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Liebesgeflüster?

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Dr. Geoff Standish Kate Wellings/Standish
16.01.2017
24.02.2017
6
17.145
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24.02.2017 4.374
 
Pünktlich um zwölf Uhr fuhr Jimmy Geoff und Kate zur Landebahn.
„Ach Doc, vielen Dank für Ihren Tipp und Ihre Hilfe mit dem alten Harry.“
„Hat er mit Ihnen geredet?“ fragte Geoff.
„Was viel wichtiger ist, was kam dabei heraus?“ fragte wiederum Kate. Beide sahen gespannt zu Jimmy.
„Naja, es ist noch nicht ganz spruchreif. Also kein Handschlag oder so. Aber im Moment sieht es so aus, als wäre unser Angebot eine große Erleichterung  für ihn. Er will jedoch eine Nacht drüber schlafen und mit der Familie reden.“
„Das klingt doch erstmal ganz gut. Oder?“ fragte Geoff vorsichtig.
„Ja, ich meine seine Söhne sind beide in die Großstadt. Einer in Brisbane und der andere in Canberra. Es sieht nicht so aus, als hätten sie großes Interesse an der Farm. Auf diese Weise könnte Harry zumindest erstmal finanziell weiter überleben und hätte nicht mehr so viel Arbeit.“
„Was jedoch auch weniger Einnahmen sind.“
„Ja, das schon, aber mit dem Geld von uns wird das trotzdem noch eine Weile reichen. Ich habe ihm einen guten Preis gemacht.“
„Das habe ich früher oft von George Baxter gehört.“ Ließ Kate hören.
„Kate, willst Du mir jetzt in den Rücken fallen? Ihr habt uns doch den Vorschlag gemacht und zu dem Gespräch geraten.“ Jimmy war verwirrt.
„Nein, um Gottes Willen. Ich wollte Dich nicht mit Baxter vergleichen. Tut mir leid, wenn das so rüber kam. Die Zeit mit Baxter hat mich scheinbar negativ geprägt. Entschuldige. Ich weiß ja, dass Ihr es tatsächlich gut meint und ein ehrliches Angebot gemacht habt.“
Geoff warf Kate einen verstohlenen Seitenblick zu. Ihre Aussage ließ er lieber unkommentiert. Er konnte immer noch nicht verstehen, was sie damals an diesem Kerl gefunden hatte. Kate bemerkte Geoffs Blick, war ihm aber sehr dankbar, dass er sich eines Kommentars enthielt. Sie erinnerte sich nicht gern an diese Zeit.
„Ach, ist schon in Ordnung.“ Beschwichtigte Jimmy. „Ich weiß ja, dass Du dir immer Gedanken um das Wohlergehen aller hier machst. Ich verspreche Dir, der alte Ryan bekommt gutes Geld.“
Kate lächelte ihn verlegen an und blickte dann aus dem Fenster. Die Landebahn kam in Sicht.
„Oh, Gabby ist schon da.“ Versuchte Geoff abzulenken und die Stimmung wieder anzuheben.
Jimmy hielt neben dem Flugzeug. Schnell wurde alles in die Maschine verladen.
„Ach Doc, ich habe  noch was von Laura für Sie.“ Und reichte Geoff einen Zettel. Geoff sah ihn fragend an, faltete den Zettel auseinander und grinste.
„Jimmy, wenn Sie das nächste Mal schlachten, brauche ich ein paar Steaks.“ Grinste er den jungen Farmer an.
Der zwinkerte „Na klar doch.“ Und hob zum Abschied die Hand, als das Flugzeug anrollte.
Im Flugzeug hatte Kate ihren Stammplatz eingenommen und sah nachdenklich aus dem Fenster.
„Ich hoffe, er nimmt es mir nicht übel.“
Geoff sah sie an. „Ich denke nicht. Immerhin hast Du ihm ja auch den Vorschlag unterbreitet. Das hat er nicht vergessen. Er weiß, dass Du dir nur Sorgen um deren Leben und Auskommen machst. Beruhige Dich, bitte mach Dir nicht zu viele Gedanken.“ Geoff schaute sie aufmunternd an. Kate atmete einmal tief durch und hoffte, dass er Recht behielt.


