Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

White poison

von Rena x
GeschichteAllgemein / P18
Jesse Pinkman OC (Own Character) Skyler White Walter White
22.01.2017
06.05.2018
10
11.545
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
06.05.2018 1.571
 
Die Häuser zogen an mir vorbei, als wir durch die Straßen der Stadt fuhren.
Ich saß im Auto des Cäptn und starrte aus dem Fenster. Innerlich bereitete ich mich allerdings schon darauf vor, Tuco gegenüber zu treten. Ich hatte gelogen. Ich war keiner seiner Dealer und ich hatte auch keine besonders gute Verbindung zu ihm. Zwar verkaufte er mir Stoff und weiß Gott war ich kein schlechter Kunde, er verdiente recht gut an mir, allerdings hatte ich mich in der Vergangenheit auch schon ein paar Mal mit der Zahlung verspätet. Tuco war ein verrückter, machthungriger Penner, aber so planlos er auch wirken mochte, er vergaß nicht, wer ihn einmal hatte warten lassen.
So musste ich also zukünftig jedes Mal Überzeugungsarbeit leisten, damit er mir überhaupt was verkaufte.
Schon seit einiger Zeit hatte ich keine Ahnung, wie seine Geschäfte liefen und ob er derzeit überhaupt an neuen Geschäftspartnern interessiert war. Dementsprechend riskant kam es mir vor, jetzt zu ihm zu fahren. Aber eine andere Wahl gab es nicht.
,,Ähm, Lexi... richtig?“ Die Stimme auf dem Fahrersitz holte mich aus meinen Gedanken und ließ mich meinen Kopf in die Richtung des Sprechenden drehen.
Der Cäptn bog gerade auf die Hauptstraße ab und setzte seinen Weg in einem etwas raschen Tempo fort. Zu meinem Glück waren wir nur zu zweit. Zwar bereitete mir auch seine Anwesenheit etwas Unbehagen, dennoch wirkte er vertrauenswürdiger als dieser Mr. White. Letzterer kam mir einfach so derart fehl am Platze vor, dass mir seine Nähe unangenehm war. Er war nicht der typische Drogendealer. Er war kein abgebrannter Mehtkoch. Nein, sein ganzes Auftreten hatte etwas an sich, was nicht in dieses Millieu gehörte. Und gerade das machte ihn für mich gefährlich. Er war nicht einzuschätzen. Es gab einfach keinen Grund für einen Menschen wie ihn, hier bei uns zu sein.
Er schien sich auch nicht mit Kleinigkeiten aufhalten zu wollen.
So schickte er also mich und den Cäptn vor, um für ihn die Geschäfte abzuwickeln. Mir dämmerte, weshalb man den Kerl auf der Straße nicht kannte. Er hielt sich wohl bevorzugt im Hintergrund auf und überließ dem Cäptn all die lästige Arbeit. Nicht gerade dumm.
Ein Räuspern ertönte. Ich schüttelte leicht den Kopf, um meine Gedanken loszuwerden.
Lieber konzentrierte ich mich auf den Mann neben mir, der mir soeben einen kurzen Seitenblick zuwarf.
,,Ja... Lexi... richtig.“, stammelte ich verlegen. Ich wunderte mich darüber, dass er von selbst ein Gespräch mit mir begann. Als wir sein Haus verlassen hatten, mit der Anweisung, Tuco aufzusuchen, hatte er mir nur knapp verkündet, dass wir mit seinem Auto fahren würden. Ich war nach kurzem zögern in den schwarz-roten Chevi eingestiegen und kaum krachte die Tür ins Schloss, saß er auch schon auf der Fahrerseite und startete den Wagen. Seither hatte er kein Wort mit mir geredet. Anfangs warfen wir uns noch nervöse Seitenblicke zu, wohl in der Annahme, der jeweils andere würde dies nicht bemerken, aber wem wollte man etwas vormachen?
