Bis(s) zum Sonnenuntergang

GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
15.01.2017
16.03.2019
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„Guten Morgen Magda.“ Ayden lief fröhlich an ihr vorbei. „Morgen Liebes. Gut geschlafen?“ „Sehr gut“, erwiderte Ayden. „Hast du Jasper gesehen?“ „ Er ist mit Garret unterwegs. Im Wald.“ „ Okay. Verstehe.“ Ayden wartete neben der Kaffeemaschine. „Möchtest du auch einen?“ „ Ich bevorzuge einen Pfefferminztee.“ „ Okay. Mach ich dir.“ Während der Kaffee durchlief, setzte Ayden den Wasserkocher an. Während sie darauf wartete, dass das Wasser heiß genug ist, dachte sie an letzte Nacht zurück. Sie war noch lange mit Jasper aufgeblieben. Sie hatte ihm die neue Vorhersage von Magda erzählt. Anschließend genoss sie eine Rückenmassage wobei sie einschlief. Als der leuchtende Knopf des Wasserkochers ausging, griff sie zur Tasse und goss das heiße Wasser ein. Anschließend ging sie zu Magda und überreichte den Tee. „Und was ist mit Carlisle?“ „ Er ist bei Cindy. Er kam die ganze Nacht nicht mehr nach unten.“ „Hoffentlich geht es ihr heute besser.“ „ Sie wird die übliche Katerstimmung haben.“ „ Ich werde ihr auch mal einen Tee machen.“ Erneut begab sich Ayden in die Küche um neues Wasser aufzusetzen. „Und Montag wieder Uni?“ „ Ja. Ich glaube für zwei Wochen und dann geht’s wieder ins Praktikum.“ „Ich hoffe, dass du gut hinterher kommst.“ „ Du hast vorausgesagt, dass ich eine tolle Ärztin werde, also werde ich demnach auch gut hinterher kommen.“ Ayden lachte. „Ich habe doch alle Mitschriften bereits übernommen. Die Zeit kann sehr lang und einsam werden, wenn man den ganzen Tag zu Hause sein muss.“ „Das verstehe ich natürlich.“ Als das Wasser heiß genug war und Ayden eine weitere Tasse ergriff, trat auf einmal Cindy hinter einer Ecke hervor. Sie trug eine schwarze Leggings und einen schwarzen Oversize Sweater der Marke Adidas. Ihre Haare hatte sie zu einem lockeren Zopf gemacht. „Morgen“, brummte sie und setzte sich an den Tisch. Ayden brachte ihr sofort den Tee. „Danke.“ „Wie geht’s dir?“, fragte sie fürsorglich nach und setzte sich zu ihr. „Wie soll es mir schon gehen“, erwiderte Cindy. Ihre Hände umklammerten stur die Tasse. „Mir tut der Kopf weh und mein Bauch krampft. Willkommen im neuen Jahr.“ Ayden tauschte einen flüchtigen Blick mit Magda aus. „Ähm … möchtest du vielleicht was essen? Brötchen oder Toast?“ „ Danke das ist wirklich nett von dir aber ich bin zufrieden wenn ich meine Ruhe habe.“ Ayden lächelte leicht und sah ihrer Freundin nach, die geradewegs Richtung Flur lief. „Wo willst du hin?“ „Mir meine Jacke holen.“ „ Und dann?“ „Frische Luft schnappen. Ich bin kurz auf dem Dach.“ Wieder sah Ayden zu Magda, die kurz darauf nickte. „Okay aber bleibe bitte nicht zu lange.“ „Werde ich schon nicht.“ Als Cindy in ihrer Jacke steckte griff sie zu ihrem Tee. „ Danke nochmal.“ „Gern geschehen.“ Als Cindy verschwunden war, tauchte Carlisle auf. „Guten Morgen Carlisle“, begrüßte Ayden ihn. „Morgen Ayden … Magda.“ „Wir müssen reden Carlisle.“ „ Gerne. Wenn du willst können wir gleich in mein Arbeitszimmer gehen.“ „Magda lachte leicht. „Garret und Cindy müssen dabei sein.“ „ Willst du ihr das jetzt wirklich antun?