Und er sollte Recht behalten.
Zwei Tage später kam der alte Harry mit seiner Frau Ruth und auch Jimmy nach Crossing. Nach dem sie ihre Geschäfte erledigt hatten, luden die Ryans Jimmy ins Pub ein.
„Luke, ich schmeiß‘ ‚ne Runde. Eine Freibier für alle!“ rief er laut von der Eingangstür aus. Geoff und Kate aßen gerade Mittag und sahen verwundert auf. Jimmy sah sie und ging direkt zu ihnen. Ruth folgte ihm.
„Doc, Kate. Ich möchte Euch noch danken für eure Hilfe.“ Sagt Jimmy zu den beiden und Ruth ergänzte
„Ja, wir auch. Ohne Sie hätten wir vielleicht alles verkaufen müssen. Aber mit Jimmy haben wir jetzt eine tolle Vereinbarung treffen können. Es hilft uns ungemein weiter. Und der Preis. Er ist ein guter Junge, der weiß, dass es auch auf die Menschen ankommt und nicht nur um den billigsten Preis.“ Ruth strahlte. Kate sah verlegen zu Jimmy. Er bemerkte den Blick, lächelte und sagte:
„Ich habe da noch nette Grüße von Laura im Kofferraum. Leider haben wir daheim so viel zu tun, dass sie nicht mitkommen konnte.“
Geoff lachte kurz auf. „Und es wird noch mehr.“
„Ja, das wird es.“ Engegnete Jimmy. „Wir werden bald Hilfe auf der Farm brauchen. Wenn Die Herde erstmal größer ist, schaffe ich das nicht mehr alleine. Und Laura muss noch viel am Haus bei den Kindern bleiben.“
Kate überlegt und holte Luft:
„Wie wäre es mit Nick Cardaci. Er ist ein zuverlässiger Arbeiter.“
Luke brachte ihnen gerade die Getränke und meinte
„Wenn es wirklich noch etwas dauert, dann könnte ich auch helfen.“
Geoff und Kate sahen ihn erstaunt an. Geoff runzelte die Stirn und meinte:
„Luke, Sie haben doch das Pub.“
Doch Luke zuckte nur mit den Achseln und wandte sich erneut an Jimmy.
„Mein Angebot steht. Ein Pferd bringe ich auch noch mit.“
Inzwischen war Harry am Tisch angekommen und hatte sich gesetzt. Er wechselte einen Blick mit seiner Frau und sagte nach einer stummen Übereinkunft zu Jimmy:
„Sofern es unsere müden Muskeln zulassen, können wir Euch auch unter die Arme greifen. Ruth bei den Kindern und ich bei den Rindern.“ Und mit einem Lächeln „Wir haben es ja nicht weit.“
Jimmy war ganz überwältig von den Angeboten und wusste gar nichts mehr zu sagen. Ihm standen vor Dankbarkeit Tränen in den Augen. Geoff lächelte und versuchte etwas abzulenken.
„Jetzt erzählen Sie doch mal, wie sie übereingekommen sind.“ Und sah die drei neugierig an. Kate sah ihn  überrascht von der Seite an. Geoff fragte nach Details? Das kannte sie so gar nicht von ihm. Normalerweise war ihm sowas egal.
Harry meldete sich zu Wort.
„Jimmy fragte nach unserer Nordweide. Zumindest nahc der Hälfte davon und bot den doppelten Preis. Damit hätten wir locker unsere Schulden alle bezahlte und bequem die nächsten fünf Jahre weiter wirtschaften können.“
„Er kam freudestrahlend von dem Gespräch heim und berichtete mir alles. Wir telefonierten mit den Jungs und besprachen uns gemeinsam. Da diese immer noch kein Interesse an der Farm haben, hatten wir einen ganz anderen Vorschlag für Jimmy.“ Ergänzte Ruth und Kimmy sprach weiter
„Sie gaben mir die gesamte Nordweide für ein Drittel mehr. Und Vorkaufrecht für den Rest der gesamten Farm.“
Kate staunte nicht schlecht. In diesem Moment wusste sie sehr genau, dass ihre Zweifel unberechtigt waren. Geoff bemerkte ihre Gewissensbisse und fasst unauffällig unter dem Tisch nach ihrer Hand und drückte sie. Kate sah ihn dankbar an.
