Der lange Weg zum Lachen

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
Colonel Robert E. Hogan Hans Georg Schultz Hilda Oberst Wilhelm Klink OC (Own Character)
20.01.2017
04.02.2017
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Hallo, ihr Lieben!
Also, ich weiß ja, dass dies hier eine Kategorie ist, die eher durch Seltenheitswert glänzt, aber ich möchte sagen, dass ich dennoch nicht mit so vielen Aufrufen gerechnet hätte! - Vielen lieben Dank dafür! :)
Das Optimum für mich wäre natürlich eine kleine Rückmeldung von euch. Wirklich. Ich freue mich immer über Austausch! :)

Nun aber weiter im Text!


Ein Käfig voller Helden
Der lange Weg zum Lachen

Kapitel 1

Inzwischen waren drei Tage vergangen. Nach wie vor fiel träge der Schnee vom grau verhangenen Himmel und spiegelte die getrübte Stimmung im Lager wieder. Hogans Männer – ebenso, wie er selbst – fühlten sich seltsam ergriffen von der Situation um Klink.
„W-w-wusste nichtmal, dass der ü-ü-berhaupt 'nen Sohn hat.“ Newkirk, Hogan, Le Beau und Carter saßen auf einer der Bänke vor ihrer Baracke, während Kinch Wache schob.
Klinks Vertretung, Major Schmitt, war nicht ohne, aber in Anbetracht der Lage hielten die Männer die Füße still. Zum Einen schienen die Männer von einer gewissen Melancholie ergriffen und ohnehin nicht fähig wirklich klare Gedanken zu fassen und zum  Anderen weil sie Klink nicht noch mehr Ärger und Sorgen bereiten wollten, denn, auch wenn sie verfeindet waren, der Lagerleiter hatte schon über so Manches hinweggesehen und sich oft eher als Freund denn als Oberst präsentiert. Auch, wenn er nach Außen hin stets den Schein zu wahren wusste, hatte zumindest Colonel Hogan längst hinter die Fassade des Sachsen geblickt.

„Tja“, seufzte Hogan, „ich glaube, da gibt’s so Einiges, das der gute Klink nicht preis gibt. - Wenn er 'nen Sohn hat, heißt das immerhin, er hat auch 'ne Frau.“

„'ab 'ier noch nie eine gese'en, die dafür in Frage käme.“ Le Beau schüttelte den Kopf „Bestimmt 'ne frigide Fregatte!“ Kurz erlaubten die Männer sich ein leises Lachen, ehe es wieder still wurde.

„Ich wüsste zu gern, wie es um seinen Sohn steht.“, murmelte Carter und drehte gedankenverloren seine Mütze in den Händen.

Kinch schlenderte betont lässig zu den anderen herüber.
„Der Dicke ist im Anmarsch...“, summte er unauffällig und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Baracke.

„Achtung!“ Feldwebel Schultz salutierte und die Männer erhoben sich. Schultz nutzte die Gunst der Stunde und ließ sich stöhnend auf die jüngst frei gewordene Bank sinken. „Ich muss mich mal setzen.“, ächzte er. „Der Herr Major ist wirklich ein Bluthund! Den ganzen Tag hetzt er mich auf und nieder. - Und dass ich fett bin hat er gesagt!“ Empört kreuzte Schultz dabei die Arme vor der massigen Brust und hatte dabei große Ähnlichkeit mit einem bockigen Kind, das kein zweites Eis mehr bekam.
„Sie Armer.“, bedauerte Hogan den Oberfeldwebel und schlug ihm mitfühlend ein paar Mal leicht auf die Schulter.

„Ja!“, stimmte Schultz jammernd zu, „Und auf Diät gesetzt hat der mich!“

Dem Colonel kam eine Idee...

