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Liebesgeflüster?

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6 / Gen
Dr. Geoff Standish Kate Wellings/Standish
16.01.2017
24.02.2017
6
17.145
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17.02.2017 3.401
 
Geoff saß auf einem Ast und schaute ins Tal und beobachtete, wie der Tag sich langsam verabschiedete. Die Sprechstunde war anstrengend gewesen. Die letzte Nacht war sehr schön, allerdings forderte sie jetzt ihren Tribut. Er war fix und fertig und überhörte die Schritte hinter sich. Er war ganz in seinen Gedanken versunken und zufrieden beim Beobachten der Rinder.
„Hi.“ Erklang es leise hinter ihm. Und er schrak total zusammen.
„Oh, Hi Kate. Ich habe Dich gar nicht gehört. Entschuldige bitte.“ Und er blickte sie schuldbewusst an. Kate schmunzelte.
„Ist schon okay. Darf ich mich zu Dir setzen?“
„Aber klar doch.“
Als Kate sich gesetzt hatte fragte sie:
„Und wie viele sind es?“
„Was?“ Kam völlig verständnislos von Geoff.
„Die Rinder. – Wie viele sind es?“
„Oh“ lachte Geoff verlegen. „Ich weiß nicht. Die bewegen sich zu viel. Da kann mich vernünftig zählen.“ Versuchte er sich rauszureden. Kate sah zu den friedvoll grasenden Rindern und grinste nur spöttisch.
Geoff sah auch wieder zu den Rindern und wurde melancholisch.
„Weißt Du Kate, mit jedem Tag mehr hier draußen wird mir immer mehr bewusst, was man als Stadtkind alles versäumt. Nehmen wir mal die Rinder. Du kannst wahrscheinlich auf einem Blick sagen, wie viele es sind. Ich bräuchte bestimmt eine Woche um sie alle zu zählen. Und damit ich nicht doppelt zähle müsste ich sie auch noch markieren.“
„Bitte nach Geschlechtern getrennt. Rosa für die Mädchen und blau für die Bullen.“ Scherzte Kate.
Geoff sah sie ungläubig an und fiel in ihr Lachen ein.
„Dafür habt Ihr doch bestimmt andere Sachen ausgeheckt. Auch Stadtkinder spielen.“ Sie sah ihn erwartungsvoll an. Geoff wusste genau, dass sie jetzt einen Schwank aus seiner Kindheit hören wollte und überlegte.
„Eigentlich gibt es da nicht wirklich abenteuerliches zu erzählen. Wir haben mit Klingelzügen die Nachbarn verärgert, waren auf Bolzplätzen unterwegs, Fahrradtouren durch die Nachbarschaft, Versteckspiele im Hafen oder die Schiffe beobachtet. Ich habe auch viel im Garten geholfen oder durch kleine Gefälligkeiten ein bisschen Taschengeld verdient. Als ich älter wurde, hatte ich schon kleine Jobs. Ich wollte mir mein Studium verdienen und für die Familie sorgen. Du siehst, so richtig viele Untaten kommen nicht auf meine Stadtkindheit.“
Er sah Kate an, rutschte an sie heran und legt freundschaftlich den Arm um sie, bevor er fortfuhr
„Aber mit Dir an meiner Seite kann ich ja noch vieles nachholen.“ Und grinste Kate an. Sie blickte zu ihm auf und lächelte zurück.
„Geoff“ meinte sie nach einer Weile leise „ich denke wir müssen vorsichtiger sein.“
„Was? Mit was denn?“ fragte Geoff ahnungslos.
„Paula hat mir heute Morgen ganz schöne Löcher in den Bauch gefragt über meinen Verbleib und verspätetes Kommen.“
„DJ mir auch. Meinst Du, es ist doch aufgefallen, dass wir zusammen waren?“
„Ich habe keine Ahnung. Aber wir müssen vorsichtiger sein. Sie reden miteinander. Und Paula ist verdammt neugierig. Da sie jetzt auch noch bei mir wohnt, macht es nicht leichter.“ Jetzt sah sie Geoff bittend in die Augen.
„Ich möchte nicht, dass wir ins Gerede kommen. Es werden schnell Dinge hineininterpretiert, wo nichts ist.“
Die letzten Worte trafen Geoff ‚wo nichts ist.‘ Er schloss betroffen die Augen und drehte seinen Kopf weg.
