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Superman - Der schlimmste Tag

GeschichteAbenteuer, Drama / P12
Batman Lex Luthor OC (Own Character) Superman
17.01.2017
17.01.2017
12
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Superman
Der schlimmste Tag

Der Morgen erwachte nur langsam in Metropolis. Obgleich die Stadt niemals wirklich zu schlafen schien, kamen die Menschen an diesem Morgen langsamer in die Gänge als sonst. Niemand wollte raus in die eisige Kälte der Stadt, die Metropolis seit längerer Zeit in ihren Klauen hatte. Es war zwar noch kein Schnee gefallen, doch das war nur eine Frage der Zeit. Denn seit eineinhalb Wochen  hingen dicke graue Wolken am Himmel, die sich einfach nicht vertreiben liessen.
Clark Kent schlug sich seinen Schal über die Schulter, während er an einer der unzähligen Haltestellen der Metrotransitbahn stand. Auch er hatte sich gegen die Kälte gewappnet, sich einiges angezogen, um nicht frieren zu müssen. Nicht, dass er die ganzen warmen Klamotten bräuchte (in der Festung der Einsamkeit fror er schliesslich auch nicht), doch es diente der Tarnung. Schliesslich wäre es etwas auffällig, wenn jemand bei Temperaturen von 0,1 Grad in Sommerkleidung herumlief.
Der junge Reporter sah sich aufmerksam um. Eine berufliche Angewohnheit, man wusste schliesslich nie, wann einem DIE Topstory vor die Füsse fiel. Daher galt es, immer aufmerksam zu sein und das Leben um sich herum zu beobachten. Doch heute war alles ebenso gewöhnlich wie sonst. Jede Menge Leute, Erwachsene, Kinder, Jugendliche, alle mit unterschiedlichen Zielen. Das Ziel der Kinder und Teenies war natürlich klar. Es war zwar noch Winter, doch die Schule hatte seit einigen Tagen wieder angefangen. Und die Meinung über diese Tatsache war natürlich geteilt; die einen freuten sich auf die Schule, die anderen nicht. Aber so war es nunmal.
Ein Surren und ein lauter Signalton kündigten die Ankunft des Zuges an. Während die Einschienenbahn auf die Haltestelle zu fuhr, studierte Clark in Ruhe die neuesten Informationen, die ihm die Zeitungsapp seines Smartphones übermittelt hatte.
Batman gab es also doch. Interessant. Vor einer Woche hatte das GCPD in einer Pressekonferenz die Existenz einer „menschlichen Fledermaus“ dementiert. Dabei war Commissioner James Gordon klar zitiert worden: „Es gibt keinen Batman!“
Und jetzt waren grosse Artikel über ihn in allen Zeitungen. Allesamt mit mehr oder weniger guten Fotos. Irgendwie seltsam: Es war wie bei UFOs, Bigfoot und dem Yeti; niemand schaffte es, gute Bilder von der Fledermaus zu knipsen. Allesamt waren sie verwackelt, verschwommen, über- oder unterbelichtet. Vielleicht sollte sich Clark mal selbst nach Gotham City begeben, um diesen maskierten dunklen Rächer abzulichten. Zu schade, dass Perry keinerlei Interesse daran hatte. Denn die Einstellung des „Daily Planet"-Herausgebers war klar: „Es gibt drei Dinge, die sich gut verkaufen: Tragödien, Sex und Superman!“
Der Zug kam immer näher, und ein lauter Ruf riss Clark aus seinen Gedanken. „Vorsicht, der Zug!“
Clark fuhr herum und sah ein junges Mädchen, ganz offensichtlich stark alkoholisiert, das gerade im Begriff war, auf die Gleise zu stürzen. Anscheinend hatte das Mädchen keine Kontrolle mehr über seine Motorik. Doch drei schnelle Schritte und ein fester Griff bewahrten sie davor, von der Einschienenbahn zermalmt zu werden und danach in den Tod zu stürzen.
„Vorsicht, junge Dame“, sagte Clark, während er das betrunkene Mädchen von der Schiene wegzog. Das Mädchen blickte ihn nur mit glasigen Augen an. Sie schien gar nicht zu verstehen, was er von ihr wollte, doch sie leistete auch keinen Widerstand, als sie zu einer Bank geführt wurde. Sie setzte sich und blickte Clark weiterhin fragend an.
Der Reporter musterte das Mädchen. Sie war schätzungsweise knappe 18 Jahre alt, trug gebrauchte und abgetragene Klamotten. Sie war offenbar eines der vielen „Strassenkinder“ der Stadt, Jugendliche, die meistens auf der Strasse lebten. Viele von ihnen waren drogenabhängig. Und auch diese Kleine schien an der Nadel zu hängen.