„Und wie geht es jetzt für Sie weiter?“ richtete sie sich an Jimmy.
„Oh, jetzt muss ich erstmal wieder etwas Geld reinholen. Ich werde den Markt beobachten und ein Teil der Schafherde zu einem hoffentlich guten Preis verkaufen. Von dem Geld hole ich mir einen neuen Bullen. Der Ertrag vom Getreide geht in zwei oder drei neue Zuchtkühe. Aber das wird etwas Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin schaue ich, ob ich von meinen weiblichen Kälbern auch einige für die Zucht behalten werde.“
Geoff blickte ihn ehrfürchtig an. Harry nickte
„Der Junge ist gut. Er versteht nicht nur was von Farmarbeit sondern auch von der Wirtschaft.“ Er schaute Jimmy etwas wehmütig an und dachte an seine eigenen Söhne, die kein Interesse an der Landwirtschaft hatten.
Geoff meldete sich wieder zu Wort:
„Ich möchte nicht unhöflich sein, aber unsere Pause ist gleich rum und wir müssen zurück. Jimmy, ich wünsche ihnen alles Gute. Mrs und Mr. Ryan“ grüßte er sie und erhob sich. Kate verabschiedete sich ebenso und folgte ihm. Jimmy erhob sich ebenfalls:
„Doc, Ihr Päckchen!“ rief er und ging ebenfalls nach draußen um es Geoff zu geben. Dieser bedankte sich höflich und ging mit Kate weiter.
„Na, was das wohl ist?“ grinste er Kate an.
„Oh, ich vermute ein halbes Rind.“ Grinste sie zurück.
„Hast du heute Abend schon was vor?“ wagte er sich wieder einmal vor.
„Nein, bis jetzt noch nicht.“
„Wollen wir dann das halbe Rind verputzen?“ Kate lächelte verschmitzt.
„Aber nur, wenn wir es auch zusammen zubereiten. Vielleicht kann ich ja noch was von Dir lernen.“ Und sie gingen grinsend weiter. Zu gerne hätte Geoff ihre Hand genommen. Aber am helllichten Tag und mitten auf der Straße… Da musste er sich dann wohl doch bis heute Abend zurückhalten. Als er seinen Blick über die Straße schweifen ließ, sah er Paula und wusste, dass er richtig gedacht hatte. Sie beobachtete sie sehr genau.


„Kate, kommst Du mit ins Pub? Irgendwie haben wir nichts gescheites mehr zu essen im Haus.“ Rief Paula durch die Wohnung. Kate steckte ihren Kopf in die Küche.
„Nein, ich bin bei Geoff. Wir haben von Laura und Jimmy Fleisch geschenkt bekommen, als Dankeschön für unsere Hilfe. Das wollten wir uns heute Abend schmecken lassen, bevor es verdirbt.“
„Soso, bei Geoff. Ihr hängt in letzter Zeit viel zusammen ab.“ Bemerkte Paula.
„Du und DJ etwa nicht?“ konterte Kate. „und wenn Dich der leere Kühlschrank stört, geh einkaufen. Du bist dran.“ Und ließ damit eine unzufriedene Paula stehen. In Gedanken klopfte sie sich für diesen Schachzug auf die Schulter. Grinsend ging sie ins Bad sich frisch machen.
„Och Kate, kann ich nicht mitkommen? Ich habe so einen Hunger. Und das Fleisch von Laura und Jimmy soll echt der Brüller sein.“
„Oh ja, das ist es.“ Machte Kate Paula neidisch „Tschüss Paula“ und verschwand grinsend durch die Tür. Heute fuhr sie mit dem Auto.
Als sie bei Geoff ankam, erwartete er sie schon an der Tür. Er strahlte über das ganze Gesicht und Kate lächelte ihn ebenso strahlend an.
„Hallo Kate, willkommen in meinem bescheidenen Heim.“ Grüßte er sie.
„Hallo!“ grüßte sie zurück.