„Ja, Du hast Recht, wir müssen vorsichtiger sein.“
Kate hatte seine Reaktion bemerkt und stutze. Sie fasste sein Kinn und drehte seinen Kopf zu sich.
„Was ist los? Habe ich was Falsches gesagt?“ fragte sie, nachdem sie die feuchten Augen von Geoff gesehen hatte. Geoff sah sie an, holte tief Luft, seufzte und sah zur untergehenden Sonne.
„ich dachte,…“ setzte er an „ich glaubte,…“ und brach wieder ab, holte nochmal tief Luft „ Ich hatte das Gefühl, dass ich dieses Mal bis jetzt alles richtig gemacht hatte und wir uns wieder ein bisschen besser verstünden.“ Er sah ihr wieder in die Augen „Ich glaubte, doch noch eine Chance bei Dir zu haben.“ Er blickte zu Boden, stand auf und ging ein paar Schritte weg.
„Deine letzten Worte haben mir gezeigt, dass ich mir falsche Hoffnungen gemacht habe.“
Kate seufzte, stand auch auf und ging zu ihm. Jetzt hatte sie ein schlechtes Gewissen. So war es von ihr doch gar nicht gemeint, das musste sie ihm klar machen. So legte sie sich ihre Worte zurecht und trat vor ihn. Sie griff nach seiner Hand und sah ihm in die Augen:
„Geoff, so war das von mir nicht gemeint.“ Sie wartete auf eine Reaktion von ihm. Als er sie ansah, holte sie tief Luft und fuhr fort.
„Die letzten Tage und die letzte Nacht, waren wunderschön. Ich habe sehr wohl bemerkt, dass Du dir wirklich alle Mühe gibst. Jetzt gib bitte nicht auf.“ Flehte sie ihn an. Bei den nächsten Worten sah sie zu Boden „Du hast mein Herz wieder zusammen geflickt.“
„Chirurgenhände.“ Warf Geoff flüsternd ein, was ein Lächeln auf Kates Gesicht zauberte.
„… aber die Wunden brauchen noch um zu heilen und die Narben um zu verblassen.“ Jetzt trat sie an ihn heran und legte eine Hand an seine Wange. „Das ist jetzt geduldige Schwesternarbeit. Sowas braucht Zeit.“ Geoff blickte ihr in die Augen, atmete tief ein und nickte schließlich. Kate gab ihm einen zarten Kuss. „Und solange ich noch meine Zeit brauche, möchte ich keine Gerüchteküche. Schon gar nicht von Paula angestachelt.“ Geoff verstand sie jetzt sehr gut. Nickte und schloss sie zärtlich in die Arme. So standen sie eng umschlungen und blickten zum Sonnenuntergang. Geoff war glücklich und traurig zugleich. Er hatte erfahren, dass noch nicht alles verloren war, aber Kates Heilungsprozess würde noch dauern. Leider gab es dafür kein medizinisches Handbuch, wo man Symptome und Behandlungsmethoden nachschlagen konnte. Ein gebrochenes Herz braucht Zeit, ganz viel Pflege und noch mehr Liebe. Geoff dachte nach, während er Kate über den Rücken streichelte. Zeit konnten sie sich nehmen. Pflegen konnte er ihr Herz auch, aber wie sollte er es mit der Liebe anstellen, wenn ihr Verstand sich wehrte?
Nach einer geraumen Zeit meinte Kate:
„Ich glaube, wir sollten langsam wieder zurück. Jimmy und Laura warten bestimmt schon auf uns. Und die Kinder müssen ins Bett.“
Geoff atmete einmal tief durch, bevor er sie mit den Worten
„Ja, da hast Du wohl Recht.“ Aus seinen Armen entließ. Die plötzliche Leere ließ beide frösteln. Sie schlenderten gemütlich zurück zum Farmhaus.
„Ich denke, ich werde heute wohl auch nicht mehr allzu lange aufbleiben. War ein anstrengender Tag.“
Kate sah ihn an und schmunzelte
„Du meinst wohl eher, es war eine zu kurze Nacht für so einen Tag.“ Geoff sah sie an und schmunzelte ebenfalls.
„Kurz ja, aber eine schöne Nacht. Das hebt das Kurze wieder auf.“ In diesem Moment musste Kate gähnen.
