Würden diese Wunden heilen würden Narben trotzdem bleiben

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Clive Dimitri Allen Hershel Layton Luke Triton OC (Own Character)
19.01.2017
28.05.2018
16
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Mein Körper verkrampft, mein Atem beschleunigt sich, vor meinen geschlossenen Augen tanzen weiße Lichter umher. Ich schnappe kurz nach Luft und ringe einige Momente mit der Realität, bevor ich es schaffe, die Augen zu öffnen.
Ein Lichtstreifen fällt auf mein Gesicht, über mir erstreckt sich die weiße Decke meines Schlafzimmers, das in das schimmernd orange Glühen des Sonnenaufgangs getaucht ist. Ich huste leicht, als sich meine Atmung langsam wieder reguliert.
Es war nur ein Traum.
Ein Traum.
Früher hätte ich versucht, die Bilder von mir wegzuschieben, aber jetzt konzentriere ich mich lieber darauf, was mich eigentlich dazu gebracht hat, so zu reagieren. Aber da ist nichts. Der diffuse Nebel meiner Erinnerung verdeckt diese Gedanken, und nur das beängstigende Gefühl des Wissens, dass dort etwas lauern muss, bleibt.
Ich erhebe mich langsam von der Bettkante und stelle im Vorbeigehen das Radio auf der Kommode im Flur an.
„….begrüße ich Sie zu einem wunderschönen Spätsommertag in der schönsten Stadt der Welt…“
„Guten Morgen, Mum, Dad, Constance.“ Mein Gruß an die gerahmten Bilder neben dem Radio geht in dessen lautstarken Weckprogram unter. Ich gähne und setze meinen Weg fort.
Mein Morgenrhythmus ist immer gleich. Das mag nicht nach etwas klingen, was typisch für mich ist, aber momentan ist jede Ordnung innerhalb meines Lebens der pure Luxus für mich. Erholsam, ein Ort an dem ich einfach ein Stückchen Alltag haben kann, bis mich alle sieben Tage die Therapie wieder so weit aufwühlt, dass ich mir selbst gelobe, diesen Alltag niemals wieder aufzugeben.
Nun, nur um fair zu sein, es ist Aufwühlen mit System.
Und es muss ein gutes System sein, wenn es in einem Jahr schon so viel gerichtet hat, dass einige alltägliche Dinge wieder leichter für mich geworden sind. Das Berühren von Menschen. Sich um sich selbst kümmern. Mein Therapeut möchte das alles Schritt für Schritt mit mir aufarbeiten. Angefangen in der frühesten Kindheit, über Jugend, Schulzeit, die Zeit im London der Zukunft. Und die Zeit danach. Zu dumm nur, dass zum Teil wochenlange Erinnerungen von meinem Gehirn mit kleinen weißen Vorhängen zugehangen wurden. Ich komme nicht mehr an sie heran. Es ist schwer vorzustellen, dass ich wirklich einmal wochenlang an ein Bett gefesselt im Delirium schwebte, während mich ein geisteskranker folterte.
Aber es muss so gewesen sein, und damit muss sich mein Gehirn auch irgendwann einmal abfinden. Das ist alles mir passiert.
Die Teekanne pfeift.
„Schon gut.“
Tee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Zumindest so lange, bis ich meine Haarsträhne beim Trinken mehrmals einer Zwangstaufe nach Londoner unterziehe, indem ich sie ohne es zu merken mehrmals in die heiße Flüssigkeit tauche.
Fantastisch.
Leise fluchend trockne ich meine Haare ab und erhebe mich wieder vom Küchentisch. Heute ist wieder einer dieser Tage. Keiner dieser anderen Tage, an dem ich für vier Stunden arbeite, sondern einer dieser anderen Tage. Therapie, um genau zu sein.
„…wird es trotzdem ein schöner Tag hier in London!“
Nachdem ich das Bad verlassen habe macht sich bereits das Gefühl von Unbehagen breit. Ich habe keine Angst—ich bin nur beunruhigt. Und ich habe schlecht geschlafen.
Aber ich habe schon schlimmeres erlebt.
Also wird mich das nicht aufhalten.



(ENDLICH! ich hoffe es lesenüberhaupt noch Leut mit o-o)
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