Er machte Platz und ließ sie eintreten. Als sie an ihm vorbei ging, gab er ihr noch einen zarten Kuss auf die Wange. „Schön, dass du da bist.“
Kate schaute zu ihm auf und sie sahen sich tief in die Augen. Als sie weiter ging erzählte sie über die Schulter:
„Paula war schon wieder verdammt neugierig. Leider kam ich auch nicht umhin, ihr zu erzählen, dass ich hier bin. Sie wollte mich ins Pub entführen.“
„Was hast Du ihr gesagt?“
„Dass wir verabredet sind. Und auf ihr Nachhaken habe ich sie auf ihr  ständiges Zusammensein mit DJ hingewiesen und dass sie doch auch nur Freunde wären.“ Sie blickte zu Geoff. „Ich hoffe, dass sie uns damit erstmal in Ruhe lässt.“
Geoff ging zu ihr und überlegte, ob er sie in den Arm nehmen sollte. Er entschied, erstmal nur ihren Oberarm zu streicheln.
„Das hoffe ich auch.“
Und Kate ließ sich an seine Brust fallen. Freudig überrascht nahm er sei in den Arm. Nach einer Weile hauchte er ihr einen Kuss auf den Scheitel und sagte:
„Komm, lass uns das Essen machen, bevor die Gerüchteküche noch mehr brodelt, weil Du zu lange weg bist. – Nicht, das ich Dich nicht gerne bei mir habe, aber… Du weißt ja.“ Kate sah ihm in die Augen und nickte. Er gab ihr noch einen hauchzarten Kuss auf die Stirn und ließ sie dann frei. Kate holte tief Luft. Zu gerne wäre sie in seinen Armen geblieben.
„Ja, Du hast Recht. Also, was machen wir jetzt tolles aus dem köstlichen Fleisch?“
„Smokeys Rindfleischwürfel mit Kürbis.“
„Hmm klingt köstlich.“
„Ja, ist es auch. Allerdings dauert die normale Zubereitungszeit zweieinhalb Stunden.“
„WAS?! Bis dahin bin ich ja verhungert.“ Kate schaute Geoff erschüttert an.
„Keine Sorge. Ich lasse meinen Sonnenschein schon nicht verhungern.“ Grinste er sie an.
„So? Was hast Du denn so für mein Leib- und Seelenwohl zu bieten?“ Schäkerte Kate. Geoff sah sie einen Moment zögernd an, beugte sich vor und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
„Der war für Dein Seelenwohl.“ Hauchte er. „Für Dein leibliches Wohl dachte ich an eine Vorspeise. Scheiben vom Rumpsteak auf Feldsalat.“
„Hmm klingt sehr verlockend.“ Schmunzelte Kate. „Lass uns anfangen.“
Geoff drehte sich schmunzelnd zum Kühlschrank und holte das Fleisch raus und sagte zu Kate:
„In der Schublade direkt vor Dir liegen die Messer.“
„Oh, wow! Was für eine Auswahl.“ Staunte Kate nicht schlecht, als sie die vielen Messer sah.
Geoff lächelte, zuckte mit den Schultern und meinte „Das ist noch wenig. Geh mal zum richtigen Sternekoch.“ Und trat mit dem Fleisch und den Salat wieder zu ihr. Kate sah ihn amüsiert an und lenkte dann ab.
„Also, was kann ich machen?“
„Möchtest Du den Salat waschen oder lieber Fleisch schneiden?“
„Gib mir den Salat. Damit kenne ich mich aus.“ Nahm sich diesen und ging zur Spüle.
Geoff nahm sich ein Messer und begann das Fleisch zu schneiden. Erst zwei Scheiben für die Rumpsteaks und den Rest in Würfel. Kate war derweil mit dem Salat fertig. Und nahm sich den Kürbis vor. Was allerdings eine ganz schöne Arbeit war. Als Geoff sah, wie Kate sich mit dem Kürbis abmühte meinte er
„Gib ihn mir und schneide Du das Fleisch weiter.“
Das ließ Kate sich nicht zweimal sagen. Erstaunt betrachtete sie das Fleisch.
