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Wie die Dementoren nach Askaban kamen

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Bellatrix Lestrange Dolores Umbridge Kingsley Shacklebolt Lucius Malfoy OC (Own Character) Sirius "Tatze" Black
18.01.2017
18.05.2018
31
100.823
85
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Dieses Kapitel
14 Reviews
 
 
18.01.2017 1.073
 
Hallo zusammen,

schonmal vorab: Dies ist keine Regenbogen-Einhorn-alle-haben-sich-lieb-Geschichte ... denn hey, der Ort an dem sie spielt ist nun einmal Askaban - der schrecklichste Fleck in der Zaubererwelt (okay, ich denke es gibt auch andere unschöne Orte. Trollhöhlen, zum Beispiel. Oder Snapes Klassenraum).

Bitte beachtet unbedingt, dass diese Geschichte sensible Inhalte in Richtung Gewalt und sowas enthält.

Aber in Zeiten von Game of Thrones, Walking Dead und Co. sollte das wohl kein Problem sein. Jedenfalls hab ich mich bei der Darstellung von Folter teilweise an Augenzeugenberichte aus einem südamerikanischen Gefängnis gehalten. Der Name Askaban leitet sich schließlich auch von einem Gefängnis ab, das es in Wirklichkeit gab: Alcatraz.

Viel Spaß beim Lesen!

Wer absolute Langeweile hat: Bilder zur Geschichte! https://www.pinterest.de/juliancarax8/wddnak/  


oOo


Askaban, Mai 1720

Ich fühlte die durchdringende Kälte bis in den letzten Winkel meines ausgemergelten Körpers kriechen. Um mich herum Schreie. Schreie von anderen Gefangen die entweder verrückt oder einfach nur verzweifelt waren. Oder beides.
Von der nachtschwarzen Decke tropften unablässig eiskalte Wassertropfen herab und landeten mit einem unangenehmen Ziehen auf meiner Kopfhaut. Ich spürte, wie sie sich ihren Weg durch meine fettigen  Haare bahnten und dann darin versickerten. Wenigstens zeigte mir das regelmäßige Tropfen, dass ich noch lebte. Wenn man es überhaupt so nennen durfte. An einem Ort wie diesem schien dieses Wort so fehl am Platz, so fremd.
Es roch muffig und die ständige Feuchte in der Zelle hatte auf meine Lunge geschlagen. Ich hustete in meine verschmutzte Hand und wischte den Mund danach an dem löchrigen Leinenhemd ab, das für diese Temperatur viel zu dünn war. Wann hatte ich es zum letzten Mal gewechselt? Ich wusste es nicht. Die Zeit war etwas, das hier, innerhalb der dicken Mauern, sowieso keine Rolle spielte.
Dann hörte ich sie.
Zwei aufgeregte Stimmen, die ganz in meiner Nähe wie durch eine Wasserschicht miteinander zu sprechen schienen. Ich brauchte einige Zeit um zu verstehen, was sie sagten, denn mein Kopf weigerte sich zu gehorchen. Irgendwann stellte sich auch das Gehirn auf eine Art Winterschlaf ein.
Es waren zwei Männer, deren schemenhafte Gestalten auf der anderen Seite der eisernen Gitterstäbe standen.
„Ja, Sir. Hier ist der Beschluss. Das Oberste Zaubergamot hat ihn heute erst unterzeichnet.“
„Sind sie sicher, dass wir es sofort tun sollten?“
„Absolut, wir sind überbelegt und brauchen die Zelle.“