„Du siehst aber auch müde aus.“
„Danke für die Blumen.“ Entgegnete Kate. „Aber ja, Du hast recht. Ich bin auch ganz schön müde. Und morgen geht es wieder früh weiter. Wie viele haben sich für morgen angemeldet?“
„Oh, ich glaube zwanzig. Dazu kommen die kleineren Notfälle.“
„Das ist schon eine ganz schöne Menge bis Mittag.“ Bemerkte Kate kritisch.
„Ja, das stimmt wohl. Aber wir zwei sind doch ein Superteam. Es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht schaffen.“ Sie grinsten sich an und gingen schweigend weiter.

Im Farmhaus hielt Laura am Küchenfenster nach den beiden Ausschau. Als sie sie sah stutze sie.
„Hey Jimmy, komm mal her. – Siehst Du auch, was ich sehe?“ fragte sie ihn, als er neben ihr stand.
„Ja, Kate und den Doc.“ Jimmy sah seine Frau verständnislos an und ging zurück zum Tisch, um seinen Jüngsten weiter zu füttern.
Laura sah ihm Kopf schüttelnd nach. ‚Typisch Mann‘ und blickte dann wieder zu den beiden. Selbst auf diese Entfernung konnte sie die knisternde Luft zwischen dem Doc und der Krankenschwester sehen. ‚Warum auch nicht? Irgendwie passen sie gut zusammen. Ich wünsche es Kate.‘ Dann ging auch Laura zum Tisch, um ihrem Ältesten zu helfen. Ihre zwei Racker waren ihr ganzer Stolz.
In dem Moment betraten ihre Gäste die Küche.
„Oh, entschuldigt. Wir haben wohl die Zeit aus den Augen verloren.“ Kate blickte schuldbewusst zu Laura.
„Ach, ist doch nicht schlimm. Die Kinder gehen auch ohne euch ins Bett. Setzt euch doch. Noch ist das Essen warm.“
„Vielen Dank.“ Kam es von Geoff und Kate wie aus einem Mund.
„Hmm, das duftet aber gut. Was hast Du wieder tolles gezaubert Laura?“ Die Angesprochenen lächelte Kate an.
„Lasst es euch schmecken.“
Unauffällig aus den Augenwinkeln beobachtete Laura das Verhalten von Kate und Geoff weiter.
Geoff griff nach der Wasserkaraffe und goss ihnen beiden ein, während Kate ihnen Salat und vom Fleisch auftat. ‚Wie ein altes Ehepaar. Und die Blicke zwischen den beiden…‘ dachte Laura bei sich und grinste.
„Wie läuft die Farm?“ fragte Geoff an Jimmy gewandt.
„Es könnte schlechter sein. Die Wollpreise sind wieder gefallen. Gott sei Dank haben wir noch das Getreide und die Rinder. Der Markt ist zurzeit ganz gut. Wir können eigentlich nicht klagen. Anderen Farmen geht es schlechter.“
„Ich habe gehört die Ryans müssen verkaufen.“ Warf Kate ein.
„Ja, das ist mir auch zu Ohren gekommen. Aber noch ist wohl nichts spruchreif. Der alte Harry sagt keinen Ton. Ich würde ihm gerne etwas Weideland abkaufen.“
„Haben Sie ihn denn schon direkt gefragt?“ wollte Geoff wissen.
„Nein, nicht direkt. Ich habe ihn noch nicht unter vier Augen erwischen können. Ich möchte keine Zuhörer.“
Geoff sah Kate an. “Steht Harry nicht für morgen auf unserer Liste?“
„Ja, ich meine, er hat sich angemeldet.“ Und zu Jimmy „Das wäre doch die Gelegenheit. Nehmen Sie ihn zur Seite und fragen Sie.“
„Ein Versuch ist es wert. Aber ob er viel sagen wird. Er ist und bleibt ein verschlossener alter Bock, der lieber seine Farm untergehen lässt, statt erstmal ein Stück zu verkaufen.“ Kate nickte zustimmend, doch Geoff enthielt sich einer Meinung, da er Harry nicht so gut kannte.
„Es wäre schon toll, noch etwas mehr Weideland zu haben. Unsere Rinder brauchen viel Platz.“ Ließ sich Laura vernehmen. Dann wandte sie sich an ihre Kinder.