“ „Wir wissen beide, dass es geschehen muss. Garret hat einen Fehler gemacht, dass sehe ich ein aber wir müssen darüber reden. Ich muss heute auch wieder zurück nach Silverdale. Morgen habe ich schon neue Termine.“ „ Wieso verschieben wir das Gespräch nicht einfach.“ „ Weil es nun an der Zeit ist. Außerdem habe ich noch eine neue Zukunft für sie.“ „ Erspar ihr lieber irgendwelche Details. Sie ist am Ende.“ „ Und genau aus diesem Grund müssen wir reden.“ „Darf ich dabei sein?“ Ayden unterbrach beide nur ungern, doch wenn es um ihre Freundin ging, wollte sie gerne helfen und dabei sein. „Nein. Das ist eine Sache die nur den dreien etwas angeht. Es ist lieb gemeint aber ich möchte bitte alleine mit ihnen reden.“ „ Alles klar.“ Ayden nahm es hin. Sie vertraute Magda. Nachdem sie zwei Toast und eine Schüssel Müsli gegessen hatte, begab sie sich auf Jaspers Zimmer. Er schien immer noch mit Garret auf der Jagd zu sein. Ayden öffnete ein Fenster um frische Luft ins Zimmer zu lassen. Der Tag war trüb, nur vereinzelt schaffte die Sonne es durch die graue Wolkenfront. Bei leiser Musik im Hintergrund machte Ayden das Bett und räumte etwas auf. Leise summte sie die Melodie mit. Sie fühlte sich innerlich glücklich. Sie war zufrieden mit sich und der Welt. Gerne hätte sie ihrer Freundin von dieser Gelassenheit etwas abgeben. „Hier steckst du.“ Als Ayden sich umdrehte, stand Jasper in der Tür. Sie lächelte ihm freudig zu. „Hey.“ Jasper näherte sich langsam und legte einen Arm um ihre Hüfte. Er zog sie dicht an sich. An ihm hafteten die Kälte und der Geruch des Waldes. Er küsste sie sanft. Seine Lippen waren kühl. Ayden unterbrach den Kuss um ihn anzusehen. „Stimmt was nicht?“ „ Ich hatte mir das irgendwie anders vorgestellt.“ Jasper sah sie fragend an. „Du warst jagen und hast Blut getrunken aber ich schmecke rein gar nichts.“ Jasper fing an zu lachen und drückte sie an sich. „Ach Ayden.“ „Was?“ „Interessiert wie eh und je. Wenn du Blut schmecken willst, nehme ich dich nächstes Mal gerne mit.“ „Nein danke. Ich war noch nie ein Fan von diesem metallischen Geschmack. Schmeckt es für euch anders?“ „ Schwer zu sagen. Du bist froh, wenn das brennen in der Kehle verschwindet. Ich würde schon behaupten, dass es metallisch schmeckt. Natürlich können wir unseren Geschmackssinn nicht vergleichen.“ „Stimmt auch wieder.“ Jasper neigte seinen Kopf um sie erneut zu küssen. Ayden erwiderte den Kuss und trat einige Schritte nach hinten. Sie vergrub ihre Hände in seinem Haar. Langsam fielen sie auf das gemachte Bett. Jaspers Hände glitten über ihre Oberschenkel und anschließend wieder zu ihrem Rücken. Als seine Lippen sich von ihrem Mund lösten, wanderten sie zu ihrem Hals. Ayden kicherte leicht. Es kitzelte. Sein Griff wurde fester. Aydens Herz schlug schnell. Erneut küsste er sie innig. Ihm gefiel ihr schneller Herzschlag. Ayden führte kreisende Bewegungen über seinen Rücken aus. Er roch so gut. „Warte.“ Jasper unterbrach den Kuss und setzte sich auf. „Wir sollten noch warten.“ Ayden setzte sich ebenfalls auf. „Tut mir leid. Ich wollte nicht.“ „Schon okay“, meinte er und zog sie an sich. „Es ist nur. Du bist menschlich und ich … ich bin halt anders. Ich bin zwar frisch genährt aber trotzdem reizt mich dein Blut. Dein schneller Herzschlag animiert mich.