Aborea: Die Bewohner von Palea

von Rumil89
GeschichteAllgemein / P12
OC (Own Character)
22.01.2017
07.02.2019
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Prinzessin Letaja

Lasst mich euch die Geschichte einer ganz Besonderen Prinzessin erzählen. Einer Prinzessin wie es sie in ganz Palea nicht noch einmal gibt. Einer Prinzessin, groß wie ein Mann und stark wie ein Bär. Doch schön wie der Morgen. Mit Haar so rot wie Feuer. Der Prinzessin Letaja von Riorwar.

Ihre Geschichte muss mit ihrem Vater beginnen. Gonrar dem Roten. Gonrar war ein Monster von Mann. Keiner konnte sich mit ihm im Kampfe messen. Man sagt, er habe einen tollwütigen Stier mit bloßen Händen getötet. Die Hörner trug er steht's an einer Kette bei sich. Wofür er aber noch berühmter war, war sein roter Vollbart, der jedem Zwerg die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.

Doch Gonrar war zu Anfang kein König. Er war ein Räuberhauptmann, Mörder und in mindestens sechs Königreichen zum Tod durch vierteilen verurteilt. Von seinem Kopfgeld hätte sich eine Familie für den Rest ihres Lebens ausgesorgt. Doch eher flohen die Leute, alleine bei dem Gerücht das Gonrar und seine Männer nahen, als das sie Jagd auf ihn machten. So zogen die Räuber plündernd und mordend durch die Lande. Ihr Ruf verbreitete sich und gelangt schließlich bis zum alternden König von Riorwar. Dieser führte Krieg gegen ein Nachbarkönigreich. Das allerdings mehr schlecht als recht, muss man anmerken.

Riorwar ist eigentlich, nur eine von etwa acht Städten in Wanon. Ursprünglich beherrschten die Könige von Ryhen, das Land doch ihre Macht ist inzwischen nur noch ein Schatten und so haben sich die Stadtoberhäupter im Laufe der Zeit selbst zu Königen ernannt. So entstanden im Laufe der Zeit mehrere Kleinkönigreiche, welche sich allerdings untereinander bekriegen. Das führt dazu das in Wanon, besonders aber im Dreieck Riorwar, Lyor und Grylor eine konstante Nachfrage nach neuen Söldnern herrscht. Und an diesem Punkt trat Gonrar der Rote auf den Plan. Der Räuberhauptmann und seine Männer drangen in das Kleinkönigreich von Riorwar ein. Doch statt den Rotbart zu vertreiben, ließ der König ihm eine Nachricht zukommen, in der er ihm reichen Lohn in Aussicht stellte, wenn der Räuberhauptmann und seine Männer gegen die Feinde von Riorwar kämpften. Nun bewies Gonrar eine Dreistigkeit, die man selbst ihm nicht zugetraut hätte. Er forderte in seiner Antwort an den König: Wenn ihr mich und meine Männer wollt, müsst ihr mir die Hand eurer schöne Tochter geben.

Eine so anmaßende Forderung, von einem Räuberhauptmann war etwas unerhörtes! Noch unerhörter war jedoch, dass der König auf die Forderung einging. Wahrscheinlich glaubte er sich sicher, allein durch die Tatsache, dass er noch drei Söhne hatte.So zogen Gonrar und seine Männer in Riorwar ein und mit einem rauschenden Bankett, wurde die Ehe zwischen dem Räuber und der Prinzessin gefeiert.

Bald sollte der König seine Entscheidung bereuen. In der Hochzeitsnacht verging Gonrar sich an seine Braut und keine zwei Wochen später, fiel der älteste Prinz im Kampf gegen Grylor, einer Pfeilsalve aus den eigenen Reihen zum Opfer. Der zweite wurde in einem Schweinetrog ertränkt und dritte vom höchsten Trum der Stadtmauer gestoßen. Man kann wohl mit gutem Gewissen sagen, dass Gonrar in den letzten beiden Morden, selbst Hand angelegt hatte. Und wo er schon so gut dabei war, die Familie seiner Gattin zu ermorden, ließ er seinen Jugendfreund Skever den König erdrosseln, während er selbst auf dem Thron saß und eine Wildscheinkeule aß. So bestieg Gonrar, den Thron von Riorwar.

