Verlogen - (Teil 2)

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16
Ben Jäger Semir Gerkhan
16.01.2017
23.10.2019
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Hi, da bin ich wieder.  Es geht weiter.  Mal sehen, was so rauskommt:) Danke für´s Lesen und bitte, bitte Rewiews:)
Viel Spaß








„Jäger ist geflohen“ Noch immer hallten Frau Krügers Worte in Semirs Kopf wieder. Ben war geflohen. Gut und jetzt? Sollten sie ihn suchen oder darauf warten, bis er sich erneut stellt?, dachte Semir sarkastisch. Eigentlich saß er ja hier auf seinem Bürostuhl um Berichte zu schreiben. Aber er konnte sich auf die von ihm gehasste Aktenarbeit einfach nicht konzentrieren. Zu oft schweifte er zu Ben ab. Semir konnte es nicht erklären aber auf eine unwirkliche Weise beschlich ihn ein Gefühl der Angst. Irgendetwas in ihm drin sagte, dass etwas überhaupt nicht stimmte. Doch der Polizist achtete nicht weiter darauf, schließlich war ja wirklich nicht alles in Ordnung. Ben war ein Mörder... Hatte sich irgendwo hin abgesetzt, war geflohen. Frau Krüger sagte, dass er beim Transport abgehauen ist und wie es aussieht Fluchthilfe hatte. Niemals. Niemals hätte Semir soetwas, was sich in den letzten Wochen ereignet hat, erwartet. Was war nur aus Ben geworden? Seinem ehemaligen Partner, besten Freund? Den lebenslustigen für jeden Scheiß offenen Ben, dessen Augen nur so glänzten vor Charme und Fröhlichkeit. Nichts, rein gar nichts hatte Ben jemals so verändert, wie er es sich nun hatte. Der Tod von Saskia, das lebendig begraben sein, der Tod von Laura. Nichts von dem hatte Ben so innerlich einstürzen lassen. Auch wenn Semir es nicht zugeben wollte - Natürlich tat Ben ihm leid. Verdammt sie waren beste Freunde, Partner. Und das Ben sich so verändert hatte, lies auch den kleinen Türken nicht kalt. Nur wollte er seine Fassade aufrecht halten. Aber war es noch so, nach allem was passiert ist. Waren sie noch Freunde? Semir wusste es nicht, aber bei dem Gedanken daran Ben zu verlieren krümmte sich sein Herz zusammen. Zu viele Freunde hatte er verloren, durch den plötzlichen Tod und nun sollte er Ben, seinen besten Freund wegen soetwas verlieren? Nein....Jedenfalls nicht so einfach, beschloss der Hauptkomissar. In dem Moment erfüllte ihn Tatendrang, er musste etwas tun. Ob Ben jetzt schuldig war oder nicht..., er musste ihn finden und endlich mal mit ihm reden...Aber diese ständige Frage nach dem Wieso befölkerte immer mehr Semirs Kopf und ließ ihn keinen klaren Gedanken fassen. Verdonnerte den kleinen Türken immer dazu genau zu überlegen und das Herz-Denken beiseite zuschieben. Wieso hatte Ben soetwas getan?