„Das ist ja unerhört, Schultz! - Ein Mann wie Sie muss doch bei Kräften bleiben!“

„Ja, das hab ich ja auch gesagt!“

„Hör'n Sie mal, Schultzie, ich hab da so den ein oder anderen Zugang zu Köstlichkeiten, wie Ihrem geliebten Sauerbraten, den ich nur allzu gern mit Ihnen teilen würde, wenn...“

Schultz war ganz Ohr und hing förmlich an Hogans Lippen.
„Ja, wenn? - Nun sagen's schon, Hogan! - Ich verhungere!“

„- Ach, nein, Sie wissen ja doch nicht, wann der Oberst wieder zurückkommt. - Vergessen Sie's, Schultz.“ Demonstrativ drehte Hogan sich beiseite und ging ein paar Schritte. - Langsam und bedächtig natürlich.
Denn schon hörte er auch das Knacken der Holzbank, von der Schultz sich umständlich erhoben hatte. Ein Grinsen zupfte an seinen Lippen.

„Jetzt warten's doch, Hogan!“ Schultz hatte einen kurzen Sprint hingelegt und war bereits schon von den paar Metern ganz aus der Puste. „Ich kann ja nicht so schnell!“

Hogan tat ihm den Gefallen und blieb stehen. Es war ihm lieber, wenn Schultz nicht vor der gesammelten Mannschaft auspackte. Er wollte erst einmal selbst hören, wie die Dinge um Klink und seinen Sohn standen.

„Wie geht’s Klinks Sohn?“, fragte er also geradeheraus, aber dennoch leise. Der Feldwebel hingegen sah geschockt auf.
„Ja, woher wissen's denn das schon wieder?! - Nein! Sagen's mir nix! Ich will gar nix hören!“

Plötzlich jedoch wurde Schultz ernst.
„Der Kommandant wird morgen zurückkommen.“ Er machte eine lange Pause und seufzte schwer. Dann schüttelte er langsam den Kopf.

„Scheiße.“, murmelte Hogan, nahm seine Mütze ab und fuhr sich durchs Haar. Das war nicht gut. Das war gar nicht gut. Schlimmstenfalls würde Klink seinen Job hier an den Nagel hängen und dann würde dieser Schmitt ihnen allen eine Menge Ärger machen. Und das konnten sie momentan absolut nicht gebrauchen. Die Zentrale in London wartete schon jetzt ungeduldig auf neue Berichte, aber zur Zeit konnten sie es sich einfach nicht leisten, auch nur ein krummes Ding abzuziehen.
Und auch, ganz abgesehen von ihren Aufträgen, hatte er Mitleid mit dem Oberst. Auch wenn sie beide auf verschiedenen Seiten kämpften, so empfand Hogan doch so etwas wie Loyalität und – ja, man konnte sogar sagen, dass ihn und den Lagerkommandanten so etwas wie eine Freundschaft verband.

„Meine Anteilnahme, Schultz. Das meine ich ganz ehrlich. Auch im Namen meiner Männer.“

„Ich dank' Ihnen, Hogan. Ein feiner Kerl sind Sie.“ Schultz ließ betrübt den Kopf hängen. „Ich hoff ja nur, dem Kommandant geht’s bald besser.“

„Das hoffe ich auch.“, murmelte Hogan, „Das hoffe ich auch...“

~*~*~

Am nächsten Tag beobachtete Hogan wie Klinks schwarzer Wagen am späten Nachmittag wieder vorfuhr. Er steckte sich eine Zigarette an und lehnte sich interessiert an die Baracke.

Der Wagen hielt direkt vor der Kommandantur. Sofort kamen Schultz und Major Schmitt aus der Tür. Der Fahrer stieg aus und öffnete die hintere Wagentür.
Zunächst passierte nichts, doch dann sah er, wie Schultz sich in den Wagen beugte und mit dem Oberst wieder hervorkam. Selbst auf die Entfernung hin konnte Hogan erkennen, dass Klink um Jahre gealtert zu sein schien. Er war offensichtlich noch immer unsicher auf den Beinen, denn er wurde sowohl von Schultz, als auch von Schmitt gestützt.
Als die Tür der Kommandantur sich wieder geschlossen hatte und auch der Wagen weggefahren war, stieß er sich von der Baracke ab und schnippte seinen Zigarettenstummel in den Schnee.
Das wollte er sich näher ansehen...