“ Ayden verspürte auf einmal leichte Furcht. „Deine Angst ist berechtigt.“ „ Nein! Ich habe keine Angst.“ „ Du musst dich nicht herausreden. Ich spüre es.“ Etwas betrübt sah Ayden zu Boden. „Sei nicht traurig.“ „Ich bin nicht traurig“, murmelte sie leise und stand auf. Sie begab sich zur Tür um diese zu schließen. Als sie sich zu ihm umdrehte, klopfte Jasper auf seine Oberschenkel „Komm her.“ Ayden lächelte und nahm auf seinem Schoß Platz. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und schmiegte sich an ihn. „Ich liebe dich“, hauchte er liebevoll an ihr Ohr was sie zum Lächeln brachte. „Ich dich auch.“ Sie drückte ihnen einen Schmatzer auf die Wange und genoss seine Berührungen.





Als Cindy die Winterterrasse betrat, saßen Garret und Carlisle bereits am Tisch. Magda lächelte ihr zu. „Komm zu uns.“ Cindy machte kleine Schritte. Am liebsten wäre sie sofort wieder verschwunden. Garret schaute starr auf die Kugel  die vor ihm unter einem samtenen Tuch verborgen war. Carlisle lächelte ihr zu. Als Cindy Platz genommen hatte, riss Magda das Tuch von der Kugel. Ungeduldig und mit einer leichten Gleichgültigkeit in ihrem Blick, schaute Cindy durch den Raum. „Schön, dass wir es heute noch schaffen“, merkte Magda an. „Möchtest du zuerst mit Cindy alleine sprechen?“ „Nein. Ich fange mit euch dreien an. Mir gefällt die herrschende Atmosphäre nicht.“ „ Dann soll er gehen“, meinte Cindy nur, während sie die linke Ecke des Raumes fixierte. Garret schüttelte nur mit dem Kopf. „Du fühlst dich nicht verstanden … habe ich Recht?“ „ Hast du nicht. Dieser Mann hat mir mein Leben genommen. Ich bin damals ebenfalls gestorben, nur im Gegensatz zu meinen Dad der sich durch den Suizid befreit gefühlt hatte, musste ich weiterleben. Man hatte mir an diesem Tag mein Herz herausgerissen. Ich habe meine Kindheit schlagartig verloren.“ „Cindy höre mir zu …“ „ Nein Magda! Jetzt hört ihr mir alle einmal zu! Ich möchte einmal im Leben, dass mir jemand zuhört.“ „ Okay.“ Cindy zitterte. Unruhig wippte sie mit ihrem linken Knie. Besorgt sah Carlisle sie von der Seite an. „Ihr wisst gar nicht, was ich damals durchgemacht habe. Ihr kennt meine Geschichte aber ich möchte sie gerne noch einmal erzählen. Ich war mit meiner Mom im Urlaub und als wir wieder kamen fand ich ihn. Ich war ein kleines Kind.“ Cindys Lippen bebten. „Ich war noch ein Kind und schlagartig war ich kein Kind mehr. Ich habe mich leer gefühlt und niemand hat mir geholfen. Gar niemand. Ich weiß nicht wie viele Stunden ich geweint hatte. Irgendwann kamen einfach keine Tränen mehr. Ich wollte wegrennen. Einfach nur weg. Ich sollte bei einem damaligen Freund warten, der ganz in der Nähe wohnte. Ich weinte heiße Tränen. Mein Herz schmerzte. Ich habe noch nie solche Schmerzen verspürt. Ich weiß nicht wie lange ich dort saß. Irgendwann bin ich einfach aufgestanden und zurück gerannt. Da standen sie dann. Polizei und Krankenwagen. Natürlich hatten sich auch Menschen versammelt. Sie starrten mich verachtend an. Sie standen einfach da. Wie Geier die darauf warteten an einem Kadaver zu nagen. Ich war noch ein Kind. Meine Kindheit war seit diesem Tag an vorbei. Ich versuchte die nächsten Tage wieder ein normales Leben