„Was ist das da außen drum?“
„Eine Kräutermischung. Das Geheimrezept von Laura. Ich hoffe, ich habe es auch so hinbekommen.“
„Hat sie es Dir echt verraten?“
„Ja, Jimmy gab mir den Zettel mit dem Rezept, als wir dort abflogen. Erinnerst Du dich?“
„Oh ja, ich erinnere mich noch zu gut. „ ließ Kate niedergeschlagen hören. Geoff sah bei ihren Worten auf. Als er ihren betrübten Gesichtsausdruck sah, ging er zu ihr und nahm sie Tröstend und aufmunternd in den Arm.
„Hey, hör auf Dir Vorwürfe zu machen. Du hast es nur gut gemeint und leider zu schlechte Erfahrungen gemacht.“ Er ließ den Namen Baxter bewusst weg. „Du hast die Ryans heute gehört, Es geht ihnen gut. Und wenn Jimmy ein schlechtes Angebot gemacht hätte, würden sie sich bestimmt nicht als Hilfe anbieten.“ Kate atmete tief durch.
„Vermutlich hast Du Recht.“
„Nicht nur vermutlich.“ Lächelte sie aufmunternd an, strich ihr über die Wange und gab ihr ein Kuss auf die Stirn.
„Na komm, lass uns weiter machen. Ich möchte ja nicht, dass Du mir verhungerst. Dann habe ich ja nichts mehr von Dir.“ Schmunzelte er. Kate schaute ihn dankbar an und lächelte. Dann wandten sich beide wieder ihrem Essen zu.
„Ich hoffe, Jimmy übernimmt sich nicht mit der Farm und der Plan geht auch auf.“ meinte Kate
„Ja, das wäre schon dramatisch, wenn der Markt jetzt doch einbricht. Aber, so wie ich ihn die Tage kennen gelernt habe, weiß er, was er tut. Und Laura passt mit auf.“
Kate war schließlich fertig mit dem Fleisch und nahm sich die Zwiebeln vor.
„Ich bin immer wieder froh, dass ich einen anderen Beruf habe. Kranke und Verletzte gibt es immer. Ich brauche mir keine Gedanken machen, ob ich nächsten Monat noch genug zu essen auf den Tisch bekomme.“ Schniefte sie. Geoff sah sie erstaunt an.
„Aber Katie, das ist doch kein Grund zu weinen.“
„Ich weine ja auch nicht wegen Jimmy, sondern wegen der Zwiebeln.“ Ließ sie sich leicht verärgert hören. Geoff schmunzelte, nahm ein Küchentuch und ging zu ihr. Er nahm ihr das Messer ab, drehte ihr Gesicht und wischte ihre Tränen ab.
„Ich glaube, ich sollte Dir mal eine Methode zeigen, wie man Zwiebeln schneidet ohne Tränen.“ Raunte er leise lächelnd.
„Das geht doch gar nicht.“
„Doch, das geht.“ Widersprach Geoff. Nahm ihr Messer, säuberte es und drehte sich wieder zu ihr. Sie wollte schon zur Seite treten, da nahm er sie in den Arm, drehte sie zur Arbeitsfläche, stand dicht hinter ihr, drückte ihr Zwiebel und Messer in die Hand und legt von hinten sein Hände auf ihre und sein Kinn auf ihre Schulter. Kate war überrascht und ihr lief ein wohliger Schauer über den Rücken. Es fühlte sich verdammt gut an, in seinen Armen zu sein und ihn so nah zu spüren. Vorsichtig blickte sie in sein Gesicht. Geoff hatte ihre Gänsehaut sehr wohl bemerkt und sah ihr tief in die Augen. Er beugt sich vor und gab ihr einen zärtlichen Kuss. Kate schloss ihre Augen und erwiderte den Kuss. Zu dem Schauer gesellten sich Schmetterlinge.
Nach einer ganzen Weile lies Geoff ihren Mund wieder frei und fragte mit belegter Stimme und Blick auf die Zwiebel:
„Bereit?“
„J… j… ja… ja, klar… Kann los gehen.”
Geoff lächelte und hauchte einen Kuss auf ihre Wange, bevor er sich wieder der Zwiebel zuwandte. Während er ihre Hände führte erklärte er:
„Du darfst bei Zwiebeln nicht zu stark drücken. Nur ganz sachte drücken, dafür aber mehr schneiden. Das geht auch nur dann gut, wenn das Messer richtig scharf ist. Durch den Druck wird die Zwiebel zu stark gequetscht und der Saft tritt zu stark aus. Und mit ihm die Dämpfe.“ Und während er erklärte und Kate beim Schneiden führte, merkte sie, dass sie tatsächlich nicht mehr weinen musste und war ganz erstaunt. Offensichtlich konnte er nicht nur gut kochen.