„Na los ihr zwei. Dann wollen wir uns mal waschen und dann ab ins Bett.“ Mit diesen Worten nahm sie Jimmy den 14 Monate alten Ben ab und scheuchte ihren dreijährigen Jason vor sich her. Als sie durch die Tür ging, warf sie nochmal einen Blick zurück. Sie sah gerade noch, wie Kate und Geoff von ihr zu sich selbst sahen und verliebte Blicke tauschten. Sie lächelte und fühlte sich in ihrer Annahme bestätigt. Aber sie würde es für sich behalten. Schließlich gab es bestimmt einen Grund, warum sie es noch nicht öffentlich zeigten.
Währenddessen ließen sich Geoff und Kate weiter ihr Essen schmecken.
„Wollt Ihr ein Bier?“ fragte Jimmy.
„Oh, vielen Dank, nein. Ich bin total erledigt. Wenn ich jetzt noch ein Bier trinke, schlafe ich auf dem Stuhl ein.“ Bedankte sich Kate.
„Eins würde ich schon nehmen. Vielen Dank. Aber dann verschwinde ich auch in mein Bett.“ Sagte Geoff und fragte dann „Das Fleisch ist übrigens vorzüglich. Ist es von Ihren Rindern?“
„Ja.“ Antwortete Jimmy. „Und Laura hat ihre ganz eigene Methode das zuzubereiten. Das gibt dann diesen besonderen Geschmack. Damit gewinnen wir auch immer die Fleischhändler als Kunden.“ Mit diesen Worten zwinkerte Jimmy Geoff zu. „Die Nachfrage wird größer. Wir müssen die Herde auch vergrößern. Darum brauchen wir mehr Weideland. Ich könnte zwar die Anbaufläche für Mais und Weizen verkleinern, aber die Preise sind auch gut und sehr stabil.“
„Reden Sie morgen mit dem alten Harry. Ich kann ihn zu Ihnen schicken, wenn er bei uns fertig ist.“
„Ja, das ist eine gute Idee. Dann kann ich unter vier Augen mit ihm reden.“ Ganz in Gedanken legte sich Jimmy schon seine Worte zurecht. Kate und Geoff hatten mittlerweile aufgegessen. Ganz vorsichtig, um Kate nicht zu verschrecken und Jimmy nicht auf sich aufmerksam zu machen, griff er unter dem Tisch nach Kates Hand. Sie blickte kurz erstaunt zu ihm, dann schnell zu Jimmy und hielt seine Hand mit einem Lächeln fest.
Laura kam nochmal kurz runter und meinte durch die Tür
„Ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel, wenn ich auch in mein Bett verschwinde. Ich bin total müde.“
„Nein, nein, ist schon okay. Laura. Ich komme gerade mit Dir hoch. Ich bin auch fertig.“ Erwiderte Kate, drückte kurz Geoffs Hand unter dem Tisch und stand auf. „Gute Nacht ihr zwei.“ Und lächelte Geoff an.
„Gute Nacht Kate, schlaf gut.“ Sagte Geoff zu ihr. „Gute Nacht Laura, morgen müssen Sie mir unbedingt Ihr Rezept für das Fleisch verraten.“
Laura grinste „Mal sehen.“ Und ging zusammen mit Kate. Sie hatte deren Hände sehr wohl bemerkt. ‚Soll ich Kate drauf ansprechen?‘
„Ihr versteht Euch gut, Du und der Doc.“
„Im Moment verstehen wir uns ganz gut, ja. Aber wir hatten auch schon andere Zeiten. Da haben wir uns ständig in den Haaren gehabt. Naja, jeder hat mal Höhen und Tiefen. Aber die Zeit schweißt uns als Team doch sehr zusammen.“
‚Aha, ständig streiten, Höhen und Tiefen… Das klingt sehr eindeutig.‘
„Und privat? Ich meine, Ihr seht Euch ja nicht nur im Krankenhaus, der Zentrale oder auf Touren. Ihr trefft Euch doch sicher auch mal als Kate und Geoff.“
„Naja, eigentlich nur zum Abendessen oder Feierabendbier im Pub. Und das zufällig, nicht extra verabredet. Oder wenn wir so wie heute mal auf einer Farm übernachten. Aber sonst eigentlich nicht. Nein.“
Laura glaubte ihr nicht so ganz, bohrte aber auch nicht weiter nach. Sie spürte, dass da mehr war, aber sie merkte auch, dass Kate nicht reden wollte.
„Na dann, da ist Dein Zimmer. Gute Nacht Kate. Sollte noch was fehlen, bin dir direkt gegenüber.“ Und zeigte auf die andere Flurseite. „Sollte es über Nacht laut werden, dann ist das der Doc neben Deinem Zimmer oder der Hund vor der Tür.“ Kate lachte.