zu führen, doch ich konnte nicht. Ich habe sogar verlernt zu spielen. Ich konnte nicht mehr spielen. Die Fantasie war verschwunden und auch mein Körper zeigte mir, dass ich kein Kind mehr war. Ich wurde schlagartig erwachsen. Ich weiß noch wie ich mit starken Bauchkrämpfen auf der Toilette saß. Ich dachte man zerreißt mich innerlich. Ich bekam nur wenige Wochen nach dem Tod meines Dad´s meine Periode. Niemand hatte mir vorher gesagt, was das ist. Ich war elf Jahre. Ich bin gefangen. Das Kind in mir ist gefangen und ich merke wie es Tag für Tag versucht wieder zurückzukommen. Das Leben wird mir zu viel, ich möchte einfach wieder von vorne anfangen. Ich bin einsam, müsst ihr wissen. Ich fürchte mich vor meinen Gedanken. Ich habe Alpträume und das nicht nur wenn ich schlafe.“ Cindy holte tief Luft. Ihr ganzer Körper war angespannt. „Er ist gestorben aber stattdessen hätte ich sterben sollen. Ich wünschte ich wäre damals gestorben!“ Carlisle kniff seine Augen zusammen. „Ist es das, was ihr wollt?“, fragte er mit düsterer Stimme nach. „Ihr habt sie zerstört.“ „ Aber es hatte einen Grund gehabt“, merkte Garret an. „Was für ein Grund!“ Wieder wurde Carlisle lauter. Cindy erschrak und hätte sich am liebsten irgendwo versteckt. Sie mochte es nicht wenn geschrien wurde. „Garret hat Recht.“ „Ihr habt ihr Leben zerstört. Ihr habt dieses Mädchen zerstört! Ihr hättet zwei Leben retten können.“ „ Er wollte aber nicht!“ „Was hat das eine mit dem anderen zu tun! Dieser Mann war krank und ihm hätte geholfen werden müssen. Würdest du Cindy auch nicht retten wenn sie davor stünde sich vom Dach zu werfen?“ „Nun ja ich…“ „ Dieser Mann hätte in eine Klinik gemusst. Man hätte ihm geholfen und retten können. Du hättest sie retten können. Es mag sein, dass wir unsterblich sind und auch wir haben Schmerzen erlitten aber sie stirbt jeden Tag auf´s neue. Jeden Tag wird sie daran erinnert.“  „Es ist ein Gefühl, als lebte ich in Zeitlupe. Ich lebe in Zeitlupe und alles um mich herum bewegt sich. Wahnsinnig schnell während ich zu dem Punkt zurück will wo alles noch normal war. Zu dem Punkt als er noch am Leben war und ich Kind sein durfte. Ohne Ängste und Schmerzen. Ich kann nicht raus aus diesem Gedankengang und gleichzeitig verspüre ich den Druck, weil alle um mich herumschwirren und darauf warten, dass ich irgendwas mache. Das ich irgendwas sage oder durchdrehe oder schreie und ich würde das Spiel gerne mitmachen. Einfach meinen Text aufsagen und das machen was man eben so macht. Wenn es dazu führt, dass sich alle wohler bei der Sache fühlen. Aber ich weiß nicht … ich weiß nicht wie ich das machen soll. Ich weiß nicht wie ich dieser Mensch sein soll. Ich weiß nicht wer dieser Mensch ist. Wie konnte das alles nur passieren? Wie bin ich hier nur gelandet?“ Magda schaute Cindy in die Augen. „Weine wenn du musst und halte es nicht zurück.“ „ Ich werde nicht weinen. Wer weint zeigt Schwäche und ich bin nicht schwach!“ Cindy biss die Zähne zusammen. „Cindy höre zu.“ Garret unterbrach um ihre Reaktion zusehen. Cindy schenkte ihm keinen Blick. Sie schaute stur nach allen Seiten und tat so, als würde er nicht anwesend sein. Als wäre er Luft. „Schön. Ignoriere mich ruhig. Ich kann damit leben. Ich kam in dein Leben, weil ich dir helfen wollte. Denkst du ich habe nicht gesehen wie du all die Jahre gelitten hast?