort
22.01.2017
09.07.2017
3
6.082
1
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
22.01.2017 888
 
22. Januar (2017)

Verzichtserklärung:
Einige Charaktere in dieser Geschichte basieren auf realen Personen. Alle Handlungen, Ereignisse  und Figuren rund um die Charaktere sind jedoch frei erfunden und somit geistiges Eigentum des Autors.

Kapitel 1:

Máté schaute prüfend nach oben, als er auf die Straße trat.
Über ihm strahlte die Sonne. Hoffentlich ein gutes Zeichen. Denn auch wenn der Anblick des blauen Himmels nicht ganz die Nervosität in seiner Magengrube auflöste, gab er ihm trotzdem ein gutes Gefühl.
Heute war ein großer Tag für ihn. Er würde vorsingen für die männliche Hauptrolle, den 'Tod', im wiederaufgenommenen Elisabeth-Musical. Normalerweise hatte Máté keine Angst vor Auditions. Aber dieses mal war es anders. Für ihn ging es um mehr, als bloß einen Job. Er hatte jahrelang auf diese Chance hingearbeitet und würde sie jetzt nicht ungenutzt verstreichen lassen. Es musste ganz einfach gut werden.
Er schnaubte. Und alles nur, um einen einzigen Menschen zu beweisen, dass Máté es wert war, geliebt zu werden. Manchmal fragte er sich, warum er sich überhaupt so anstrengte.
Wenn er an den Moment zurückdachte, als er seinen richtigen Vater kennengelernt hatte, wurde ihm ganz übel. Er war so froh gewesen, als er ihn gefunden hatte. Seit er klein war, hatte er sich immer einen Vater gewünscht. Damals war er noch voller Hoffnung gewesen, dass er ihn mit mit offenen Armen empfangen würde. Doch er war dumm gewesen. Hatte sich Illusionen hingegeben. Alles, was er damals wollte, war, dass sein Vater stolz auf ihn war. Und dass er ihn bestärkte in seinem Wunsch, Sänger zu werden. Er hatte gedacht, wenn einer seine Liebe zur Musik verstehen konnte, dann wohl er. Schließlich war er der Intendant eines der bekanntesten Theater in Europa, dem Theater an der Wien nämlich. Doch als er ihn mit 18 Jahren tatsächlich getroffen hatte, wurden all seine Hoffnungen in nur wenigen Sekunden zu Staub zermalmt. Máté hatte ihm gerade mal gesagt, dass er sein Sohn war, da hatte sein Vater ihm auch schon mit einem wutentbrannten „Scher dich weg!“ die Tür vor der Nase zu geschlagen. Nicht einmal seinen Namen wollte er wissen.
Seit dieser Begegnung hatte er sich geschworen, dass er nicht eher ruhen würde, bis er es an die Spitze geschafft hatte. Und dann würde sein Vater sehen, wen er da davongejagt hatte.
Dieser Tag schien nun gekommen. Máté befand sich gerade auf dem Weg zum Theater. Zu Fuß, denn er brauchte die frische Luft, um einen klaren Kopf zu behalten. Er wollte in dieser Situation alle überflüssigen Ablenkungen wie stressiger Straßenverkehr und ähnliches vermeiden.
Von weitem sah er schon, wie die vormals grüne Ampel der nächsten Kreuzung auf rot umsprang. Gut, dass er nicht in Eile war. Er hatte sich extra ein wenig früher auf den Weg gemacht, für den Fall, dass er sich verlaufen würde. Als er am Straßenrand ankam, hatte sich schon eine kleine Traube von Menschen angesammelt. Die meisten blickten verdrossen auf das rote Licht auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Ein Mann im schwarzen Anzug und Aktentasche unterm Arm tappte mit seinem Fuß unruhig auf dem Boden auf und ab. Er schien es anscheinend sehr eilig zu haben. So genervt, wie er schaute, war sich Máté sicher, dass er die nächste Gelegenheit nutzen würde, um über die Straße zu kommen – ganz egal ob es nun rot oder grün war. Was für ein Idiot.
Máté wandte den Blick zu der zweiten Ampel über der Straße. Sie war für die vorbei fahrenden Autos gedacht und wurde gerade gelb. Somit würde das Warten gleich ein Ende haben. Dennoch ließen es sich ein paar Autofahrer nicht nehmen, noch im allerletzten Moment über die Kreuzung zu huschen. Beinahe bekam man den Eindruck, dass sie alle glaubten, die Straße würde für die nächsten zehn Jahre dicht gemacht und nicht bloß für ein paar Minuten, so eilig hatten es die Leute. Er musste schmunzeln. Schließlich verhielt er sich selbst nicht besser, wenn er Auto fuhr.
Eine lautstarken Frauenstimme riss ihn aus seinen Gedanken. Er wandte sich um und sah in ein paar strahlend grüne Augen. Sie gehörten zu einer rothaarigen Frau mittleren Alters, die in einem weißen Mantel steckte und sich gerade versuchte nach vorne an den Straßenrand zu drängen. Ihr abwesender Blick blieb nur für den Bruchteil einer Sekunde an seinem hängen, dann flog er auch schon weiter. In der einen Hand hielt sie einen stark in Mitleidenschaft gezogenen Stapel Papier. Mit der anderen presste sie ein Handy an ihr Ohr, während sie aufgeregt, ja fast schon hysterisch, mit ihrem Gesprächspartner am anderen Ende diskutierte. Ohne nach rechts oder links zu schauen, schob sie sich an ihm vorbei. Sie nahm noch nicht mal die immer noch rote Fußgängerampel wahr. Ganz zu schweigen von dem Auto, das in diesem Moment auf die Kreuzung zuraste.
Man musste kein Profi sein, um zu erkennen, dass der Wagen nicht rechtzeitig zum Stehen käme, selbst wenn der Mann hinterm Steuer jetzt noch bremsen würde.
Das erkannte auch Máté und fackelte nicht lange. Blitzschnell ohne nachzudenken packte er die Frau an den Schultern und riss sie mit sich zurück.


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Hallo und vielen Dank, dass ihr euch meine Geschichte angeschaut habt. Wenn euch das erste Kapitel gefallen hat, schreibt mir doch bitte eine kleine Rückmeldung in den Reviews. Ich bin auch für negative Kritik dankbar. Schließlich möchte ich mich gerne verbessern.

Ansonsten bis zum nächsten Mal.
Eure Charlotte ;-)
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