„Keine Sorge, ich weiß aus erster Hand, dass Geoff nicht schnarcht.“ Ooops, das hatte sie doch gar nicht sagen wollen. Kate biss sich auf die Lippen und warf Laura einen verstohlenen Blick zu. Laura hatte sie verstanden, tat aber so, als hätte sie es nicht gehört. ‚Aha, also doch…‘ dachte sie sich nur.
Kate könnte sich ohrfeigen. Wie konnte ihr das nur rausrutschen? Am liebsten würde sie im Boden versinken. Da das nicht ging, verschwand sie schnell in ihr Zimmer, schloss die Tür und schlug sich die Hände vor das Gesicht.
„Oh Gott. Wie konnte mir das nur passieren? Was wird Laura jetzt von mir denken?“ Sie setzte sich auf ihr Bett und lauschte auf Geoffs Schritte.
Als sie nach einer halben Ewigkeit Schritte und Stimmen hörte, schlich sie zu ihrer Tür. Als ein Paar der Schritte bei der benachbarten Tür angekommen waren, öffnete sie leise ihre Tür.
„Geoff?“ flüsterte sie in die Dunkelheit.
„Ja?“ kam es genauso leise zurück. Kate tastete nach seiner Hand und zog ihn in ihr Zimmer.
„Kate? Was ist los? Alles in Ordnung?“ fragte Geoff ganz erstaunt.
„Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht.“ Kam es leise von Kate. Sie wollte nicht, dass andere Ohren im Haus sie hörten. Geoff wurde ganz mulmig, er wusste nicht, was er davon halten sollte. Kate entzündete nur eine Kerze, da sie nicht zu viel Licht verteilen wollte. Es reichte, um sich und Gegenstände zu sehen. Sie winkte Geoff zu sich und setzte sich auf den Bettkante. Geoff setzte sich behutsam und mit sorgenvoller Miene neben sie.
„Es tut mir furchtbar leid. Ich weiß auch nicht, wie mir das passieren konnte. Ich bin doch so ein dummer Esel.“ Fing Kate völlig aufgelöst an. Geoff rutschte zu ihr, nahm ihr Gesicht in beide Hände.
„Kate, sieh mich an. Was auch immer passiert ist, Du bist kein dummer Esel.“ Als sie ihn ansah fuhr er fort. „Erzähl mir doch erstmal, WAS überhaupt passiert ist.“
Kate holte zitternd Luft. „Ich habe uns verraten, ich habe unsere gemeinsame Nacht erwähnt. Ich bin doch so ein Dussel. Vorhin sage ich noch, dass wir vorsichtiger sein müssen und dann plappere ich alles raus.“
„Kate, Katie! Beruhige Dich. Was genau hast Du denn verraten?“ Geoff streichelte mit den Daumen über ihre Wangen. Er hatte schlimmeres befürchtet und lächelte innerlich. Er fand es gar nicht so schlimm, erinnerte sich aber, welche Haltung sie dazu hatte. Das hatte sie damals im Motel in Broken Hill zu seiner Knieoperation ziemlich deutlich gemacht.
„Erzähl mir genau, was ihr geredet habt.“
„Laura hat gemeint, wenn es über Nacht laut wäre könnten das nur Du nebenan oder der Hund vor der Tür sein. Und ich sagte ihr, dass ich aus erster Hand wisse, dass Du kein Schnarcher bist.“ Jetzt lächelte Geoff wirklich. Er nahm Kate in den Arm, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und meinte:
„Dann sollten wir uns jetzt eine harmlose gemeinsame Nacht ausdenken, die wir gut nach draußen verkaufen können.“
Kate sah ihn dankbar an. Und da Geoff ja gerade an das Motel gedacht hatte, überlegte er auch nicht weiter:
„Wie wäre es mit den zwei Nächten im Motel von Broken Hill. Du warst in Deinem Bett, ich in meinem und die Verbindungstür war offen. In der ersten Nacht stand ich unter Einfluss von Schmerzmitteln und es lief nichts und in der zweiten Nacht noch die Nachwirkungen von der OP und Narkose. Da lief auch nichts. Und das ist noch nicht mal gelogen.“
„Bis auf die Schmerzmittel.“ Entgegnete Kate, war aber total erleichtert, dass er sie und ihre Sorge ernst nahm und sich ehrliche Gedanken machte. „Danke Geoff.“ Hauchte sie. Er lächelte sie an, beugte sich zu ihr und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
„Für Dich immer. Jetzt solltest Du aber wirklich schlafen, sonst bist Du morgen völlig erledigt.“ Ließ Geoff verlauten.