Clark sah dem davonfahrenden Zug nach. Na toll. Gut, dass die Züge alle 20 Minuten fuhren. Er wandte sich wieder dem Mädchen zu. „Wie heisst du?“ Eine freundliche Frage, doch das Mädchen beantwortete sie nicht. Sie blickte ihn nur weiterhin mit grossen Augen an. Dann, auf einmal, senkte sie den Blick auf Clarks Brust. Langsam, fast zögerlich, hob sie ihren Arm und streckte einen Finger aus. Sie stoppte einige Millimeter vor Clarks Körper und malte mit dem Finger in der Luft herum. Verwundert sah Clark ihr dabei zu. Sie schien ein Dreieck zu malen, das auf einer Spitze stand. Kaum war das Dreieck beendet, malte das Mädchen ein „S“ in die Mitte des Dreiecks. Und erst jetzt erkannte Clark, dass dieses Mädchen kein Dreieck gemalt hatte. Sie hatte das Diamantförmige Emblem auf der Brust seines Superman-Anzugs nachgezeichnet. Inklusive des kryptonischen Symbols für Hoffnung, des irdischen Buchstabens „S“.
Clark hob den Blick und blickte das Mädchen verwundert an. Wusste sie, wer er war? Wenn ja, woher wusste sie es? Wie war sie darauf gekommen? Natürlich war Clark seinem Alter Ego wie aus dem Gesicht geschnitten, doch trotzdem war es merkwürdig, dass sie ihn erkannt hatte. Denn er hatte so seine Fähigkeiten, um seine Identität zu bewahren.
Dieses Mädchen aber, schien ihn erkannt zu haben. Aber ob sie sich dessen bewusst war? Es war schwer zu sagen, denn sie war nachwievor sehr abwesend und blickte Clark mit nachwievor grossen glasigen Augen an.
Gerade, als Clark beschloss, sie zur Suchtstation zu bringen, kam einer der Sicherheitsleute der Metrotransit vorbei. Er kannte den Mann und wusste, dass er ihm vertrauen konnte. Und wenn Clark noch rechtzeitig zur Arbeit kommen wollte, musste er den nächsten Zug erwischen.
„William, hey!“, rief Clark und winkte dem Mann zu. Sofort kam der ältere Herr in der dunkelblauen MT-Uniform herbei und schüttelte den Kopf, als er das Mädchen sah. „Schon wieder so eine Strassengöre, das wird ja immer schlimmer hier“, murmelte er. Clark wusste, dass William zwar immer über Strassenkinder meckerte, doch im Ernstfall war er stets bereit, jedem zu helfen. Ein rauhbeiniger exzentrischer Kerl, aber stets hilfsbereit.
Zusammen halfen sie dem Mädchen auf die Beine und brachten sie in einen warmen Büroraum. Clark machte sich sofort daran, einen Tee aufzusetzen, während William einen Krankenwagen für das Mädchen orderte.
Draussen fuhr der Zug ein, und noch während das Mädchen vorsichtig seinen Tee in Empfang nahm, rauschte ein Luftzug durch das Büro. William drehte sich um, doch Clark war bereits verschwunden.

Die Franklin-Street war an diesem Morgen weit weniger befahren als sonst. Kaum ein Fahrzeug war zu sehen. Gerade mal eine Handvoll Autos fuhr in südlicher Richtung auf die Eisenhower-Bridge zu, eine alte Brücke, die zu den vielen Sehenswürdigkeiten und Markenzeichen der Stadt gehörte. Die Brücke war natürlich nach Dwight D. Eisenhower benannt, dem 34. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Doch daran dachten die wenigsten Menschen, wenn sie über die Brücke fuhren. Sie alle hatten wichtigere Dinge im Kopf.
Ein Bus bog in die Franklin-Street ein und nahm ebenfalls Kurs auf die Brücke. Es war einer dieser Greyhound-Busse, die weite Strecken fuhren, und mit denen man bequem von Staat zu Staat tingeln konnte. Doch dieser Bus war von der Metro-High gemietet worden, um eine Schulklasse für eine Exkursion nach Coast City zu bringen. Eine lange Fahrt, die man nur mit einem grossen Greyhound bewältigen konnte.
Alle waren bester Laune. Denn natürlich war es wesentlich besser „on the Road“ zu sein, als in der Schule zu hocken. Was das betraf, waren sich alle im Bus einig. Die Stimmung war famos und die Teenies trieben allerlei Faxen, was alle im Bus ablenkte.