Und etwa acht Monate später kam seine Tochter Letaja zur Welt. Ihr Vater hatte sich eigentlich einen Sohn gewünscht und wahrscheinlich hätte er versucht mit seiner Gattin einen zu zeugen, wenn diese es nicht vorgezogen hätte, im Kindbett zu sterben. Etwa zu der Zeit brach zwischen Riorwar und Lyor der Krieg aus, nachdem erstere einen Waffenstillstand mit Grylor geschlossen hatten. Gonrar zog also sofort in den Krieg, viel in das Nachbarkönigreich ein, verwüstet weite Teile und belagerte die Hauptstadt. Das diese scheiterte, lag in erster Linie daran, dass sie schlecht vorbereitet war. Außerdem war in Riorwar eine Rebellion ausgebrochen, die auch das Leben von Letaja bedrohte.

Nach dem er die Rebellen, mit erbarmungsloser Härte zerschlagen hatte, beschloss Gonrar seine Tochter von nun an immer bei sich zu haben und so wuchs Letaja nicht nur in der Hauptstadt ihres Vaters sondern auch im Lager bei seinen Männern auf. Doch es hatte noch etwas anderes zur Folge. Sie erfuhr nicht die klassische Erziehung einer Edeldame, sondern eher die eines Kriegers und man kann das ruhig so sagen, die eines Wegelagerers, den ihr Vater kämpfte nicht wie ein Ritter sondern nach wie vor wie ein Räuber und so mit allen schmutzigen Tricks. Doch noch etwas ist wichtig zu sagen. So wenig man es glauben will, doch Gonrar, liebte seine Tochter überalles und sie liebte ihren Vater. Gelten in den meisten Königshäusern die Töchter weit weniger als die Söhne, so war Letaja ihrem Vater mehr wert als jeder mögliche Sohn und alle Schätze der Welt zusammen. Als einmal der König von Ryhen, durch einen Boten das Angebot überbrachte, seinen Zweitgeborenen mit Letaja zu vermählen, ließ Gonrar ihn ohne viel Federlesens verstümmeln und zurück zu seinem Herren schicken, mit der Nachricht: Und wenn euer streunender Köter von Sohn, Gold und Diamanten scheißen könnte, würde ich ihn eher ausweiden, als das er meine Prinzessin auch nur anrührt.

Als Letaja zehn Jahre alt wurde, gab ihr Vater dann eine große Feier im Königspalast. Das war nichts allzu ungewöhnliches, Gonrar war jemand der, wenn er nicht gerade auf Raubzug war, am liebsten Gelage abhielt. Doch dieses war größer als alle anderen davor und das hatte einen Grund. Bevor die Feier begann, versammelte der König seine Adeligen und forderte sie auf, Letaja als ihre künftige Königin die Treue zu schwören. Alle Anwesenden, einer nach dem anderen, kniete sich vor das Mädchen und schwor feierlich die Treue. Auch Gonrars alte Wegelagerer und Skever der Königsmörder. Danach begann die Feier und als er spät wurde, brachte Gonrar, wie immer seine Tochter zu Bett.

Am nächsten Morgen war er Tot. Vermutlich hatte man ihn vergiftet und nun zeigte sich, was Ehre unter ehemaligen Räubern bedeutete. Gar nichts. Gonrar war noch nicht kalt, da riss Skever die Macht an sich. Die Leiche, seines alten Freundes, verscharrte der neue Herrscher, irgendwo außerhalb der Stadtmauern Letaja wurde, noch im Nachthemd, aus dem Königreich gebracht, ohne auch nur die Möglichkeit zu haben um ihren Vater zu trauern.

Man brachte sie in ein Kloster in den Flüsterhügeln, im Sturmlande. Die strenge Disziplin welche im Kloster herrschte, war nicht das was Letaja gewohnt war. Neue Klosterschwestern, welche sich nicht an die Regeln hielten, wurden nicht selten geschlagen und der kleine Rotschopf hielt sich nie an die Regeln. Wieder und wieder, versuchte sie zu fliehen und wurde zurück gebracht und bekam dafür Schläge von der Oberin des Klosters. Als Letaja dann zurückschlug, sperrte man sie in eine kleine, dunkle Kammer, gab ihr nur wenig zu essen und zu trinken und sagte ihr, das sie so lange an diesem Ort blieb, bis sie sich fügte. Dein Vater war kein König und du bist keine Prinzessin. Dein Vater war ein verdreckter Wegelagerer, sieh das endlich ein, du boshaftes, kleines Biest. Letaja blieb fast zwei Wochen in dieser Kammer, bis sie sich den Regeln des Ordens beugte.

