Das Leben ist unfair - aber manchmal, da kann es sich ändern, oder?

GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 Slash
17.01.2017
13.03.2017
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* Isabella *

Mist, Mist, Mist. Es war schon viel später als ich gedacht hatte. Mein Wecker zeigte 5:00 an. Das würde schiefgehen, dabei musste ich heute besonders pünktlich zur Schule. Die Klassenfahrt stand doch bevor.
In Gedanken ging ich all meine Pflichten durch, die ich heute morgen noch zu erledigen hatte. Duschen, bügeln, letzte Maschine waschen, Frühstück machen, meine Brüder wecken, und meinem Vater einen schönen Morgen bereiten. Na das konnte ja heiter werden. Ob ich das pünktlich schaffte?  

* Sophie*

Hatte sie ihren Koffer richtig gepackt? Hatte sie auch wirklich alles dabei für 6 Tage Spanien?, überlegte Sophie, als sie auf dem Weg zum Humboldt Gymnasium war. Sophie freute sich schon. 6 Tage Spanien, 6 Tage konnte sie den so kalten Regentagen in Deutschland entgehen, und stattdessen in kurzer Hose herum laufen.

Sie hoffte nur, dass die Klasse 9c, mit der sie nach Mallaga fuhr, einigermaßen in Ordnung war, denn sonst würde ihre Zeit nicht so angenehm werden, wie erhofft.

Einige Zeit später hielt Sophie auf dem Parkplatz des Gymnasiums und blickte sich um. War sie zu früh? Ach nein, dort hinten stand ja schon Frau Schmidt, mit der sie telefoniert hatte. Neben ihr stand ihr Kollege Sören.  Ihren Koffer hinter sich herziehend ging sie zu den Beiden und begrüßte sie. „Hallo Frau Schmidt, Hey Sören.“ „Guten Morgen“, antworteten beide fast gleichzeitig. „Sind sie bereit?“, fragte Frau Schmidt Sophie. „Haben sie noch irgendwelche Fragen zum Ablauf?“ Sophie lächelte Frau Schmidt an: „Nein, danke schön. Liegt ihnen noch was auf dem Herzen?“, fragte Sophie dann, als sie sah, wie angespannt die Lehrerin war.

„Nun ja“, zögerte sie, „ich würde sie beide bitten, einmal besonders auf Isabella Ruber zu achten. In letzter Zeit sind ihre Noten erstaunlich abgesackt und sie scheint sich immer mehr zu verändern. Sie bricht neuerdings oft in Tränen aus und scheint im Unterricht immer weit weg zu sein.“ Sophie runzelte die Stirn. Das hörte sich ja wirklich ganz und gar nicht gut an. „Hat sie denn irgendwelche Probleme mit ihren Mitschülern?“, fragte sie dann.

Frau Schmidt seufzte: „Also ich wüsste jetzt nicht konkret von Problemen, aber sie hat keine Freunde in ihrer Klasse. Jedes Mal rennt sie nach dem Unterricht sofort nach Hause. Mir erschien es nie so, als ob sie sich überhaupt für die Anderen interessierte, aber in letzter Zeit, ist sie wirklich komplett abwesend und scheint öfters Mal in Panik zu geraten.
Sie war früher eine vorbildliche Schülerin, sie hatte in jeder Klassenarbeit, sei es Mathe, Englisch oder Latein immer eine Eins. Aber seit ungefähr einem halben Jahr verschlechtern sich ihre Noten.
Plötzlich ist es ihr egal, dabei war sie früher immer so bemüht. Vielleicht reden sie einfach mal mit ihr.“ Sophie nickte. Natürlich würde sie dem Mädchen versuchen zu helfen, das klang ja alles andere als beruhigend. „Eins noch, Frau Schmidt“, sagte sie. „Wie sieht Isabella aus? Ist sie schon hier?“

Frau Schmidt ließ ihren Blick über die schon zahlreich erschienenen Schüler schweifen. Dann schüttelte sie den Kopf: „Nein, ich sehe sie noch nicht. Aber sie ist nicht zu übersehen. Sie hat kupferfarbene, rote Locken und ist hier die Kleinste und Dünnste. Sie kommt bestimmt bald.“ Sophie blickte zu Sören. Er schien genauso erpicht darauf zu sein, dem Mädchen zu helfen.

           
* Isabella *
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 
Schon wieder kam ich zu spät und das ausrechnet heute. Ich hatte mir doch vorgenommen, keine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Es war doch auch schon so schwer genug allen Fragen von Frau Schmidt aus dem Weg zu gehen.

Aber wenn ich heute zu spät kam und dann auch noch ein blaues Auge hatte, würde garantiert jemand misstrauisch werden, und das war nie gut. Ich rannte so schnell ich konnte mit meinem Koffer meinen Schulweg entlang und bleib schon nach 7 min keuchend vor dem Parkplatz stehen. 7 Minuten und das mit Koffer? Das war ein neuer Rekord!

Ich versteckte mein blaues Auge hinter meinen wilden Locken und ging schnell zu Frau Schmidt, die noch draußen mit einer blonden Frau vor dem Bus redete. Wer war das denn? War das eine neue Lehrerin? Leise sagte ich: „Tut mir Leid, dass ich zu spät bin, aber ich habe verschlafen...“ Ich richtete meinen Blick nach unten und hörte Frau Schmidt sagen: „Kein Problem,  jetzt bist du ja da.“ Ich lächelte und schaute wieder nach oben. Frau Schmidt war wirklich eine tolle Lehrerin.

Ich schaute die fremde Frau neben ihr an und merkte, dass diese ebenfalls lächelte. Sie blickte mich an und sagte dann: „Ich bin übrigens Sophie, ich werde euch mit meinem Kollegen, Sören, auf Klassenfahrt begleiten. Komm mal mit, dann helfe ich dir, deinen Koffer in den Kofferraum zu heben.“ Dankbar lächelte ich auch sie an, aber als sie mich unvorhergesehen berührte und mir die Hand auf den Rücken legte, zuckte ich merklich zusammen und Schmerz zog vom Rücken bis in meinem Kopf.
Sophie schaute mich von der Seite her fragend an. „Ach nichts“, sagte ich schnell und ging sobald der Koffer verstaut war, in den Bus.

Ich nahm mir vor mich möglichst weit weg von Frau Schmidt und diesen Sozialarbeitern zu setzten. Ich würde sogar lieber neben Tom sitzen, als dass die beiden Frauen hinterher auch noch mein blaues Auge sahen. Das hatte die beiden nichts anzugehen. Doch leider war nur noch ein Platz ganz vorne frei. Natürlich – niemand wollte neben mir, dem kleinen Streber sitzen...
Seufzend ließ ich mich in den Sitz am Fenster fallen, in der Hoffnung, dass Frau Schmidt und Sophie mich nicht sahen. Doch wie der Zufall es so wollte, setzte sich Sophie genau neben mich und lächelte mich an. „Was dagegen, wenn ich mich hierhin setze?“ fragte sie mich. Na toll. Was war das denn für eine Frage. Ich konnte ja schlecht „nein“ sagen, also nickte ich unmerklich.

Bloß keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen. Dann würde sie mich sicherlich nicht mehr beachten. Demonstrativ machte ich die Augen zu und versuchte einzuschlafen. Da ich die Nacht zuvor nur 5 Stunden Schlaf hatte und die Nacht davor auch, und die Nacht davor sogar nur drei Stunden, schlief ich sofort ein.
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