„Oh, vielen Dank , Herr Doktor.“ Schnappte Kate, aber mit einem Grinsen im Gesicht.  Geoff strich ihr liebevoll über die Wange und eine Strähne aus dem Gesicht bevor er sich erhob.
„Gute Nacht Kate. Träum süß.“ Und ging zur Tür.
„Gute Nacht Geoff“ rief Kate leise in die Dunkelheit, bevor er verschwand. In seinem Zimmer angekommen, entzündete er auch nur eine Kerze, entkleidete sich und öffnete das Fenster. Dort stand er noch eine Weile und betrachtete den sternenklaren Himmel.
„Gute Nacht Kate, meine Liebe. Träume süß, ich träume jetzt von Dir.“ Sagte er in die Nacht hinein. Was er nicht wusste, dass Kate ebenfalls an ihrem Fenster stand und ihn gehört hatte. Verblüfft sah sie hinaus und rüber zu ihm, aber er war nicht zu sehen. Sie schüttelte den Kopf. Nein, er konnte sie nicht gesehen haben. Lächelnd blickte sie noch einmal zu ihrem Stern und ging dann zu Bett. Lächelnd schlief sie innerhalb weniger Minuten ein.


Zur gleichen Zeit im Pub.

„Hey DJ.“
„Ah hey Paula. Auch endlich Feierabend?“
„Das kannst Du aber laut sagen. Ist ganz schön viel Arbeit so alleine die Anmeldung und Röntgenabteilung zu schmeißen. Luke, machst Du mir ein Bier?“
„Klar doch. Kommt sofort.“
„Danke, Luke.“ Und zu DJ „Hast Du noch was aus dem Doc rausbekommen wegen heute Morgen?“
„Nein, er meinte nur, er wäre lang auf gewesen und hätte vergessen, seinen Wecker zu stellen. Danach haben wir nicht mehr darüber geredet.“
„Klingt plausibel.“ Meinte Paula nachdenklich. „Kate war doch die ganze Nacht weg. Angeblich mit dem Auto liegengeblieben wegen Spritmangel. Und ihr hätte heute Morgen ein fremder aus Brisbane ausgeholfen.“
„Klingt genauso plausibel,“ meinte DJ und sah Paula ratlos an. „Worauf willst Du hinaus?“
„Ich meine, was ist, wenn sie zusammen unterwegs waren?“
„Paula, sie sind erwachsen und können machen was sie wollen.“ Meinte DJ immer noch nicht auf der Höhe, worauf Paula hinaus wollte.
„Ja ja, ich weiß. Ich meine, wenn sie nicht als Freunde unterwegs sind sondern…“
„… als Paar?“ fragte DJ. „Der Doc und unsere Kate? Das glaube ich nicht. Das hätten wir doch bemerkt.“
„Naja, und wenn sie es nicht wollen, dass wir es merken und wissen? Findest Du es nicht merkwürdig, dass sie beide sich verspäten und dann zeitgleich auftauchen?“ fragte Paula.
„Woher wollt Ihr denn überhaupt wissen, dass da was ist.“ ließ Luke verlauten. „Ich denke nicht, dass die zwei was miteinander haben. Und falls doch, werden sie es uns schon noch früh genug wissen lassen.“
Paula und DJ sahen ihm nach. Dann beugte sie sich zu DJ und flüsterte:
„Und ich sage Dir, dass da doch was ist.“
„Woher willst Du das so genau wissen?“ entgegnete DJ. „Weißt Du etwas, was ich nicht weiß?“
Paula haderte gerade mit sich selbst. Sollte sie erzählen, was sie da neulich nachts gesehen hatte? Und wenn nun doch nichts zwischen den beiden lief?
„Nein, ich weiß nicht viel mehr. Ich fand es nur merkwürdig.“
DJ sah sie verwundert an. Normalerweise bohrte sie solange weiter, bis sie alle Einzelheiten wusste. Dieser plötzliche Sinneswandel machte ihn schon stutzig, dachte sich jedoch ‚Mädels halt‘.
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