“ „Wieso bist du dann nicht schon viel eher gekommen und hast mir geholfen?“ „ Menschen dürfen nicht wissen das wir existieren … schon vergessen? Außerdem hättest du dir von einem wildfremden Menschen helfen lassen? Wohl eher kaum.“  „Wieso hast du ihn sterben lassen?“, fragte Carlisle und schaute Garret an. „Du müsstest es genauso wissen wie ich. Was hätte ich denn tun sollen? Die Volturi hatten mich die ganze Zeit schon im Visier. Hätte ich einem Menschen gerettet … ich weiß nicht ob ich heute noch leben würde.“ Cindy hob langsam den Kopf um besser in seine Richtung schielen zu können. „Die Volturi?“ „Ich bekam damals schon eine Einladung, weil ich mich einem Menschen genähert hatte und sie befürchteten, dass unser Geheimnis irgendwann ans Licht kommen würde.“ „ Mein Dad hätte nie was gesagt. Er genoss die Ruhe. Außerdem hatte er keine Freunde. Sein einziger Freund war der Alkohol.“ „ Und was ist mit dir gewesen?“ „ Was soll mit mir schon sein?  Ich war ein kleines Kind. Ich hätte mich dir nie genähert.“ „ Ich sehe das mit den Volturi ein aber wieso hast du nicht einfach Hilfe gerufen? Polizei oder Krankenwagen.“ „ Denkst du sie hätten mir zugehört?“ „ Hätten sie.“ Garret sah betrübt zu Boden. „Ich würde jetzt gerne mit Carlisle alleine reden. Kann ich euch beiden ruhigen Gewissens nach draußen schicken, ohne das ihr euch die Köpfe einhaut?“ Cindy stand einfach auf und lief Richtung Tür. „Begebe dich nicht so weit weg. Wir müssen gleich noch reden.“ „Okay.“ Cindy schmiss die Tür leicht hinter sich zu. Garret folgte mit etwas Abstand.





„Was sollte das alles? Du konfrontierst sie mit ihrer Vergangenheit wodurch sie noch mehr leidet. Wieso hast du den Tod nicht vorausgesehen?“ „ Ich sehe nur die Zukunft von jemanden, wenn ich ihn vor mit sitzen habe. So groß sind meine Fähigkeiten nun auch wieder nicht. Hör zu. Garret hat nicht gelogen. Die Volturi hatten ihn im Auge. Er war sogar vorgeladen gewesen. Vampire haben ursprünglich keinen Kontakt zu Menschen. Du bist der Einzige den ich kenne, der den Kontakt regelrecht sucht, nur wissen sie, dass sie dir vertrauen können. Hast du jemals erlebt, dass andere so offensichtlich im Kontakt mit Menschen stehen?“ „Nicht wirklich.“ „ Und hier ist der entscheidende Punkt außerdem musste es so geschehen. Ich habe ihre Zukunft gesehen und ich sehe auch deine Zukunft.“ „ Meine Zukunft interessiert mich nicht mehr.“ „ Ist das so? Ich weiß, dass du mich damals regelrecht aufgesucht hast. Ich habe sie gesehen.“ „Du hast selbst einmal gesagt, dass sich die Zukunft immer ändern kann.“ „ Höre mir mal zu. Wäre ihr Vater nicht gestorben wäre sie niemals nach Forks gekommen. Sie wäre in Seattle geblieben. Sie hätte niemals Schmerz in ihrem Leben kennengelernt. Sie hätte nie den Drang gespürt die Großstadt zu verlassen. Ayden wäre nie ihre beste Freundin geworden und Jasper wäre demnach auch nicht mit Ayden zusammengekommen. Du hättest sie niemals kennengelernt.“ „Wenn ich gewusst hätte, dass sie Teil meiner Zukunft ist, hätte ich sie gefunden.