Der Cäptn war mindestens genauso aufgeregt wie ich und offenbar hatte ihm die Nervosität die Sprache verschlagen, bis er sie gerade eben wieder gefunden hatte.
Doch nach seinem kleinen Einwurf war recht schnell wieder Ruhe. Betretenes Schweigen herrschte im ganzen Auto, während er es in einen ärmeren Stadtteil lenkte. Hier herrschten die Drogenbosse.
Und ihre Kunden saßen praktisch gleich nebenan. Die Menschen lebten von der Hand in den Mund.
Und genau das spiegelten auch die heruntergekommenen Häuser wieder.
Dreckig und verfallen, modrig und schimmelig. Es machte eigentlich keinen großen Unterschied, ob man hier ein Dach über dem Kopf besaß oder auf der Straße lebte. Überall war es kalt und nass und der Dreck kroch aus jeder Ritze.
Ich kannte diese Gegend nur zu gut. Nicht nur, weil Tuco hier irgendwo seinen Sitz hatte.
Nein, auch, weil ich hier selbst einmal eine Wohnung besaß.
Im Gegensatz zu dieser, war meine jetzige auf jeden Fall eine Steigerung.
Nichts schönes, nichts komfortables. Aber das Dach hielt dicht und die Heizung ließ sich aufdrehen, wann immer ich nicht vergaß, meine Rechnungen zu bezahlen.
Mir schoss unweigerlich die Frage in den Kopf, was der Cäptn wohl von einer solchen Gegend wie dieser hielt.
Vor ein paar Stunden war ich noch in sein Haus eingebrochen. Ich sah, wie er lebte.
Das Haus hatte ja schon von außen einen recht pompösen Eindruck gemacht. Innen sah es nicht weniger schlecht aus. Natürlich hätte man sagen können, es sei unaufgeräumt und stellenweise nicht gerade auf Hochglanz poliert. Aber wie sollte denn ein einziger Bewohner sich um jede Ecke des Hauses kümmern können? Noch dazu wirkte der Cäptn nicht wirklich wie ein Putzteufel.
Das Haus verschenkte also optisches Potenzial, weil er schlicht zu faul war, es in dem Maße in Stand zu halten, welches es benötigte. Ich machte ihm keinen Vorwurf daraus. Mir wäre dies auch zu viel Arbeit.
Da fiel mir etwas ein. Über all den Stress hinweg hatte er es nicht mal geschafft, sich mir ordenlich vorzustellen. Er kannte meinen Namen, auch wenn dieser nicht ganz der Wahrheit entsprach, ich kannte seinen aber nicht.
,,Du hast mir noch gar nicht gesagt, wie du heißt.“, warf ich also die nüchterne Feststellung in den Raum.
Der Angesprochene zuckte kurz zusammen, als habe er nicht damit gerechnet, dass ich das Gespräch mit ihm suchen würde. Zunächst antwortete er allerdings nicht, weshalb ich nachsetzte:
,,Oder soll ich dich mit Cäptn ansprechen? So nennt man dich doch immerhin auf den Straßen.“
Wieder warf er mir einen kurzen Blick zu. Als er an einer roten Ampel halten musste, wandte er sich sogar für einige Sekunden gänzlich zu mir um. ,,N-Nein, schon gut.“, gab er zurück.
Die Nervosität in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er war deutlich angespannt. Allerdings nicht wegen mir, wie ich vermutete. Viel mehr fürchtete er das Treffen mit Tuco. Vielleicht auch deshalb, weil es nicht ganz in seiner Hand lag. Ein Teil der Verhandlungen hing von mir ab. War ich doch augenscheinlich die Eintrittskarte zu Tucos Geschäften. Er musste sich also darauf verlassen, dass ich uns Beide dort lebend hinein und wieder heraus brachte. Wie hätte er wohl reagiert, hätte er gewusst, dass ich ihn belog? Mir war bewusst, dass ich praktisch unser Todesurteil unterschrieben hatte. Und doch hoffte ich darauf, das Blatt wenden zu können. Auch ich hatte Angst. Doch wie so oft ging es hier um alles oder nichts. Ich würde das Beste aus meiner Situation machen müssen, das wüsste ich.