Als sie dann achtzehn Jahre alt war, begleitete sie die Oberin und einige weitere Ordensschwestern nach Lovanio, im Land Trion um dort einige wichtige Ordensgeschäfte zu erledigen. Etwa zu der Zeit wurden der Lahme Helder und seine vier Brüder von der Stadtwache gefangen genommen und in die Verliese der Stadt gebracht. Allen fünf drohte für ihre Verbrechen der Galgen. Was genau, die Brüder getan hatten, wird an anderer Stelle berichtet. Fest steht nur eins, als Letaja von ihnen hörte, bat sie darum ins Gefängnis zu gehen und ihnen das Wort der Götter näher zu bringen. Es wurde ihr mit Begleitung einiger Schwestern bewilligt. Zusammen mit ihren Ordensschwestern also suchte sie die fünf Brüder auf.

Während ihre Ordensschwestern die vier übrigen Brüder besuchten, ging Letaja zum Lahmen Helder. Doch das letzte was sie vor hatte, war ihm die Gnade der Götter zu predigen. Nein, sie bot ihm ihre Hilfe bei der Flucht an, wenn die Brüder sich ihr anschlossen. Letaja, hatte sich Jahrelang nur zum Schein, mit ihrer Situation abgefunden. Noch immer war sie die Prinzessin von Riorwar und nichts in der Welt würde das ändern. Helder indes wollte nicht hängen und so schlossen die beiden einen Pakt. Zu ihrer Überraschung, stellte Letaja fest, dass der Krüppel sogar einen Plan für eine Flucht hatte. Alles was er brauchte, waren Helfer außerhalb der Verliese. Wie genau die Flucht verlief, wer alles daran beteiligt war und wie es Letaja schaffte ihre Beteiligung einer anderen Ordensschwester unterzuschieben wäre zwar eine spannende Geschichte, doch sie führt in unserem Fall doch sehr weit ab. Sie wird in dem Bericht über den Lahmen Helder und seine Brüder erzählt. Nicht zu letzte, da einige der Schatten Seiten von Lovanio dort offen zu Tage treten.

Als nun Letaja und die verbliebenen Ordensschwestern auf dem Rückweg waren, wurde die Gruppe, sich noch im Land Trion befindent, von den Fünf Brüdern und einigen anderen Verbrechern, die aus den Verliesen entkommen waren überfallen. Doch das war alles andere als ein Zufall. Letaja hatte ihnen ihre Rückreiserute verraten, so mussten die Banditen sich nur auf die Lauer legen. Da die Ordensschwestern nur schwachen Geleitschutz hatten und der Überfall gut vorbereitet worden war, gelang er ohne Schwierigkeiten. Und nun nahm Letaja an der Oberin gründlich Rache, den weder hatte sie vergeben noch vergessen. Am Ende prügelte die Prinzessin, ältere Frau mit bloßen Fäusten tot.

Nach dem sie sich, für die Schläge ihrer Kindheit gerächt hatte, zogen sie und die Banditen gemeinsam weiter. Sie überfielen Händler, Reisende und als ihre Zahl gewachsen war, auch ganze Dörfer. Unterstützt von Helder und seinen Brüdern, wurde sie die Anführerin der Bande und war bei ihren Überfällen so erfolgreich, das Gonrar mehr als stolz auf seine Tochter gewesen wäre. Doch immer führte sie ihr Weg nach Nord-Westen, Richtung Riorwar. Dann schließlich, vierzehn Jahre, nachdem man sie ins Exil verschleppt hatte, erreichte die rote Letaja, wie sie sich zum Andenken ihres Vaters nannte, die Grenzen von Wanon. Ein halbes Jahr und dutzende Überfälle später, betrat sie das Bruchland südlich der Stadt Riorwar.

Und seitdem führt sie dort ihren Kampf um die Rückeroberung jenes Thrones, von dem sie überzeugt ist, das er ihr alleine zusteht. Um diesen Anspruch auch deutlich zu machen, nennt sie sich nun Prinzessin Letaja von Riorwar. Prinzessin deshalb, weil sie noch nicht Königin ist. Doch sie wird nichts unversucht lassen um dieses Ziel zu erreichen. Genauso wenig wie sie alles daran setzten wird Skever den Königsmörder, für seinen Verrat büßen zu lassen.
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