„Herr Oberst!“, rief Hilda halb froh, halb erschrocken aus, als sie Klink kraftlos in der Mitte der beiden Männer stehen sah. - Und das mehr schlecht, als recht, wenn sie ehrlich war. Er wirkte energie- und teilnahmslos, sein Blick schien leer.

„Fräulein Hilda, bringen Sie einen Cognac. - Am Besten gleich einen doppelten!“, wies Schmitt die junge Frau an, die sofort nickte und den drei Männern in Klinks Büro folgte, um sich sogleich an dem Likörschrank zu schaffen zu machen.
Sie goss einen großen Schluck Cognac in einen der bauchigen Schwenker und sah besorgt dabei zu, wie die zwei Männer dem Oberst dabei behilflich waren, sich in seinem Stuhl niederzulassen.
Bisher hatte er noch kein Wort gesagt und umso glücklich war sie, als ein leises „Haben Sie vielen Dank, Fräulein Hilda.“ über seine Lippen kam und er ihr gequält zulächelte, als sie ihm das Glas aushändigte.
Seine Hände zitterten und einen Moment lang hatte Hilda Sorge, er würde den Inhalt des Glases verschütten, doch er hob es sofort an die Lippen und leerte es in einem Zug, nur um ihr zu bedeuten noch einmal nachzuschenken.

„Ihre Dienste werden nicht länger benötigt, Major. Sie können abreisen.“, raspelte Klink und klang dabei, als hätte er seine Stimme wochenlang nicht benutzt. Der Major wirkte verdutzt und zugleich empört darüber.
„Ja, aber wollen Sie denn nicht-“
„-Sofort.“, unterbrach Klink ohne ihn direkt anzusehen.

Der Major schlug die Hacken zusammen und salutierte, ehe zähneknirschend ein „Jawohl, Herr Oberst!“, hervorpresste und grummelnd das Büro verließ.

„Herr Kommandant, ich bin ja so froh, dass Sie wieder hier sind!“ Schultz salutierte ergeben. „Wenn ich irgendwas für Sie tun kann, dann -“ Kraftlos hob Klink seine Hand und unterbrach den Feldwebel.
„Ich danke Ihnen, Schultz, das können Sie in der Tat.“
„Ja? - Ich meine: Natürlich, Herr Kommandant! - Ich tu' alles!“
Die Lippen des Lagerkommandanten verzogen sich zu einem wehmütigen Schmunzeln, während er einen Punkt irgendwo hinter Schultz fixierte.
„Machen Sie Feierabend. Weggetreten, Schultz.“

Der Feldwebel zuckte zusammen und wollte etwas erwidern, besann sich dann aber darauf, dass es wohl doch keinen Sinn hatte und nickte nur niedergeschlagen, ehe er mit Hängenden Schultern und einem traurigen „Jawohl, Herr Kommandant...“ das Büro verließ.

Hilda hatte ihm inzwischen einen neuen Cognac eingeschenkt und überreichte ihm das Glas, seine Hand dabei einen kurzen Moment in den ihren haltend.
Es bedurfte keinerlei weiterer Worte. Sie sah die wässrigen Augen des Oberst und war sich sicher, dass er sich zusammenreißen musste, um die Tränen zurückzuhalten. - Ihr ging es genauso.
Behutsam legte sie eine Hand an seine Wange und gab ihm einen kurzen Kuss auf die andere, ehe sie sich erhob und mit einem letzten Blick auf ihn seufzend das Büro und Klink somit allein ließ.

Nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, lehnte sie sich schwer mit dem Rücken dagegen und presste die Hand vor den Mund um ein wimmerndes Aufschluchzen zu unterdrücken. Sie mochte den Oberst. Er war gerecht und fair. Zwar manchmal etwas überheblich und zu sehr von sich selbst überzeugt, aber im Grunde seines Herzens war der Kommandant ein guter Mensch. Und egal ob guter oder schlechter Mensch, kein Vater hatte es verdient, sein eigenes Kind zu Grabe tragen zu müssen...
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