Keiner von ihnen bemerkte den Truck, der ihnen auf der Gegenfahrbahn entgegenkam. Eine mächtige Zugmaschine, allerdings ohne Auflieger. Der Fahrer kam gerade von einer zehnstündigen Tour zurück, er war müde und erschöpft. Und das lag nicht nur an der Fahrt; irgendwas war mit ihm nicht in Ordnung. Er fühlte sich merkwürdig schlapp und erschöpft, das Fahren kostete ihn eine Menge Kraft. Der Fahrer hatte längst beschlossen, anzuhalten, sobald er von der Brücke runter war.
Doch es war schon zu spät.
Als der Mann das Bewusstsein verlor, begann der Truck heftige Schlangenlinien zu fahren. Er kam von der Spur ab und durchbrach mit einem lauten Krachen die Begrenzung, welche die beiden Fahrbahnen trennte. Er kam auf die Gegenfahrbahn  und rammte mehrere Autos, die herumschlitterten und gegen die Begrenzungen krachten.
Der Fahrer des Greyhound-Busses riss die Augen auf, als ihm das Ungetüm entgegenkam. Er trat auf die Bremse und riss das Lenkrad herum, um dem Truck irgendwie auszuweichen. Die panischen Schreie der Schüler mischten sich mit dem lauten Quietschen der Reifen und dem ohrenzerfetzenden Kreischen, als Metall auf Metall traf. Der Truck rammte die linke Flanke des Greyhound und liess ihn herumschlittern. Die Schnauze des Busses durchbrach krachend das Geländer der Brücke und hing bedrohlich in der Luft. Der Truck verkeilte sich zwischen dem Bus und der Mittelbegrenzung. Ein kleines Stück der Stoßstange des Sattelschleppers, das abgerissen war und nun an dem Greyhound hing, war alles, was den Bus und seine Insassen vor einem Sturz in den Fluss bewahrte.
„Bleibt sitzen, bewegt euch nicht!“, rief Daryl Miller, Klassenlehrer und Exkursionsleiter der 12. Jahrgangsstufe der Luthor-High. Er wischte sich mit der Hand über die Stirn und bemerkte eine warme Flüssigkeit am Kopf. Er blickte seine rotverfärbte Hand an und schloss daraus, dass er verletzt war. Doch das hatte Zeit, jetzt galt es erstmal, die Klasse zu beruhigen.
„Ist jemand verletzt?“ Eine unnötige Frage, einige von ihnen hatten sich gestossen, oder waren von irgendwelchen Gegenständen getroffen worden. Die Schüler hoben ihre verletzten Gliedmassen und zeigten die Verletzungen an ihren Körpern. Manche bluteten, aber es schien nichts Ernsthaftes zu sein. Und alle wussten, dass ihnen das Schlimmste noch bevorstand. Denn sollte die Stoßstange noch weiter abreissen, würden sie alle in die eiskalten Fluten des River stürzen. Und dort wären die Überlebenschancen sehr gering.
„Okay, hört zu, wir dürfen uns jetzt nicht bewegen. Jede Erschütterung kann uns in den River stürzen lassen, und das sollten wir doch lieber vermeiden“, sagte Daryl und versuchte, etwas Lockerheit in seine Stimme zu legen, doch er war ziemlich angespannt. Sie alle befanden sich in einer lebensbedrohlichen Situation, und niemand von ihnen hatte Erfahrung damit.
„Mr Miller, der Fahrer, ich glaub, den hat's erwischt“ sagte eines der Mädchen, dem Blut von der Wange tropfte. Sie zeigte nach vorne und Daryl drehte sich um. Der Fahrer lag mit dem Kopf im zersplitterten Seitenfenster. Auf dem Lenkrad und am Fenster war Blut.
Geschockt sprang Daryl auf, um dem Mann zu helfen, worauf der Bus sich sofort knarzend und quietschend bewegte. Alle schrien auf, während Daryl augenblicklich erstarrte und sich dann langsam wieder hinsetzte.
„Ganz ruhig, hört auf zu schreien, es ist alles okay“, rief Daryl, doch die Panik im Bus schaukelte sich weiter hoch. „Seid endlich still und bewegt euch nicht!“ Seine Worte gingen in den panischen Schreien der Teeanger unter. Sie hatten Angst. Todesangst. Und sie wollten endlich alle aus dem Bus raus. Doch jeder Versuch würde sie alle das Leben kosten.
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