“ „ Und? Denkst du ihr Vater hätte diese Beziehung zugelassen oder lass es mich anders ausdrücken. Sie hätte niemals den Drang verspürt sich nach einem älteren Partner zu sehnen. Cindys Schicksal ist mit eurem Schicksal verknüpft. Oftmals sind es die leidenden Personen, die den wahren Wandel der Zeit bestimmen. Gewöhnliche Menschen findest du an jeder Straßenecke. Schau dir ihre Zukunft an. Es tut sich nicht viel. Schau dir nun die Zukunft einer geschundenen Seele an. Wenn sie stark genug ist, bringt sie wahren Wandel mit sich wenn nicht …“ „  Mit anderen Worten willst du mir sagen, wenn sie zu schwach gewesen wäre, dass sie sich umgebracht hätte?“ Magda zuckte mit den Schultern. „Willst du deine Zukunft hören?“ „ Nein. Ich habe keinen Grund sie zu hören. Ich lasse das Leben passieren. Mir ist nur wichtig, dass ich Cindy in Sicherheit weiß.“ „ Ihre Zukunft ist düster. Sie wird leiden und an ihre Grenzen kommen. Wenn sie will, kannst du bei ihrer Sitzung gerne dabei sein. Wir können sie reinholen wenn du magst. Ich bin fertig.“ Carlisle atmete tief ein und stand auf um Cindy zu holen. „Kommst du?“ Cindy erhob sich sprachlos von der Couch und ging auf ihn zu. „Ich habe Angst“, flüsterte sie leise. Carlisle streichelte ihre Wange, was sie zum Lächeln brachte. „Nimm Platz.“ Cindy setzte sich Magda gegenüber. „Bevor wir anfangen, frage ich dich nun ob du mit der Anwesenheit von Carlisle einverstanden bist. Wenn nicht kann er auch gehen.“ „ Er soll bleiben. Ich habe keine Geheimnisse vor ihm.“ Cindy lächelte ihm zu was er erwiderte. Carlisle setzte sich wieder zu ihr. Gebannt starrten sie in die Kugel, die leicht zu schimmern begann. Magda schloss konzentriert ihre Augen. Cindys Herz schlug schnell. Sie konnte sich wieder etwas beruhigen, war innerlich aber immer noch aufgewühlt. „Ich sage dir das gleiche wie zu Ayden auch. Ich sehe viel aber ich werde dir nicht alles verraten. Nur einige Schlüsselpunkte.“ „Okay.“ „Ich sehe ein Spiel mit dem Feuer. Ein Flirt … vielleicht auch eine Beziehung aber du sträubst dich anfangs. Etwas blockiert euch beide.“ Cindy runzelte leicht die Stirn. Sie war von dem Schimmern der Kugel völlig abgelenkt. Ihre Augen wurden schwer. „Dann kommt Dunkelheit. Ich sehe Angst und Trauer. Ein Gespräch kommt auf dich zu. Wieder sträubst du dich, was dich in große Schwierigkeiten bringen kann und doch … brennt das Feuer in deiner Seele. Beide Parteien scheinen verängstigt. Beide sind stur und sehr machtvoll.“ „Was bedeutet das?“, hinterfragte Carlisle. „Ich kann dir keine Antwort darauf geben, da es ihre Zukunft ist.“ „Kannst du mir wenigstens sagen ob du die Volturi siehst?“ „ Ich kann dir keine Antwort darauf geben.“ „Du sprichst immer nur von Trauer und Dunkelheit. Gibt es nicht auch positives?“ „ Oh doch, das gibt es. Ich sehe einen wunderbaren Urlaub. Das Meer rauscht und ich sehe sehr viel Erholung und Kraft. Auch Zwischendurch wird es immer mal wieder Momente geben, die einladen um Kraft zu tanken. Es ist nicht alles schlecht. Wie gesagt, nenne ich die wichtigsten Schlüsselpunkte die entscheidend sind. Sie sind der Wendepunkt.“ „Sind wir dann fertig?“ „Wenn du nichts mehr hören willst?“ „Nein danke. Ich habe genug gehört. Danke dafür. Ich lege mich nun wieder ins Bett.“ Noch bevor die Sitzung beendet werden konnte, stand Cindy auf. Carlisle sah ihr nach.