„Lernt man das auch in Kochschulen?“
„Da weniger, aber in den Restaurants. Wenn Du den ganzen Abend Zwiebeln schneiden musst, ist es verdammt schlecht, wenn Du nur am Heulen bist.“ Erzählte er schmunzelnd. „Also lernt man als erstes die Schnitttechnik für Zwiebeln.“ Und gemeinsam schnitten sie die nächste Zwiebel. Kate fand mittlerweile Gefallen an ihrem Tun und ihrer Haltung und wurde etwas betrübt, als Geoff fragte:
„Kommst Du alleine weiter klar?“
„Ja, ich denke schon. Ich muss jetzt nicht auch den ganzen Abend Zwiebeln schneiden?“ fragte sie.
„Zu Deinem Glück brauchen wir nur drei.“ Antwortete Geoff grinsend und verschwand im Nebenraum. Als er wiederkam, hatte er eine Flasche Rotwein in der Hand.
„Nein, für mich heute bitte nicht. Ich bin mit dem Auto da.“
„Och schade. Warum denn das? Ich dachte, ich bringe Dich mit einem schönen Spaziergang wieder heim. So wie letztes Mal.“ Und zwinkerte ihr zu. „Der Wein ist für das Fleisch zum Kochen.“
Damit holte Geoff einen Topf aus dem Schrank und schmiss den Herd an.
„Magst Du das Fleisch anbraten? Dann kann ich den Knoblauch noch schneiden.“ Fragte Geoff.
„Ja natürlich. Gibt es da keine Besonderheiten?“
„Nicht wirklich, und ich bin ja da. Der Topf muss nur richtig heiß sein, bevor Du das Fleisch dazu gibst.“
„Ai Ai Captain.“ Und salutiert mit dem Kochlöffel. Lachend arbeiteten sie weiter.
Als alles im Topf war und vor sich hin köchelte und Geoff die Steaks briet, lehnte Kate sich mit ihrem Glas an den Tresen und beobachtete ihn. Sie sah sein Strahlen, seinen Enthusiasmus und seine Freude und lächelte während sie ihn weiter anschaute.
Als er die Steaks aus der Pfanne nahm, sagte sie:
„Lass mich Dir helfen.“ Und gemeinsam richteten sie den Salat auf den Tellern an. Und beim Tisch decken schäkerten sie miteinander rum. Sie hatten beide viel Spaß und genossen ihre Zweisamkeit. Das Steak war lecker und mundete beiden hervorragend. ‚Wo soll das nur hinführen, sollten wir wirklich mal zusammen sein?‘ dachte Kate und sagte dies auch laut:
„Wenn das so weiter geht mir uns, brauche ich bald neue Kleidung.“
„Ach was, ich nehm Dich dann immer mit zum Joggen.“ Schmunzelte Geoff. Als Kate mit den Augen rollte meinte er weiter:
„Glaub mir, das verbrennt ungemein viele Kalorien und es beflügelt Deine Laune. Ich bin zwar nach dem Joggen körperlich fix und fertig, aber seelisch geht es mir richtig gut.“ Kam er ins Schwärmen.
„Oh ja, das habe ich erlebt. Ich denke da noch an unsere gemeinsame Jogging- und Fahrradtour mit meinem gebrochenen Hals.“ Entgegnete Kate. Geoff grinste sie verlegen an. Die Aktion war wohl damals nicht gut angekommen.
„Ich werde Dir auch nicht wieder Dein Fahrrad abnehmen.“
„Oh, das ist verdammt gut, denn es wird sicherlich kein nächstes Mal geben. Ich gehe dann doch lieber reiten.“ Stichelte Kate.
„Jetzt muss ich passen. Ihr seid zu schnell und ich fange bestimmt nicht an mit Reiten.“
„Warum nicht? Hier draußen kann jeder reiten. Verkaufe Deinen Wagen und kauf Dir ein Pferd.“ Geoff wurde es unbehaglich. Er wusste, dass sie Recht hatte. Der Wagen war schon cool, aber hier draußen völlig ungeeignet.