Ein Klopfen an der Tür riss Semir aus seinen verworrenen Gedanken. Hartmut steckte den Kopf durch die Tür: „Semir...alles okay?“, fragte er stockend. Semir nickte schwerfällig: „Was gibt es?“ Hartmut blickte ihn lange an, bevor er fortfuhr: „Ich hab das Video wieder herrgestellt.“ Sofort war Semir aufgesprungen, jedoch hielt er danach in seiner Bewegung inne. Wollte er es überhaupt sehen? Wie Ben flieht, ein weiteres Mal? Eigentlich war Ben nie Jemand gewesen, der vor etwas weglief. Im Gegenteil: Oft, so hatte Semir das Gefühl, suchte sein damals junger Partner sogar die Gefahr. Aber es hatte sich ja auch einiges geändert...zu „damals“.... „Das solltest du dir unbedingt mal ansehen.“, drängte Hartmut. Semirs Beine bewegten sich von ganz alleine und er folgte Einstein schließlich in Frau Krügers Büro, wo der KTUler zuvor schon alles angeschalten hatte. Als Semir eintrat, standen im Raum auch Susanne und die Chefin, auch sie hatten das Video noch nicht gesehen. „Seht euch das mal an.“, Hartmut drückte auf einen Knopf und das Überwachungsvideo der Bank spielte sich ab: -Zwei Männer betraten die Bank, der eine nahm sofort die Geisel in seine Fittiche, der andere -Ben- kümmerte sich um die Kameras, vergaß aber eine. Kurz darauf drückte der eine Ben die Geisel in die Hand und verschwand aus dem Sichtfeld der Kamera um die Tresore leerzuräumen. Ben sprach mit Frau Maier und hielt sie nicht brutal bei sich. Seine Waffe zielte auf den Boden. Der andere mit der Sturmmaske kam wieder, als er sah, wie Ben mit der Geisel umging, für seinen Geschmack sicherlich viel zu nett, wurde er wütend. Er richtete seine Waffe auf Ben und tickte völlig aus, beschimpfte ihn und schrie ihn an. Dann ging er ohne Vorwahnung auf ihn zu und hob die Waffe. Er wollte die Geisel erschießen. Im letzten Moment schlug Ben ihm gegen den Arm und konnte das verhindern. Jedoch war der Typ nun verdammt sauer und er begann auf Ben einzuschlagen. Dieser blieb standhaft und versuchte so gut es ging, die Geisel aus der offensichtlichen Gefahr zu schaffen. Die Polizei traf ein und die beiden verschwanden mit der Geisel. -  Semir starrte immer noch gebannt auf den Bildschirm. Oh mein Gott, war das einzige was er denken konnte. Ein Schritt vor...zwei zurück, wie Bonnie es gesagt hatte. Das „Wieso“ verschwand für einen Moment aus Semirs Kopf und ein „Was“ trat an dessen Stelle. Was war das denn bitte? Nur ein Konflikt zwischen Komplizen? Oder aber ein Hinweis darauf, dass....Semir schluckte, als er darüber nachdachte. ….dass Ben ziemlich in Schwierigkeiten steckte... War seine Angst vielleicht berechtigt? „Also, ich weiß ja nicht, aber das Ganze ist irgendwie komisch.“, erläuterte Harmut und blickte in die Runde. „Was meinen sie?“, fragte Frau Krüger. Der Angesprochene wog den Kopf hin und her und schien kurz darüber nachzudenken: „Irgendetwas ist eigenartig...Wahrscheinlich ist dieser Angriff des Unbekannten auf Ben nur ein Konflikt zwischen Komplizen. Aber ich fühl mich nicht wohl bei der Sache...“ Susanne nickte zustimmend: „Ich auch nicht...Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir irgendwas übersehen haben.“ Semir war also mit seinem Gefühl nicht allein. Ja, die Sache war verdammt komisch, denn wieso sollte Ben fliehen, wenn er sich gerade erst gestellt hatte? „Herr Gerkhan? Was denken sie?“ Semir blickte hoch und sah seine Chefin an. Erst nach einigen Sekunden antwortete er: „Er war in seiner Wohnung, im Proberaum und sogar hier...Die Orte, an denen ich ihn am meisten vermuten würde...Das macht keinen Sinn. Ebenso wenig, dass...“, er hielt kurz inne, wollte den Namen gar nicht aussprechen, „dass Ben geflohen ist.“ In Kims Mimik arbeitete es. Als Dienstellenchefin musste sie die Befehle erteilen, also was nun? Ja, sie mussten eindeutig etwas übersehen haben. Denn Plötzlich schien es nicht mehr so sicher, dass Jäger schuldig war. „Ok, dann werden wir jetzt wohl einiges zu tun haben.“, sagte sie dann. „Frau König, hat sich das Krankenhaus schon gemeldet?“ Susanne verneinte... „Hm...Herr Freund, sie werden sich nochmal in seiner Wohnung umsehen, alles genau Untersuchen...Bonrath und Frau Dorn werden die Nachbarn erneut befragen und Gerkhan, denken sie nach. Sie kennen ihn von uns allen am besten, wenn er also geflohen sein sollte, wo könnte er sein?“ Alle nickten und traten aus dem Büro. Schnell informierte Susanne Bonnie und Jenny, was ihre Aufgaben waren, dann machte auch sie sich an die Arbeit. Sie beschloss nocheinmal nach allem zurecherchieren, was nur irgendwie möglich war und Druck im Krankenhaus zu machen.

Wiedermal dachte Semir angestrengt nach. Frau Krügers Gedanke war gar nicht so blöd. Natürlich kannte er Ben von allen hier am besten und wie man ja bemerkt hat, dachte Ben wohl nicht daran die Orte zu meiden, an denen man ihn am meisten vermuten würde. Oder war es Absicht? Die gleiche Frage, wie im Proberaum. Ben war nicht dumm, er wusste wo Semir als erstes nach ihm suchen würde. Und trotzdem hat er sich dort aufgehalten, versteckt,...was auch immer. Dann kam Semir eine Idee: Das Wochenendhaus von Bens Vater. Ben war oft mit Julia, seiner kleinen Schwester dort gewesen. Ein Versuch war es wert. Sofort schnappte er sich seine Jacke, rief zu Susanne: „Ich werde mal in dem Wochenendhaus von seinem Vater nachsehen.“ und verließ die PAST. Schon saß er in seinem geliebten Dienstwagen. Wo das Wochenendhaus lag, wusste er durch Zufall. Denn Ben hatte auch ihn mal mit dorthin genommen. Damals waren Semirs Familie und Ben zusammen im Urlaub. Das Haus war nicht weit entfernt, außerdem lag es ziemlich abgelegen, also ein gutes Versteck. Semir startete den Motor und fuhr vom Gelände der Autobahnpolizei. Den schwarzen Wagen, der ihm folgte, bemerkte er nicht.


Das war´s erstmal wieder. Gute Nacht euch;)
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