„Sie ist ein gutes Kind. Pass bitte gut auf sie auf.“ „Das weiß ich. Ich würde sie mit meinem Leben beschützen.“ „ Das musst du vielleicht auch. Je nachdem wie sich ihre Zukunft wandelt und sie sich entscheidet. Du hast dir eine schwierige Person für dein Leben ausgesucht.“ „ Sie braucht mich. Ich weiß, dass ich ihr helfen kann.“ „ Das bezweifle ich auch nicht. Ich finde eure Bindung nur sehr interessant. Dieses Vater Tochter Ding.“ „Wie meinst du das?“ „ So wie ich es sage. Euch trennen so viele Jahre. Du könntest wirklich ihr Vater sein. Ich weiß, dass die Menschen viel reden aber ihr habt es euch so ausgewählt und müsst es nun akzeptieren.“ Carlisle deutete ein Nicken an und verließ den Raum. Als er den Wohnbereich betrat, saßen Jasper und Ayden gemütlich auf der Couch und schauten Fernsehen. Carlisle lächelte zufrieden. Es freute ihn Jasper glücklich zusehen. „Habt ihr gesehen wo Cindy hingegangen ist?“ „ Ich glaube nach oben“, antwortete Jasper. „Ist alles okay?“ „ Mehr oder weniger. Was ist mit Garret?“ „ Er ist weggefahren“, äußerte sich Ayden. „ Er kommt auch so schnell nicht wieder“, fügte Jasper hinzu. „Vielleicht besser so.“ Schnellen Schritts begab Carlisle sich nach oben. Als Magda die Winterterrasse verließ, stand Ayden auf. „Ich wollte mich jetzt nur von euch verabschieden. Bis nach Silverdale ist es noch ein Stückchen Weg.“ „ Danke, dass du da warst.“ „Gerne Kindchen. Pass mir gut auf deine Freundin auf. Wir haben viel über die Vergangenheit gesprochen. Sie braucht nun Ruhe und etwas Ablenkung würde ihr nicht schaden.“ „ Keine Sorge. Ich werde für sie da sein.“ Magda lächelte zufrieden. „Macht´s gut und passt auf euch auf.“ Ayden sah ihr nach. So unerwartet wie sie gekommen war, so unerwartet ging sie auch schon wieder. „Es hat seine guten und schlechten Seiten.“ „ Wie meinst du das?“ „ Ich würde meine Zukunft nicht wissen wollen.“ „ Aber du hast sie doch damals selber aufgesucht.“  „Ja aber das war eine Ausnahmesituation. Möchtest du alles wissen was in deinem Leben passiert?“ Ayden schüttelte den Kopf. „Eigentlich nicht. Ich bin zufrieden wenn ich ein paar Anhaltspunkte bekomme.“ Sie begab sich wieder zur Couch, wo Jasper ihr einen flüchtigen Kuss aufdrückte. „Weißt du wo ich mein Handy habe?“ „ Ich glaube, dass liegt oben.“ „ Okay danke.“ Ayden huschte ebenfalls nach oben. Sie wartete noch auf einen Anruf ihrer Eltern. Ein Ritual was sie jedes Jahr am Neujahrstag abhielten. Als sie in Jaspers Zimmer war, fand sie ihr Handy auf der Nachttischkommode. Hastig griff sie danach. Im selben Moment klackte etwas an der Scheibe. Ayden bekam dies anfangs gar nicht mit. Erst als das Geräusch alle paar Sekunden auftauchte. Als sie zur großen Fensterfront trat und nach unten schaute, erkannte sie Lucan. Verwundert schaute sie ihn an. Lucan winkte mit seinem Arm und rannte ums Haus. Ayden begab sich daraufhin sofort nach draußen. „Was suchst du hier?