„Mit einem Pferd an Deiner Seite hast D auch immer einen Freund an Deiner Seite.“
„Mein Auto scheut aber nicht und wirft mich ab, wenn der Kühler hoch geht.“
„Das mag sein, aber weiter kommst Du damit auch nicht.“
Und so ging es die ganze Zeit weiter. Beide hatten sie ihren Spaß und ruckzuck waren die Stunden rum und sie konnten sich ihrer Hauptspeise widmen. Geoff machte noch die Kartoffelspalten, servierte ihnen das Essen und goss beiden trotz Kates Protest den Rest vom Wein ein.
„Ist doch nicht mehr viel.“ Und Kate ließ resigniert die Luft aus ihren Lungen und schüttelte den Kopf während die Geoff ansah. Der wiederum grinste sie an.
„Willst Du mich besoffen machen?“
„Nein, ganz und gar nicht. Du willst mir doch etwa nicht erzählen, dass Du von dem einen Schluck besoffen wirst. Was warst Du dann letztes Mal? Da haben wir sehr viel mehr getrunken.“
„Vergiss nicht, da konnte ich ausschlafen und hatte einen freien Tag. Ganz andere Voraussetzungen.“
Trotzdem nahm sie ihr Glas und sie prosteten sich zu.
„Auf Jimmy, Laura und ihre Pläne.“ Sagte Geoff
„Auf Jimmy, Laura und ihre Pläne.“ Wiederholte Kate. Und dann ließen sie sich ihr Essen schmecken.
„Mmmmmh, das ist wirklich vorzüglich.“ Schwärmte Kate.
„Ja, und das Fleisch ist wirklich hervorragend im Geschmack und butterzart.“
„Du bist wirklich ein sehr guter Koch. Das muss ich wieder einmal feststellen.“
„WIR. Du hast mir geholfen. Vergiss das nicht.“
„Hast Du eigentlich auch mal ein Essen versaut? Also ich meine nicht vor der Kochschule, sondern als Du schon in Restaurants gearbeitet hast.“
„Oh ja, das habe ich. Es war auch noch ein wichtiges Essen. Luigi hatte noch betont, was für eine wichtige Kundschaft das wäre. Au man, war das peinlich…“ und Geoff lachte bei der Erinnerung.
„Was ist passiert?“ fragte Kat neugierig und musste jetzt schon lachen.
„Naja, durch Luigis Hektik wurde ich auch nervös und der neue Küchenjunge erst. Ich selbst habe eigentlich nur die falsche Menge Gewürze in die Pastete gemacht. Ich hatte das Koma in dem Rezept überlesen. Es war dann etwas zu scharf. Aber der Brüller war der neue Küchenjunge. Ich glaube, er hatte noch nie einen Kochlöffel in der Hand. Ich sagte zu ihm, er solle mir die Eier trennen. Ich bräuchte nur das Eigelb. Kate, das hättest Du sehen sollen.“ Geoff bekam schon wieder Pipi in den Augen vom Lachen.
„Er hat tatsächlich die Eier über einer anderen Schüssel aufgeschlagen und dann mit der Schale versucht, die Eigelbe raus zu fischen. Also bekam er erstmal eine Crashkurs in Eier trennen.“ Auch Kate stimmte jetzt herzhaft in sein Lachen ein.
„Aber damit nicht genug. Als nächstes sollte er die Schüssel mit den Eigelben in einen Topf mit heißem Wasser stellen und diese dann aufschlagen. Was tat er? Er kippte das Eigelb in das Wasser und begann dieses fleißig zu verrühren.“ Beide lachten sich die Seele aus dem Leib.
„Und dann die Krönung. Er sollte die Eiweiße mit der Küchenmaschine zu Schnee verarbeiten. Er kippte alles in die Schüssel, nahm das Rührteil und fing an dieses mit der Hand zu drehen.“ Kate bekam langsam Seitenstechen vom Lachen.