Ein Räuspern.
„Verstehe. Dann wollen wir es schnell hinter uns bringen.“  
Plötzlich drang ein grauenhaft schleifendes Quietschen in meine Ohren. Die Tür zu meiner Zelle wurde aufgeschlossen. Es war, als würde sich das verrostete Schloss weigern, den Weg frei zu geben. An diesem schrecklichen, finsteren Ort schienen selbst die Türen keine Lebensenergie zu haben.
Ich schloss meine Augen wieder, denn ich hatte keine Kraft sie länger offen zu halten. Dann spürte ich es. Erst war es nur ein kühler Hauch, der meinen Körper umwehte doch dann wurde das unangenehme Gefühl stärker. Die Kälte.
Ich dachte mein ganzer Körper wäre bereits vorher durchgefroren und taub gewesen, doch nun schlich sich eine Kälte ein, die anders war. Dunkler und angsteinflößender.
Der Wassertropfen, der mir in diesem Moment ins Haar tropfte, fühlte sich plötzlich warm dagegen an.
Ich fühlte, wie sich meine Eingeweide zusammen zogen und hatte das Gefühl mich jeden Augenblick übergeben zu müssen. Langsam, ganz langsam sickerte es aus mir heraus. Die wenigen glücklichen Gedanken, die ich noch in mir hatte. Es war, als hätte jemand eine eiserne Klammer um mein müde schlagendes Herz gelegt, die sich immer fester und fester zusammenzog. Ich wurde von einer inneren Gewissheit gepackt, nie wieder glücklich sein zu können, als würde mir ein für alle Mal die Fähigkeit zu Lachen aus dem Körper gezogen.
Während ich das Gefühl hatte in ein tiefes, schwarzes Loch aus Kälte und Traurigkeit gezogen zu werden, öffnete ich meine Augen einen winzigen Spalt breit.
Dann sah ich sie.
Eine große, schwarze Gestalt die auf mich zu schwebte. Ihr Körper war von einem langen, löchrigen Umhang verdeckt. Knochenartige, schleimige Krallen lugten aus den zerfetzten Ärmeln hervor.
Nein. Bitte nicht.
Ich wusste was das für ein Wesen war, die Gerüchte hatten längst die Runde von Zelle zu Zelle gemacht. Dementoren, nannte man sie. Die neuen Wächter in Askaban. Doch niemand wusste, was es genau für Ungeheuer waren. Das einzige was man sagen konnte war, dass sie etwas Schlimmes zu bedeuten hatten, wenn sie in deine Zelle kamen.
Das tiefe, rasselnde Geräusch seines Atems kam näher, begleitet von einem ekelhaften Gestank der mich an verwesendes Fleisch erinnerte. Ich wollte zurück weichen, doch mein Körper hatte keine Kraft. Er gehorchte nicht. Es war, als wäre ich auf dem eiskalten, glitschigen Steinboden festgefroren.
Dann beugte das Wesen sich zu mir herunter und der grobe Stoff seiner dunklen Kapuze streifte meinen Haaransatz. Die Berührung kam mir vor wie ein Messerschnitt.
„Bitte. Bitte, nicht. Ich bin unschuldig“, flehte ich, doch ich wusste, dass meine Stimme zu leise war, als dass jemand sie hören würde. Meine ausgetrockneten Lippen waren bei den wenigen Worten aufgeplatzt. Es fühlte sich fast dankbar an, dass sich ein Tropfen warmes Blut darauf sammelte.

Wieder das gleichmäßige Rasseln aus dem Inneren des pechschwarzen Umhangs. Es war lauter geworden, gieriger. Dann spürte ich ein heftiges Ziehen. Es fühlte sich an, als habe jemand mit einer stumpfen Nadel durch meine Schädeldecke gestochen und zog sie nun wieder heraus. Langsam. Ich wollte Schreien, doch es ging nicht. Ich bekam Panik, wollte weg von diesem Ding.
Verzweifelt befahl ich meinem Körper sich zu bewegen, zu flüchten. Doch die Kälte und das bohrende Gefühl der Hoffnungslosigkeit ließen meine Glieder nicht mehr gehorchen. Mein Körper hatte längst jeden Widerstand aufgegeben.

Man hatte gemunkelt, dass es nicht wehtun würde, wenn die schwarzen Wesen kamen und es taten.
Man hatte mir gesagt, dass es schnell gehen würde.
Das waren alles Lügen gewesen. Lügen, die man in den Mauern des Gefängnisses verbreitet hatte. Vermutlich, weil man es nicht besser wusste oder die Opfer nicht geschrien hatten.
Ich spürte, dass mein Verstand nicht mehr unter meiner Kontrolle war, fast so als würde er von einem strömenden, eiskalten Wasserstrudel in die Tiefe gesogen werden. Immer tiefer auf den Grund.
Langsam wanderte meine Seele durch meinen Körper. Ich fühlte es genau, wie sie sich auf Höhe meiner Lippen wehrte, mich zu verlassen. Doch das Wesen gab nur ein weiteres Rasseln von sich, das fast wie ein Lachen klang.
Ich dachte sterben wäre schlimm.
Doch das hier war schlimmer.
Das hier war der Kuss des Dementors.


oOo
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