“, fragte sie verwundert, als sie ihm hinter dem Haus traf. „Ich muss mit dir reden.“ „ Worüber?“ „ Über deine Angreifer.“ Ayden machte große Augen und folgte ihm. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen. „Was habt ihr herausgefunden?“ Obwohl Minusgrade herrschten war Lucan knapp bekleidet. „Mia ist noch dran. Sie möchte mehr über Dennis erfahren.“ „ Und wieso rufst du mich dann?“ „Weil dies nur ein winziger Teil ist. Dennis sitzt noch immer in Haft und er macht keine Anstalten zu reden. Er tut auf unwissend und will nicht verraten wer ihn beauftragt hat.“ „ Und was hilft mir das nun?“ „Lass mich doch bitte ausreden. Wir haben eine Vermutung auch wenn sie nicht gerade plausibel klingt.“ „ Und wie lautet diese Vermutung?“ Lucan kam zum Stehen und hob etwas Schnee auf um einen Schneeball zu formen. Ayden beobachtete ihn aufmerksam. „Reah kommt bald zurück.“ Etwas irritiert schaute sie ihn an. Wieso dieser rasche Themawechsel. „Moment mal! Du wirfst kleine Steinchen gegen das Fenster, lockst mich nach draußen um mir zu sagen, dass Reah bald zurück ist. Willst mir aber nicht so wirklich verraten was bei mir nun raus kommt. Was meine Angreifer betrifft. Ich finde es eigentlich schon ziemlich beängstigend dass ihr mehr herausfindet und mehr wisst als die Polizei. Sie sollte sich um den Fall kümmern.“ „ Ich weiß, dass Billy nicht gut auf dich zu reden ist. Du weißt warum.“ „Was hat Billy nun damit zu tun?“ „ Er hat rein gar nichts mit dieser ganzen Geschichte zu tun. Ich wollte dir damit nur sagen, dass du zur Familie gehörst. Deine Eltern waren immer gern gesehene Gäste und du warst immer dabei. Ich kenne dich schon als Baby. Du bist zu einer wunderschönen Frau geworden.“ Aydens Blicke wurden immer fragwürdiger. „Sag mir doch einfach was ihr herausgefunden habt. Wieso rückst du nicht einfach mit der Sprache raus?“ Lucan formte erneut einen Schneeball um diesen mit voller Kraft gegen eine verschneite Kiefer zu werfen. Er wirkte angespannt. „Wie gesagt, wir haben nicht genug Beweise für diese Anschuldigung und am besten wäre es, wenn du es selbst herausfindest.“ „ Wie denn?“ „ Mia möchte, dass du zusammen mit Cindy zur Schlittschuhbahn kommst. Nächsten Freitag.“ Nun verstand Ayden gar nichts mehr. „Willst du mich jetzt verarschen?“ „ Nein! Wir stellen der Person eine Falle und wir brauchen euch dazu. Bitte.“ „ Na schön. Ich weiß ja nicht wie lange wir Vorlesungen haben aber schön. Ich bin dabei.“ Lucan schien erleichtert und sichtlich zufrieden. „Mia wird sich bei dir melden.“ Ayden vergrub ihre Hände in der Jackentasche und trat etwas zurück. Lucan machte einen gewaltigen Satz nach vorne und verwandelte sich. Ayden lächelte. Dies war für sie alles noch neu. „Mach´s gut, Lucan.“ Ein helles Heulen ertönte und schon verschwand er im verschneiten Dickicht des Waldes.
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