„Ich dachte mir dann, okay, wir probieren noch etwas ganz einfaches. Er sollte Vanilleschoten aufschneiden und das Mark rauskratzen. Die brauchte ich für die Panna Cotta. Hat er auch einwandfrei gemacht. Dann hat er die Schoten in die Sahne geschmissen und als ich nach dem Mark fragte, zeigte er mir ein Küchenkrepp, das er gerade fortschmeißen wollte.“ Sie lachten eine ganze Weile weiter. Sie bekamen sogar einen richtigen Lachflash. Nach einer gefühlten Ewigkeit, schnappte Kate atemlos nach Luft und wischte sich ihre Tränen fort.
„Ich vermute mal, er war nicht lange in der Küche.“ Meinte sie, als sie sich wieder etwas beruhigt hatten.
„Nein, wir durften beide an dem Abend packen.“
„Tut mir leid.“ Sagte Kate.
„Mir nicht. Luigi war ein Arsch und der Tag der beste in meiner Kochkarriere.“ Erwiderte Geoff lachend. Und sie grinsten sich an.
Dann warf Kate einen Blick auf die Uhr. „Oh verdammt, schon so spät. Ich sollte lieber heimfahren. Schließlich haben wir beide morgen Frühdienst. Und an Paulas Gerede will ich lieber gar nicht erst denken.“ Und erhob sich mit diesen Worten vom Tisch. Geoff bedauerte ihren Aufbruch, konnte sie aber verstehen.
„Ich brinde Dich noch raus zum Auto.“
„Ach, das ist doch nicht nötig.“
„Doch.“ Meinte Geoff und ging mit ihr. Am Auto angekommen wollte er ihr die Tür öffnen, hielt aber nochmal inne und sah sie an.
„Ruf an, wenn Du zuhause angekommen bist.“ Sagte er leise zu Kate. Sie sah ihm erstaunt in die Augen. Geoff legte seinen Arm um ihre Hüfte und ergänzte leise:
„Ich möchte nur wissen, dass es Dir gut geht. Ich könnte sonst nicht schlafen.“ Gerührte lächelte Kate ihn an, hob ihre Hand an seine Wange du antwortete leise:
„Das mache ich.“ Geoff lächelte nun ebenfalls. Dann beugte er sich leicht vor und gab ihr einen kurzen aber sehr zärtlichen Kuss. Schließlich öffnete er die Autotür und ließ sie einsteigen. Kate schaute nochmal zu ihm auf, hob grüßend die Hand und fuhr davon. Geoff sah ihr nach, bis er ihre Rücklichter nicht mehr sehen konnte. Dann blickte er zum Himmel und sah ihre Sterne. ‚Ob ich wohl alles richtig mache? Ich versuche ihr zu zeigen, wie wichtig sie mir ist, wie sehr ich sie liebe. Wann immer sie will verbringe ich Zeit mit ihr. Ob ihre Wunden wohl bald verheilt sind?‘ Er wusste, dass er noch weiter um sie kämpfen und dennoch geduldig bleiben muss. Er holte tief Luft und ging zurück in sein Haus.
Kate dachte während der Fahrt auch an Geoff und blickte ebenfalls zu den Sternen. Sie wusste genau, das er wirklich alles gab und doch versuchte sie nicht zu bedrängen. Sie wusste aber auch, dass sie sich bald würde entscheiden müssen. Lange konnte man keinen Mann hinhalten, egal wie sehr er eine Frau liebte – auch Geoff nicht. Hin- und hergerissen fuhr sie weiter. Daheim angekommen machte sie als erstes ihr Versprechen wahr und rief Geoff schnell an.
„Hallo Geoff, ich wollte Dir nur Bescheid sagen, dass ich zuhause bin.
„Ah, sehr schön. Dann kann ich jetzt beruhigt schlafen gehen. Danke schön. Und Kate?“
„Ja Geoff?“
„Gute Nacht und angenehme Träume.“
Kate lächelte in sich hinein und antwortete verträumt
„Danke Geoff. Dir auch.“ Und legte auf. Gedankenverloren ging sie weiter in Richtung Bad. Sie bemerkte nicht, dass Paula sie aus ihrem Zimmer beobachtete.
‚Und ich sage Dir Luke, da ist sehr wohl was im Busch. Da läuft was.‘
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