,,Jesse.“, kam es von meinem Gegenüber, als er den Wagen wieder in Bewegung brachte.
Ich zog eine Augenbraue nach oben, hatte ich doch kurz den Faden verloren.
,,Mein Name lautet Jesse.“, verpackte er den Namen nun freundlicherweise in einem Satz, da er meinen fragenden Blick wohl aus dem Augenwinkel erfasst haben musste.
Langsam nickte ich. Jesse also. Kein schlechter Name für einen Typen wie ihn. Schon lustig, dass gerade er in einem so protzigen Haus wohnte. Seine Kleidung wirkte unpassend dafür. Genauso wie sein Auto, aus welchem er zwar sicherlich eine Menge gemacht hatte, welches aber trotzdem irgendwie heruntergekommen aussah. Eine sehr interessante Kombination. Wen musste er wohl übers Ohr hauen, um an eine solche Immobilie zu kommen? Vielleicht könnte er mir in der Zukunft den ein oder anderen Rat geben. So lange lohnte es sich bestimmt, zu bleiben. Alles, was darüber hinaus ginge, wäre allerdings verschwendete Zeit. Stoff, Ratschläge, abhauen.
Ein Plan, der in Stein gemeißelt war.
Okay, Geld ließe sich noch einbauen. Womöglich sogar mehr, als ich es erwarten würde.
Dieses Geschäft musste einfach funktionieren.
Mein Herz beschleunigte, als ich die Gegend um mich herum erkannte.
Der Chevi bog ein letztes Mal ab. Dann kam er an einem naheliegenden Parkplatz zum Stehen.
Direkt auf der anderen Straßenseite befand sich das Zielobjekt: Ein schäbiges, heruntergekommenes Haus, welches mehr einer halben Ruine glich. Rundherum lungerten die Junkies wie streunende Hunde. Natürlich, wenn man nicht zu Tuco kam, dann wartete man eben, bis er heraus kam, um seine Waren zu bekommen. Ich persönlich war auch nur ein einziges Mal in den Genuss gekommen, das Haus des Mannes zu betreten. Allerdings lag dem kein besonders erfreulicher Anlass zu grunde. Ich wollte schlichtweg meinen Stoff nicht bezahlen. Da Tuco mich kannte, wusste er, dass das Geld irgendwo versteckt war. Er wusste, dass ich es gebunkert hatte und nicht herausrücken würde, wenn ich nicht wollte. Und ich hatte in einem Anfall puren Leichtsinns beschlossen, ihn einfach um ein paar Gramm zu betrügen. Schließlich dachte ich damals, er könne mir nichts tun. In dem Moment, in welchem mich seine Gorillas dann vor meiner Haustür abpassten und in sein Quartier verschleppten, wurde mir bewusst, dass dem nicht so war. Ich musste also meine Schulden begleichen und beschloss im gleichen Atemzug, diese Gegend zu verlassen. Das blaue Auge, welches er mir verpasst hatte, war eine milde Strafe dafür gewesen. Das wussten sowohl er als auch ich. Und vielleicht war dieses kleine bisschen Gnade auch nur darin begründet, dass ich über lange Zeit eine seiner besten Kunden war. Immer pünktlich, immer mit Geld beladen. Wenn er nicht gerade völlig drauf war, war im Stande, für so etwas Gnade walten zu lassen. Pures Glück.
,,Hier sind wir.“, verkündete Jesse unnötigerweise. Der Mann stellte den Motor ab und fasste das Gebäude ins Auge. Dann stieß er ohne Vorwarnung die Autotür auf und schwang sich aus dem Wagen. Kurz zögerte ich, doch sein Blick verriet mir, dass es keine andere Möglichkeit gab.
Wir hatten einen Auftrag zu erledigen und würden ihn erfüllen. Nichts anderes gab es zu tun.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast